Alex Hüfner
· 18.01.2026
Ende September, der Sommer hat uns wieder“, sage ich zu Alex, als wir das Flugzeug verlassen und uns die warme Luft Valencias umarmt. Zu Hause in Deutschland färben sich bereits die Blätter, in den kommenden Tagen erwarten uns allerdings 30 Grad und mehr. Wir haben eine aktive Auszeit geplant und wollen mit unseren Falträdern die Stadt an der Costa Blanca erkunden. Unser Hotel liegt direkt am Turia-Park, dieser grünen Oase, die sich neun Kilometer wie eine Lebensader durch Valencia zieht. Das trocken gelegte Flussbett bietet Raum für Erholung und sportliche Aktivität zugleich. Kaum haben wir unsere Taschen im Zimmer verstaut, sitzen wir auch schon auf dem Sattel und staunen nicht schlecht, über gut besetzte Schachtische, trainierende Kids auf dem Baseballfeld oder auch Skatern, die mit ihren Boards über den seitlich gelegenen Rampen an uns vorbei wirbeln. Menschen joggen, spielen Tischtennis, sitzen in Cafés oder liegen einfach entspannt in der Sonne. Alles hier wirkt lebendig und voller Energie. Als wir nach der ersten Runde durch den Park in die Altstadt abbiegen, umfängt uns ein völlig anderes Bild: prunkvolle Paläste, die Kathedrale, die Markthalle. Es braucht nicht mehr als eine Kurve und aus Natur wird Geschichte. „Unfassbar, so unbeschwert bin ich selten durch eine unbekannte Stadt gefahren“, sage ich. Überall Radwege, ob im Park oder mitten im Zentrum. In Valencia hat man ein Netz von über 200 Kilometern erschlossen. Es ist großzügig, sicher und klar markiert. Einzig, dass die Wege auf einer Straßenseite und in beide Richtungen befahrbar sind, benötigt einer kurzen Eingewöhnung in das Leitsystem. Doch das geht rasch, denn die Verkehrsführung ist uns bereits aus anderen spanischen Metropolen bekannt.
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Am Abend kehren wir in die Wein- und Tapasbar Barecito Ajuntamiento ein. Zwischen Gläsern, gefüllt mit Tempranillo, und Tellern mit köstlichen Kleinigkeiten stoßen wir an. „Auf Valencia!“ Der nächste Tag startet mit einem Besuch des alten Hafenviertels. Die bunten Häuser, die verzierten Wand-Fliesen, die engen Gassen. Alles wirkt authentisch. Über den Radweg, der immer entlang der Strandpromenade führt, rollen wir weiter zu einem der Terminals an der Marina, wo gerade der World Paella Day gefeiert wird. Zwölf Länder-Teams kochen um den Weltmeistertitel. „Wenn wir schon hier sind, probieren wir auch“, grinse ich. Wohl wissend, dass wir zur Verkostung eingeladen sind. Eine Gabel köstlicher Paella und es ist um uns geschehen. Dampfend und aromatisch, sofort bekommen wir Lust auf mehr. Gut gesättigt fahren wir durch den Turia-Park zurück in die Innenstadt. Das Kunstzentrum Hortensia Herrero empfängt uns hinter imposanten Palastmauern und mit Werken von Künstlern, wie Joan Miró, Amseln Kiefer und Roy Lichtenstein. Die Ausstellung überrascht und beeindruckt zugleich. Der Abend endet im Universitätsviertel, jung, lebendig, voller Musik und mit gutem Essen. Der dritte Tag steht ganz unter dem Motto „Meer“. Nach einem kurzen Besuch des Yachthafens radeln wir zum Oceanogràfic, dem größten Aquarium Europas. Es gehört zum Gesamtkomplex der Stadt der Künste und Wissenschaften. Wir tauchen in Ozeane ein, ohne nass zu werden, und verlieren uns für einige Stunden zwischen Haien, Korallen und Pinguinen. Der Nachmittag bringt uns zurück ins Hier und Jetzt oder besser gesagt bis zum Eingangstor des Nationalparks Albufera. „Nur sechs Kilometer“, sage ich, und wir gleiten entspannt auf einem gut ausgebauten Radweg in Richtung Meer bis nach Pinedo. Auf Hin wie- Rückweg nehmen wir positiv wahr, wie viele Menschen den Radweg nutzen, Touristen wie Einheimische. Mobilität per Rad ist hier keine Option, sondern gelebter Alltag.
