Florentin Vesenbeckh
· 23.10.2026
Hand aufs Herz: Wer hat auf diesem Bild sofort die neue Laufradgröße erkannt? Optisch sticht das revolutionäre Konzept gar nicht so drastisch heraus. Mit geschultem Blick zeigt sich die Besonderheit im Vorderrad aber deutlich: Das gelb-blaue Cube Fritzz Racebike von Zakarias Johansen kombiniert ein 30,5-Zoll-Laufrad an der Front mit einem 29er am Heck. Ein Ansatz, der Schule machen könnte und auch Abseits des Rennsports eine Berechtigung hat? Wir haben uns den Sonderaufbau genauer angeschaut.
Den Hintergrund zur neuen Laufraddimension haben wir bereits im Artikel 30,5 Zoll: Neue Laufradgröße für Mountainbikes im Anmarsch beleuchtet. Hier geht es um das Bike selbst: Wie ist der Super-Mullet-Aufbau umgesetzt, und welche technischen Besonderheiten sind daran zu entdecken? Schon das Serienbike des neuen Cube Fritzz hatte mit seinem schicken Carbon-Chassis und erhöhtem Drehpunkt samt Kettenumlenkung für Aufsehen gesorgt.
Das Mullet-Konzept hat an E-Bikes und Enduro-Mountainbikes richtig eingeschlagen: Vorne sorgt ein großes Laufrad für gutes Überrollverhalten und viel Laufruhe, am Hinterrad bringt ein kleineres Maß mehr Agilität und Bewegungsfreiheit. Im Markt etabliert haben sich Mullet-Konfigurationen mit 29er-Vorderrad und 27,5 Zoll im Heck. Genau so konnten wir auch das Cube Fritzz Super TM im Serientrimm testen. Die neue Kombi am Cube-Racebike kann man also als “Super-Mullet” bezeichnen. Vorne die neue Zwischengröße 30,5 Zoll, hinten 29 Zoll. Für das Cube Action Team der logische Schritt auf der Suche nach dem schnellstmöglichen Race-Bike für Enduro.
Das neue Cube Fritzz mit hohem Drehpunkt am Hinterbau, das wir auch schon ausführlich testen konnten, liefert die Grundlage für das experimentelle Race-Setup. In der Serie wird das Fritzz als klassisches Mullet ausgeliefert. Doch ein längeres Ausfallende für ein 29er-Laufrad im Heck ist schon am Serienbike vorgesehen. Um das große Hinterrad im Bike zu platzieren, mussten die Team-Mechaniker also keine Tricks anwenden. Beim 30,5er-Vorderrad sieht das schon anders aus. Denn langhubige Gabeln für die neuen Laufradgrößen 32 und 30,5 Zoll gibt es aktuell noch nicht.
Typischerweise bieten Upsidedown-Gabeln mehr Reserven für solche Fälle. Die Lösug ist also naheliegend: Eine Fox Podium für 29-Zöller, im Federweg leicht gekürzt. Statt 170 Millimetern Hub liefert die Forke noch rund 155 bis 160 Millimeter und damit genug Freiraum für das größere Laufrad. “Den etwas kürzeren Federweg macht das größere Laufrad in Sachen Schluckvermögen locker wett”, argumentiert Teamchef Caus Wachsmann vom Cube Action Team.
Als Vorderreifen ist ein Magic Mary von Schwalbe verbaut. Ein Prototyp und laut Wachsmann der aktuell einzige Enduro-Reifen in diesem Maß. Nur wenige Modelle stehen dem Team aktuell für Tests zur Verfügung. Das gilt auch für die Laufräder von Newmen. Ebenfalls Prototypen. Die Allgäuer Firma hatte sich früh in der Forschung zu großen 32-Zoll-Laufrädern engagiert und auch eine umfangreiche Studie angelegt, die wir in einem separaten Artikel zusammengefasst haben. Auch bei der Entwicklung von 30,5er-Komponenten ist Newmen offensichtlich vorne mit dabei.
Das Vorderrad kommt mit 32 Speichen - so sind auch die 29er-Vorderräder des Teams bestückt. Mehr Speichen zu Gunsten einer höheren Steifigkeit scheinen aktuell also nicht Stand der Technik zu sein. Auch bei der Flanschbreite scheinen die Laufräder auf klassische Maße zu setzen. Beide Themen, sowohl Speichenanzahl, als auch Flanschbreite hatte Newmen in seiner 32-Zoll-Studi diskutiert und eingeordnet, um die nachweislich geringere Steifigkeit von 32er-Laufrädern auszugleichen.
Auffällig: Johansen hat die Spacer unter dem Vorbau komplett nach oben gesetzt, um der höheren Front durch das größere Vorderrad entgegenzuwirken. Der Lenker hat aber einen deutlichen Rise. Der Kampf gegen ein zu hohes Cockpit scheint bei der 30,5er-Größe also deutlich entspannter, als bei 32-Zoll-Laufrädern.
Zur Enduro-Weltmeisterschaft war nur das Bike von Zakarias Johansen mit dem großen Vorderrad ausgestattet. Der Schwede ist mit 184 cm groß, hier macht das Konzept besonders Sinn. Doch über den Winter soll das komplette Team mit dem Prototypen-Material ausgestattet werden. Im Cube Action Team ist man sich schon nach den ersten Tests sicher, dass das große Vorderrad relevant Vorteile bringen kann. 32 Zoll sei im Gravity-Bereich hingegen erstmal kein großes Thema. Zu wenig kompatible Produkte, zu viele Probleme mit Steifigkeit und Stabilität. Ob und wann die neue Laufradgröße 30,5 Zoll an Serienmountainbikes zu sehen sein wird, bleibt erstmal völlig offen.
Was sagt ihr zum Cube Fritzz mit großem Vorderrad? Wird sich 30,5 Zoll durchsetzen? Diskutiert mit in unserer Kommentarspalte.

Redakteur CvD
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