Text: Dr. Heinz Klausmann
Bevor wir die Ermittlungen aufnehmen können, heißt es zunächst Fahrrad statt Polizeiauto, Klingel statt Martinshorn. Raynald Aubert vom lokalen Verkehrsbüro „Fanal“ wartet bereits mit unseren Leih-Vélos. Schon nach dreizehn Kilometern auf der „Voie verte“, einem gut beschilderten Radweg, ist Périgueux erreicht.
Zu Fuß geht es auf Spurensuche in die historische Altstadt. Bronzene Jakobsmuscheln weisen den Pilgern auf dem Jakobsweg seit Jahrhunderten den Weg durch die gepflasterten Gassen. Der aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. stammende Vésone-Turm zeugt von der römischen Besetzung der Stadt. Das Museum im archäologischen Garten erinnert an die antike Vergangenheit von Périgueux. Auf dem Weg zu unseren Rädern passieren wir das Polizeipräsidium am 2, cours Fénelon. In einem der Büros arbeitet wohl gerade Jean-Jaques, der Vorgesetzte Brunos, an einem neuen Fall.
Der Radweg entlang der Isle ist verlegt. Nächtliche Gewitter brachten Bäume zum Umstürzen. Brunos Kollegen leiten uns gewissenhaft um. Die Situation erinnert an Band 17, in dem die Flüsse Vézère und Dordogne über die Ufer treten und vor Ort alle Mann „die Ärmel hochkrempeln“ müssen. Wir sind angekommen in Bruno’s Périgord. Und bald auch im „Domaine du Caviar de Neuvic“. „Kaviar“ klingt nach „weit weg“ und „teuer“. Wussten Sie, dass es französischen Kaviar gibt? Jean Salkazanov erläutert bei einem Rundgang detailreich die Entwicklung der lokalen Störzucht und Kaviarproduktion. Brunos Vorgesetzter, Maire Mangin, kredenzt in „Déja Vu“ (Band 17) der Delegation aus Paris diese Delikatesse zur Vorspeise. „Magnifique“.
Über malerische Sträßchen entlang der Isle erreichen wir das „Château de la Thulière“. Mitte des 19. Jahrhunderts vom Industriellen M. Petit erbaut empfängt das stattliche Herrenhaus inmitten eines weitläufigen Parks seine Besucher. Großzügige Zimmer. Phantasievolles Diner. Ein opulentes Frühstück. Was für ein Glück, dass es am Morgen regnet und sich die Abfahrt verzögert.
Auf dem Weg Richtung Monbazillac säumen hochwachsende Farne die einsamen „Routes communales“. Etwa 35 km rollt es gut. Hinter Prigonrieux ändert sich das. Nach Querung der Dordogne geht es etwa einen Kilometer über die stark befahrene D936. Kein Vergnügen. Verkehrsberuhigung erst auf dem Weg hinauf zum „Château de Monbazillac“. Das Schloss im Besitz der „Cave Coopérative de Monbazillac“ thront inmitten eines ausgedehnten Parks hoch über dem Bergerac-Anbaugebiet. Auf der Abfahrt nach Bergerac reicht der Blick über schier endlose Weinberge hinunter zur Dordogne, die wir nach acht Kilometern über den „Vieux pont“ erneut queren.
Vor dem „Quai Salvette“ warten einige „Gabarres“, die für die Region typischen Flachbodenboote, auf Ausflügler. In der fußläufig erreichbaren Altstadt findet sich Cyrano de Bergerac, der berühmteste Sohn der Stadt, gleich zweifach als Statue verewigt. Sehr schön in Bronze an der „Place Pélissière. Aus Stein gemeißelt mit leicht ramponierter Nase an der hübschen „Place de la Mirpe“ mit ihren bunten Cafés und Bistros. Von der Dachterrasse des „Quai Cyrano“ genießt man einen herrlichen Blick auf die Dordogne. Und gerne auch zum Apéro ein Glas Weißwein aus der „A.O.C. Monbazillac“. Bruno bevorzugt den Edelsüßen vom Château Belingard.
