Bosch Hub Line im TestSo fährt sich der neue Bosch-Motor

Adrian Kaether

 · 24.07.2026

Der Hub Line ist der neue Nabenmotor von Bosch und schlank im Hinterrad integriert.
Foto: Wolfgang Papp
Das kam unerwartet. Ausgerechnet Bosch macht jetzt auch Nabenmotoren? Wir konnten den neuen Hub Line schon fahren. So steht es um Fahrgefühl, Reichweite und Soft Skills des neuen Mini-Motors.

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Bike-Fazit zum Bosch Hub Line

Der Hub Line ist eine sinnvolle und vermutlich preisattraktive Ergänzung des Bosch Portfolios. Er funktioniert solide und bietet eine hohe Spitzenleistung, gute Reichweite und wenig Tretwiderstand, vor allem das ausgereifte Bosch Ökosystem macht ihn attraktiv. Gemessen an den tollen Mittelmotoren von Bosch hätten wir uns bei Fahrgefühl und Geräuschkulisse aber noch mehr versprochen. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Warum ein Nabenmotor?

Während sich in der Welt der Mittelmotoren die Hersteller mit immer wilderen Leistungsdaten und immer innovativerer Technik - Stichwort Gobao und Avinox eCVT - ein Wettrüsten par excellence liefern, geht ausgerechnet Bosch den umgekehrten Weg.

Wie keine andere Firma stand Bosch eBike Systems lange Synonym für den Mittelmotor. Jetzt ergänzen die Schwaben ihre Produktpalette erstmals um einen Motor in der Hinterradnabe, den Hub Line. Warum? Das wird natürlich so genau nicht verraten. Unsere Vermutung: Nabenmotoren sind eben an bestimmten Rädern doch gefragt. Sie fallen optisch wenig auf und sind leichter zu integrieren und vermutlich auch günstiger als zum Beispiel Boschs sportiver Light Motor Performance Line SX (hier im Test).

Bis zu 45 Nm bei 2,3 Kilo: Die Fakten

Typisch Nabenmotor: Der Bosch Hub Line liefert nur ein überschaubares Drehmoment aber eine recht hohe Spitzenleistung. Das Gewicht ist marktüblich und ungefähr auf einem Niveau mit günstigen Nabenmotoren wie den verbreiteten Varianten von Bafang. Edle Nabenmotoren an sportiven Gravelbikes wie der X.20 von Mahle stechen den Bosch bei Gewicht und Drehmoment deutlich aus, bringen dafür aber weniger Spitzenleistung. Hier die Fakten zum Hub Line im Überblick:

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  • ​Max. Drehmoment: 45 Nm
  • Max. Leistung: 400 Watt
  • Akkus: meist 360 oder 400 Wh (prinzipiell alle modernen Bosch Akkus möglich)
  • Range Extender: Power More 250 kompatibel
  • Gewicht: ca. 2,3 kg
  • Durchmesser: ca. 100 mm
  • Gehäuse: schwarzes Aluminium
  • Besonderheit: vollständige Entkopplung über 25 km/h
  • Integration: vollständig ins Bosch Smart System eingebunden

Die große Stärke: Einbindung ins Bosch System

Als Teil von Boschs Motorensystem ist auch der Hub Line Nabenmotor voll in die Bosch Welt eingebunden. Das heißt: Prinzipiell funktioniert der Motor mit allen Bosch Akkus und Displays im smarten System. Von der minimalistischen System Controller Mini Remote Lösung bis zum großen Kiox Display.

Über die Bedienteile lässt sich der Motor mit der eBike Flow App verbinden für Navigation, Aktivitäten-Tracking und sogar GPS und Diebstahlschutz. Letzteres braucht aber erstens das zusätzliche Connect Modul und zweitens ein kostenpflichtiges Flow+ Abo für 5 Euro im Monat oder 40 Euro im Jahr. Der Range Extender Powermore 250 (469 Euro) kann ebenfalls mit dem Hub Line Motor kombiniert werden.

