MTB Trainingsplan Phase 1Noch 3 Monate bis zum Wettkampf

Schluss mit dem Dornröschen-Schlaf! Sportlich ambitionierte Mountainbiker starten jetzt mit dem Training nach Plan.
Foto: Max Fuchs

Große Ziele aber noch keine große Form? Wir zeigen, was zu tun ist, um Wollen und Können auf dem Mountainbike miteinander in Einklang zu bringen. Die ultimative Crash-Anleitung, um Beine und Ausdauer für den Sommer in Schwung zu bringen. Unsere dreiteilige Serie startet mit Phase 1 und macht Dich in drei Monaten fit für deine persönliche Radsport-Challenge.

​Der Mindesteinsatz für planbaren Fortschritt: Drei mal Biken pro Woche – mit etwas Struktur, aber ohne pedantische Mikro-Trainingssteuerung. Dabei kommt es mehr auf Kontinuität als auf einzelne Superheldenaktionen an. Wer drei Monate lange konsequent Druck auf der Kette hält, wird belohnt mit mehr Kraft, Power und Durchhaltevermögen. Die wichtigste Einzelmaßnahme ist jetzt ein Event rauszupicken, das Lust macht und nicht ganz ohne Training im Handumdrehen zu meistern ist. Damit ist der motivierende Rahmen gesetzt und der Rest läuft fast von allein.

Wie viel Steigerung konkret in drei Monaten möglich ist, lässt sich nicht seriös sagen, da die Voraussetzungen sehr unterschiedlich sein können. Klar aber ist: die Zeit reicht für echte physiologische Anpassungen, weshalb Ziele erreichbar sind, die momentan noch zwei Nummern zu groß wären. Wir machen konkrete Vorschläge, was in den drei Monaten zu tun ist, um im Sommer bestens vorbereitet bei Marathons oder anderen Events mitzumischen. Dazu gliedern wir die Zeit in drei Phasen, die aufeinander aufbauen, aber auch für sich genommen als Fahrplan taugen. Zum Beispiel bei späterem Einstieg. Unser Trainingsplan für Phase 1 legt ein Fundament für den späteren Erfolg.

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Die Zeit läuft, die Uhr tickt: Wer seine Fitness aufs nächste Level heben will, muss jetzt mit dem Training starten.Foto: Max FuchsDie Zeit läuft, die Uhr tickt: Wer seine Fitness aufs nächste Level heben will, muss jetzt mit dem Training starten.

Woche 1 bis 4: Ins Rollen kommen

Für den Trainingseinstieg gilt: Langsam macht die Ausdauer. Die Strecken sind in dieser Phase flach bis wellig. Mehr Strecke kommt vor mehr Tempo. Krafttraining ergänzt den Aufbau. Die Mehrzahl der Trainings wird mit geringer bis mittlerer Intensität bestritten. Damit der Trainings-Reiz nicht stagniert, sollten die Strecken zudem sukzessive länger werden. Die rasche Steigerung der Distanzen bedingt, vor allem das Tempo zu kontrollieren. Gemäßigtes Tempo ist wichtig, damit neue Zellkraftwerke entstehen, Körperfett als wertvoller Brennstoff erschlossen und der Stoffwechsel effizienter wird.

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Die Fettspeicher, von der Natur als Überlebenstrick ausgeheckt, sind genial für uns Ausdauersportler. Selbst die magersten Biker haben ein paar Kilo Fett am Körper, das Brennstoff bietet für tausend Kilometer und mehr. Diesen geniale Bio-Brennstoff zum „Dieseln“ zu nutzen, erfordert aber Übung und angepasstes Tempo. Wer immer volle Pulle fährt, leert zunächst die limitierten Zuckervorräte in den Muskeln und der Leber. Und ist der Superbrennstoff aufgebraucht, wird’s bitter. Dann hilft auch das Fett nicht mehr. Was wir wollen, ist, dass Fette, in Muskeln und Leber gespeicherter Zucker und mit der Nahrung zugeführter Zucker stets parallel in die Muskelbrennöfen fließen und im Training keine Mangellage entsteht. „Fett verbrennt im Feuer der Kohlenhydrate“ ist der dazu passende Merksatz. Gewaltaktionen sind daher fehl am Platze, wir wollen in der Phase 1 vor allem die Kontinuität pflegen.

Beim Training dürfen Mountainbiker ihre Energieversorgung nie aus dem Blick lassen. Das Gilt während den langen Grundlagen-Einheiten der Phase 1 besonders.Foto: Max FuchsBeim Training dürfen Mountainbiker ihre Energieversorgung nie aus dem Blick lassen. Das Gilt während den langen Grundlagen-Einheiten der Phase 1 besonders.

​Umfänge: Mit Augenmaß beginnen und steigern

Welcher Umfang zu Beginn sinnvoll ist, hängt an der Vorgeschichte. Wer zuletzt kaum Sport gemacht hat, steigt mit 6 Wochenstunden ein, ambitionierte Sportler, die rund ums Jahr trainieren, sind eher mit 10-15 Wochenstunden unterwegs und steigern ihr Pensum punktuell zum Beispiel durch Trainingslager. Training beginnt mit drei Trainings pro Woche, besser sind vier oder fünf. Wer mit dem Rad pendelt kommt leicht auf viel mehr Einheiten. Im Prinzip gilt es die Gesamtstunden auf dem Rad zu erhöhen. Vereinzelt sollte das Training auch am Stück lang sein, um die entsprechende Ermüdung zu provozieren. 3 + x Stunden ist die Definition für lang in dieser Phase. Solch ein Training sollte mindestens einmal die Woche stattfinden.

