Egal, ob du für deinen ersten Marathon trainierst oder am Wochenende mit den Kumpels in den Biergarten radelst: Die Radhose entscheidet darüber, ob du mit einem Lächeln im Ziel einrollst, oder mit schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Sattel steigst. Einfach die nächstbeste 50-Euro-Hose vom Discounter kaufen ist selten eine gute Idee. Denn deine Radhose sollte zu dir passen wie Arsch auf Eimer. Sie soll dich vor den Elementen schützen, also UV-Strahlung und Fahrtwind abhalten, mit Feuchtigkeit klarkommen, den Druck auf dem Sattel verringern, Reibung reduzieren und natürlich auch bequem sein.
Puh, sagst du jetzt vermutlich. Verständlich sagen wir. Denn die Fülle an Anforderungen macht die Auswahl zur Herausforderung. Wir haben die fünf wichtigsten Punkte zusammengefasst, die du bei der Wahl der richtigen Hose beachten solltest.
Zu große Radhosen gehören zu den häufigsten Fehlkäufen. Fehlt die Spannung, verrutscht das Sitzpolster oder bildet Falten. Beides führt zu ungeschützten Stellen oder Druckpunkten im Sitzbereich. Nur weil du schon immer Größe L getragen hast, muss die Radhose in derselben Größe noch lange nicht passen.
Die Lösung liegt in herstellerspezifischen Größentabellen. Oberschenkel- und Hüftumfang liefern die verlässlichsten Werte für die Größenbestimmung. Neue Hosen fühlen sich übrigens deutlich enger an als getragene Modelle. Diese Spannkraft ist gewollt und lässt mit der Zeit etwas nach.
Passt die Größe der Hose, solltest du prüfen, ob das Sitzpolster an der richtigen Stelle sitzt. Es muss die Kontaktfläche mit dem Sattel vollständig abdecken. Die Polsterzonen, das sind die etwas dickeren Bereiche des Sitzpolsters, sind speziell konstruiert, um Druck aufzunehmen.
Ein einfacher Test zeigt, ob die Position stimmt. Dafür ziehst du die Hose an (am besten ausnahmsweise die Unterhose anlassen) und setzt dich auf dein Fahrrad. Lehn dich mit dem Lenker an eine Wand oder lass dir von einer zweiten Person helfen. Trete nun Rückwärts, und spüre, ob das Polster deine Kontaktfläche mit dem Sattel vollständig abdeckt. Dabei solltest du deine Sitzposition variieren. Passt die Abdeckung nicht zu 100 Prozent, funktioniert die Hose nicht.
Drei Faktoren bestimmen die Polsterqualität: Hautfreundlichkeit, Dicke und Atmungsaktivität. Weniger Nähte bedeuten generell weniger Reibungspunkte. Spürbare Nähte zur Polsterbefestigung oder zerklüftete Oberflächen schaffen auf Dauer Probleme. Wo nichts ist, kann auch nichts reiben.
Sehr dicke und weiche Polster bieten – zumindest bei längeren Strecken – keine bessere Druckentlastung. Das Material sitzt sich schnell durch oder kann sich verformen und unkontrolliert auf den Dammbereich drücken.
Straffe, mäßig dicke Polster funktionieren deutlich besser. Eine eindeutige Empfehlung ist aufgrund der zahlreichen Polster am Markt kaum möglich. Im Laden kannst du aber mit einem einfachen Drucktest die unterschiedlichen Polster untereinander grob vergleichen. Dazu drückst du mit Daumen und Zeigefinger die Polsterzone zusammen. Du wirst sehen: Bei einem dicken, sehr weichen Polster kannst du sogar die beiden Finger aufeinander spüren.
Der Pustetest zeigt die Atmungsaktivität: Je mehr Luft durchgeht, desto trockener bleibt die Haut. Keine Luftdurchlässigkeit bedeutet Babywindel-Effekt.
Hier gibt es inzwischen unterschiedlichste Lösungen – die auch ein wenig vom Budget abhängig sind. Fakt ist: Die Beinabschlüsse sollten weich und nachgiebig sein. Elastische, breite Bänder oder Free-Cut-Abschlüsse, die per Laser geschnitten sind, verhindern Einschneiden am Oberschenkel.
Schmale, straffe Beinabschlüsse schnüren die Oberschenkel ein. Der gleiche Effekt entsteht, wenn das Material am Oberschenkel und an den Beinabschlüssen unterschiedlich dehnbar ist. Bei der Anprobe merkst du sofort, was zwickt und was nicht.
Bei Hosen ohne Träger braucht der Bund ein flexibles, breites Band gegen Druckstellen am Bauch. Auch hier gilt: Je schmaler der Abschluss, desto größer die Gefahr, dass es während der Fahrt drückt.
Trägerhosen benötigen ausreichend Spannkraft für sicheren Halt. Breite, elastische Bänder falten sich nicht ein und bringen genug Zug mit. Schulterträger ohne Nähte sind heute das Maß der Dinge. Der Test beim Anprobieren: Gehe von der aufrechten Haltung in die Radposition und prüfe, ob Bund oder Träger spürbar sind.
Dunkle Farben wie Schwarz, Dunkelblau oder Dunkelgrau sind die beste Wahl bei Radhosen. Helle Stoffe in Gelb oder Weiß sind eher schwierig und im blödesten Fall nicht vollständig blickdicht – das willst du nicht und deine Mitfahrer auch nicht.
Die meisten günstigen Radhosen bestehen aus Strickstoffen, die günstig und angenehm zu tragen sind. Hochwertige Radhosen bestehen heute in der Regel aber aus Webstoffen. Die kosten zwar etwas mehr, tragen sich aber wie eine zweite Haut. Webstoffe für Radhosen sind in der Regel wesentlich feiner gearbeitet. Sie sind leichter und robuster, trocknen schneller und halten besser die Spannung.
Elastische und stabile Nähte sind Pflicht. Ein Zugtest in Längsrichtung zeigt, ob die Nähte schön nachgeben und wieder zurückspringen. Sind die Nähte starr oder haben schnell einen harten Anschlag, sollte man eher die Finger davon lassen.
Zertifikate wie Bluesign oder Ökotex können Hinweise auf Materialherkunft und Produktionsbedingungen geben. Bei der Vielzahl an Materialien, die bei einer Hose zum Einsatz kommen, ist es aber schwierig generelle Aussagen über faire Produktion oder umweltfreundliche Materialien zu geben. Vertrauensvolle Unternehmen machen ihre Produktionsweisen auf der Webseite transparent oder geben dir auf Nachfrage Auskunft.

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