Dimitri Lehner
· 28.02.2025
Doch weitere Stopps sind im Gespräch – noch für diese Renn-Saison, unter anderem einer in Indien. Wir sprachen mit Fischi über Strategie, Selbsdisziplin, Treppentraining, Podiumsambitionen und die Gefahr, Mädels umzubringen.
BIKE: Du bist von GasGas zurück gewechselt auf Raymon als Bike-Sponsor – jetzt hast du wieder kein Bigbike als favorisiertes Rad für die Cerro-Abajo-Urban-Downhills!
Fischi: Ich habe zumindest ein 170er – also ein richtiges Enduro. Das ist fast gleichwertig mit einem Downhill-Bike. Hätte ich die Wahl, würde ich immer ein Bigbike bevorzugen, weil es nicht langsamer ist, du aber mehr Reserven hast, wenn mal doch was schief geht.
Wirst du wie in Genua Zusatzgewicht an dein Bike schrauben?
Ich teste das gerade. Doch wie es aussieht, werde ich mir wieder ein Kilo an den Rahmen schnallen.
Letztes Jahr in Valparaíso hattest du dein E-Bike modifiziert – das war keine Option?
Auch das wäre möglich gewesen, doch das ist mit einem Riesenaufwand verbunden. Im Raymon ist ein ZF-Motor verbaut. Bei einem so großen Industrie-Betrieb kannst du nicht einfach reinmarschieren und fragen, ob sie den Motor aushöhlen und rumbasteln – da haben die sicher keinen Bock drauf.
Wie kommst du mit dem Raymon-Enduro zurecht?
Gut, da sehe ich keine Probleme. Der einzige Haken: Ich fahre gerne Mullet, weil ich recht kurze Beine habe. Doch das Raymon gibt es nur als All-29. Mal sehen, ob ich das umbauen kann. Sonst muss ich mich umgewöhnen.
Letztes Jahr bist du auf Ibiza alle Treppen runtergebraust, die du finden konntest. Aber wie bereitest du dich zuhause in der winterlichen Oberpfalz vor?
Treppen-Training kann ich hier nicht machen, das stimmt. Dafür bin ich sonst sehr fit. Auch das ist wichtig. Ich hatte einen straffen Trainingsplan und den habe ich durchgezogen, selbst wenn ich Null Bock gehabt habe. Z. B. bei 2,5 Stunden Rollen-Training – und das fünf Mal die Woche.
Also wie David Goggins.
Ich weiß nicht wer David Goggins ist, doch ich habe mein Training durchgezogen.
David Goggins ist ein Ex-Navy Seal, der später Ultra-Marathons gelaufen ist und ein Buch über sein Leben schrieb („Can’t Hurt Me“), das gerade in den Bestseller-Listen ist. Sein Motto: „The Only Easy Day was Yesterday – zieh’s durch!“
Ha, ha .... ich glaube jetzt nicht, dass ich so hart bin wie ein Navy Seal, aber ja: Ich hab’ hart trainiert und es durchgezogen (lacht)!
Schon nervös vor dem Rennen in Valparaíso? Letztes Jahr hattest du einen Horror-Sturz im Finallauf in einer engen Kurve. Wirst du wieder um diese Kurve müssen?
Vielleicht kriegt Red Bull dieses Jahr eine Genehmigung für einen neuen Kurs. Das hatte Red Bull schon letztes Jahr versucht. Wenn nicht, ist die Strecke die gleiche und ich muss wieder durch diese hakelige Kurve.
Schlimm?
Nee, denn das war per se ja keine schwierige Stelle. Ich bin etwas hängengeblieben mit krassen Folgen. Das passierte aus der Renn-Situation raus. Doch das kann überall passieren, wenn du am Limit fährst. Die Stelle an sich verpasst mir kein Pulsrasen. Natürlich denke ich in der Kurve an meinen Sturz, mehr aber auch nicht.
Was sind deine Ziele fürs Red Bull Cerro Abajo Valparaíso in Chile?
