Erster Fahreindruck Specialized Epic 9Das schnellste S-Works aller Zeiten

Jan Timmermann

 · 28.04.2026

Auf dem Cross Country Rennkurs ist das neue Specialized Epic 9 unserem ersten Fahreindruck nach eine nur zehn Kilo leichte Superwaffe.
Foto: Eienne Shoeman
Specialized hat seinen Cross-Country-Racer Epic 9 neu aufgelegt und will mit dem Bike an die großen Erfolge des Vorgängers anknüpfen. Die Varianten Epic World Cup und Epic Evo wurden eliminiert. Hat das neue Konzept das Zeug zum Thronfolger einer ganzen Dynastie? Wir konnten das unter zehn Kilo leichte Specialized S-Works Epic 9 bereits im ersten Test fahren.

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Das Specialized Epic 8 fuhr sich mit klarer Cross-Country-DNA und nie dagewesener Vielseitigkeit in die Herzen unserer BIKE-Tester. Der Nachfolger Epic 9 will nun nochmals eine Schippe drauflegen und den Super-Racer ablösen. Im Gepäck hat der schnelle Amerikaner einen deutlich leichteren Carbonrahmen, ein überarbeitetes 120er Fahrwerk und eine angepasste Geometrie. Damit verdrängt das Epic 9 nicht nur seinen direkten Vorgänger, sondern auch das kurzhubige Epic Worldcup und das leichte Trailbike Epic Evo aus dem Specialized-Lineup. Bei Testfahrten im kalifornischen Santa Cruz konnten wir uns einen ersten Fahreindruck vom neuen Specialized Epic 9 verschaffen.

​Specialized S-Works Epic 9 im Detail

  • Einsatzbereich: Cross Country / Marathon
  • Federweg: 120 / 120 mm
  • Laufradgröße: 29”
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Gewicht Komplettbike: ab 9,84 kg (BIKE-Messung)
  • Gewicht Rahmen (inkl. Dämpfer, Größe M): ab 1589 g (Herstellerangabe)
  • Preis: 14.999 Euro
  • Besonderheiten: Flex-Pivot, größenspezifische Kettenstrebenlängen

Ausstattung

  • Gabel / Dämpfer: Rockshox SID / SIDluxe Ultimate Flight Attendant
  • Antrieb: Sram XX SL Eagle AXS inkl. Powermeter, 1 x 12
  • Bremsen: Sram Motive Ultimate
  • Laufräder: Roval Control World Cup
  • Reifen: Specialized Fast Trak / Air Trak Flexlite, 29 x 2,35”

Ein Bike für alle Fälle

Die Profi-Athleten des überaus erfolgreichen Specialized Factory Racing Teams wünschten sich für die Neuauflage des Racebike-Klassikers ein Bike so leicht und effizient, wie das Epic World Cup, so fahrstark, wie das Epic 8, und so souverän, wie das Epic Evo. Ein krasser Wunschzettel, bedenkt man, dass unserer Test-Erfahrung zufolge bereits die Ausgangsbasis eines der besten Cross Country Fullys seiner Zeit war.

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Ich habe das auslaufende Epic 8 ein volles Jahr im Dauertest bewegt und war absolut beeindruckt von der Abmischung aus Leichtigkeit und Fahrsicherheit. So souverän, schnell und spaßig: Das kannte ich bislang nur von wenigen Racebikes. Jetzt will das Epic 9 nochmal eine Schippe drauflegen und gleichzeitig Epic World Cup und Epic Evo ersetzen - ein ehrgeiziges Ziel! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Die Leichtigkeit des Seins

Je nach Rahmengröße spart Specialized am Rahmen des Epic 9 im Vergleich zum Vorgänger über 200 Gramm, beziehungsweise rund 14 Prozent des Gewichts ein. In Kombination mit den neuen Roval Control World Cup Laufrädern, welche mit nur 991 Gramm pro Satz zu den leichtesten 29ern der Welt gehören, baut das mit 14.999 Euro sündhaft teure Specialized S-Works Epic 9 sagenhaft leicht. Trotz 120 Millimeter vorne und hinten sowie der vollen Ladung Elektronik-Jomponenten bringt es die Ära der Race-Fullys unter zehn Kilo zurück und ließe sich gar auf 8,3 Kilo herunter-tunen. Das verringerte Gewicht ist bei Beschleunigung und Handling definitiv zu spüren. Wie von der Hummel gestochen geht das Epic 9 im Antritt nach vorne und katapultiert sich mühelos alle Rampen hinauf. In gerader Linie ist es ein Kinderspiel sich auf dem Bike leicht zu machen und über Unebenheiten hinwegzufliegen. Maximal drehfreudig schnellen die Laufräder vorwärts, während das Rockshox Flight Attendant Fahrwerk vollautomatisch jedes Wippen unterdrückt.

