Mike Sinyard & Ned Overend im InterviewDas waren die Anfänge von Specialized

Jan Timmermann

 · 19.05.2026

Mike Sinyard ist der Gründer von Specialized Bikes. Für die Geschäfte mit Fahrrädern verkaufte der Alt-Hippie damals seinen VW-Bus.
Foto: Georg Grieshaber
Specialized brachte 1981 mit dem Stumpjumper das erste Mountainbike der Welt in Serie. Wir haben sowohl Specialized-Firmengründer Mike Sinyard als auch Ned Overend, den ersten Cross-Country-Weltmeister der MTB-Geschichte, zur ihrer heutigen Beziehung zur Szene befragt. Und siehe da: Die inszwischen über 70-Jährigen sitzen noch teils täglich auf dem Bike!

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​Der Name Mike Sinyard steht wie kaum ein anderer für Innovationsdrang und Weitblick im modernen Radsport. Als Gründer von Specialized Bikes verkörpert er die Idee, dass Fahrräder weit mehr sind als reine Sportgeräte – sie sind Ausdruck eines Lebensgefühls.

Der heute 76-Jährige war schon früh leidenschaftlicher Radfahrer und geprägt von der Freiheitskultur seiner Zeit. Für eine Europareise verkaufte er kurzerhand seinen VW-Bus – ein Schritt, der den Grundstein für seine spätere Karriere legte. Dort knüpfte er Kontakte zur italienischen Radszene, unter anderem zu Cino Cinelli, und begann, hochwertige Komponenten in die USA zu importieren.

Zurück in Kalifornien zog Sinyard mit Fahrrad und Anhänger von Laden zu Laden, um seine Ware persönlich anzubieten – der Legende nach wurden zur damaligen Hippie-Zeit nicht nur Bike-Parts, sondern auch gewisse organische Produkte gehandelt. 1974 gründete er schließlich im Alter von nur 24 Jahren Specialized und entwickelte das Unternehmen mit viel Engagement und Gespür für Trends kontinuierlich weiter.

Ned Overend ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Wegbegleiter von Sinyard. Er zählt zu den prägendsten Figuren der frühen Mountainbike-Szene und verkörpert bis heute den Geist dieser Pionierzeit. Der US-Amerikaner wurde 1990 erster offizieller MTB-Weltmeister im Cross Country und war bekannt für seine außergewöhnliche Ausdauer, technische Fahrweise und einen unerschütterlichen Renninstinkt. Mit seinem nahezu asketischen Trainingsansatz setzte Overend Maßstäbe – nicht nur sportlich, sondern auch in Sachen Professionalität.

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Als langjähriger Aushängeschild von Specialized Bikes prägte der heute 71-Jährige Ned Overend die Entwicklung des Mountainbike-Sports maßgeblich mit und blieb auch nach seiner aktiven Karriere als Botschafter und Vorbild eng mit der Szene verbunden.

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Wir haben Sinyard und Overend unweit des kalifornischen Headquarters von Specialized in Morgan Hill, Kalifornien getroffen und mit ihnen über die Vergangenheit und die Zukunft des Mountainbikes gesprochen.

Mike Sinyard: Mehr Menschen aufs Fahrrad bringen

BIKE: Mike, was sind die drei größten Errungenschaften der Mountainbike-Geschichte?

MIKE SINYARD: Das ist eine große Frage, deren Antwort natürlich mit der Erfindung des Mountainbikes selbst beginnen muss. Eine weitere Errungenschaft ist die Evolution der Fahrwerke. Sie haben das Mountainbike quasi gemeinverträglich gemacht. Und dann ist da etwas, das damit zusammenhängt und für die frühen Tage genauso galt, wie heute: Die Mountainbike-Szene lädt alle ein, alte Menschen genauso, wie junge Menschen. Es geht nicht immer nur darum, wer der schnellste ist, sondern wie man den meisten Spaß haben kann.

Was sind heute die größten Herausforderungen für den Sport?

Ich denke lieber an Möglichkeiten anstatt an Herausforderungen. Jede Challenge ist eine Chance. Ich denke eines der wichtigsten Themen ist mehr Menschen zum Fahrradfahren zu bringen. Diese Chance ist wirklich toll. Wir stecken viel Energie in die Arbeit mit jungen Menschen aber auch mit älteren Personen, denen Radfahren vielleicht mit Demenz helfen kann.

Fährst du noch regelmäßig Mountainbike?

Ja, zwei bis drei mal pro Woche! Ich würde sagen, dass ich noch halbwegs fit bin. Jedes Mal, wenn man fahren geht, denkt man ja: Oh, die Fitness ist niemals genug. Dann hat man aber einfach Spaß und macht weiter. Das ist super!

Ned Overend: Von der ersten Federgabel zum Super-Bike

BIKE: Ned, du warst 1990 der erste Mountainbiker, der sich Cross-Country-Weltmeister nennen durfte. Wie hat sich der Sport seitdem verändert?

NED OVEREND: Das Bike, das ich damals bei den Weltmeisterschaften fuhr, hatte bereits eine Prototypen-Federgabel von Rockshox. Sie hatte in etwa zwei Zentimeter Federweg. Es ist einfach unglaublich zu sehen, wie sich die Technik bis heute weiterentwickelt hat. Von Scheibenbremsen bis zu elektronisch gesteuerten Schaltungen und Fahrwerken: Das Mountainbike ist einen sehr weiten Weg gegangen und es macht heute so viel mehr Spaß es zu fahren. Im Vergleich zu früher haben Bikes einfach mehr Kontrolle und vermitteln mehr Sicherheit.

Aus Erfahrung können wir sagen: Du fährst noch immer sehr schnell Fahrrad. Was ist dein Geheimnis?

Es treibt mich immer weiter an, für Specialized zu arbeiten und mitzuhelfen, neue Produkte zu entwickeln. Jeder im Unternehmen muss in der Lage sein, gut Rad zu fahren, um neue Teile auch wirklich zu testen. Das motiviert mich und hält mich fit.

Was am Mountainbike übt nach so vielen Jahren noch eine große Faszination auf dich aus?

Es ist einfach interessant zu sehen, wie sich das Bike immer weiterentwickelt. Mountainbikes werden immer schneller und schneller. Ich glaube, dass das Niveau im Worldcup heute höher ist, als es jemals zuvor war. Es ist unvorstellbar, wie fordernd die Kurse inzwischen sind. Die TV-Berichterstattung über den Worldcup ist klasse und ich liebe es, wie der Sport Menschen faszinieren kann.

Fazit

Als Gründer einer der einflussreichsten Bike-Firmen und als erster Cross-Country-Weltmeister gehören Mike Sinyard und Ned Overend zu den bedeutendsten Figuren der Mountainbike-Geschichte. Sie im Ursprungsland von Specialized in Kalifornien zu treffen, war eine einmalige Chance, deren Erinnerung mir immer wieder Gänsehaut beschert. Wie aktiv beide noch an der Bike-Szene teilhaben, ist faszinierend! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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