Geometrie-KonzepteWelche MTB-Geometrie überzeugt?

Christian Artmann

 · 13.09.2017

Geometrie-Konzepte: Welche MTB-Geometrie überzeugt?Foto: Wolfgang Watzke
Geometrie-Konzepte: Welche MTB-Geometrie überzeugt?

Zahlen, Winkel, Werte: Wir haben drei aktuelle Trailbikes mit ausgefallenen Geometrien verglichen und getestet. Und wir erklären, was Geometriewerte über den Charakter eines Mountainbikes aussagen.

Neue Antworten auf alte Fragen Früher war alles einfacher. In den Anfangsjahren des Mountainbikes gab es in Sachen Geometrie nur wenig Diskussionsbedarf. Die jungen Geländeräder waren nicht viel mehr als robuste Kopien von Straßenrennrädern. Man war zurückhaltend und wagte kaum, von den etablierten Maßen abzuweichen. Ein Lenkwinkel von 70–71 Grad und ein Sitzwinkel von 72–73 Grad waren Gesetz. Auch bei den anderen Maßen gab es nur wenig Spielraum. Doch das änderte sich im Laufe der Zeit gewaltig. Bessere Fahrwerke, bessere Fahrtechnik, technisch immer anspruchsvollere Trails und die Diversifizierung der Mountainbikes nach Einsatzbereichen – in diesem Zuge wandelten sich auch die Geometrien der Bikes rasant.

Verlagssonderveröffentlichung


Die Testbewertung der drei Geometrie-Konzepte finden Sie in der Linkliste unten im Artikel:

  • Canfield Bros. Riot
  • Ghost SL AMR X LC9
  • Nicolai Ion-G13


Eine Zeit lang glaubte man, verstanden zu haben, worauf es beim modernen Mountainbike ankommt. Doch dann kamen die 29er. Und auf einmal musste man auf alte Fragen neue Antworten finden. Vor allem ging es darum, die Vorteile großer Laufräder zu nutzen, ohne dass gleichzeitig die Bikes zu träge wurden. Einer der ersten Ansätze, um das oft schwerfällige Handling der frühen 29er zu verbessern, war Gary Fishers G2-Geometrie. Mit Hilfe eines größeren Gabel-Offsets (Erklärung s. rechts) wurde der Nachlauf verkürzt und die Lenkung damit agiler – 51 mm Gabel-Offset sind heute ein fester Standard bei den 29er-Gabeln. Gleichzeitig rückte auch die Kettenstrebenlänge in den Fokus der Entwickler. Der Ruf nach mehr Verspieltheit, die man mit kürzeren Hinterbauten erreichen wollte, brachte allerdings andere konstruktive Notwendigkeiten mit sich: Kürzere Kettenstreben bei gleichzeitig ausreichender Reifenfreiheit waren die Geburtshelfer für Einfach-Schaltungen und breite Boost-Naben.

  Auch im CC- und Marathon-Rennsport zeichnet sich ein Wandel bei den Bike-Geometrien ab – nicht zuletzt auch wegen der fahrtechnisch immer schwierigeren Rennkurse. Längere Rahmen und kurze Vorbauten sind schon jetzt im Kommen. Ob die Lenkwinkel auch hier flacher werden, bleibt abzuwarten.Foto: Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion
Auch im CC- und Marathon-Rennsport zeichnet sich ein Wandel bei den Bike-Geometrien ab – nicht zuletzt auch wegen der fahrtechnisch immer schwierigeren Rennkurse. Längere Rahmen und kurze Vorbauten sind schon jetzt im Kommen. Ob die Lenkwinkel auch hier flacher werden, bleibt abzuwarten.

Länge läuft Zeitgleich brachten moderne Fertigungstechniken mit hydrogeformtem Aluminium und der Werkstoff Carbon zusätzliche Freiheiten für die Konstrukteure. Und die wachsende Begeisterung für technische Trails und hohe Abfahrtsgeschwindigkeiten erforderten leistungsfähige Fahrwerke und flache Lenkwinkel. Die 2012 von Mondraker vorgestellte und von Downhill-Legende Fabien Barel mitentwickelte Fast-Forward-Geometrie war eine weitere Wegmarke der modernen Mountainbike-Entwicklung. Auch wenn das Konzept – wie viele innovative Ideen zuvor – erst mal über das Ziel hinausschoss, hat sich daraus ein weiterer anhaltender Trend entwickelt: Längere Oberrohre und kurze Vorbauten bringen Laufruhe und Sicherheitsreseven, erzeugen aber zugleich ein sehr direktes Handling. Bei den Trail-, All-Mountain- und Enduro-Bikes ist diese Idee mittlerweile stark im Vormarsch, und auch im Cross-Country- und Marathon-Bereich scheint sie immer mehr Fuß zu fassen.

