BIKE: Tomas, du warst in Indien unterwegs.
TOMAS SLAVIK: Erst in Indien für einen Urban Downhill, dann fast einen Monat in Kambotscha, Laos und Thailand.
BIKE: Wow, auch mit dem Bike? Nein, ich wurde eingeladen in der TV-Show Asia Express mitzumachen. Es geht in der Abenteuer-Show darum ohne Computer, Handy und sonstiger Unterstützung Aufgaben zu bewältigen. Wir mussten jeden Tag 20 Kilometer laufen mit schweren Rucksäcken – es war herrlich. Ich habe sieben Kilo Körpergewicht abgenommen.
Das klingt ja wie ein Navy Seal Boot camp.
(Lacht) Ja manchmal kam es mir wirklich so vor. Es war verdammt anstrengend.
In Indien warst du bei einem Urban Downhill. Hat das etwas mit der Red Bull Cerro Abajo Serie 2026 zu tun?
Seit drei Jahren bemühen sich die Inder schon um die Aufnahme in die Red Bull Cerro Abajo Serie. Leider noch vergeblich. Für Red Bull ist es Voraussetzung, dass es dort eine aktive Renn-Szene gibt, doch bisher gibt es nur wenige Fahrer, die auf hohem Niveau racen. Leider. Daran ist die Aufnahme bisher gescheitert.
Warum ist es nötig, indische Racer im Rennen zu haben? Warum nicht, ein Cerro Abajo veranstalten und darauf zu setzten, dass das Race eine Begeisterung auslöst und sich die Bike-Community dadurch entwickelt?
Das wäre auch meine Idee, denn die Location und die Abfahrt sind super. Besser geht nicht. Und die Renn-Szene entsteht bereits. Doch Red Bull hat da eigene Vorstellungen. Ich glaube, dass sie ein Rennen ohne indische Beteiligung vielleicht auch aus politischen Gründen nicht wollen.
Hast du am Rennen teilgenommen?
Nein, ich bin zusammen mit Pedro Burns als Coach angereist.
Konntest du Talente entdecken?
Ja, einige. Das Rennen war auch so etwas wie eine Qualifikation. Denn der Gewinner in Indien bekam eine Wild Card für das Cerro Abajo Rennen in Valpariso, Chile, das am 15. Februar stattfindet. Der Sieger kommt aus Kaschmir und heißt Nirav Shrestha (Foto).
Fährt Nirav auf deinem Niveau?
Nirav Shrestha war verdammt schnell. In Trainingsläufen nur ein oder zwei Sekunden langsamer als Pedro und ich. Unsere Hauptaufgabe war es, den Teilnehmern die Dos&Don’ts des Urban-Downhilling beizubringen. Wie man sein Bike abstimmt, welche Strategien man benutzt und wie man in dem Treppen-Irrsinn überlebt.
Du warst auch in Jordanien. Wie sieht es damit aus?
Das war ein einmaliges Film-Projekt, denn die Regierung von Jordanien wollte mit dem Extremsport-Film zeigen, dass Jordanien ein tolles, modernes und vor allem sicheres Land ist. Deswegen haben wir die wunderschöne Stadt Amman in Szene gesetzt.
Stuttgart wird nicht so crazy wie die Rennen in Südamerika. Doch die Location ist super. Ihr könnt ein spektakuläres Rennen erwarten. (Tomas Slavik)
Und wie sieht es dort mit einem richtigen Rennen aus, die Stadt ist an Exotik ja kaum zu überbieten.
Da gebe ich dir Recht. Amman ist toll. Doch die Rennen hängen auch damit zusammen wie stark Red Bull in dem jeweiligen Land ist. Da sieht es in Jordanien nicht so gut aus. Im Gegensatz dazu: Indien. Da ist Red Bull irre stark. Das indische Team ist an Professionalität kaum zu überbieten. Kurzum: Ein Rennen in Indien wird passieren. In Jordanien wird es vielleicht noch da ein oder andere Jahr dauern.
Indien, Jordanien... sehr exotisch. Doch das wichtigste Rennen für uns findet in Deutschland statt: Stuttgart ’26. Mit dabei unser City-Downhill-Ass: Johannes „Fischi“ Fischbach.