Fahrgefühl: Rückenwind statt fitte Beine

Bei den Mittelmotoren ist Bosch trotz des Konkurrenzdrucks durch DJI und Co. in einer Disziplin immer noch ganz vorne mit dabei: Beim Fahrgefühl. Kann man das so auch auf den Hub Line Motor übertragen? Leider nur zum Teil. Grundsätzlich gut ist das schnelle Ansprechen des Motors im Antritt und auch auf Veränderungen im Pedalinput reagiert der Motor ordentlich. Eine deutliche Verzögerung wie bei vielen günstigen Nabenmotoren nahmen wir in der Praxis nicht wahr. Bei ausgeschalteter Unterstützung und über 25 km/h verspricht Bosch ein vollständiges Entkoppeln des Motors und das fühlt sich auch in der Praxis so an.

Allerdings kann auch Boschs Hub Line das generell etwas indirekte Fahrgefühl vieler Nabenmotoren nicht abschütteln. Bei niedriger Unterstützung fällt das noch nicht so stark auf, wer den Auto oder Turbo Modus einlegt, fühlt sich aber eher durch einen starken Rückenwind oder eine unsichtbare Hand angeschoben, als selbst maßgeblich am Vortrieb beteiligt. Das ist bei guten Mittelmotoren auch bei Boschs SX und CX deutlich besser gelöst. Sie binden den Fahrer aktiver ein.

Technisch ist das auch logisch weil der Mittelmotor die Kraft direkt auf die Kette oder den Riemen gibt, während der Heckmotor keine unmittelbare Verbindung zum Antriebsstrang hat. Gut für den Verschleiß von Kette und Riemen, schlecht fürs Fahrgefühl. Wie deutlich man diese Entkopplung beim Hub Line spürt, ist dennoch auffällig. Die hohe Leistung ist dagegen ein klares Plus und stellt sicher, dass dem Hub Line nicht so schnell die Puste ausgeht wie vielen anderen Nabenmotoren. Steile Wege im urbanen Bereich gelingen damit gut, auch wenn die Steigfähigkeit nicht an die eines über eine Kettenschaltung übersetzten Mittelmotors heran reicht.

Reichweite: Besser als gedacht

Auch bei der Reichweite kann der Hub Line punkten, ebenfalls eine traditionelle Stärke von Bosch. Mit unserem zugegeben sehr leichten und schnellen Roadlite:On Testbike von Canyon mit schnellen Gravel Reifen genehmigt sich der Hub Line auf über 50 Kilometern im Stadtbetrieb kaum eine halbe Akkuladung. Das lässt auf mindestens 80, eher 100 Kilometer Reichweite bei mittlerer Unterstützung schließen. Für den kleinen 360er Akku ist das ein exzellenter Wert, zumal das Rad zwar leicht und schnell ist, als Singlespeed dem Motor am Ampelstart aber besonders viel abverlangt.

Leider nicht unhörbar: Die Geräuschkulisse

Das geringe Antriebsgeräusch ist neben der schlanken Optik ein großer Vorteil vieler Nabenmotoren. Leider gehört der Bosch nicht zu dieser attraktiven Flüsterklasse. Der kräftige und offenbar auch effiziente Hub Line säuselt im Betrieb nicht laut aber immer wahrnehmbar, auch bei niedriger Unterstützung. An der 25 km/h Grenze ist das ständige Ein- und Aussteigen des Motors besonders deutlich zu hören und stört das minimalistische Fahrgefühl, auf das viele Urban-Bikes mit Nabenmotoren sonst zielen. Schade: So leise wie der Boschs Top-Motor CX mittlerweile im Fahrbetrieb ist, hätten wir uns hier mehr versprochen.

Bosch Hub Line im Überblick:

Stärken:

  • Einbindung ins Bosch Ökosystem
  • Hohe Spitzenleistung für einen Nabenmotor
  • Entkopplung über 25 km/h

Schwächen:

  • Nicht wirklich leiser als ein Mittelmotor
  • Fahrgefühl systembedingt etwas indirekt

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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