Zurück am Stadtstrand von Valencia lassen wir den Tag kulinarisch im Restaurant La Mar ausklingen. Authentisch regionale Küche, neu interpretiert. Ein Tipp, den wir von Einheimischen erhalten haben. „Was für ein perfekter Abschluss“, sage ich mit Blick auf das funkelnde Abendlicht im Meer. Alex nickt mir zu. Am Morgen vor dem Abflug steuern wir ein letztes Ziel an: den Zentralmarkt. In den zurückliegenden 48 Stunden haben wir ihn schon mehrmals auf unseren Touren gestreift, doch drinnen waren wir noch nicht. Er öffnet früh und so nutzen wir die verbleibende Zeit, um zumindest einige der 959 Stände, prall gefüllt mit Früchten, Schinken, Käse, Meeresfrüchten, zu besuchen. Alles duftet, alles lockt. Für einen kurzen Moment wünschen wir uns noch ein paar Tage mehr in der Stadt, um uns durch alles durchzuessen. Auf dem Weg zum Flughafen ziehen wir dann Resümee. Valencia ist vielmehr wie nur die kleine Schwester von Barcelona oder Madrid. Sie steht auf Augenhöhe, sie kann mithalten und verzaubert. Unaufgeregt zeigt sie ihre moderne Architektur, prunkvolle Geschichte, Museen, lädt ein in Parks sowie ans Meer– und all das verbunden durch ein hervorragendes Radwegenetz. Dazu kommen die kostenfreien Trinkwasserstationen in der gesamten City, Fahrradverleihe sowie Bike-Sharing-Systeme an jeder Ecke. „Wie viele Punkte vergibst du an Valencia?“, frage ich Alex. „Zehn von zehn“, antwortet er ohne zu zögern. Ich stimme zu.
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Entspanntes Radeln im grünen Turia-Park mit seiner modernen Architektur der Ciudad de las Artes y las Ciencias sowie durch die engen Gassen und entlang der historischen Highlights der Altstadt mit Kathedrale und dem Plaza de la Virgen. Ideal um einen ersten Eindruck von der Stadt zu erhalten.
Länge: 18 km Terrain: flach
Gemütliche Radtour ab dem Bahnhof Valencia auf der Via Verde de Xurra, einem begrünten Radweg auf einer ehemaligen Bahnstrecke, vorbei an Gärten und kleinen Ortschaften bis El Puig. Der Rückweg führt küstennah, aber nicht direkt am Meer, über die Strandpromenade und den Hafen von Valencia.
Länge: 43 km, Terrain: flach
Man fährt überwiegend auf flacher Strecke entlang an Reisfeldern, Lagunen und kleinen Dörfern. Die Route verläuft zumeist durch die Natur und bietet Beobachtungspunkte für Wildvögeln sowie einen schönen Ausblick auf das Mittelmeer
Länge: 58 km, Terrain: flach
z.B. aus Berlin: Direktflüge Berlin – Valencia (ca. 2:45 Std.), z. Bsp.: Ryanair, EasJet oder Lufthansa
Frühling (März – Mai): angenehme Temperaturen, blühende Parks
Herbst (September – Oktober): warm, aber nicht zu heiß, ideal zum Radfahren
Winter: mild, gute Bedingungen für Sightseeing und Citybiking
Hotel ILUNION Aqua 4: modernes 4 Sterne Hotel in Valencia, wenige Schritte von der berühmten Ciudad de las Artes entfernt, Carrer de Luis García-Berlanga Martí, 21, Camins al Grau, 46023 València The Little Corner B&B: kleines privat geführtes Bed and Breakfast, Av. de Suècia, 27, El Pla del Real, 46010 València, Valencia
La Terraza de Santa Cataline Café Pça. de la Reina 11, Ciutat Vella, 46001 València
Barecito Ayuntamiento: gemütliches Tapas-Restaurant im Herzen der Stadt; Calle Cotanda, 4 (bajos del Hotel Meliá Plaza) 46002 València
La Cigrona: Tapas-Restaurant im Herzen von Valencia mit moderner, gemütlicher Atmosphäre, bietet neben Tapas zusätzlich mediterrane Gerichte; Calle Serranos, 22, 46004 València
La Mar by Portolito: stilvolles Restaurant direkt am Meer, spezialisiert auf frische Meeresfrüchte und mediterrane Küche, Paseo de Neptuno, 36, 46011 València
Offizielle Tourismus-Seite: www.visitvalencia.com
Valenbisi: städtisches Bikesharing- System mit über 270 Stationen. Es gibt Kurzzeit-/Touristentarife. www.valenbisi.es
Wikinger Reisen bietet eine Radreise auf stillgelegten Bahntrassen von Barcelona nach Valencia: Durch das Ebro-Delta, spektakuläre Schluchten und maurische Städte bis ans sonnige Mittelmeer. Reisedauer: 8 Tage, www.wikinger-reisen.de
Radweg Reisen Radtour rund um Valencia: Von der Stadt über Naturparks und das Hinterland bis an die Strände der Costa del Azahar. Reisedauer: 8 Tage, www.radweg-reisen.com