”Wormisionssteig” - ob um den Goldseeweg wohl auch so ein Kult entstanden wäre, wenn man seinen ursprünglichen Namen beibehalten hätte? Bis heute ist dieser Trail noch immer die erste Adresse im Vinschgau.
Bis zu 100 Biker tummelten sich an einem schönen Sommertag auf diesem Panorama-Trail zwischen Stilfserjoch und Vinschgau. Bis die Behörden die Reißleine zogen und Mountainbiker 2009 vom Goldseeweg verbannten. Zu viele Wanderer hatten sich beschwert. Gerade im oberen Abschnitt, zwischen Furkelhütte und Dreisprachenspitze sei einfach zu wenig Platz, um bergabschießenden Bikern gefahrlos auszuweichen.
Ganz unrecht hatten die Wanderer nicht. Allerdings: Je länger die Sperre dauerte, desto lauter wurden die Proteste seitens der Biker. So einigte man sich 2013 schließlich mit den Behörden auf eine Zeiten-Regelung: Biker dürfen den Trail wieder fahren, aber nur vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr. Seither sieht man im Sommer früh morgens die Shuttlebus-Karawanen auf der Stilfserjochstraße pendeln. Denn wer den Trail fahren will, muss sich um 9 Uhr Uhr oben am Stilfserjoch abstoßen und noch die 80 Höhenmeter-Schotterrampe zum Rifugio Garibaldi hochtreten. Allein der Shuttle braucht ca. eine Stunde. Um den Traileinstieg völlig aus eigener Kraft zu erreichen, müsste man also schon sehr früh morgens im Tal loskurbeln. Oder auf dem Stilfserjoch übernachten.
Vielleicht hatte man gehofft, dass sich der Kult um diesen Trail mit diesen Einschränkungen etwas legen würde. Zumal in den vier gesperrten Jahren unfassbar viele andere Trails im Vinschgau aufploppten, die mindestens genauso viel - wenn nicht sogar noch mehr - Spaß machen. Doch keine Chance. Der Hype um den Trail flammte direkt nach der Teilzeit-Eröffnung 2013 wieder auf und hält sich seither auf stabilem Niveau. Kein Wunder wenn man sich die nackten Zahlen des Goldseeweg-Trails auf der Zunge zergehen lässt:
Keine Ahnung, ob irgendjemand den Namensgeber Goldsee jemals gesehen hat. Eine Informationstafel weist zumindest an der noch leicht feuchten Stelle darauf hin, dass es dort mal so etwas wie einen kleinen Tümpel gegeben haben muss. Angeblich hat sein Wasser bei bestimmten Lichtverhältnissen golden geschimmert. Man sagt, nach besonders schneereichen Wintern soll sich dort manchmal wieder eine kleine Pfütze bilden. Doch wo liegt denn nun das Gold für Biker? Wir sehen es hier:
Bis zum Bau der berühmten Stilfserjochstraße im Jahr 1825 war der “Wormisionssteig” eine der Hauptverbindungswege zwischen Vinschgau und Bormio. Zumindest für den Warentransport zu Fuß. Das Rifugio Garibaldi, oben auf der Dreisprachenspitze diente in diesen Zeiten noch als Zollhaus. Dann kam der Erste Weltkrieg mit seiner “Gletscherfront” in diesem Gebiet und vornehmlich Soldaten stapften den Panoramaweg zu den strategisch wichtigen Stellungen am Stilfserjoch hinauf. Später geriet der Weg in Vergessenheit und wurde erst 1999 für Wanderer wieder hergerichtet. Man kann die Geschichte des Weges noch detaillierter auf den Infotafeln entlang des Goldseewegs nachlesen.
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Redakteurin
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