Bike-Geometrie individuell anpassenSo funktioniert Flipchip-Tuning

Peter Nilges

 · 08.12.2022

Bike-Geometrie individuell anpassen: So funktioniert Flipchip-TuningFoto: Georg Grieshaber

Mit Flipchips, kleinen asymmetrischen Metallplättchen am Hinterbau, variieren Sie die Geometrie Ihres Mountainbikes. So lassen sich die Fahreigenschaften ohne großen Aufwand an individuelle Vorlieben und ans Gelände anpassen.

Was ist ein Flipchip am Mountainbike?

Mal ehrlich, viele Biker haben den Flipchip an ihrem Rad – sofern vorhanden – noch nie angerührt. Manche wissen nicht einmal von seiner Existenz. Verständlich, denn das Teil steckt meist sehr unauffällig in der Dämpferanlenkung oder in der Kettenstrebe. Bisweilen ist es nicht einmal beschriftet.

Unbedarfte halten den Flipchip schon mal für eine Beilagscheibe der robusten Art. Dabei können die unscheinbaren Teilchen am Bike-Rahmen durch kleine Anpassungen der Geometrie das Fahrverhalten Ihres Mountainbikes spürbar verändern.

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Was bringt der Flipchip?

Flipchips verändern die Geometrie der mit ihnen verbundenen Rahmenteile und bewirken dadurch eine Veränderung von Sitzwinkel, Lenkwinkel und Tretlagerhöhe. Die Unterschiede liegen meist bei nicht einmal einem Grad, was den Lenkwinkel betrifft und bei weniger als einem Zentimeter, was die Bodenfreiheit des Tretlagers angeht.

In der Praxis sind diese dezenten Änderungen aber sehr wohl spürbar. Ein steilerer Lenkwinkel (meist als „High“-Position am Chip markiert) macht das Bike wendiger, agiler. Man nimmt auf steilen Anstiegen automatisch eine etwas aggressivere Kletterposition ein. Das Tretlager kommt dadurch höher, was mehr Bodenfreiheit in wurzeligem oder felsigem Gelände ermöglicht.

Ein flacherer Lenkwinkel („Low“-Position) steht für verbesserte Downhill-Eigenschaften. Das Tretlager wird dabei abgesenkt, der Schwerpunkt liegt tiefer, das Bike wird laufruhiger, vermittelt bei hohem Tempo mehr Sicherheit.

Geometrieanpassung leicht gemacht – meist reicht ein Mini-Tool

Am besten probieren Sie es an Ihrem Bike einfach mal selbst aus. Der schrauberische Aufwand ist überschaubar. Meist reicht ein Inbus des Mini-Tools. Zur Not lässt sich die Geometrieanpassung sogar auf dem Trail vornehmen. Dann aber sollte man unbedingt darauf achten, keines der verschraubten Kleinteile zu verlieren.

INBUS-SCHRAUBE LOCKERN: Wir zeigen den Flipchip-Wechsel am Beispiel eines Canyon-Spectral-Trailbikes. Als Werkzeug reicht ein Inbus-Schlüssel.
Foto: Georg Grieshaber

Einige Hersteller wie zum Beispiel Rocky Mountain (Ride-Nine-System) haben Flipchips mit mehr als zwei Einstellungsoptionen kons­truiert. So lässt sich die Geometrie noch individueller anpassen.

Manche Mountainbikes bieten auch die Möglichkeit, per Flipchip den Radstand zu verändern. So lassen sich manche Bike-Modelle von 27,5- auf 29-Zoll-Laufräder umrüsten – und umgekehrt.

Obwohl die dezenten Änderungen der Mountainbike-Geometrie durch einen Flipchip auf dem Trail deutlich spürbar sind, können Sie den grundlegenden Charakter Ihres Bikes damit nicht beeinflussen. Flipchips können keine ausgewogene und gut funktionierende Rahmengeometrie des Bikes ersetzen.

Zu Flipchips – Statement von Peter Nilges, BIKE-Testleiter:

Flipchips ermöglichen kleine Änderungen von Sitzwinkel, Lenkwinkel und Tretlagerhöhe am Mountainbike. So können Sie die Fahreigenschaften Ihres Mountainbikes feinjustieren.
Je nach Einstellung verbessern sich entweder die Klettereigenschaften Ihres Bikes, und es fährt sich wendiger/agiler. Oder die Geometrie flacht etwas ab, was mehr Laufruhe und Sicherheit im Downhill bringt.
Flipchips können den Charakter Ihres MTBs aber nicht grundlegend verändern. Sie sind kein Ersatz für eine ausgewogene und gut funktionierende Rahmengeometrie des Bikes.
Peter Nilges, BIKE-Testleiter Foto: Max Fuchs
Peter Nilges, BIKE-Testleiter

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