Gitta Beimfohr
· 24.06.2026
Bei 30 Grad Lufttemperatur flimmern über einer Asphaltstraße in der Sonne schnell mal 60 Grad. Das fühlt sich mit Rennradreifen bereits klebrig an. Insofern haben es Mountainbiker bei den derzeitigen Hitzetemperaturen etwas angenehmer. Schotter heizt sich bei direkter Sonneneinstrahlung auf “nur” ca. 45 Grad auf. So lang man in Bewegung bleibt, kühlt der Fahrtwind noch ganz gut.
Aber wehe, es geht in den Anstieg. Die kühlende Brise reißt ab, die Luft scheint zu stehen, der Schweiß tropft vom Kinn, die Sonnencreme brennt in den Augen und die schwitzigen Hände finden kaum noch Grip. Man fühlt sogar den Puls unterm Helm puckern.
Dabei kann man dem Ganzen als Mountainbiker mit einer gezielten Tourenauswahl gegensteuern. Auch Alpenüberquerer, deren Route ja vorgezeichnet ist, können unterwegs noch etwas nachjustieren.
Wer bei den aktuellen Temperaturen von deutlich über 30 Grad in seiner Touren-App nach hitzetauglichen Mountainbike-Touren sucht, sollte auf Anstiege in Nordflanken achten, die möglichst lang im Wald verlaufen.
Bei 1800 Meter Höhe ist zwar die Baumgrenze erreicht, doch dann stößt man bereits in eine Zone mit deutlich angenehmeren Temperaturen vor. Die grobe Faustregel lautet: Pro 100 Höhenmeter fällt das Thermometer um ein Grad.
Ein Bergbach, der neben einem langen Anstieg dahinplätschert, ist nicht nur hübsch fürs Auge. Er strahlt auch spürbare Frische aus. So, als ob Mutter Natur fürsorglich die Kühlschranktür öffnet, um Erleichterung zu schaffen.
Oder wie Wissenschaftler sagen: Verdunstungskälte. Kaltes Bergwasser entzieht der Luft Wärme und verdunstet dabei. Der Wind trägt diese abgekühlte Luft in die umliegende Region. Wer also eine Tour findet, die durch einen nordseitigen Bergwald führt und dabei noch einer Wasserquelle folgt, ist perfekt temperiert unterwegs. Besonders fündig wird man in der Nähe von Schluchten!
Das weiß natürlich jeder Bergsportler: Das einfachste Mittel, um der Hitze am Berg zu entgehen, heißt: So früh wie möglich starten und die Morgentau-Kühlung für den Anstieg mitnehmen.
Das hat auch den Vorteil, dass man sein Touren- und Etappenziel am frühen Nachmittag erreicht. An Tagen mit starker Sonneneinstrahlung bauen sich besonders in felsigen Bergregionen häufig lokale Wärmegewitter auf, die sich am Nachmittag ab 16 Uhr kurz aber heftig entladen können.
Alpenüberquerer können ein bisschen taktieren: Die Übernachtung auf der Hütte ist sicher angenehm kühl, aber der Morgen startet mit einer Abfahrt und der erste Anstieg geht dann schon wieder in Richtung Mittagshitze. In manchen Regionen ist es daher überlegenswert, doch im Tal zu übernachten. Die wärmsten Tagesstunden liegen zwischen 14 und 17 Uhr.
Während wir hier gerade in München um 16 Uhr bei 32 Grad im Büro schwitzen, wehen über die Trails von Livigno angenehme 24 Grad. Warum? Weil der Trailspot mitten im Alpenhauptkamm liegt.
Die Touren fangen hier erst auf 1800 Meter Höhe an. Also praktisch im Kühlfach der Alpen. Dafür gibt es keine Waldpassagen, die vor der Sonne schützen. Eincremen ist hier also besonders wichtig. Weitere Topspots in angenehm kühler Höhe:
Am besten startet man morgens vor dem Frühstück schon mit einem Extra-Glas Wasser, damit die Speicher aufgefüllt sind. Trinkwasser für unterwegs: so viel wie möglich mitnehmen und bei der Routenwahl unbedingt auf Nachfüllmöglichkeiten wie Hütten und Trinkbrunnen achten. Vom Nachfüllen in Bächen und Quellen raten die Experten ab, weil das Wasser beispielsweise durch Kuhdung oder tote Tiere im Wasser verunreinigt sein kann.
Um sich selbst kurz abzukühlen, sind Bäche und Seen aber immer willkommen. Übrigens ist es bei Hitze auch schlau, Baumwolle zu tragen. Ein nasses T-Shirt kühlt die Haut besser als ein Funktionsshirt, das die Feuchtigkeit vom Körper abführt. Dann aber unbedingt ein Shirt zum Wechseln dabei haben, falls es bei der Rast oder in der Höhe mit verschwitztem Shirt zu kühl wird.
Einen gut belüfteten Helm spürt man auch bei Hitze nicht. Im Gegenteil: Er schützt vor direkter Sonneneinstrahlung und damit vor einem Sonnenstich. Das Gemeine an einem Sonnenstich ist nämlich: Die Symptome wie starke Kopfschmerzen, steifer Nacken, Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen setzen erst mehrere Stunden später ein.
Als eindeutiges Anzeichen für eine Überhitzung ist das “weiße Mund-Nasen-Dreieck” im Gesicht. Das bedeutet, ein Wasser- und Mineralstoffmangel liegt vor. Dann heißt es: viel trinken! Am besten rührt man dann in einen Liter Wasser noch einen halben Teelöffel Salz.
Auf den Trails vor der eigenen Haustür brüten bereits 32 Grad und trotzdem soll es im Sommerurlaub in den Süden gehen? Echte Italienfans schaffen das. Alle anderen sollten ihren Blick aber ruhig mal Richtung Norden wenden: Schottland, Norwegen, Dänemark, Irland und Island sind nicht gerade die günstigsten Reiseländer, aber sie haben perfekte Sommertemperaturen und ausgesprochen meisterhaft angelegte Trails!
Temperaturen von über 30 Grad erhöhen den Widerstand im Inneren des Akkus. der Motor ist weniger leistungsstark und die Reichweite sinkt spürbar. Läuft der Akku zu heiß, schaltet sich das System komplett aus.
Daher das Bike immer im Schatten parken oder den Akku bei der Rast entnehmen. Auch ein Ladevorgang in der prallen Sonne schadet den Batteriezellen. Ist der Akku nach dem Anstieg heiß gelaufen, besser 15 Minuten abkühlen lassen, bevor man ihn ans Ladegerät anschließt.

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