Wenn man mit dem Rennrad auch mal über einen Feldweg brettern wollte, war noch vor zehn Jahren ein Cyclocrosser erste Wahl. Weil die Interessensgemeinschaft dafür damals wie heute groß war, hatte fast jeder Radhersteller eines im Programm. Viele waren alltagstauglich hergerichtet, mit breiten Übersetzungen, komfortablen Geometrien und Vorbereitungen für Schutzbleche und Gepäckträger.
Das waren im Grunde Vorläufer heutiger Gravelbikes, die mit den Wettkampfgeräten der Profis bis auf Namen und Reifen wenig gemein hatten. Insofern ist das Gravelbike als Kategorie schon ein Gewinn, weil es bessere Orientierung im Markt bietet. Das Cyclocross-Rennrad rutschte zurück in seine Wettkampfnische, die heute nur noch wenige Hersteller überhaupt bedienen.
Einer davon ist Canyon aus Koblenz, der den achtfachen Querfeldein-Weltmeister Mathieu van der Poel als besonders prominenten Crossprofi mit dem Inflite ausstattet. Mit Blick auf die Laborwerte macht das Rad alles richtig: Es ist leicht, ausreichend steif und komfortabel, besonders die leichten Laufräder stechen heraus; es wiegt 800 Gramm weniger als das gleich teure Giant Gravelbike Revolt, das wir im Rahmen unseres Allroad Tests zum Vergleich gefahren sind.
Die Note von 1,8 in unserem Schwestermagazin TOUR ist für ein Rad mit der günstigen Komponentengruppe Sram Rival sensationell gut. Aktuell (Sommer 2026) gibt’s das Rad noch dafür mit 30 Prozent Rabatt zu ergattern. Schon auf den ersten Metern wird aber klar, wie sehr sich das Konzept des Inflite von klassischen Gravel-Konkurrenten unterscheidet. Die Sitzposition ist beim Canyon ausgesprochen sportlich, die Lenkung reagiert spontan auf jede kleinste Bewegung.
Das ist auf engen und technischen Kursen von Vorteil und macht auf Anhieb Spaß. Auf gemütlichen Touren mit längeren Geradeauspassagen jedoch wird die Lust bald zur Last und das nervöse Fahrverhalten nervt auf Dauer. Auch grobes Geläuf erfordert viel Konzentration und gut zupackende Hände, weil sich das Rad von jedem Kiesel aus der Spur bringen lässt.
Die vom Cyclocross Reglement in der Breite begrenzten Reifen in 33 Millimeter wirken für heutige Verhältnisse im Gelände fast absurd schmal; der hohe Druck, der nötig ist, um Durchschläge zu verhindern, ist der Fahrsicherheit nicht zuträglich. Viele moderne Gravelbikes mit um 50 Millimeter breiten Reifen sind da deutlich souveräner unterwegs. Auch bei hohem Tempo auf der Straße fehlt dem Inflite die Laufruhe. In schnell gefahrenen Kurven macht sich der hohe Schwerpunkt bemerkbar – das Tretlager sitzt fast zwei Zentimeter höher als die Allroad- und Gravel-Konkurrenz von Giant und Parlee (hier im Test), um Bodenkontakt mit Kurbeln und Kettenblatt zu vermeiden.
Das klingt nach Gemecker, doch ist das Canyon ein exzellentes Rad – für den Zweck, für den es bestimmt ist. Dann passt auch die Übersetzung mit Einfach-Kurbel und Rennrad-Kassette, die nur einen schmalen Geschwindigkeitsbereich abdeckt, darin aber sehr fein abgestimmt ist. Leichte Berggänge und schnelle Rollergänge fehlen komplett, was die Tauglichkeit für Tourenfahrten enorm einschränkt. Dass Befestigungsösen für Schutzbleche oder Gepäck ebenso fehlen, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Das alles wird Cyclocross-Enthusiasten weniger stören als vielmehr freuen, ebenso wie der markante Knick im Oberrohr, der mehr als nur Wiedererkennungswert hat. Er ist gezielt so geformt, damit sich das Rad gut schultern und tragen lässt, wenn es zu Fuß über Hindernisse wie Treppen oder Barrieren geht. Dass das Crossrad vom Gravelbike so gründlich verdrängt wurde, hat damit auch etwas Gutes: Nie waren Querfeldeinräder so gut auf ihre Disziplin abgestimmt wie heute
Das R5 CX wurde für und mit dem dreimaligen Cross-Weltmeister Wout van Aert entwickelt, beeindruckt mit wenig Gewicht und spielerischem Handling. Der Kundenkreis wird jedoch schon wegen des Preises überschaubar bleiben: Die günstigste Variante mit SRAM Force AXS kostet bereits fast 10.000 Euro.
Cube ist einer der wenigen Hersteller, die noch eine breite Palette an Crossern anbieten, darunter auch günstige Modelle. Das Cross Race gibt es in sechs Varianten und zwei Carbonqualitäten von 2499 Euro bis 6499 Euro >> hier erhältlich.
Im Sommer 2026 hat Stevens den Crosser mit leichterem Carbon-Rahmen und frischen Parts neu aufgelegt und bekennt sich damit weiter konsequent zum Querfeldein-Segment. In dem Rad steckt jede Menge Cross-Erfahrung der Hamburger. Zwei Varianten für 3399 oder 4399 werden angeboten. Das Rahmen-Set kostet 2499 Euro. Mit dem Vapor ist zudem ein Alu-Crosser im Portfolio, der schon ab 1999 Euro zu haben ist.

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