Drei Archetypen Im Prinzip haben wir heute drei archetypische Geometriekonzepte, in denen die Entwicklungen der letzten Jahre in unterschiedlichem Umfang und mit unterschiedlichen Prioritäten eingeflossen sind. Repräsentativ für diese drei Geometriekonzepte stehen unsere drei All-Mountain-Test-Bikes: Das Ghost SL AMR X geht mit seiner modernen Mainstream-Geometrie einen Mittelweg in allen Bereichen und bleibt damit sehr vielseitig. Das von Nicolai entwickelte Geolution-Konzept hält sich an das Motto "Länge bringt Sicherheit und Speed". Kennzeichen: Oberrohr, Kettenstreben und Radstand fallen sehr lang aus, der Lenkwinkel extrem flach. Ursprünglich waren die Geometron-Bikes, die mit dem britischen Fahrwerksexperten Chris Porter entwickelt wurden, nur als Konzeptstudie gedacht. Doch die Fahreindrücke hatten Kalle Nicolai so begeistert, dass er daraus für 2017 eine komplette Baureihe ableitete. Freilich liegt das Ion-G13 mit seiner extremen Geometrie hart an der Grenze dessen, was man noch massentauglich nennen kann. Das Canfield Brothers Riot geht in die entgegengesetzte Richtung. Es will mit seiner ultrakompakten Geometrie beweisen, wie verspielt ein 29er sein kann, nutzt aber gleichzeitig einen flachen Lenkwinkel, um die Lenkung zu stabilisieren.

Drei Bikes, drei Konzepte – aber erst das Zusammenspiel aller Längen und Winkel bildet den individuellen Charakter eines Bikes. Denn jede Bike-Geometrie ist immer ein Kompromiss aus verschiedenen, zum Teil gegensätzlichen Fahreigenschaften. So erkennen wir heute zwar drei maßgebliche Geometrie-Trends, aber auch eine Vielzahl an individuellen Ausprägungen.


FAZIT von Christian Artmann, BIKE-Tester:
Länge läuft – bei Seglern eine alte Weisheit, im Mountainbiken eine noch recht neue Erkenntnis. Die extremen Geometrien, wie beim lang gestreckten Nicolai Ion-G13, ergeben zwar interessante Fahreigenschaften, aber auch eine gewisse Einseitigkeit. Da die Suche nach dem perfekten Bike oft auch die Suche nach dem idealen Kompromiss ist, wird das Gros der Biker eher zu gemäßigteren Geometrien tendieren.

  Christian Artmann, BIKE-AutorFoto: Georg Grieshaber
Christian Artmann, BIKE-Autor

Geometrie am Mountainbike kurz erklärt

Reach, Stack, Radstand, Kettenstrebenlänge, Lenkwinkel, Nachlauf – Keine Angst! Für eine grobe Abschätzung reicht es, sich auf ein paar wesentliche Werte zu konzentrieren.


1 Reach
Hinter dem Begriff versteckt sich nicht mehr als der horizontale Abstand zwischen dem Tretlager und der Steuerrohrachse (an der oberen Lagerschale gemessen). Er ist unabhängig vom Sitzwinkel und deswegen vor allem ein Maß dafür, wie kompakt oder lang sich ein Bike im Stehen fährt. Die Oberrohrlänge (1a) wird zusätzlich vom Sitzwinkel beeinflusst, weshalb sie aussagt, wie lang sich ein Bike im Sitzen anfühlt.