1x pro Woche: kurz und hart

Länge ist wichtig, aber Speed auch. Deshalb differenzieren wir. Einmal pro Woche sollte das aerobe System ans Limit gepusht werden: 3x3 bis 4x4 Minuten Vollgas! Tut weh, aber hilft. Ziel ist ein hohes und gleichmäßiges Tempo im Bereich der maximalen Sauerstoffaufnahme. Also nicht mit einem Sprint beginnen, sondern kontrolliert schnell losfahren! Die Atmung reagiert schnell, die subjektive Belastung wird aber erst nach zwei Minuten richtig spürbar. Zum Ende wird es immer hart, auch wenn man nur das Tempo hält. Bewährtes Format für diese Anstrengung: Bergfahrten. Denn mit der Steigung als natürlichem Gegner und dem Gipfel als Ziel fällt es leichter, durchzuziehen. Vier Minuten-Hügel stehen ja in fast jedem Revier. Unsere Empfehlung: denselben Hügel immer wieder rauf und runter fahren. Zwischen den stürmischen Klettereien zehn Minuten betont locker durchs Tal kurbeln.

Ein mal pro Woche dürfen Biker auch in Phase 1 des Trainingsplans die Pferde vom Zaum lassen.Foto: Georg GrieshaberEin mal pro Woche dürfen Biker auch in Phase 1 des Trainingsplans die Pferde vom Zaum lassen.

Mehr Kraft für mehr Souveränität

Krafttraining ergänzt das Biken. Muckibude muss nicht sein, das eigene Körpergewicht reicht. Oberkörpertraining ist Pflicht, um das Bike jederzeit kontrollieren zu können. Die Beine zu kräftigen, ist aber ebenfalls ratsam. Denn an Schlüsselstellen ist beim Biken Drehmoment gefragt. Mehr Kraft hilft, souveräner über alle Klippen zu klettern. Auch die Belastung in technischen Downhills ist nicht zu unterschätzen, wenn der Sattel kaum Körperkontakt bekommt. Insgesamt fordert Biken den ganzen Körper; vielseitiger und intensiver als etwa beim Rennradfahren. Deshalb ist eine gute Athletik anzustreben und nicht nur ausdauergestählte Beine.

​ Zum Abschluss der Phase 1 sollte es möglich sein, vier Stunden am Stück zu Biken, ohne sich zu verausgaben. Die letzte Woche des ersten Blocks ist eine Entlastungswoche mit reduziertem Umfang.

Krafttraining ist für ambitionierte Mountainbiker keine Kür, sondern Pflicht.Foto: Johannes GeyKrafttraining ist für ambitionierte Mountainbiker keine Kür, sondern Pflicht.

Trainingsplan Phase 1: Drei Monate bis zum Wettkampf

Umfang: 7-12 Stunden / Woche, 3-5 Trainings / Woche

WochentagWoche 1Woche 2Woche 3Woche 4 (Entlastung)
Montag30-60 min Krafttraining30 min30 min30 min
Dienstag1,5 h Biken, darin Intervalle: 3 x 4 min volle Pulle bergauf, dazwischen gut erholen2 h, 4 x 4 min2 h, 4 x 4 min2 h, 4 x 4 min
Mittwochoptional: 2 h Grundlagentempo2 h2,5 h2 h
Donnerstag1,5 h etwas höheres Grundlagentempo als bei den langen Fahrten30 min30 min30 min
Freitag30-60 min Krafttraining
Samstagoptional: 2 h Grundlagentempo
Sonntag3 + x h flach bis wellig, lockeres Grundlagentempo3,5 + x h4 + x h3 + x h
Training mit Köpfchen: Eine gezielte Saisonvorbereitung startet mit einem guten Trainingsplan.Foto: StorychiefTraining mit Köpfchen: Eine gezielte Saisonvorbereitung startet mit einem guten Trainingsplan.

Fazit

Noch ist Zeit sich mit strukturiertem Training aufs Saisonhighlight vorzubereiten. Phase 1 unseres Drei-Monats-Plans erfordert Geduld, denn das Tempo sollte nur langsam gesteigert werden. Biker, die jetzt die nötigen Umfänge investieren, tun sich später in der Saison deutlich leichter. Gutes Grundlagentraining ist kontinuierlich und unersetzlich. Fahrrad-Pendeln zum Beispiel kann das Zeitmanagement erleichtern. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Aller Anfang ist schwer: Mountainbiker dürfen sich nicht von den hohen Umfängen des Grundlagentrainings abschrecken lassen, wenn sie zum Saisonhöhepunkt fit sein wollen.Foto: Max FuchsAller Anfang ist schwer: Mountainbiker dürfen sich nicht von den hohen Umfängen des Grundlagentrainings abschrecken lassen, wenn sie zum Saisonhöhepunkt fit sein wollen.

Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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