ArdècheDie 3 schönsten MTB-Touren im Südosten Frankreichs

Patrick Kunkel

 · 02.09.2023

Eine Steinbrücke über dem Flüsschen Abeau.
Foto: Patrick Kunkel
Revier-Guide Ardèche
Die Ardèche in Südfrankreich ist für ihre beeindruckenden Schluchten bekannt. Jedes Jahr kommen Kajakfahrer aus aller Welt hierher. Die Berge der Ardèche bieten zudem kilometerlange Mountainbike-Strecken zwischen malerischen Bergdörfern. Hier sind drei der besten Trail-Routen durch die Monts d’Ardèche!

Im Süden Frankreichs hat sich die Ardèche tief ins Gestein gefräst. Wegen ihrer wilden Kurven und spektakulären Schluchten, den Gorges de l’Ardèche kommen Kajak-Fahrer aus aller Welt angereist. Vor allem im Sommer, wenn der Fluss am ruhigsten dahinfließt und auch für Einsteiger gut zu paddeln ist. Letzteres kann man von der einsamen und wilden Bergwelt drumherum nicht behaupten. Die Berge haben zwar nur Mittelgebirgshöhen, sind aber von sogenannten Calades durchzogen: Kilometerlange Trails zwischen den Bergdörfern, die jede Menge Höhenmeter im Sägezahnprofil aufsammeln. Hier die drei besten Trail-Runden durch die bizarren Monts d’Ardèche!

Frankreich: Die drei besten MTB-Trails der Ardèche

Tour 1 - Col de la Croix Blanche

  • Länge: 49,9 Kilometer
  • Bergauf: 1606 Höhenmeter
  • Schwierigkeitsgrad: schwer
Eigentlich sind es nur 700 Meter Höhenunterschied zum Col hinauf, aber die vielen Auf und Abs summieren sich auf der Runde doch zu stolzen 1606 Höhenmetern.Foto: BIKEEigentlich sind es nur 700 Meter Höhenunterschied zum Col hinauf, aber die vielen Auf und Abs summieren sich auf der Runde doch zu stolzen 1606 Höhenmetern.

Tourenbeschreibung

Höher als 900 Meter klettert man nicht auf dieser abwechslungsreichen Runde durch das Vorgebirge der Ardèche-Cevennen. Dafür geht es aber ständig hoch und runter – ohne bärenstarke Kondition kommt man da nicht weit. Die schmalen Calades, die alten Pflasterwege zwischen den Bergdörfern, kosten Körner, vor allem bergauf, weil es sehr schwierig ist, in diesem teils losen und stufigen Geröll bis zum Col del la Croix Blanche hinauf seinen Rhythmus zu finden. Doch auch bergab sollte man sein Bike auf diesem etwas tückischen Untergrund gut im Griff haben. Zumal sich auch hier immer wieder kurze, knackige Gegenanstiege in den Weg stellen.

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Die Landschaften der Vorbergzone sind ausgesprochen abwechslungsreich und geprägt von Terrassen und Steinmäuerchen. Dabei wechselt auch der Untergrund ständig: Mal scharfkantiger Kalk-, dann wieder griffiger Sandstein. Plötzlich Lehm und kurz darauf wieder Schiefer. Kiefernwälder weichen unterwegs Kastanienhainen, Weinberge folgen auf Olivenbäume. Klar, dass sich hier auch die Wege anpassen müssen. Man folgt hier einen permanenten Wechsel aus Trails und etwas breiteren Waldwegen. Über die wenigen Asphaltabschnitte freut man sich fast, weil man hier Arme und Beine mal kurz ausschütteln kann. Gerade am Ende der Tour, wenn es noch mal leicht bergauf nach Les Vans zurück geht.

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Startpunkt: Les Vans, Parkplatz im Ortszentrum (Place Leopold Ollier) oder am Chassezac-Ufer.

Schlüsselstellen: Die Trails sind alle zwischendurch etwas technischer, gelegentlich mit Spitzkehren, meist aber S1-Niveau, maximal S2. Die Abfahrt von Peyre nach Dépoudent erfordert wache Sinne, vor allem nach Regenfällen.