2 Lenkwinkel
Er bestimmt weitgehend, wie agil oder lauf­ruhig sich ein Bike lenkt, wie ruhig es bei hohen Geschwindigkeiten bleibt und wie sicher es sich in sehr steilen Passagen fährt. Je flacher der Winkel ist, desto sicherer und laufruhiger wird das Bike. Bis zu einem gewissen Punkt, denn dann beginnt die Lenkung abzukippen. Je aggressiver der Einsatzbereich, desto flacher der Lenkwinkel (z. B. Cross Country: 69–71° und Enduro: 64–67°).


3 Sitzwinkel
Dieses Maß hilft, die Gewichtsverteilung auf dem Bike einzuschätzen. In den Zeiten von gebogenen und versetzten Sitzrohren, ist der effektive Sitzwinkel nur noch selten direkt am Sitzrohr zu messen. Zusätzlich ist er dann auch von der Auszugslänge der Sattelstütze abhängig. Pauschal gibt es derzeit einen Trend hin zu steileren Sitzwinkeln, was das Klettern erleichtert. Über die Sattelposition ist er +/- 0,5° variabel.

  Geometrie kurz erklärt (Rad-Silhouette: Radon Skeen)Foto: Hersteller
Geometrie kurz erklärt (Rad-Silhouette: Radon Skeen)


4 Kettenstrebenlänge (auch als Hinterbaulänge be­zeichnet)
Kurze Kettenstreben machen das Bike agiler und sorgen dafür, dass es sich leicht aufs Hinterrad ziehen lässt (z. B. bei Drops und Manuals). Allerdings wandert der Schwerpunkt bergauf dann auch schnell zu weit nach hinten – das Bike bäumt sich früh auf. Vor allem verspielte Biker und solche, die viel im Wiegetritt fahren, profitieren von kurzen Hinterbauten. Die zusätzliche Laufruhe und Kletter-Performance im Sitzen durch längere Kettenstreben kann wiederum für Touren-Fahrer von Vorteil sein.

5 Radstand
Der Wert wird beeinflusst durch Kettenstrebenlänge, Reach, Lenkwinkel und der Gabellänge. Als Maß für die subjektive Größe eines Bikes ist er allerdings nur im direkten Vergleich wirklich aussagekräftig. Es gilt: je länger, desto fahrstabiler, aber auch weniger wendig.


6 Tretlagerhöhe
Sie bestimmt die Bodenfreiheit beim Pedalieren und in Schräglagen. Die TretlagerabsenkunG (6a) setzt die Tretlagerposition in Bezug zur Nabenhöhe und ist unterschiedlich für jedes Laufradformat. Sie bestimmt, wie sehr sich der Fahrer in den Rahmen integriert fühlt. Beide Werte werden im unbelasteten Zustand gemessen und verändern sich beim Aufsitzen.


7 Stack
Der Stack beschreibt den vertikalen Abstand vom Tretlager zur Oberkante des Steuerrohrs. Die effektive Sitzposition wird aber zusätzlich von dem Vorbau (Länge und Neigung), dem Lenker und den verbauten Spacern bestimmt. Die Steuerrohrlänge (7a) gibt ebenfalls Auskunft über die Bauhöhe an der Front, wenn man die Gabelbauhöhe und den Laufradradius kennt.


8 Überstandshöhe
Sie ist ein Indiz dafür, wie viel Bewegungsfreiheit der Fahrer auf dem Bike hat. Je geringer der Wert, desto mehr Platz bleibt im Schritt zwischen Mensch und Maschine. BIKE misst den Wert immer in der Mitte des Oberrohrs.


9 Sitzrohrlänge
Früher noch das Hauptkriterium für die Rahmengröße, verliert das Maß durch modernere Rahmenkons­truktionen und lange Sattelstützen immer mehr an Bedeutung.


10 Gabel-Offset
Dieser Wert ist neben dem Lenkwinkel eine weitere Stellgröße, um den Nachlauf (11) und damit das Lenkverhalten zu beeinflussen. Er ist abhängig vom Laufradformat: ca. 42 mm bei 26", 44–46 mm bei 27,5" und 46–51 mm bei 29ern.

  Geometrie-Lehre am MountainbikeFoto: Wolfgang Watzke
Geometrie-Lehre am Mountainbike

DIE GEOMETRIEN DER 3 TESTBIKES IM VERGLEICH

In der Kategorie der 29er-Trail- und All-Mountain-Bikes findet man derzeit die größte Vielfalt an unterschiedlichen Geometriekonzepten. trotz ähnlicher Federwege haben alle drei Mountainbikes ihren ganz eigenen Charakter.