Der passt auch sehr gut zur „Fois gras“, Stopfleber, als Vorspeise auf der Terrasse des Restaurants „Bellevue“ am Flussufer. Zum „Magret de Canard“, der knusprig gebratenen Entenbrust und Spezialität des Périgord, würde Bruno wohl einen Rotwein vom „Château de Tiregand“ aus der „A.O.C. Pécharmant“ servieren.
Das östlich von Bergerac, der Hauptstadt des „Périgord pourpre“, gelegene Anbaugebiet passieren wir auf der dritten Etappe nach Le Bugue. Dichtes Blattwerk überdacht wie ein botanischer Tunnel auf dem Weg nach Lalinde und weiter Richtung der Flussschleife von Trémolat den idyllischen Radweg entlang der Dordogne.
Beim Picknick an der Staustufe von Mauzat strahlt meine Begleiterin in der Sonne. Keine Liebe auf den ersten Blick. Schlank ist sie nicht! Ein etwas unförmiger Vorbau. Kräftiges Hinterteil. Aber ich habe sie schätzen gelernt. „Ma bicyclette“, mein geliehenes E-Bike.
Nach der Rast am Fluss trägt es mit kraftvollem Motor Fahrer und Gepäck auch bei 38 °C im Schatten mühelos fast 150 m hinauf zur Anhöhe über dem „Cingle de Trémolat“ mit wundervoller Aussicht auf das Tal der Dordogne.
Nach rasanter Abfahrt empfängt uns die Abteikirche St.-Nicolas des im 9. Jahrhundert gegründeten Klosters von Trémolat mit wohltuender Kühle. Schweißtreibend dann wieder der Weg hinüber nach Limeuil, einem der schönsten Dörfer Frankreichs. Wir flanieren durch die engen Gassen mit ihren Natursteinhäusern hoch zu den „Jardins panoramiques“. Der 1902 gegründete botanische Garten beeindruckt mit einer großen Vielfalt exotischer Pflanzen.
Großartig der Ausblick hinunter zum Zusammenfluss von Dordogne und Vézère. Durch die Flussauen der kleineren Vézère sind es nur noch knapp sechs Kilometer zum Hotel Schwan, dem „Logis du Cygne“, in Le Bugue. Dieser Ort diente Autor Martin Walker als Vorlage für das fiktive Saint-Denis. Die Terrasse des „Abreuvoir“ lädt zum Diner. „Parmentier de Canard“ und „L‘Entrecôte Sauce Roquefort“ schmeicheln dem Gaumen. Fröhliche Stimmung an den Tischen unter der Linde.
Wir kommen ins Gespräch. Julien Montfort ist Weinhändler. Er füllt die „Cuvée privée“ namens „Bruno“ ab, einen Rotwein „A.O.C. Bergerac“. Der Chef de Police hinterlässt Spuren in seiner Stadt. Diensttag ist Markttag. Entdecken wir Bruno irgendwo zwischen den Ständen mit all den Leckereien wie Würsten, Obst, Nougat, Trüffeln, Ölen und Paté? Nein, heute gehen seine Kollegen der Gendarmerie Streife.
Am „Ruhetag“ besichtigen wir den nahen „Gouffre de Proumeyssac“, das 1907 erstmals erkundete „Teufelsloch“. Mit einer Gondel sinken die Besucher ins Dunkel des Abgrunds zur „Cathédrale de Cristal“. Anschließend steht eine Paddeltour auf der Vézère auf dem Programm. Aurelia Nazal hilft uns in die Schwimmweste, schiebt den Kajak von „Les Canoës du Bournat“ ins Wasser. Schon gleiten wir auf dem Fluss unter der in „Déjà-vu“ durchs Hochwasser arg gefährdeten Brücke von Le Bugue, pardon Saint-Denis, hindurch Richtung Limeuil.
Gut ausgeruht nehmen wir am nächsten Tag den Weg nach St. Cyprien unter die Räder. Nach leichtem Einrollen entlang der Vézère sind 200 Meter Anstieg zu bewältigen, bevor es steil zurück hinab ans Ufer der Dordogne geht.
Willkommen im Burgenland. Hinter mit rotem Mohn gespickten Getreidefeldern leuchten im Hintergrund die Mauern der Burg von Beynac-et-Cazenac. Knackig der Anstieg zum „Chateau des Milandes“ der berühmten Künstlerin Joséphine Baker hoch über der Dordogne. Lohnend aber mühsam ist die Fahrt hoch zur nahen Burg von Castelnaud mit ihren Katapulten.
In „Tête-à-Tête“ (Band 14) verhindert Bruno mit ihrer Hilfe eine Brandkatastrophe. Das besondere Mikroklima hat die Besiedlung von La Roque-Gageac, sechs Kilometer flussaufwärts, bereits im Neolithikum begünstigt. Nach der Besichtigung der Höhlenfestung aus dem 12. Jahrhundert ist die einstündige Kreuzfahrt mit „Gabarre Caminade“ ein weiterer Höhepunkt. Humorvoll erklärt Alexandre aus Québec Stadtbild und Geschichte des einzigartigen Ortes.
Mit frischer Energie und voller Batterie geht es über Vitrac und Montfort durch hügeliges Gelände weiter nach Sarlat, dem touristischen Zentrum des „Périgord noir“. Die engen Gassen der mittelalterlichen Altstadt mit unzähligen Cafés und Restaurants empfangen pro Jahr eine Million Besucher.
Imposant ist die vom Architekten Jean Novel gestaltete Markthalle in der ehemaligen Kirche Sainte-Marie mit riesigen Flügeltüren und Panoramaaufzug. Vom Dach aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Häuser beidseits der zentralen Rue de République. Im „Le Trufficulteur“ bietet Isabelle eine breite Palette von Trüffelprodukten zur Verkostung an. Zur „Félibrée“, der alljährlichen Feier der okzitanischen Sprache und Kultur, dekoriert sie ihren Laden farbenfroh.
Von Sarlat aus folgen wir über Saint-Geniès mit seinen herrlichen Natursteindächern, „Les Toits de Lauze“, der gut beschilderten „Flow Vélo“, einem insgesamt 400 Kilometer langen Radweg zur Île d’Aix an der Atlantikküste. Nach 24 Kilometern erreichen wir den Abzweig nach St-Amand-de-Coly. Bei 38 Grad geht es stetig bergan zum kleinen Dorf mit der großen romanischen Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Ein Kleinod. Einsame Sträßchen führen zum „Manoir de Hautegente“ bei Coly. Das Ehepaar Hamlin hat das Herrenhaus aus dem 13. Jahrhundert zum 4-Sterne-Hotel umgestaltet. Mein Lieblingsort.
Die letzte Etappe führt hinüber ins beschauliche Terrascon-Lavilledieu und weiter am romantischen Ufer der Vézère entlang nach Montignac zu den weltberühmten Wandmalereien in den Höhlen von Lascaux. Die in Lascaux IV detailgetreu nachgebildeten Darstellungen erlauben atemberaubende Einblicke in Kultur, Glauben und Leben der Cro-Magnon-Zeit vor ca. 17.000 bis 18.000 Jahren.
Nur sieben Kilometer entfernt zeugt das imposante Château de Losse vom kulturellen Reichtum des Périgord. Welch ein Erlebnis, bei den sommerlichen „Soirées étoilées“ im herrlichen Park den Sternenhimmel des mystischen Tals der Vézère zu genießen.
Nur eine weitere halbe Radstunde entfernt stoßen wir auf die „Höhlenstadt“ am „Roque Saint-Christophe“ bei Peyzac-le-Moustier. Das Museum vermittelt beeindruckende Einblicke in die Nutzung der Felsterrassen von der Steinzeit bis zu den Religionskriegen. Im Komfort des „Hotel & Spa Les Glycines“ in Les Eyzies sind die Mühen des heißen Junitages bald vergessen. Beim opulenten Diner im Sterne-Restaurant „1862“ feiern wir den letzten Abend unserer Genussreise.