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Das geringe Gewicht ist das Ergebnis konsequenter Sparmaßnahmen. Specialized nimmt dem Epic 9 das Unterrohr-Staufach des Vorgängers und ersetzt es mit einer kleinen aber feinen Box unterhalb des Flaschenhalters. Diese lässt sich bei Bedarf demontieren und erlaubt in stressigen Rennsituationen einen schnelleren Zugriff auf Reparaturmaterial, wie eine CO2-Kartusche. Die Kehrseite der Medaille: weniger Stauraum, zum Beispiel für eine Windjacke oder eine Luftpumpe. An diesem Detail lässt sich gut erkennen, dass Specialized das Epic 9 explizit für Racer und weniger für Biker konzipiert hat, die nicht regelmäßig gegen die Stoppuhr fahren. Auch, dass nun bei allen Modellen die Leitungen durch den Steuersatz laufen und der Rahmen nicht mehr mit mechanischen Schaltungen funktioniert, wird nicht allen Kunden gefallen, spart aber ebenfalls einige Gramm ein.

Geometrie, Fit und Laufradgröße

Specialized hat das Größen-Konzept des Epic 9 überdacht und bietet nun nur noch vier statt fünf Rahmengrößen an. Dafür wurden vor allem die Rahmen am Rand des Größenspektrums angepasst und alle Epics kommen nun mit größenspezifischen Kettenstrebenlängen. Für unser Testbike in Größe XL bedeutet das einen 17 Millimeter höheren Stack und sieben Millimeter längere Kettenstreben. Die Gesamtgröße des Bikes wächst zusammen mit einem um fünf Millimeter gesteigerten Reach merklich.

Ist das der Vorbote für ein noch größeres Bike? Auch Specialized experimentiert mit dem neuen Laufradmaß 32 Zoll, setzt das Epic Generation 9 jedoch nochmals auf 29er. “Das Epic 9 ist mit 29 Zoll Laufrädern das schnellste Bike, das wir unseren Athleten aktuell anbieten können”, sagt dazu Product-Manager Brian Gordon. Wir glauben ihm, befinden sich 32-Zoll-Bikes doch aktuell noch in der Erprobungsphase. Racer spekulieren zwar auf die Vorteile der größeren Räder, ein wettkampffähiges, leichtes und zuverlässiges Paket lässt aber noch auf sich warten.

In Sachen Sitzposition gibt sich das Epic 9 weiter sportlich-gestreckt, ohne zu giftig zu wirken. Hier scheint Specialized einen guten Kompromiss fürs Racebike und unseren 190 Centimeter großen Testfahrer gefunden zu haben. Biker in den Randgrößen sollten die Geometrietabelle aber etwas genauer studierten, als noch beim Epic 8 nötig. In sitzender Position ermöglichen der um 0,5 Grad gesteigerte Sitzwinkel und das ergonomische Roval-Cockpit eine sehr effiziente Tretposition. Das verlängerte Heck hilft beim Klettern und eine steigendes Vorderrad ist an Bord des Specialized Epic 9 auch in extrem steilen Uphills nicht zu befürchten. Die Traktion ist nochmals einen Hauch gutmütiger als beim Epic 8 und rangiert generell auf hohem Niveau.

Lange läuft

Im Downhill steht uns auf den ausgesetzten Trails über Santa Cruz eine Überraschung ins Haus. “So ein leichtes Bike dürfte eigentlich nicht so ballern können”, ist der erste Gedanke, der in den Kopf kommt. Es scheint fast, wie ein Fehler in der Matrix. Egal ob Drop oder Wurzel-Feld: Die lange Geo und das angepasste Fahrwerk nehmen es mit allen Hindernissen auf. Draufhalten und drüber, lautet die Devise trotz circa zehn Kilo Bike-Gewicht. Die Laufruhe ist richtig stark und der Abfahr-Speed beeindruckend hoch. Hat es Specialized etwa wirklich geschafft ein richtig gutes Racebike noch besser zu machen? So einfach lässt sich diese Frage nach wenigen Testkilometern leider noch nicht beantworten. Fest steht, dass der nachgeschärfte Charakter Rennfahrern in die Karten spielen dürfte und das gesunkene Gewicht in allen Fahrsituationen ein Gewinn ist.

Der in Größe XL um stattliche 21 Millimeter gewachsene Radstand des Specialized Epic 9 ist jedoch nicht wegzudiskutieren. Enge Kurven brauchen mehr Nachdruck und agile Fahrmanöver erfordern bei niedrigen Geschwindigkeiten mehr Körpereinsatz. Ein wirklich verspieltes Bike ist das neue Epic nicht mehr. Stattdessen setzt es einen klaren Fokus auf Geschwindigkeit bergauf und bergab. Das elektronisch gesteuerte Rockshox Flight Attendant Fahrwerk der S-Works-Variante ist Geschmackssache. Um das Optimum aus Komfort und Effizienz herauszuholen müssen sich Racer, welche die Automatik-Steuerung nutzen wollen, mit Bias-Einstellungen und Power-Zones auseinandersetzen, erhalten dann aber ein sehr spannendes High-End-Fahrwerk nach neustem Stand der Technik.

Fazit zum Specialized Epic S-Worx 9

Das alte Specialized Epic 8 war ein guter Racer aber auch ein vielseitiges, leichtes Bike für Touren und Abenteuer. Der Nachfolger Epic 9 ist spitzer konzipiert, nicht mehr Everybody’s Darling aber definitiv die konsequentere Rennmaschine. Es macht weniger Faxen und giert nach Speed. Im Wettkampf-Setting fühlt es sich an, wie das Bike von Superman: unaufhaltbar und dennoch superleicht. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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