Einkehr: Die Auberge de Peyre, liegt bei Km 30 direkt am gleichnamigen Pass an der Straße, ein paar hundert Meter vor Beginn der Trail-Abfahrt. Leckere Charcuterie (lokale Wurst-Spezialitäten), Salat und Omelette mit Steinpilzen!

Tour 2 - Bois de Païolive

  • Länge: 54,9 Kilometer
  • Bergauf: 1386 Höhenmeter
  • Schwierigkeitsgrad: schwer
Der Anstieg Richtung Malbosc ist gen Ende wirklich gemein steil, die Trails am Ende kosten aber auch viele Körner!Foto: BIKEDer Anstieg Richtung Malbosc ist gen Ende wirklich gemein steil, die Trails am Ende kosten aber auch viele Körner!

Tourenbeschreibung

Ganz im Süden des Départements liegen die Ardèche-Cevennen, ein zerklüftetes Mittelgebirge, aber nicht unbedingt sehr hoch. Der höchste Punkt dieser Tour wartet gerade mal bei 558 Metern Höhe, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Nach ein paar offenen, aber steinigen Trails durch das Kalksteinplateau von Naves schraubt sich ein konditionell anstrengender, technisch aber anspruchsloser Anstieg Richtung Malbosc durch eine Zone ehemaliger Goldminen. Die Trail-Abfahrt vom Ort bis zur Brücke über den Fluss Abeau hinunter ist es wert. Auch der Übergang ins Doulovy-Tal, wo man durch alte Kohleminen kurbelt, kostet Kraft. Dabei sollte man sich unbedingt noch ein paar Körner aufheben, denn am Ende der Runde wartet noch ein echtes Highlight: Das Labyrinth aus Mäuerchen und Steinwegen durch den Bois de Païolive. Dieser alte Wald hat wegen seiner seiner mediterranen Garrigue-Vegetation, den Dolmen und bizarr geformten Kalkskulpturen einen gewissen Naturschutz-Status. Biker brauchen für dieses wieder sehr ruppige Wege-Auf-und-Ab ein scharfes Auge und gutes Durchhaltevermögen. Vor allem, wenn die Beine am Ende der Tour bereits müde sind.

Startpunkt: Les Vans, Parkplatz im Ortszentrum (Place Leopold Ollier) oder am Chassezac-Ufer.

Schlüsselstellen: Das Karstplateau Bois de Païolive ist durchzogen von einem Labyrinth aus Steinwegen, hier ist Orientierung gefragt – vor allem ab Km 42. Es geht gut einen Kilometer weglos durch ein ausgetrocknetes Bachbett.

Einkehr: In Malbosc liegt das Bistrot de Malbosc genau richtig nach dem vorangegangenen, schweißtreibenden Anstieg (Km 18,5). Großartiges Cevennen-Panorama von der Terrasse, dazu kleine Leckereien zu Mittag – perfekt! Wer später einkehren will: Rund um den lauschigen Place de la Gare in Saint Paul le Jeune (Km 31) findet sich sicher ein schönes Plätzchen.

Tour 3 - Laval d’ Aurelle

  • Länge: 33,4 Kilometer
  • Bergauf: 1145 Höhenmeter
  • Schwierigkeitsgrad: schwer
Der Trail nach Petit Paris hinunter ist ein Traum. Die anderen Pfade führen über Kammlinien und bespaßen mit viel Panorama.Foto: BIKEDer Trail nach Petit Paris hinunter ist ein Traum. Die anderen Pfade führen über Kammlinien und bespaßen mit viel Panorama.

Tourenbeschreibung

Viel Panorama, viel Anstieg – diese Tour klettert bis auf 1200 Meter hinauf, allerdings startet die Runde in Montselgues auch schon auf knapp über 1000 Meter Höhe. Doch auch hier wird einem wieder nichts geschenkt. Die Höhenmeter summieren sich im Sägezahn-Profil. Dabei hangelt sich die Route viel über Kammlinien dahin, die immer wieder freie und außergewöhnliche Blicke auf die umliegenden Bergmassive bieten.

