Legendäre MTB-Touren, Teil 7Der Goldseeweg

Gitta Beimfohr

 · 16.08.2026

Legendäre MTB-Touren, Teil 7: Der GoldseewegFoto: Trafoi
Seit 2013 stehen Supertrail-Sammler für den Goldseeweg gerne früh auf.

”Wormisionssteig” - ob um den Goldseeweg wohl auch so ein Kult entstanden wäre, wenn man seinen ursprünglichen Namen beibehalten hätte? Bis heute ist dieser Trail noch immer die erste Adresse im Vinschgau.

Bis zu 100 Biker tummelten sich an einem schönen Sommertag auf diesem Panorama-Trail zwischen Stilfserjoch und Vinschgau. Bis die Behörden die Reißleine zogen und Mountainbiker 2009 vom Goldseeweg verbannten. Zu viele Wanderer hatten sich beschwert. Gerade im oberen Abschnitt, zwischen Furkelhütte und Dreisprachenspitze sei einfach zu wenig Platz, um bergabschießenden Bikern gefahrlos auszuweichen.

Vier Jahre lang kein Goldseeweg für Biker

Ganz unrecht hatten die Wanderer nicht. Allerdings: Je länger die Sperre dauerte, desto lauter wurden die Proteste seitens der Biker. So einigte man sich 2013 schließlich mit den Behörden auf eine Zeiten-Regelung: Biker dürfen den Trail wieder fahren, aber nur vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr. Seither sieht man im Sommer früh morgens die Shuttlebus-Karawanen auf der Stilfserjochstraße pendeln. Denn wer den Trail fahren will, muss sich um 9 Uhr Uhr oben am Stilfserjoch abstoßen und noch die 80 Höhenmeter-Schotterrampe zum Rifugio Garibaldi hochtreten. Allein der Shuttle braucht ca. eine Stunde. Um den Traileinstieg völlig aus eigener Kraft zu erreichen, müsste man also schon sehr früh morgens im Tal loskurbeln. Oder auf dem Stilfserjoch übernachten.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Vielleicht hatte man gehofft, dass sich der Kult um diesen Trail mit diesen Einschränkungen etwas legen würde. Zumal in den vier gesperrten Jahren unfassbar viele andere Trails im Vinschgau aufploppten, die mindestens genauso viel - wenn nicht sogar noch mehr - Spaß machen. Doch keine Chance. Der Hype um den Trail flammte direkt nach der Teilzeit-Eröffnung 2013 wieder auf und hält sich seither auf stabilem Niveau. Kein Wunder wenn man sich die nackten Zahlen des Goldseeweg-Trails auf der Zunge zergehen lässt:

  • Länge ab Stilfserjoch: 25,2 Kilometer
  • Trail-Anteil: 18,9 Kilometer
  • Bergab: 2213 Tiefenmeter
  • Gegenanstiege: 329 Höhenmeter
  • Panorama: unbezahlbar

Vom See keine Spur mehr - das Gold liegt woanders

Keine Ahnung, ob irgendjemand den Namensgeber Goldsee jemals gesehen hat. Eine Informationstafel weist zumindest an der noch leicht feuchten Stelle darauf hin, dass es dort mal so etwas wie einen kleinen Tümpel gegeben haben muss. Angeblich hat sein Wasser bei bestimmten Lichtverhältnissen golden geschimmert. Man sagt, nach besonders schneereichen Wintern soll sich dort manchmal wieder eine kleine Pfütze bilden. Doch wo liegt denn nun das Gold für Biker? Wir sehen es hier:

  • Der erste Blick: Hat man den Einstieg knapp unter dem Rifugio Garibaldi erreicht, blickt man auf einen langen Berggrat (Grenze zur Schweiz), der gerade von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wird und dabei auf jeden Fall rötlich-golden schimmert.
  • Wartet man ein paar Minuten, leuchtet die Sonne bald auch in den Schotterhang darunter und man erkennt dieses Wegband, das den kompletten Hang durchquert ohne viel Höhe zu verlieren: Voilà, der Goldseeweg ist ausgeleuchtet. Es kann losgehen!
  • Ortlerblick: Der Trail saugt einen ins Panorama vor dem Lenker, hinein aber der Blick zurück ist noch schöner: Da wacht gerade der dicke Eispanzer des Ortler auf!
  • Bimbam-Abzweig: Man möchte diese Panorama-Höhe in der wärmenden Sonne nicht verlassen, aber die Locals haben schon recht: Ab der zweiten Kaserne nimmt man am besten den “Bimbam”-Trail nach Trafoi hinunter. Seine Zickzack-Kehren sind komplett fahrbar, im Gegensatz zu dem, was kurz darauf auf dem Goldseeweg auftaucht: eine verblockte Geröllhalde bis zur Furkelhütte hinunter. Die dürfte nur für die Wenigsten fahrbar sein.
  • Mit dem Sessellift geht’s von Trafoi zurück auf den fahrbaren Teil des Goldseewegs. Dann sind zwischen Furkelhütte und Oberer Stilfseralm ein paar ordentliche Gegenanstiege wegzudrücken.
  • Ab der Stilfseralm steuert der Pfad dann aber wirklich Richtung Tal: 1300 Tiefenmeter nach Prad hinunter. Teils auf wurzeligem, aber meist griffigem Waldboden.

Auch der Goldseeweg war einst Militärweg

Bis zum Bau der berühmten Stilfserjochstraße im Jahr 1825 war der “Wormisionssteig” eine der Hauptverbindungswege zwischen Vinschgau und Bormio. Zumindest für den Warentransport zu Fuß. Das Rifugio Garibaldi, oben auf der Dreisprachenspitze diente in diesen Zeiten noch als Zollhaus. Dann kam der Erste Weltkrieg mit seiner “Gletscherfront” in diesem Gebiet und vornehmlich Soldaten stapften den Panoramaweg zu den strategisch wichtigen Stellungen am Stilfserjoch hinauf. Später geriet der Weg in Vergessenheit und wurde erst 1999 für Wanderer wieder hergerichtet. Man kann die Geschichte des Weges noch detaillierter auf den Infotafeln entlang des Goldseewegs nachlesen.

Download der GPS-Daten

Abonnenten des BIKE-Magazins oder der digitalen Premium-Variante können die GPX-Daten auf bike-magazin.de unter “Mein Bereich” nach einmaliger Anmeldung kostenlos herunterladen.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

Meistgelesen in der Rubrik Touren

Shorts