Oh ja. Fischi is the Man! Wir zwei sind mittlerweile zwar die Oldies im Fahrerfeld – aber auch die mit der meisten Erfahrung. Ich freue mich jedesmal, wenn Fischi mit am Start ist. Fischi ist zwar der Hauptdarsteller in Stuttgart, doch es gibt noch weitere starke deutsche Fahrer. Erik Emmerich zum Beispiel.
Was erwartest du von der Strecke in Stuttgart?
Stuttgart wird ein cooler Austragungsort. Du kannst einen technischen, spannenden Kurs erwarten – aber kein Valpariso. Stuttgart ist nicht Südamerika mit seinen haarsträubenden Stunts. Und Stuttgart ist auch nicht Genua mit dem großen Höhenunterschied, Topspeed von 70 km/h und der Länge der Strecke. Stuttgart wird mit 130 Höhenmetern Unterschied und 1,2 Kilometern Streckenlänge grob die Hälfte des Genua-Kurses sein.
>Genua: das schnellste Rennen der Welt <
Die Cerro Abajo Rennen haben sich dank Red Bull von einem Freak-Event zu einem Medien-Spektakel entwickelt, das in einem Satz genannt wird mit dem UCI Worldcup, der Red Bull Hardline oder gar der Rampage. Gerade jetzt, wo die Rennen auch in Europa stattfinden. Das Rennen in Genua hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt ...
... oh ja, Genua war der Durchbruch in meinen Augen. Die Wirkung des Rennens war viel höher als ich erwartet hätte. Die ganze Szene wurde hellhörig. Ich darf nicht allzu viel verraten, doch eins ist sicher: Die Cerro Abajo Serie wird viel umfangreicher als sie es jetzt ist – mit vielen spannenden Austragungsorten. Alleine nächste Woche schauen wir uns drei neue Orte an.
Jetzt lass uns über dich sprechen. Du bist der Alltime-Favorite. Letztes Jahr wärst du um ein Haar Gesamtsieger der Serie 2024/25 geworden. Bist du auch 2026 fit genug, um zu gewinnen?
Ha ha, das frage ich mich selbst jedes Jahr. Und das schon seit fünf Jahren. Eins ist klar, ich muss mich viel mehr anstrengen und härter trainieren jetzt, da ich älter bin. Doch ich strenge mich gerne an. Kurzum: körperlich hab’ ich’s drauf. Die Frage ist eher: Bin ich bereit, alles zu riskieren?
Hast du nicht schon immer alles riskiert?
Nein. Früher haben wir alle weniger riskiert. Doch je professioneller die Rennen werden und vor allem: Je mehr Aufmerksamkeit sie bekommen, desto mehr Risiko gehen die Fahrer ein. Das Medieninteresse steigt, dadurch natürlich das Interesse der Sponsoren und das Prestige in der Szene – und schon steht so viel auf dem Spiel, dass die Fahrer alles geben. Viel mehr als früher.
Juanfer Velez war letztes Jahr verletzt, wird er dieses Jahr wieder dabei sein und was erwartest du von ihm?
Juanfer ist der absolute Star. Ich sage immer: Es gibt Juanfer und es gibt uns andere Fahrer. Das fällt mir nicht leicht zu sagen. Doch ich habe auch eine gute Selbstreflexion und da muss ich akzeptieren, dass Juanfer mir überlegen ist. Wenn er seinen Lauf fehlerfrei ins Ziel bringt – was auch ihm schwer fällt, denn er ist ein Heißsporn, der alles riskiert – dann habe ich keine Chance.
Letztes Jahr startete Velez im Worldcup unter dem Namen Munoz. Ich war irritiert. Was steckt da dahinter?
Er heißt mit Nachnamen Velez. Hat aber insgesamt fünf Namen. Aber die UCI mit ihrem Regelbuch hat da spezielle Anforderungen und da stand dann Munoz. Ja, die Südamerikaner haben zu viele Namen (lacht).
Wenn wir schon über Irritationen sprechen. Ich war irritiert, welche Stopps die Cerro Abajo Serie 2026 nun hat, denn Genua 2025 zählt zur 2026er Serie. Ist das nicht komisch, zumal es 2026 auch ein Rennen in Genua gibt.
Darauf habe ich auch keine Antwort, warum die 2026er-Saison schon 2025 startet. In meinen Augen wäre es klarer, wenn alle in einem Jahr zählen, ohne Überlappungen. Dieses Jahr wird das Finale in Stuttgart stattfinden und das Race in Genua zählt dann wieder in die nächste Saison. So ist es nun mal.