Der Tag beginnt mit einer aufregenden Trail-Abfahrt ins Bergdorf Petit Paris, das mitten im bizarren Granitchaos von Montselgue liegt. Gleich darauf folgen ein weiterer schmaler Trail mit Blick auf die Felsspitzen im Flusstal der Drobie, dann eine alte römische Straße und schließlich der stramme Aufstieg zum Col de la Croix de la Femme Morte. Die Abfahrt nach Laval d'Aurelle ist zwar technisch nicht besonders herausfordernd, dafür sind die weiten Blicke über die Bergkämme eine Wucht. Der lange und zähe Anstieg ab Ourlette erfordert gut gefüllte Energiespeicher, ebenso wie der S1-Singletrail nach Chalendas.

Startpunkt: Diese Tour startet in Montselgues, etwa 25 Kilometer nordwestlich von Les Vans.

Schlüsselstellen: Die Trails und Forstwege sind oft steinig, teils leicht verblockt bis maximal S2. Ab Pradon (Km 29,5) wartet ein steiler Anstieg bis zum Col de Teste Rouge. Wer das nicht mehr mag, weicht auf die kleine Straße aus.

Einkehr: Durchbolzen, denn es gibt keine Einkehrmöglichkeit. Oder man nimmt sich ein Picknick im Rucksack mit. Schöne Aussichtsplätze dafür passiert man unterwegs reichlich. Am Ende der Tour lässt sich aber ein kühles Bier und ein Snack in der Gîte La Fage in Montselgues genießen!

Das MTB-Revier Ardèche

Die Ardèche ist ein französisches Departement in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Es liegt im südöstlichen Teil Frankreichs und ist nach dem Fluss Ardèche benannt, der durch die Region fließt. Berühmt sind vor allem die Schluchten, die Gorges de l’Ardèche, die im Sommer Tausende von Kajak-Fahrern anzieht. Doch neben Paddeln kann man in der zerklüfteten Bergwelt fast noch besser Wandern und Biken – was nicht viele wissen. Daher hat man die vielen Wege und Panoramen oft für sich allein! Historische Dörfer und prähistorische Stätten prägen die kulturelle Landschaft, die regionale Küche begeistert mit Kastanien, unglaublich leckeren Käsespezialitäten und hervorragendem Wein.

Die Monts d’Ardèche gehören geografisch zum französischen Zentralmassiv und sind geprägt von Kastanien-, Kiefern- und Eichenwäldern. Steinmauern und Terrassen („Faïsses“) durchziehen diese Bergwelt genauso wie anspruchsvolle Natur-Trails, ruppige Karrenwege und steinige Forstpisten, wobei die Übergänge zwischen den Wegearten recht fließend sind. “Calades” heißen die uralten und oft sehr steilen Verbindungswege zwischen den Bergdörfern. Deren wuchtige Steinpflaster sind im Lauf der Jahrhunderte verwittert und oft anspruchsvoll zu befahren. Auch die Topografie der von Schluchten zerklüfteten Bergwelt hat es in sich: Das Auf und Ab erfordert gute Kondition, ein hohes Konzentrationslevel und eine aufmerksame Fahrtechnik. Gut, dass man immer wieder durch verwinkelte Dörfer und kleine Weiler kommt, wo man in den Brunnen die Trinkflaschen wieder aufüllen und in lauschigen Bars einkehren kann.

Die Monts d’ Ardèche im südlichen Département Auvergne und ihre drei besten Touren für Mountainbiker. | Karte: Karin Kunkel-JarversDie Monts d’ Ardèche im südlichen Département Auvergne und ihre drei besten Touren für Mountainbiker. | Karte: Karin Kunkel-Jarvers

Anreise

Von München nach Les Vans führt die kürzeste Verbindung über Zürich und den Genfersee durch die nördliche Schweiz. Entfernung 931 Kilometer. Für diesen Ritt muss man etwa 10 bis 11 Stunden einplanen. Tipp: In Frankreich kann man sich die gebührenpflichtigen Autobahnen sparen. Die Landstraßen sind fast genauso gut ausgebaut und kosten keine Maut.

Übernachten

Wer mit Wohnmobil reist, findet tolle Campingplätze, etwa die Domaine de Chênes bei Les Vans (Touren 1 und 2). Info: domaine-des-chenes.fr
Restauranttipp in unmittelbarer Nähe: Auberge de Chanaleilles, kreative Regionalküche in einem sehr angenehmen Ambiente.

Für Campingmuffel bieten sich die Chambre d'hôtes an, also Privatunterkünfte. Dort speisen alle Gäste an einer gemeinsamen Tafel. Viele Chambre d'hôtes bieten ein Abendmenü zum Festpreis an. Günstiger sind meist die Gîtes. Tipp für Tour 3: La Fage in Montselgues mit nagelneuen Zwei- und Mehrbettzimmern.
Info: ardeche.gite-lafage.com

Bikeshop und geführte Touren

Die Guides von Cycles AMC7 kennen jeden Stein in der Gegend. Im Laden in Chandolas (44 rue du Chassezac, 07230 Chandolas) gibt es Leihräder und Reperaturservice.
Info: amc7.com

Karten & Literatur

Topographische Wanderkarten des IGN, Série Bleue (1:25000), Nummern: 2839 OT, 2838 OT, je 16,90 Euro. Wanderführer „Cevennen · Ardèche“: sehr gut recherchierter Wanderführer. Rother Bergverlag, ISBN978-3-7633-4323-2

Was man in der Ardèche nicht verpassen darf:

Grotte Chauvet 2 Ardèche

Die spektakuläre, 1994 entdeckte Höhle wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und zeigt die ältesten bis heute gefundenen Höhlenmalereien. Sie sind unfassbare 36.000 Jahre alt. Um sie zu erhalten, muss penibel auf das Klima in der Höhle geachtet werden. Daher ist eine Besichtigung des Originals an der Pont d'Arc leider nicht möglich. Doch man hat eine begehbare Kopie des Originals für Besucher geschaffen: die „Grotte Chauvet 2 Ardèche“. Darin wandert man auf Stegen durch den Berg und kann die besten Malerei-Motive aus dem Steinzeitalter bewundern. Darunter auch ein 12 Meter langes Fresko, auf dem 92 Tiere in voller Bewegung zu sehen sind. Und zu den Tieren, die in dieser Gegend vor 36000 Jahren beheimatet waren, gehören auch Löwen, Mammuts, Riesenhirsche und Wollnashörner. Ticket-Reservierung: grottechauvet2ardeche.tickeasy.com/de

Im Sommer sind die Stromschnellen in der Ardèche gut zu meistern.Foto: Patrick KunkelIm Sommer sind die Stromschnellen in der Ardèche gut zu meistern.

Kajak fahren: Wenn man schon mal hier ist, darf man es eigentlich nicht verpassen: einmal mit dem Kajak die Schlucht Gorges de l’Ardeche runterpaddeln! Für den Wassersport ist die Region schließlich bekannt. Am schönsten: Eine zwei Tagestour planen und auf halbem Weg im Biwak Gournier in der Schlucht übernachten. Tipp für Kajak-Einsteiger: Erst biken, dann paddeln, die Arme danken es! Verleih und geführte Touren: canoe-ardeche-petitmer.com

Infos allgemein: Weitere Unterkünfte und alles Wissenswerte zur Region gibt's unter: ardeche-guide.com

Die Revier-Reportage aus den Monts d’Ardèche

Nahezu zwei Jahrzehnte lang hat Manuel als Straßenbau-Ingenieur damit zugebracht, das Land zuzupflastern. „Zwanzig Jahre Schnellbahntrassen, Autobahnen und Umgehungstraßen bauen“, erzählt er. „Immer neue Projekte, immer mehr Verkehr. Und immer mehr Landschaft zubetonieren – das ging mir irgendwann gegen den Strich.“ Darum ist jetzt alles anders. Manu, 45 Jahre, geboren in den Vogesen im Elsass, die Mutter Französin, der Vater Spanier, steht auf einem blanken Bergkamm im Süden Frankreichs, dort wo die einsamen Monts d’Ardèche in die noch einsameren Cevennen übergehen. Ringsum: Pure Natur, grandiose Aussichten, dazu ein intensiver Duft nach Wacholder und ein paar zottelige Schafe, die hundert Meter unterhalb unseres Standortes grasen.

Nur Mittelgebirge, aber teils ganz schön zäh!Foto: Patrick KunkelNur Mittelgebirge, aber teils ganz schön zäh!