Canfield: kompakt und verspielt


PLUS Der ultrakurze Hinterbau und der kompakte Hauptrahmen machen das 29er außergewöhnlich verspielt.
PLUS Der recht flache Lenkwinkel sorgt ausgleichend für Laufruhe und bringt Sicherheit.
PLUS/MINUS Der steile, effektive Sitzwinkel verhindert bergauf ein zu frühes Aufbäumen (durch das kurze Heck), sorgt aber auch für eine sehr kompakte Sitzposition, dadurch leiden die Allround-Eigenschaften.

  Canfield Bros. RiotFoto: Wolfgang Watzke
Canfield Bros. Riot

Ghost: Mainstream-Trail-Geometrie


PLUS Die Geometrie ist ein gelungener Kompromiss aus allen Eigenschaften und sorgt für eine hohe Vielseitigkeit.
PLUS Für fast jeden Fahrertyp, Fahrstil und fast jedes Gelände geeignet.
MINUS Durch den flachen realen Sitzwinkel hängt die effektive Sitzposition stark vom Sattelauszug ab.

  Ghost SL AMR X LC9Foto: Georg Grieshaber
Ghost SL AMR X LC9

Nicolai: lang und laufruhig


PLUS Die auf maximale Laufruhe getrimmte Geometrie fördert die subjektive Fahrsicherheit im technischen, steilen Gelände und bei High-Speed.
PLUS Durch die extreme Länge (Reach und Radstand) sehr gut­mütig gegenüber Fahrfehlern.
PLUS Mit dem steilen Sitzwinkel und dem langen Hinterbau meistert man auch steilste Anstiege entspannt im Sitzen.
MINUS Durch den langen Radstand sperrig im verwinkelten Gelände.
MINUS Lange Kettenstreben und vor-verlagertes Gewicht erschweren das Anheben des Vorderrades.

  Nicolai Ion-G13Foto: Georg Grieshaber
Nicolai Ion-G13


Stefan Herrmann, BIKE-Fahrtechnik­experte:
"Für mich haben lange Rahmen und flache Lenkwinkel fast nur Vorteile, denn sie bringen Fahrsicherheit und Reserven, wo es drauf ankommt – bei hohen Geschwindigkeiten und in schwierigem Gelände."

  Stefan Herrmann, BIKE-Fahrtechnik­experteFoto: Kirsten J. Sörries
Stefan Herrmann, BIKE-Fahrtechnik­experte


Dr. Kim Tofaute, Bike-Fitting und Ergonomie­experte:
"Die modernen Trail-Geometrien bringen Stabilität und Sicherheit auf steilen und technischen Trails. Auf der anderen Seite zwingen sie den Fahrer in eine ergonomisch nicht mehr optimale Position, was gerade bei längeren Touren von Nachteil sein kann."

  Dr. Kim Tofaute, Bike-Fitting- und Ergonomie­experte Foto: Hersteller
Dr. Kim Tofaute, Bike-Fitting- und Ergonomie­experte 

Geometrie-Konzept: Canfield Bros. Riot

Exemplare der kleinen Bike-Schmiede Canfield Brothers aus Bellingham, Washington sind auf unseren heimischen Trails sehr selten. Die beiden Brüder Chris und Lance bauen ihre Bikes aus Überzeugung und weil sie glauben, so manches besser machen zu können. Sie sind als Querdenker der Branche bekannt. So verwundert es auch nicht, dass das Riot mit einer unkonventionellen Geometrie aufwartet. Statt lang und flach, wie der aktuelle Trend diktiert, ist das Riot ziemlich kompakt gebaut. Auffälligstes Merkmal des All-Mountain-29ers ist der ultrakurze Hinterbau, der trotz üppigem Federweg und 29er-Reifen gerade mal 411 Millimeter misst – das kürzeste je bei BIKE aufgezeichnete 29er-Heck, Hardtails inklusive. Dementsprechend leicht lässt sich das Bike aufs Hinterrad ziehen oder das Vorderrad über Hindernisse heben.

