BIKE
· 31.07.2023
Die ganze Radsportwelt blickt im August gespannt auf Schottland: Kriegen die Organisatoren die UCI Cycling World Championships - dieses erstmalig stattfindende und elf Tage andauernde Mega-WM-Event mit allen 13 Radsportdisziplinen - gewuppt? Immerhin gilt es, 8000 Racer samt Betreuerstab, Journalisten aus aller Welt und unzählige Zuschauer zu koordinieren. Umso leichter dürfte die Organisation der Rennstrecken ausfallen, zumindest im MTB-Bereich, denn hier hat das Land bereits seit Jahren Weltmeisterniveau. Die Downhill-WM findet am 4./5. August auf der selektiven Abfahrt in Fort William statt, die Cross-Country- und Marathon-Rennen auf den Trailcenter-Kursen von Glentress Forest (CC-Finale: 10. bis 12.8., Marathon: 6.8.). Wer dieses Jahr die Titel einfahren wird, steht noch in den Sternen.
Wir haben unsere Orakel, bestehend aus den beiden Ex-Racern Marcus Klausmann, Thomas Frischknecht und Wyn Masters befragt. Hier ihre Favoritentipps für die Radsport-Weltmeisterschaften in Schottland.
Die Top-Favoriten Mathieu van der Poel und Thomas Pidcock kommen kurz vor der WM erst von der Tour de France zurück. Ich gehe davon aus, dass sie fürs MTB-Rennen noch zu müde sind. Matthias Flückiger wurde gerade an der Hand operiert, er wird es schwer haben, rechtzeitig fit zu sein. Mein Ranking daher:
1. Nino Schurter: Ich weiß, dass Nino alles geben wird. Mit seiner Erfahrung wird er das Rennen machen.
2. Luca Schwarzbauer: Die letzten Worldcups haben gezeigt, wie gut der Deutsche zurzeit drauf ist. Ihm trau ich wirklich einiges zu.
3. Lars Forster: Der Europameister von 2021 hat den letzten Worldcup in Leogang gewonnen. Er ist fit!
1. Puck Pieterse: Die Niederländerin ist jung (21), frech und unbekümmert – sie wird das Rennen machen.
2. Loana Lecomte: Die Französin hat zuletzt geschwächelt, fokussiert sich aber gerade im Höhentraining.
3. Alessandra Keller: Sie lag in den letzten Rennen etwas zu weit hinten, aber Bronze trau ich ihr zu.
Man muss den Rhythmus der Fort-William-Abfahrt verinnerlicht haben und draufhalten können. Deshalb werden Racer gewinnen, die hier oft unterwegs sind, Kraft haben oder völlig unbekümmert an den Start gehen. Bei den Frauen wäre das Rachel Atherton, aber ich weiß nicht, ob sie startet. Daher hier mein Ranking:
1. Jackson Goldstone: Nur, wenn er Erster in der Quali wird, könnte er die Nerven verlieren. Sonst: Gold!
2. Andreas Kolb: Der Wechsel zu Team Atherton und das Training mit erfahrenen Jungs zünden bei ihm!
3. Loic Bruni: Er hat die Kraft für die vielen Sprünge auf der Strecke. Derzeit geht er aber oft viel Risiko ein.
1. Vali Höll: Ihr Problem: Sie will nicht gewinnen, sondern dominieren. Aber der Knoten scheint geplatzt.
2. Camille Balanche: Die Schweizerin sieht nicht so aus, aber sie ist eine echte Maschine.
3. Nina Hoffmann: Sie hat hier letztes Jahr gewonnen, kennt die Strecke also gut. Aber im Moment stürzt sie leider häufig.
Kaum jemand kennt die Downhill-Szene wie Vollblut-Racer Wyn Masters. Auf diese Typen würde der Neuseeländer sein Geld setzen:
1. Laurie Greenland (26) - Team Santa Cruz – GBR: Laurie war superschnell bei den Nationalen Meisterschaften dieses Jahr in Fort William. Er hält sogar den momentanen Streckenrekord. Laurie legt an Form zu, je länger die Race-Saison dauert, und der Track in Schottland scheint ihm voll zu liegen. Mein Tipp: Gold!
2. Jordan Williams (19) - Team Specialized – GBR: Der Junioren-Weltmeister hat Stahlnerven – erster Elite-Worldcup, und er gewinnt! Wie krass! Jordan mag die Strecke in Fort William, deswegen wird er sich über diesen 2. Platz ärgern. In seinem Kopf: erster Elite-Worldcup = Sieg, erste Elite-WM = Sieg. Das wäre ein Sommermärchen!
3. Greg Minnaar (41) - Team Santa Cruz – SA: Greg zählt zu den besten Fahrern in Fort William. Bisher war seine 2023er-Rennsaison alles andere als gut. Greg braucht jetzt ein Knaller-Ergebnis, denn so lange wird Greg nicht mehr racen.
4. Thibaut Dapréla (22) - Team Commencal – FRA: Dapréla fährt 100 Prozent am Limit. Schaut Euch seinen Lauf in Val di Sole an. Crazy! Der Franzose wird alles auf eine Karte setzen: Sturz oder Podium. Es gibt wenige, die so viel Risiko eingehen wie TD.
5. Loïc Bruni (29)- Team Specialized – FRA: Bruni ist ein Spezialist für Weltmeisterschaften. Fünf WM-Titel (2017, 18, 19, 22) hat er bereits eingesackt, einen davon als Junior (2012). Er kann Wunder vollbringen, auch wenn er den Track in Fort William hasst!
6. Nina Hoffmann (27) - Team Santa Cruz – GER: Nina hat 2022 Silber geholt. Sie ist hungrig auf Gold. In Fort William werden ihr vier Dinge helfen: