30 Jahre Bike Hotels Südtirol“Nach der Tour ging’s ohne Umziehen direkt in die Küche.”

Gitta Beimfohr

 · 06.07.2025

So wie Cannondale einst mit dem Raven ging auch Kurt Resch ganz eigene Wege als Guide. Nur eben erfolgreicher. Hier bei einem damals recht waghalsigen Stunt am Grödnerjoch.
Foto: Kurt Resch
Als Hotelbesitzer, Tourenguide und Chefkoch hat Kurt Resch den Bike-Tourismus in Südtirol von Beginn an mitbekommen, wenn nicht sogar selbst mit ausgelöst. Wie ging das vor 30 Jahren eigentlich los, Kurt. Und: Wie hat sich das Mountainbiken bei euch inzwischen entwickelt?

Genau genommen muss es heißen: 28 Jahre Bikehotels, aber 30 Jahre Touren-Guiding in Südtirol. Denn jenseits des Brenners waren es vor allem die Hoteliers, die damals in der noch jungen und etwas verrückten Sportart ein neues Gäste-Potenzial witterten. Ein Klientel mit neuen Ansprüchen bei Unterkunft und Verpflegung, aber auch in Sachen Tourenangebot. Hotelwirte, die selbst Spaß am Mountainbiken hatten, wussten natürlich am schnellsten mit einem entsprechenden Angebot für Biker zu reagieren. Und daraus entwickelte sich zwei Jahre später die Idee mit dem Dachverband der bikenden Hoteliers.

Einer dieser Südtiroler Bike-Pioniere war Kurt Resch. Heute Wirt im legendären Bikehotel Steineggerhof im Eggental, damals in seinen 20er-Jahren, noch Chefkoch und passionierter Tourenguide in Personalunion.

BIKE: Kurt, du bist seit über 30 Jahren als Bikeguide unterwegs – wie hat das Ganze in Südtirol eigentlich angefangen?

Kurt Resch: Ganz ehrlich? Für mich war klar: Wenn mir das Biken so viel Spaß macht, dann wird es auch anderen gefallen. Also dachte ich mir, warum sollen die nicht Urlaub bei uns machen? 1994 haben wir dann unser erstes Inserat in der BIKE geschaltet. Ergebnis: null Resonanz. Erst ein Jahr später kamen die ersten Biker.

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Weißt du noch, wer diese ersten Gäste waren?

Klar! Achim und Sedat hießen die. Die haben mir damals gezeigt, was Biken wirklich heißt – weder bergauf noch bergab konnte ich mithalten. Aber sie haben brav gewartet, wahrscheinlich, weil sie nicht wussten, wo’s langgeht. Die zwei sind gute Freunde geworden, wir haben heute immer noch Kontakt.

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Die ersten bikenden Gäste tröpfelten in den 90er-Jahren noch eher zögerlich ins Eggental.Foto: Kurt ReschDie ersten bikenden Gäste tröpfelten in den 90er-Jahren noch eher zögerlich ins Eggental.

Wie hat sich das Ganze dann weiterentwickelt?

Die Biker-Zahlen haben sich fast jedes Jahr verdoppelt oder verdreifacht. Klar, wenn du mit zwei Bikern startest, dauert’s halt ein paar Jahre, bis sich das rechnet.

“Seilbahnen waren verpönt, sowas wie Shuttles gab’s nicht.”

Wie waren die Touren damals so?

Ganz anders als heute. Die Bikes waren in den 90ern noch am Anfang der Evolution. Schwierige Trails konnte fast niemand fahren, dafür sind wir mega lange Strecken mit vielen Höhenmetern gefahren. Seilbahnen waren verpönt, sowas wie Shuttles gab’s nicht. Unsere Touren hatten oft zwischen 50 und 90 Kilometer und 1200 bis 2000 Höhenmeter – das hat automatisch ausgesiebt. Nur Biker mit richtig guter Kondition sind zu uns gekommen.

Stichwort Bike- und Fahrtechnik: Wie war das damals?