Das „Musée national de Préhistoire“ gewährt tiefe Einblicke in die Menschheitsgeschichte und die Entwicklung vom Neanderthaler bis zum Homo sapiens der Neuzeit. Inspiriert durch eine Entdeckung im Museum gelang es Bruno in „Tête-à-Tête“ (Band 14), einen lange ungeklärten Mordfall zu lösen. Der Besuch lohnt sich. Aus Zeitgründen nehmen wir den Regionalzug zurück zum „Fanal“ und unserem Fahrzeug am Bahnhof Niversac. Eine letzte Spur führt uns zu Dominique im „Ecomusée de la Truffe“ in Sorgues et Ligueux. Ein Höhepunkt am Ende der Reise. Neben dem Trüffelmarkt in Ste-Alvère der beste Platz, um alles über den Trüffel des Périgord, Tuber melanosorum, den „Schwarzen Diamanten“ zu erfahren.
Die Route verläuft auf Radwegen, wenig befahrenen Landstraßen und so genannten „Voies vertes“, Fahrrädern vorbehaltenen/verkehrsberuhigten Wegen. Auf jeder Etappe wechseln sich landschaftliche und kulturelle Höhepunkte ab. Die Beschilderung ist überwiegend präzise und verlässlich. Eine entspannte Navigation ermöglicht die Verwendung der zur Verfügung stehenden GPX-Dateien. Entlang der Strecke laden Bäckereien, Bistros und kleine Restaurants zur Verpflegung ein.
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Mit der Bahn Périgueux ist mit dem Zug von Frankfurt in neun und von München in zehn Stunden zu erreichen. www.thetrainline.com
Mit dem Flugzeug Von deutschen Flughäfen ist Périgueux über Bordeaux (142 km) zu erreichen. www.lufthansa.com/de
Périgueux: Hôtel Kyriad Périgueux Boulazac
Modernes sehr komfortables Motel in hervorragender Lage unmittelbar am Radweg,
https://perigueux-boulazac.kyriad.com
Saint-Front-de-Pradoux: Le Château la Thulière
Mitte des 19. Jahrhunderts erbautes Herrenhaus mit grandiosem parkartigem Garten, www.chateaulathuiliere.com
Bergerac: Hôtel Bordeaux Bergerac
Nahe dem Zentrum gelegenes Stadthotel mit Fahrradgarage und Gartenpool, www.hotel-bordeaux-bergerac.com/de
Le Bugue: Hôtel du Cygne
Zentral gelegenes gemütliches Hotel mit Gartenterrasse und ausgezeichneter Küche, https://lecygne-perigord.com
Sarlat: Hôtel Montaigne
Frisch renoviertes Stadthaus nur 150 m entfernt von der historischen Altstadt, https://hotelmontaigne.fr
MYBIKE- Tipp:
Coly: Le Manoir de Hautegente
Wundervoll restauriertes Anwesen in einmaliger Lage an einem Flusslauf, www.manoir-hautegente.com
Les Eyzies: Hôtel & Spa Les Glycines
Luxuriöses Hotel mit Sternerestaurant und herrlicher Gartenanlage samt Pools, www.les-glycines-dordogne.com/en/hotel-les-eyzies
Trélissac: „3 A Bike“ ,
Solide, gut gepflegte Touren-E-Bikes mit Reichweite von 70 km, https://alliance3a.fr/3a-bikes/
Die Websites der staatlichen Institutionen mit ihren vielfältigen Angeboten erleichtern die Reiseplanung. Schon vor der Reise ist dort viel über Unterkünfte und mögliche Aktivitäten zu erfahren.
Périgueux, www.tourisme-grandperigueux.fr
Dordogne, www.dordogne-perigord-tourisme.fr
Frankreich, www.france.fr/de/