Manus Bike lehnt am verwitterten Stamm einer alten Eiche. Er schraubt ein Blechschild ins Holz: „Grande Traversée“ steht darauf, eine Mountainbike-Route einmal quer durch die Monts d’Ardèche. Wir haben diese Strecke heute schon mehrmals gekreuzt. Manu ist die komplette Tour natürlich mit dem Bike abgefahren, jeden einzelnen der insgesamt 315 Kilometer. „Das ist mein neues Leben“, erklärt der Franzose und grinst zufrieden. „Meine neue Heimat.“ Seit sieben Jahren komme er in die Berge der Ardèche, vor zwei Jahren kündigte er seinen sicheren Job als Straßenbau-Ingenieur. Mittlerweile arbeitet er als Bergführer. Wenn er nicht zu Fuß oder per Mountainbike mit Kundschaft unterwegs ist, markiert er im Auftrag des Regionalparks Monts d’Ardèche neue Biketrails oder hält einen Teil des lokalen Wanderwegenetzes in Schuss: „Ich bin hier für gut 200 Kilometer Strecke verantwortlich“, sagt er. Doch das reicht ihm nicht. Kommendes Jahr will Manu im Städtchen Les Vans einen Bikeshop aufmachen, Bedarf gebe es: „Immer mehr Biker entdecken die Berge der Ardèche.“ Was daran liege, dass es immer mehr ausgeschilderten Bike-Strecken gibt. Glücklicherweise sind die noch immer alles andere als überlaufen: Wir treffen unterwegs vielleicht ein gutes Dutzend Biker. An drei Tagen …

Die typischen Calades wurden vor einigen Jahrhunderten zwischen den Bergdörfern verlegt. Die Pfade gibt es noch immer, aber ihre wuchtigen Steinpflaster sind verwittert und durcheinander geraten.

Inzwischen kennt Manu jedenfalls jeden Stein, naja, stimmt nicht ganz: Die Bergkämme rund um Montselgues sind mit riesigen, rundgeschliffenen Granitblöcken übersät, da verliert selbst mein ortskundiger Begleiter schonmal den Überblick. Am Rande des Felsenmeers schlängelt sich unser Trail bergab – und Manu ist kaum zu bremsen, weder in der Abfahrt auf dem Panoramaweg nach Laval d'Aurelle, noch beim Schwärmen über seine Wahlheimat. „Die Vielfalt ist unglaublich“, resümiert er abends nach der Tour bei einem Glas erfrischend kühlen Roséweins: „Es gibt keine Sprünge, keine angelegten Kurven, sondern einfach Natur-Trails.

Es gibt keine Sprünge, keine angelegten Kurven, sondern einfach Natur-Trails.Foto: Patrick KunkelEs gibt keine Sprünge, keine angelegten Kurven, sondern einfach Natur-Trails.

Wir nehmen die Wege, wie sie sind und passen uns an die Begebenheiten an, nicht umgekehrt. Aber du brauchst eine gute Ausdauer, um am Ende eines langen Tourentages noch Spaß an den Trails zu haben.“ Nein, mit Downhill-Spektakel in Bikeparks oder blank gefegten Flowtrails haben die Pfade der Monts d’Ardèche wirklich nichts zu tun. In der alten Kulturlandschaft müssen wir uns jeden Meter erarbeiten, bergauf ebenso wie bergab. Die schmalen Calades, so heißen die alten Wege zwischen den Dörfern, kosten Körner. Denn deren wuchtige Steinpflaster sind im Lauf der Jahrhunderte etwas durcheinandergeraten. Wir müssen uns voll konzentrieren, um die richtige Linie zwischen Stufen, Absätzen und riesigen Schlaglöchern zu finden.

Viele der Dörfer, durch die wir kommen, sehen noch genauso aus, wie vor hundert Jahren: eng aneinandergedrängte Steinhäuser, schmale Gassen und in der Dorfmitte immer ein kühler Brunnen, an dem wir unsere leeren Trinkflaschen wieder auffüllen können. Die Landschaft ist geprägt von Kastanien-, Kiefern- und Eichenwäldern, durchzogen von niedrigen Steinmauern und Terrassen, die „Faïsses“ genannt werden. Allerdings wollen sich heute immer weniger Menschen die harte Arbeit in den terrassierten Bergflanken antun, erzählt Manu: Deshalb verwildern viele dieser alten Obstwiesen und Felder. Doch andernorts sehen wir gepflegte Kastanienplantagen oder frisch angelegte Weinberge.