Während unserer Anfangszeit kamen gerade die ersten Federgabeln raus. Zum Beispiel die Manitou mit 2,5 Zentimetern Federweg. Dann gab’s die erste Gabel mit 8 Zentimetern Federweg und wir dachten: Echt? Wer braucht das? Tja, es kam anders. Denn auch wir konnten damit endlich die schwierigen Trails fahren und das Touren-Programm entsprechend erweitern. Von da an haben wir uns spezialisiert und unsere Touren in „Singletrail-Touren“ umbenannt.

Du warst ja nicht nur Guide, sondern auch noch Koch. Wie hast du das zusammen gekriegt?

Stimmt. Ich war Chefkoch und Guide in Personalunion. Fleisch hab ich oft am Vortag vorbereitet und mit meiner Mitarbeiterin abgesprochen, was zu tun ist. Kam ich dann von der Tour zurück, ging’s ohne umzuziehen direkt in die Küche. Da war ich Mitte 20, das ging. Heute? Undenkbar.

Wie kam es zum Verband der Bike Hotels Südtirol?

Im Kleinanzeigen-Teil der Magazine las ich von anderen Südtirolern, die auch um Biker warben – Armin vom Traminerhof etwa oder Georg vom Hotel Dolomiten. Da dachte ich mir: Wenn wir uns unter einem Dach zusammentun, können wir größere Inserate schalten. So sind 1998 die Bike Hotels Südtirol entstanden.

Wie hat sich dein Team entwickelt?

Irgendwann kam ich zeitlich doch an meine Grenzen mit Biken und Kochen. Also haben wir 2004 unseren ersten Bikeguide Christoph angestellt. Später kamen Dieter, Martin, Alex, Patrick und Hansjörg dazu. Sogar mein Onkel Peter half teilweise aus, da wir oft mit drei Gruppen gleichzeitig unterwegs waren.

Die One-Man-Show zwischen Biketrail und Kochgeschirr hat Kurt irgendwann schon aus zeitlichen Gründen nicht mehr hingekriegt. Auch seine Leihbikes tragen mittlerweile Akkus.Foto: Jens VoegeleDie One-Man-Show zwischen Biketrail und Kochgeschirr hat Kurt irgendwann schon aus zeitlichen Gründen nicht mehr hingekriegt. Auch seine Leihbikes tragen mittlerweile Akkus.

Dein verrücktestes Erlebnis mit bikenden Gästen?

Ach, da gibt’s viele! Einmal trafen sich Urs, Norbert und Klaus bei uns, die sich Ende der 90er hier kennengelernt hatten. Klaus hatte Urs damals heimlich einen großen Stein in den Rucksack gesteckt – und der merkte erst wieder im Hotel, warum sein Rucksack heute so schwer war. Ärger und Lachen lagen da nah beieinander.

Wie hat das E-MTB bei euch Einzug gehalten?

2011 durften wir bei Thömus den ersten E-Bike-Prototypen testen. Dieter und ich sind damit gefahren und hatten sofort ein breites Grinsen im Gesicht. Da wussten wir: Das ist die Zukunft. Von unseren Gästen wollten es anfangs die wenigsten probieren. Schämten sich fast dafür, wenn sie es doch taten. Ich habe mir damals auf Facebook einiges anhören dürfen. Doch heute bringen die meisten Gäste bereits ihr eigenes E-MTB mit – meine Genugtuung ist groß.

Wie sieht’s heute mit dem Guiding bei euch aus?

Heute machen unsere Guides oft wieder Forst- und Waldwegtouren oder geben Fahrtechnikkurse für Anfänger. Die Zielgruppen haben sich verschoben: Familien, Tourenradfahrer und Einsteiger sind stark geworden. Trailfreaks gibt es natürlich auch noch, aber für die brauchen wir nur noch selten ein Shuttle-Fahrzeug.

Und was bedeutet dir das Mountainbiken heute?

Ach, das ist mein Leben. Ohne das Biken wäre ich heute sicher nicht da, wo ich bin. Und wenn ich sehe, wie viele Freundschaften hier entstanden sind, dann weiß ich, das hat sich alles gelohnt.

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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