Ich will aufs Podium fahren.
Hast du wieder deine Spezialreifen dabei?
Die Reifen mit den härteren Mischungen habe ich immer im Gepäck. Und ich bin noch immer überzeugt, dass ich damit schneller bin. Doch in Genua hatte der Regen den Einsatz zunichte gemacht. Vielleicht jetzt in Chile.
Du warst gerade in Prag. Was hast du da gemacht?
Da war ein Downhill-Rennen in einer Einkaufs-Mall – ein ziemlich cooles Format.
Was war so cool daran?
Die Shopping-Mall war riesig. Wir starteten im vierten Stock und düsten ins Erdgeschoss über Sprünge, Drops und Treppen. Das war ein absoluter Zuschauer-Magnet. Ich schätze, da haben zehntausend Leute zugeschaut.
Da war auch dein großer Konkurrent Tomas Slavic am Start. Ist es dir gelungen, Tomas zu schlagen?
Knapp verloren. In der Zwischenzeit war ich noch vorne, doch dann hab’ ich doch gegen ihn verloren. Die zweite Hälfte der Strecke war sehr sprintlastig, da hat er mich abgezogen. Da seh ich kein Land, denn Slavic ist zu stark. Das muss ich neidvoll anerkennen.
Warum – trainiert Slavic mit mehr Selbstdisziplin?
Ich glaube wir trainieren ähnlich. Wir haben ja auch die gleiche “Schule” durchgemacht mit BMX und Fourcross etc. Doch Slavic kann härter trainieren. Ich weißgenau, was ich machen müßte. Aber meine Knie geben das nicht mehr her. Z. B. Kreuzheben mit viel Gewicht. Das kann ich seit 4-5 Jahren nicht mehr machen. Die Explosivität und pure Power kriegst du nur so hin. Ich habe mir mal die Patella-Sehne gerissen, mein Sprunggelenk zertrümmert und durch all das harte Training mit 180-Kilo-Kniebeugen haben sich die Knorpel abgenutzt. Deswegen muss ich mich vorm Training konsequent warm machen und stretchen. Ich war in den letzten Jahren bei allen erdenklichen Ärzten, doch nix hat geholfen.
Momentan stehen drei Termine im City-Downhill-Kalender: Chile, Mexiko und Italien. Es war einmal die Rede davon, dass die Cerro-Abajo-Serie ausgeweitet wird.
Das wird sie. Ein Rennen in Indien ist schon bestätigt. Das wird zur 2025er-Serie dazugezählt. Das Race in Indien finde ich besonders spannend. Das wird sicher crazy.
Du bist schon fast alles gefahren: Red Bull Hardline, DH-Worldcup, Enduro-Worldcup, E-Enduro-Worldcup, Red Bull Skygate usw. Was ist das ultimative Rennformat für dich?
Downhill-Worldcup – eine Abfahrt runter. So schnell es geht. Das ist die Königsdisziplin.
Aber das trifft ja auch für Hardline und Cerro Abajo zu. Ich dachte an das Rennformat der Zukunft.
Ich kann mir vorstellen, dass die Hardline dem Downhill-Worldcup den Rang abläuft. Das ist schon beeindruckend wie Red Bull das Limit pusht. Allerdings finde ich, dass es bei der Hardline keine Frauen-Wertung geben darf.
Eine gewagte Aussage in unserer Zeit. Wie meinst du das?
Die werden ein Mädel umbringen, wenn sie so weiter machen. Das ist einfach so.
Warum?
Bei Formaten wie der Red Bull Hardline oder Red Bull Rampage darf es keine Frauen-Kategorie geben. Das gehört verboten. Die Frauen machen da mit, weil sie glauben, mitmachen zu müssen – aber so ein zierlicher Körper zerbricht, wenn es irgendwann mal schief geht.
Den Gedanken hatte ich als sich Erice Van Leuven so schwer verletzte bei der Red Bull Tasmania.