  Canfield Bros. RiotFoto: Wolfgang Watzke
Canfield Bros. Riot

Überhaupt lädt das Riot mit seiner kompakt aufrechten Sitzposition unverblümt zum Spielen ein, egal, ob in technischem Gelände oder auf Flowtrails. Auch auf Jumplines wirkt es durch den moderaten Radstand nicht deplatziert. An der Front sorgt der flache Lenkwinkel für Sicherheit und ein fehlerverzeihendes Handling. 29er-Kritiker werden überrascht sein, wie untypisch handlich und verspielt sich das Riot fährt. Dass die Front bergauf dennoch erst spät steigt, liegt an dem ausgesprochen steilen Sitzwinkel und der damit nach vorne verlagerten Sitzposition. Die in Eigenregie entwickelte Hinterbaukinematik funktioniert mustergültig und harmoniert sehr gut mit der Fox-Gabel. In Summe ergibt das ein genauso komfortables wie fähiges Fahrwerk. In Europa wird das Canfield Riot nur als Rahmen oder Rahmen-Kit zum Custom-Aufbau angeboten.


Peter Nilges, BIKE-Testleiter:
Das Riot fährt sich so agil und wendig, dass man kaum glauben kann, auf einem 29er zu sitzen. Im Gegensatz zum langen Nicolai gelingt die Umgewöhnung an die kurze Geometrie deutlich einfacher. Auch Anfänger sollten mit dem guten Überrollverhalten der großen Laufräder und dem leichten Handling gut zurechtkommen. Sehr kompakt für Größe L.

  Peter Nilges, BIKE-TestredakteurFoto: Georg Grieshaber
Peter Nilges, BIKE-Testredakteur
  Canfield: Trotz des kurzen Hinterbaus und ohne Boost bietet der Rahmen viel Reifenfreiheit – angeblich für Plus-Reifen bis 2,8".    Foto: Daniel Simon
Canfield: Trotz des kurzen Hinterbaus und ohne Boost bietet der Rahmen viel Reifenfreiheit – angeblich für Plus-Reifen bis 2,8".  
  Canfield: Der Tretlagerbereich als Herzstück des Alu-Rahmens ist ein konstruktives Meisterwerk.Foto: Daniel Simon
Canfield: Der Tretlagerbereich als Herzstück des Alu-Rahmens ist ein konstruktives Meisterwerk.
  Canfield Bros. RiotFoto: BIKE Magazin
Canfield Bros. Riot
  Canfield Bros. RiotFoto: BIKE Magazin
Canfield Bros. Riot


Technische Daten Canfield Bros. Riot


erhältlich im Fachhandel
Preis 2399 Euro (Rahmen ohne Dämpfer)
Federweg vorne / hinten 152 mm / 141 mm
Material / Größen Alu / S / M / L / XL (48 cm)
Gewicht o. P. / Rahmen 14,25 kg / 3543 g (ohne Dämpfer)
Gabel / Dämpfer Fox 36 Talas Factory / Cane Creek Double Barrel Air CS
Kurbeln / Schaltung Canfield AM / Sram X1, 11 Gänge
Übersetzung / Lenkerbreite 30; 11–46 / 770 mm
Bremsanlage / Disc Magura MT7 / 180/180 mm
Teleskopstütze Magura Vyron, 150 mm
Laufräder Race Face Turbine R-Systemlaufräder, Continental Baron 29 x 2,4-Reifen
Reach / Stack / BB-Offset 445 / 630 mm / -21 mm

Geometrie-Konzept: Ghost SL AMR X LC9

Das Ghost tritt als Vertreter einer modernen, aber keineswegs extremen Trail-Geometrie an. Lang, flach und progressiv, aber noch voll in dem, was man als Mainstream bezeichnen könnte. Dass das aber kein Nachteil sein muss, zeigt die erstklassige Trail-Performance. Vertrauenerweckend, intuitiv und dennoch für nahezu jeden Fahrertyp und jedes Gelände geeignet. Die Sitzposition findet eine gute Balance aus Sportlichkeit und Bewegungsfreiheit, was den Piloten in eine genauso sichere wie vortriebsstarke "Attack-Position" bringt. Das Handling ist dabei im besten Sinne dynamisch-unauffällig – mit einer guten Portion Laufruhe, aber dennoch universell. Ein Bike, mit dem jeder auf Anhieb gut zurechtkommt.

