Jan Timmermann
· 29.06.2026
In Deutschland hat die Marktbedeutung von Mountainbikes ohne Motor über die letzten Jahre drastisch abgenommen. Auch auf den Fachbesucher-Tagen der Eurobike-Messe war dies wieder einmal nicht zu übersehen. Zwischen all den neuen E-Antrieben gibt es sie aber noch: Schöne, faszinierende, krasse und günstige Mountainbikes. Dieser Artikel ist garantiert E-Bike frei und zeigt ausschließlich die MTB-Highlights der Eurobike 2026.
Mit dem Tracker FS bringt Nukeproof ein preislich attraktives Enduro-Bike auf den Markt, das auf der bewährten Plattform des erfolgreichen Mega-Modells basiert. Der Aluminiumrahmen übernimmt dessen Geometrie und Hinterbaukinematik, verzichtet jedoch auf einige kostenintensive Details wie die interne Zugverlegung, um einen deutlich günstigeren Verkaufspreis zu ermöglichen. Mit 165 Millimetern Federweg am Heck, einer 170-Millimeter-Gabel, Mullet-Laufradkonfiguration und einer ausgewogenen Enduro-Geometrie richtet sich das Tracker FS an Fahrer, die viel Federweg zu einem kleinen Preis suchen. Abgerundet wird der attraktive Deal durch eine lebenslange, sogar auf Zweitbesitzer übertragbare Garantie.
Bereits auf der letztjährigen Eurobike verdrehte die junge Marke Stabelead allen den Kopf. Hinter dem Label steckt ein Spin-Off eines Unternehmens aus der Foto- und Filmindustrie. Ziel ist es durch Technologietransfer innovative Ansätze auf das Mountainbike zu übertragen. Dabei lässt Stabelead kein einziges Bauteil aus. Rahmen, Upsidedown-Federgabel, Carbon-Dämpfer, Scheibenbremsen und Anbauteile: Alles wird als Prototyp ausgestellt, nichts davon kann man bislang kaufen. Auf der Eurobike 2026 zeigt Stabelead einen abgefahrenen Downhill-Prototypen.
Raymon machte bislang vor allem mit neuen E-Bikes rund um innovative Motorenkonzepte von sich Reden. In der hintersten Ecke des Messestands waren aber auch zwei neue Mountainbikes ohne Motor zu entdecken. Neben einem Enduro-Fully wird es von Raymon zukünftig auch ein Race-Hardtail mit Carbon-Rahmen geben. Das Topmodell des Arid Ultra geht für 4599 Euro über die Ladentheke und kommt neben einer elektronischen Shimano XT Di2 Schaltung mit einer Fox 32 Factory Gabel und 100 Millimetern Federweg. Die starre Stütze, die Laufräder und das einteilige Cockpit bestehen ebenfalls aus Carbon und kommen von der Eigenmarke.
Das True BC Knuth ist ein außergewöhnliches Trail- und All-Mountain-Bike aus deutscher Handarbeit. Der Carbonrahmen wird in Bayern von True-BC-Gründer Dominik Heinstein selbst laminiert und kombiniert einen modernen High-Pivot-Hinterbau mit Kettenumlenkung, 135 Millimeter Federweg am Heck sowie ein Mullet-Laufradkonzept mit 29-Zoll-Vorderrad und 27,5-Zoll-Hinterrad. Mit einem Rahmengewicht von rund 2,7 Kilogramm, einer integrierten Eightpins-Variostütze und einer auf Agilität sowie Laufruhe ausgelegten Geometrie richtet sich das Knuth an anspruchsvolle Trailfahrer und Individualisten. Die Rahmen lassen sich ab 3499 Euro vorbestellen.
Beim Canyon Lux Era handelt es sich um eine futuristische Cross-Country-Studie, mit der Canyon die Grenzen moderner XC-Bikes auslotet. Der Prototyp setzt auf große 32-Zoll-Laufräder, eine Upside-down-Federgabel und ein auffälliges Doppeldecker-Cockpit, das zusätzliche Griffpositionen für eine besonders aerodynamische Fahrhaltung bietet. Hintergrund ist die steigende Geschwindigkeit im Cross-Country-Sport, bei dem Aerodynamik zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ergänzt wird das Konzept durch ein integriertes Display im Steuerrohrbereich und eine auf minimale Luftwiderstände ausgelegte Rahmen- und Gabelgestaltung. Aktuell wird das Lux Era von Canyon mit Athleten und im Windkanal getestet und dient als Technologieträger für mögliche Entwicklungen zukünftiger XC-Racebikes.
Oggi Bikes dürften in Deutschland den wenigsten Mountainbikern ein Begriff sein. Auf der Eurobike in Frankfurt präsentieren die Brasilianer ein spannend aussehendes neues Cross Country Fully, über das bislang nur wenige Details bekannt sind. Offensichtlich nutzt das Bike ein 120 Millimeter Fahrwerk mit Rockshox SID Ultimate Flight Attendant Komponenten und bietet ein Staufach im Unterrohr des Carbonrahmens.
Ein britisches Trail-Hardtail mit Oldschool-Lackierung muss man einfach feiern. Orange Bikes zeigt auf der Eurobike nur den Alu-Rahmen des Clockwork-Modells. Dieser wurde im Vergleich zu seinem Vorgänger aber offensichtlich stark überarbeitet und mutet nun deutlich moderner an. Das Orange Clockwork Hardtail setzt auf 130 Millimeter Federweg und 29 Zoll Laufräder.
Mir persönlich ist es wichtig, dass spannende MTB-Neuheiten im wilden E-Bike-Trubel nicht untergehen. Anders als zum Beispiel auf der Cyclingworld in Düsseldorf, liegt der Produkt-Schwerpunkt der Eurobike auch in diesem Jahr klar auf Bikes mit Motor. Vom Carbon-Hardtail bis zum innovativen Enduro dürfen sich aber auch die Fans klassischer Mountainbikes auf tolle neue Produkte freuen. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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