Die dürfen das nicht machen. 1. Man will nicht, dass ein Mädchen im Rollstuhl landet oder stirbt. 2. Man kann dann nicht das Format so pushen wie es sich gehört, schließlich soll die Hardline der härteste Downhill der Welt sein. Also das extremste Format der Welt. Wenn du es aber so hindrehst, dass auch Frauen den Kurs bewältigen können, verwässerst du das Format.
Wie könnte man das Problem lösen?
Wenn der Wettkampf extrem sein soll wie Red Bull Hardline oder das Utah-Zeug, darf es keine Frauen-Kategorie geben. Die Frauen brauchen ihre eigene Strecke. So wie sie es letztes Jahr bei der Red Bull Rampage gemacht haben mit einem eigenständigen Frauen-Wettkampf. Sprich: eine eigene Frauen-Hardline. Aber bitte schickt die Frauen nicht die Männer-Strecke runter! Das ist meine Meinung.
Hätte es dich gereizt in Tasmanien bei der Hardline mitzufahren?
Puh, das ist gerade unrealistisch.
Weil?
Weil viel zu wenig Zeit auf dem Bigbike. Wenn du zwei Jahre lang nur Enduro gefahren bist, wäre eine Hardline ein Sprung ins kalte Wasser. Das musst du trainieren und dich gut vorbereiten.
Du warst schon bei der Hardline in Wales. Steht die Hardline noch immer auf deiner Liste?
Ich trau mir zu, dass ich die Strecke fahre und die Sprünge springe – doch im Racing-Mode ist das ne ganz andere Nummer. Und ich will ja racen und konkurrenzfähig sein. Dafür musst du viel Zeit auf dem Downhiller verbringen und dich wohl fühlen. Sonst geht’s schief. Einfach mal dort hinzugehen – die Zeiten sind vorbei. Mich hat die Streckenlänge in Tasmanien auch geschockt! Über drei Minuten! Wenn du nach drei Minuten Vollgas auf einen 28-Meter-Sprung zufährst und völlig fertig bist, dann wird’s richtig gefährlich. Da musst du voll auf Downhill getrimmt sein.
Was sagst du zu dem 18jährigen Asa Vermette?
Unglaublich! Wirklich unglaublich! Die neue Generation schlägt gerade voll zu. Ich versteh’s nicht, wie man so fahren kann! (Lacht).
Auch Jackson Goldstone flupperte wie Quecksilber durch den Trail und das nach schwerer Knie-Verletzung.
Irre. Das ist ein ganz neuer Fahrstil. Das hat nix mehr mit dem Standart-Downhillen zu tun. So viel Flow und dabei diese Aggression. Die Typen pushen die ganze Zeit. Im Fernsehen sieht man gar nicht wie steil, wie gefährlich, wie technisch schwierig das Gelände ist – und die ballern da runter ... boah! Unglaublich! Mir fehlen die Worte.
Am 2. März ist es soweit: Cerro Abajo Valparaíso. Der City-Downhill trifft den Zeitgeist, die Popularität des Formats wächst. Zieht das auch Worldcup-Fahrer an?
Ich kenne die Fahrerliste gar nicht. Doch ich weiß, dass sehr viele angefragt haben beim Veranstalter. Allerdings ist das Fahrer-Kontingent auf 30 Fahrer limitiert. Die Resonnanz ist sehr hoch, vielleicht auch deswegen weil viele Worldcupper kein Team mehr gefunden haben und deswegen auf andere Rennserien ausweichen wollen.
Ah so, du glaubst tatsächlich, dass der Worldcup so elitär geworden ist, dass viele Fahrer gezwungen sind, andere Renn-Formate ins Auge zu fassen.
Auf alle Fälle. Wenn du kein Team gefunden hast, ist das deine einzige Alternative. Und die Red-Bull-Rennen sind sehr gut organisiert. Red Bull kümmert sich um die Fahrer, verglichen dazu bist du bei den Worldcups der letzte Dreck.

Redakteur