  Ghost SL AMR X LC9Foto: Wolfgang Watzke
Ghost SL AMR X LC9

Dass das Ghost SL AMR X dennoch eher für grobe Trails ausgerichtet ist, liegt an der stimmigen All-Mountain-Ausstattung. Als Bike, das auch im Groben richtig Spaß machen soll, spendierte man dem Top-Modell LC9 nicht nur eine fähige Fox-36er-Federgabel, sondern auch gleich noch den neuen für 2017 exklusiv bei Ghost verbauten Cane-Creek-DB-Coil-Stahlfederdämpfer mit der traktionsstarken Climb-Switch-Funktion für den Uphill. Die vielfältigen Einstellmöglichkeiten an Gabel und Dämpfer lassen großen Spielraum für eine ganz persönliche Fahrwerksabstimmung, erfordern damit aber auch ein wenig mehr Kenntnisse beim Setup. Die Bash-Guard/Kettenführung, Magic-Mary-Bereifung vorne und die sehr steifen und dennoch leichten Race-Face-Laufräder mit 27 Millimetern Maulweite komplettieren das Gesamtbild eines Bikes, das bergab richtig Gas geben kann und dennoch bergauf noch gut nach vorne geht. Bei einer so hochwertigen Ausstattung ist der Preis als Fachhandels-Bike absolut fair.


Ludwig Döhl, BIKE-Tester:
Das Wort Mainstream hat einen etwas faden Beigeschmack, aber das Ghost macht schnell klar, dass es alles andere als langweilig ist. Im Vergleich zu den beiden Extremen lässt sich die moderate Geometrie fast schon intuitiv handhaben. Draufsetzen, Gas geben und wohlfühlen. Das potente Fahrwerk erweitert den Einsatzbereich bereits in Richtung Enduro.

  Ludwig Döhl, BIKE-TestredakteurFoto: Privatfoto
Ludwig Döhl, BIKE-Testredakteur
  Ghost: Wippe und Anbindung des Hinterbaus fallen filigran aus. Die Steifigkeit des Rahmens ist gering. Foto: Daniel Simon
Ghost: Wippe und Anbindung des Hinterbaus fallen filigran aus. Die Steifigkeit des Rahmens ist gering. 
  Ghost: Die sehr aufgeräumte Zugführung in den Kettenstreben (hier die Bremsleitung) ist ein gutes Beispiel für die vielen durchdachten Details am Ghost.Foto: Daniel Simon
Ghost: Die sehr aufgeräumte Zugführung in den Kettenstreben (hier die Bremsleitung) ist ein gutes Beispiel für die vielen durchdachten Details am Ghost.
  Ghost SL AMR X LC9Foto: BIKE Magazin
Ghost SL AMR X LC9
  Ghost SL AMR X LC9Foto: BIKE Magazin
Ghost SL AMR X LC9


Technische Daten Ghost SL AMR X LC9


erhältlich im Fachhandel
Preis 3599 Euro
Federweg vorne / hinten 145 mm / 134 mm
Material / Größen Carbon/Alu / S / M / L / XL (48 cm)
Gewicht o. P. / Rahmen 13,57 kg / 2510 g (ohne Dämpfer)
Gabel / Dämpfer Fox Float 36 Performance Elite / Cane Creek Double Barrel Inline Coil CS
Kurbeln / Schaltung Shimano XT / XT, 11 Gänge
Übersetzung / Lenkerbreite 32; 11–46 / 780 mm
Bremsanlage / Disc Shimano XT / 200/180 mm
Teleskopstütze Kind Shock Lev Integra, 150 mm
Laufräder Race Face ARC 27-Systemlaufräder, Schwalbe Magic Mary/Hans Dampf Evo Trailstar 29 x 2,35-Reifen
Reach / Stack / BB-Offset 444 / 629 mm / -34 mm

Geometrie-Konzept: Nicolai ION-G13

Die für 2017 neu vorgestellte Geolution-Linie von Nicolai ist das direkte Ergebnis der Geometron-Experimental-Bikes des letzten Jahres. Sie soll zeigen, welches bisher ungenutzte Potenzial in den modernen Trail-Geometrien schlummert. Mit dem typischen, fast schon industriellen Raw-Look aus geraden Rahmenrohren, groben Schweißnähten und allerlei feinen CNC-Frästeilen sticht das ION-G13 bereits optisch heraus. Doch die super lange Geolution-Geometrie macht das ION-G13 noch mehr zum Grenzgänger – sogar in Medium ist der Viergelenkerrahmen länger als manch andere Bikes in Größe XL. Durch den ultrakurzen Vorbau und den extrem steilen Sitzwinkel fällt die Sitzposition trotzdem recht unauffällig aus. Lediglich der Tritt von oben durch den steilen Sitzwinkel erfordert auf Strecke ein wenig Gewöhnung.

