Boost 148 Standard Mountainbike Boost 148 Standard Mountainbike

Mountainbike-Wissen: Boost-Standard

Was bringt der Boost-Standard?

Christian Artmann am 29.11.2016

Boost gehört zu den großen Trends der Saison. Doch was genau steckt hinter dem neuen Standard? Und was bringt Boost 148 wirklich?

Seit die Urväter des Mountainbikens mit ihren Klunker-Rädern die Trails des Mt.Tamalpais hinuntergerast sind, ist eine Menge passiert. Kaum einer wird anzweifeln, dass sich Bikes heute um Welten besser und sicherer fahren als noch vor zehn Jahren. Neben großen Innovationen bei den Anbauteilen – bei Federelementen, Scheibenbremsen oder Reifen – gab es auch einen dauernden Fluss der sich ändernden Standards. Das Steuerrohr hat viele Wechsel erlebt, ehe es bei der heute gängigen konischen Form angekommen ist. Das Tretlager scheint noch immer in der Findungsphase zu stecken. Nur ein Standard ist über all die Jahre unangetastet geblieben – die Breite der Naben.

Egal, wie sehr die ständig wachsenden Ritzelpakete sowie die hinzukommenden Scheibenbremssockel den Platz an der Nabe eingeengt haben – hier hat sich kaum etwas getan. Zwar gab es in den letzten fünf Jahren den Wechsel vom Schnellspanner hin zu Steckachsen. Aber die effektive Baubreite und alle damit verbundenen Maße (Flanschabstand, Ketten­linie) sind gleichgeblieben. Auch wenn die Zahlen etwas anderes suggerieren, ist eine 135x5-Hinterradnabe genau gleich aufgebaut und genauso breit wie eine 142x12-Nabe. Das zeigt sich schon daran, wie einfach sich die meisten modernen Laufräder zwischen den Standards umrüsten lassen. Doch mit den immer besser werdenden 29er-Bikes wuchs der Leidensdruck stetig an. Sowohl bei der Laufradsteifigkeit als auch der Rahmenkonstruktion wurden die Kompromisse immer offensichtlicher. 

Da ist es schon fast verwunderlich, dass der neue Boost-Standard, der genau diese Themen angeht, wahre Kritiktiraden auslöst. Klar, Veränderung tut weh, und jeder neue Standard muss sich zuerst einmal bewähren. Aber in einer Zeit, in der Biker kontinuierlich mit immer neuen Standards bombardiert werden, ist die Ablehnung sicher auch darin begründet, dass viele gar nicht wirklich wissen, womit sie es bei Boost überhaupt zu tun haben. Deswegen haben wir uns das Thema genauer angesehen und erläutern auf den nächsten Seiten alles, was man über den neuen Standard Boost wissen sollte. Und für alle Traditionalisten bleibt vorerst der beruhigende Trost: Der neue Standard betrifft fast nur die Riege der langhubigen 29er und der Plus-Bikes. Vorerst zumindest. 


DIE INITIATOREN - Interview mit Anatol Sostmann und Chris Hilton

Trek und Sram haben den Boost-Standard in Kooperation entwickelt. Wofür eigentlich? 

Antwort von Anatol Sostmann, Trek-Marketing-Manager:

Boost hatte am 2014er-Remedy 29er seinen ersten Auftritt. Wie kam das?
Aus dem 2013er-Remedy haben wir gelernt, dass ein solches Twentyniner steifere Laufrädern braucht. Also haben wir uns auf die Suche gemacht, wie man deren Steifigkeit mindestens auf das Niveau des 27,5-Zoll-Formats anheben kann. Die einzige Vorgabe war, dass wir das mit dem bisherigen Q-Faktor realisieren wollten.

Ging es dabei nur um die Steifigkeit?
Ja, zuerst war unser einziges Ziel die steiferen Laufräder. Dann haben wir festgestellt, dass mit Boost weitere Effekte erzielt werden können, um die 29er noch agiler und verspielter zu machen. So erlaubt Boost, die Hinterbauten unserer 29er deutlich kompakter zu konstruieren.

Warum findet man Boost nur bei den 29ern?
Boost wurde geboren, um unsere 29er zu optimieren. Dort ist der Nutzen deutlich spürbar. Bei Boost für kleinere Laufräder sehen wir das Kosten/Nutzenverhältnis noch nicht als ideal an.

Anatol Sostmann Trek Marketing

Anatol Sostmann, Trek-Marketing-Manager

Chris Hilton, Sram – Produktmanager Antriebe:

Welche Vorteile hat Boost?
Boost bringt in erster Linie neue konstruktive Freiheiten. Damit lassen sich einfach bessere Bikes bauen – mit mehr Reifenfreiheit, wie beispielsweise Plus-Bikes. Bikes mit steiferen und kompakteren Hinterbauten, aber auch mit optimal platzierten Drehpunkten. Den Weg haben wir mit unseren 1x11-Antrieben bereits eingeschlagen und verfolgen ihn mit Boost konsequent weiter. Der Q-Faktor bleibt dabei unangetastet, weil sich bei unseren Boost-Kurbeln nur die Spider oder das Kettenblatt ändert, nicht aber die Kurbelarme selber. Dabei ist es wichtig, nie Standards zu mischen. Boost macht nur als Ganzes und mit einem passenden Boost-fähigen Rahmen wirklich Sinn.

Was bringt Boost bei den Laufrädern?
Die zusätzliche Steifigkeit durch den Einsatz von Boost-Naben ist enorm – nach unseren Messungen zwischen 17 und 33 Prozent. An der Front spürt man die zusätzliche Steifigkeit durch die zehn Millimeter mehr als am Heck mit nur sechs zusätzlichen Millimetern.

Chris Hilton Produktmanager Sram Antriebe

Chris Hilton, Sram - PM-Antriebe

Cristian Artmann – Bike-Testredakteur

Ich halte Boost für einen Schritt in die richtige Richtung. Mit dem längst überfälligen kons­truktiven Lösungsansatz geht man gleich mehrere Probleme an – steifere Laufräder, mehr Reifenfreiheit und mehr Optionen bei der Konstruktion neuer Rahmen sind für mich gute Argumente. Meine bisherigen Erfahrungen mit Boost-Bikes bestätigen den Nutzwert. Ich frage mich aber, ob ein unangetasteter Q-Faktor es wirklich wert ist, hinten nur einen Teil des Weges zu gehen. Eine wenige Millimeter breitere Kurbel würde man kaum merken, und die technischen Vorteile ließen sich noch besser nutzen. Ich meine: Boost ist mehr Nutzwert als Hype!

Chris Artmann

Chris Artmann, BIKE-Tester

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Christian Artmann am 29.11.2016
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