Das Schöne an den Calades: Sie führen immer wieder durch Bergdörfer mit einer netten Bar.Foto: Patrick KunkelDas Schöne an den Calades: Sie führen immer wieder durch Bergdörfer mit einer netten Bar.

Auch am Tag drauf berauschen wir uns an der Metamorphose der Landschaft: Wir starten zwischen Olivenhainen und Lavendelfeldern, kämpfen uns schmale Wege hinauf, die mit einer Art scharfkantiger Kalkstein-Scherben belegt sind und erreichen nach einer Weile das struppige Hochplateau von Naves. Kurze Verschnaufpause, dann geht's einen Hügel weiter schon wieder durch üppig blühende Blumenwiesen bergab. Schließlich tauchen wir in einen nach Harz duftenden Kiefernwald ein, jagen über schnelle Pfade auf griffigem Sandstein und schwitzen uns kurz darauf noch die restlichen Mineralien aus dem Leib, weil wir Richtung Bergdorf Malbosc eine irre steile Forstpiste hinauftreten …

„Ah“ – endlich Pause in der Dorfbar! Runterkühlen und mal das Cevennen-Panorama in aller Ruhe genießen.

„Die Abfahrten der zweiten Tour-Hälfte mag ich besonders gern,“ kündigt Manu beim Bezahlen schon mal den nächsten Trail-Abschnitt an, eine bucklige Calade aus Schieferplatten runter in die Abeau-Schlucht, an deren Ende eine uralte Steinbrücke über den tief eingeschnittenen Fluss führt. Direkt im Anschluss geht’s mal wieder rauf: 300 mäßig steile Höhenmeter. Diesmal durch lichten Pinienwald und mitten durch die aufgegebenen Kohleminen im Vallée du Doulovy. Ohne dieses ständige Auf und Ab sind die Monts d' Ardèche halt nicht zu haben: Die Oberschenkel brennen, langsam senkt sich die Sonne Richtung Horizont und ich schiele schon sehnsüchtig auf den Kilometerstand meines Tachos – wie weit mag es noch sein?

Doch das Feierabendbier muss noch eine Weile warten. Manu scheint gerade erst richtig in Fahrt zu kommen. Kurz vor Schluss zieht er sein eigentliches Ass aus dem Ärmel: den Bois de Païolive. Kilometerlang schlängeln sich hier die schmalen, labyrinth-artig angelegten Pfade durch bizarr verwitterte Kalksteinfelsen. Manche dieser Steinkolosse sind durchlöchert wie ein schweizer Käse. Doch auch die Wege selbst sind gespickt mit Gesteinsbrocken und Geröll. Das macht das Befahren zu einem Drahtseilakt, denn die Sträucher und Büsche, die licht aus dem Wegesrand sprießen, die mediterrane Garrigue, sind mit recht bissigen Dornen besetzt. Doch nach und nach erreichen wir einen immergrünen Steineichenwald. Der nimmt zwar noch ein bisschen mehr vom schwindenden Tageslicht weg, aber immerhin verhakt sich jetzt nichts mehr in unseren Klamotten. Als wir aus diesem Wald schließlich wieder auftauchen, stoppt Manu: Der Blick ist gigantisch, unter uns liegt die tief eingeschnittene Schlucht des Chassezac.

Uralte Steinbrücke über den Chassezac - und weit und breit niemand unterwegs.Foto: Patrick KunkelUralte Steinbrücke über den Chassezac - und weit und breit niemand unterwegs.

„Dafür ist die Region eigentlich berühmt: die Schluchten der Flüsse Ardèche, Beaume und Chassezac. Sie sind der Grund, warum so viele Kajak-Fahrer hier Urlaub machen“, sagt Manu. „Achzig Prozent aller Besucher wollen die Gorges de l‘Ardèche runterfahren.“ Die berühmte Kalksteinschlucht im letzten Drittel des Flusses ist im Sommer oft derart überlaufen, dass es an den Stromschnellen zu regelrechten Staus kommt, weiß Manu. Ein Problem, das wir hier in den Bergen drumherum definitiv noch nicht spüren. Tagelang haben wir hier freie Fahrt. Die Trails sind nahezu menschenleer. Dass die Ardèche viel mehr als Wildwasser bietet, scheint sich offensichtlich noch nicht so weit herumgesprochen zu haben. Und das ist eigentlich ganz gut so!

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