  Nicolai Ion-G13Foto: Wolfgang Watzke
Nicolai Ion-G13

Auf steilen Trails zeigt das ION-G13 dann, was in ihm steckt. Die hohe Laufruhe bringt selbst in Grenzsituationen eine Fahrsicherheit, wie man sie eher von einem Enduro-Racebike kennt. Je steiler und schneller, desto besser. Der lange Rahmen macht das Bike sehr unempfindlich gegenüber Laständerungen des Fahrers, verlangt aber in Kurven aktiv Druck auf dem Vorderrad. Bergab werden alle Überschlagsgefühle einfach ausradiert, und bergauf kann man selbst dort noch gelassen im Sitzen hochkurbeln, wo bei den meisten anderen Bikes längst das Vorderrad steigt. Verwinkelte Trails mit Spitzkehren, Drops bei geringer Geschwindigkeit oder Manuals stellen den Fahrer durch den extremen Radstand allerdings vor eine fahrtechnische Herausforderung. Der Hinterbau arbeitet recht straff. In der Low-Position schießt das Nicolai allerdings über das Ziel hinaus, weshalb wir im Test die etwas moderater ausfallende High-Position bevorzugten.


Christian Artmann, BIKE-Tester:
Das Nicolai ION-G13 geht mit seiner Geome­trie hart ans Limit und polarisiert, weshalb nicht jeder damit glücklich wird. Statt einfaches Draufsetzen, verlangt das Bike nach einer Eingewöhnungszeit. Danach kann das Nicolai aber richtig Spaß machen und dazu verleiten, seine Grenzen zu verschieben, da es Reserven bietet, wo andere Bikes bereits am Limit sind.

  Christian Artmann, BIKE-AutorFoto: Georg Grieshaber
Christian Artmann, BIKE-Autor
  Nicolai: Mit dem Chip an der Dämpferaufnahme lässt sich die Geometrie noch fein- einstellen – wir fanden Low bereits zu extrem. Foto: Georg Grieshaber
Nicolai: Mit dem Chip an der Dämpferaufnahme lässt sich die Geometrie noch fein- einstellen – wir fanden Low bereits zu extrem. 
  Nicolai: BSA-Tretlager, ISCG-05-Aufnahme, allerlei Fräskunst und servicefreundliche extern verlegte Züge. Was will man mehr?Foto: Georg Grieshaber
Nicolai: BSA-Tretlager, ISCG-05-Aufnahme, allerlei Fräskunst und servicefreundliche extern verlegte Züge. Was will man mehr?
  Nicolai Ion-G13Foto: BIKE Magazin
Nicolai Ion-G13
  Nicolai Ion-G13Foto: BIKE Magazin
Nicolai Ion-G13


Technische Daten Nicolai Ion-G13


Preis 5949 Euro
Federweg vorne / hinten 140 mm / 132 mm
Material / Größen Alu / S / M / L / XL / XXL (46 cm)
Gewicht o. P. / Rahmen 13,84 kg / 3419 g (ohne Dämpfer)
Gabel / Dämpfer Fox 34 Float Factory / Fox Float DPS Factory EVOL
Kurbeln / Schaltung Hope Spiderless / Sram X1, 11 Gänge
Übersetzung / Lenkerbreite 30; 10–42 / 780 mm
Bremsanlage / Disc Hope Tech3 E4 / 180/180 mm
Teleskopstütze Rockshox Reverb Stealth, 150 mm
Laufräder Hope Pro4 EVO-Naben, WTB KOM-i29-Felgen,Continental Mountain King Protection 29 x 2,4-Reifen
Reach / Stack / BB-Offset 481-488 / 612-617 mm / -24 bis -32,5 mm


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