Adrian Kaether
· 18.08.2026
Leicht und günstig setzt das Singlespeed-Canyon Maßstäbe für sportive Radler, die trotzdem im Alltag und zum Pendeln ein E-Bike wollen. Auch wer sein E-Bike in die Wohnung tragen muss, wird hier fündig. Richtig alltagstauglich ist das Rad aber erst mit optionalem Schutzblech und Gepäckträger. Die Reifen geraten ab Werk grenzwertig schmal.
| Gewicht | 14.9 kg |
| Motor | Bosch Hub Line |
| Akku | Bosch Power Tube 360 Wh |
Der Name Roadlite:On CF verrät es schon: Canyon denkt das leichte E-Bike als Alltagsmobil und Zweitrad für diejenigen, die ohnehin schon ein Rennrad im Keller haben. Das Roadlite:On soll deswegen sportlich und stylish aussehen, kaum als E-Bike auffallen und trotzdem nicht zu teuer sein. Wer in Sachen Leichtbau bei Canyon alle Register ziehen will, kann schließlich schon auf das wesentlich teurere Endurace:On fly (hier im Test) zurückgreifen.
Zurück zum Roadlite:On das gegen den sportiven Bruder doch eher ein Alltagsrad mit schicker Sport-Optik ist. Serienmäßig kommt das Roadlite:On mit 35 Millimeter schmalen Conti GP Urban Reifen mit Semislick-Profil. Breit für Rennrad-Verhältnisse aber für ein urbanes E-Bike ganz schön schmal. An unserem Testrad waren breitere 45 Millimeter Gravel Pneus montiert – selbst damit ist der Komfort überschaubar. Offiziell ist das Rad nur für 40 Millimeter Reifen freigegeben. Da hätte sich Canyon ruhig etwas mehr gönnen können.
Dafür kann der sportliche Koblenzer in vielen anderen Disziplinen punkten. Das Rad lenkt mit breitem Carboncockpit sportlich und direkt ein und lässt sich sehr leichtfüßig über 25 km/h treten. So gut kann das kaum ein anderes E-Bike in dieser Preisklasse. Der wartungsarme Riemen begünstigt stressfreies Fahren im Alltag und minimiert Fahrgeräusche. Die Singlespeed-Übersetzung ist stramm, für das Canyon aber perfekt gewählt. Im sportlichen Tritt sind trotz Singlespeed etwa 30 km/h möglich. Um 25 km/h pendelt man auf dem Canyon angenehm mit 75 Kurbelumdrehungen die Minute.
Richtig gehört: Das Canyon hat keine Gangschaltung. Das schränkt den Einsatzbereich etwas ein, spart aber Gewicht und reduziert die Verschleißteile. Anfahren ohne Motor und im Sitzen fällt mit der strammen Übersetzung des Canyon an sich etwas schwer. Mit Motor und erst recht im Wiegetritt ist der Ampelstart aber überhaupt kein Problem. Das gilt auch deswegen, weil der Hub Line Nabenmotor das Rad separat vom Antriebsstrang vorwärts schiebt. Er “kämpft” also nicht gegen die dicke Übersetzung und kann deswegen an einem Singlespeed E-Bike besonders punkten. Dieses Phänomen hilft dem Canyon auch an steilen Anstiegen. Als Bergziege ist der Cityflitzer zwar nicht konzipiert. Aber wer die Motorleistung auf Turbo dreht, schafft auch mal Rampen bis rund 10 Prozent Steigung, bei dann allerdings erhöhtem Akkuverbrauch.
A propos Motorpower: Canyon verbaut im Roadlite:On den neuen Hub Line. Das ist der erste Nabenmotor im Bosch-Portfolio. Das kompakte Antrieb ist vollständig in das Bosch System eingebunden. Er kann also prinzipiell alle Bosch Akkus, den Range Extender Power More (hier im Test), die Flow App und auch alle Displays nutzen. Werkstätten für den Service gibt es an jeder Ecke. Gerade das macht den Bosch gegenüber der exotischeren Konkurrenz à la Mahle und Bafang attraktiv.
Leistung liefert der Bosch Hub Line auch mit nominell nur 45 Newtonmetern souverän. Leider ist das Fahrgefühl gerade bei hoher Unterstützung wenig direkt und der Motor ist bei eingeschalteter Unterstützung immer deutlich zu hören. Das fällt gerade beim Pendeln um 25 km/h auf. Angesichts der gelungenen Mittelmotoren von Bosch hatten wir uns da etwas mehr versprochen. Die Reichweite ist beim Canyon sehr von Topographie und Fahrprofil abhängig. Im Flachen bei konstanter Fahrt reicht der Eco Modus gut aus. Dann sind mit 360 Wh auch 90 Kilometer Reichweite realistisch. Auf welliger Strecke braucht man häufig den Turbo und der Aktionsradius schrumpft auf die Hälfte zusammen.
Auch beim Gewicht setzt der Hub Line keine Bestmarken, dürfte dafür aber bei Preis-Leistung punkten. In Summe ist das Canyon nämlich für ein Vollcarbon-E-Bike mit Licht und Riemen-Antrieb angenehm günstig. Mit knapp 15 Kilogramm kann man das Rad gut über ein paar Stufen tragen. Den Knick im Oberrohr hat Canyon von den Cyclocross Modellen wie dem Inflite entlehnt, damit man sich das Rad komfortabler über die Schulter hängen kann.
Diebstahlschutz per GPS Tracking gibt's dank ab Werk verbautem Bosch Connect Modul zumindest mit optionalem Bosch Flow+ Abo. Speziell für das Rad hat Canyon eigene Schutzbleche und Gepäckträger entwickelt. Sie sind im Alltagseinsatz unverzichtbar, kosten aber extra. Spannend: Canyon hat das Roadlite:On CF auf der Eurobike auch mit V2X System zur Vermeidung von Unfällen im Straßenverkehr gezeigt. Diese Variante ist aktuell noch Zukunftsmusik, würde das Rad bei dem erwarteten Aufpreis von wenigen hundert Euro für den urbanen Einsatz aber nochmal interessanter machen.

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