Schwalbe Neuheiten 2021: Super Race/Ground/Trail/Gravity/DH

Alle Super? Schwalbe krempelt alle MTB-Reifen um

  • Peter Nilges
  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor 4 Monaten

Schwalbe verpasst seinen MTB-Reifen für 2021 komplett neue Karkassen. Die Super-Familie bringt robustere und griffigere Pneus, doch auch mehr Gewicht. Zudem komplett neu: Nobby Nic und Big Betty.

Wer beginnt, sich mit Mountainbike-Reifen zu beschäftigen, nimmt sich vermutlich zuerst das Profil vor. Klar: Offensichtlich unterscheidet es die Modelle voneinander. Ebenso entscheidend ist allerdings – neben der Gummimischung – das Innenleben eines Pneus. Die Karkasse bildet gewissermaßen das Rückgrat eines MTB-Reifens. Der Aufbau entscheidet über Pannenschutz, Stabilität, Dämpfung und auch das Gewicht. Und genau hier setzt Schwalbe bei seinem großen Relaunch an. Fünf unterschiedliche, völlig neu entwickelte Karkassen stehen künftig zur Wahl. Das Ziel: Jeder Biker kann seinen Reifen in genau der Version fahren, die optimal zum persönlichen Einsatzbereich passt. Um Bikern die Orientierung zu erleichtern, hat Schwalbe seine Neulinge mit prägnanten, eindeutigen Namen versehen.

Super Gravity, Super Trail und Super Ground heißen die neuen Karkassen, die für Trailbiker und Tourenfahrer besonders relevant sind. Neue Profile gibt´s von Schwalbe für 2021 unter den Namen Big Betty und Nobby Nic.

Neue Karkassen der Schwalbe-Reifen im Überblick:

  • Super Race
  • Super Ground
  • Super Trail
  • Super Gravity
  • Super Downhill

Super Race: Geringer Rollwiderstand, geringes Gewicht. Diese Reifen sind gemacht für Crosscountry- und Marathon-Fahrer. Zwei Karkassenlagen auf der Lauffläche mit zusätzlichem Raceguard-Pannenschutzstreifen. Drei Karkassenlagen an der Seite. So wiegt die beliebte Kombi Racing Ray/Ralph in 29 x 2,25: 650/675 Gramm (BIKE-Messung).

Super Ground: Der Kompromiss für Tourenfahrer. Guter Pannenschutz bei ordentlichem Gewicht. Dafür verbaut Schwalbe drei Karkassenlagen und ein durchgängiges Snakeskin-Gewebe (gelb) statt Snakeskin-Schutz nur an der Seitenwand.

Super Trail: Der Neuling für die Reifenmodelle Nobby Nic, Big Betty und Magic Mary. Für Trail- bis Enduro-Einsätze. Ein Apex (grün) erhöht den Durchschlagschutz im Vergleich zur Super Ground Karkasse.

Super Gravity: Für extreme Einsätze! Wer ein Bike mit viel Federweg an seinen Grenzen bewegt, der bekommt hier den nötigen Pannenschutz. Vier Karkassenlagen, ein Snakeskin-Gewebe (gelb) und ein Apex (grün) bringen die Stabilität – aber auch einiges an Gewicht. Z.B. die Big Betty in 29x2,4 wiegt satte 1407 Gramm.

Super Downhill: Entwickelt für den Downhill-Worldcup. Normalos finden in den anderen Karkassen vermutlich einen besseren Kompromiss. Wem Super Gravity-Reifen tatsächlich zu schwach sind, der kann hier sein Glück versuchen.

Mit der "Decade of Super” stellt Schwalbe seine hochwertige MTB-Reifenpalette komplett neu auf und rückt die Karkassen in den Vordergrund. Die neue Super-Familie umfasst daher fünf neue Reifenkonstruktionen, die genau auf den jeweiligen Einsatz abgestimmt wurden. Angefangen von den leichten Super Race-Reifen bis zu den extrem pannensicheren Super-Downhill-Reifen ist alles dabei.

Doch neben den inneren Werten erhielt auch der Klassiker Nobby Nic ein aggressiveres Profil mit stabileren Schulterstollen. Zusätzlich ist der ehemalige Feeride-Reifen Big Betty zurück, den es in einer Super Trail- Super Gravity- und Super Downhill-Version geben wird. Durch die breiten Bremskanten eignet er sich als perfekte Ergänzung zur Magic Mary am Hinterrad.

Der neue Schwalbe Nobby Nic


Kein Reifen wurde in den letzten Jahren mehr an Mountainbikes verbaut, als Schwalbes Nobby Nic. Ein echter Touren-Klassiker! Doch an Trailbikes und Touren-Fullys hat der Nobby Nic jüngst immer mehr an Boden verloren und musste Kritik einstecken. Denn immer eher konnte man den leichten Reifen mit seinem seichten Profil und der dünnen Seitenwand im anspruchsvolleren Gelände schnell an seine Grenzen bringen. Die Neuauflage des Nobby Nic für 2021 will das Image des zahmen Tourers hinter sich lassen – und auch im ernsten Trail-Gelände wildern. Dafür wurde das Profil komplett erneuert. Die Seitenstollen fallen deutlich prägnanter aus, außerdem soll die Selbstreinigung verbessert worden sein. Nobby Nic gibt´s in den Varianten Super Ground und Super Trail, was ihn ebenfalls vom leichten Tourer zum soliden Trail-Reifen mutieren lässt. Wer einen besonders leichten Tourenreifen für gemäßigtes Gelände sucht, wird künftig vom Nobby Nic nicht mehr bedient. Der neue Nobby Nic kostet in der hochwertigen Evolution-Variante zwischen 59,90 und 64,90 Euro. Verfügbar in 26, 27,5 und 29 Zoll und den Breiten 2,25, 2,35, 2,6 und 2,8 Zoll. Wir haben den neuen Nobby Nic bereits im BIKE-Testlabor gewogen:


Nobby Nic Super Trail 29x2,35: 1100 Gramm
Nobby Nic Super Ground 29x2,35: 970 Gramm

Neu gegen alt: Die massiveren Außenstollen des neuen Schwalbe Nobby Nic (links) heben den Reifen allein optisch in eine neue Kategorie.

Die klare Kante aus massiveren Seitenstollen sollte dem neuen Schwalbe Nobby Nic (links) in Kurven mehr Führung geben.


Einen ersten ausführlichen Labor- und Praxistest zum neuen Nobby Nic gibt's in BIKE 10/20 – ab 1. September im Handel!

Neu: Schwalbe Big Betty


Wer schon länger auf dem Mountainbike sitzt, wird sich noch an Big Betty erinnern. Viele Jahre machte sich der massive Schlappen einen Namen als Bikepark- und Downhill-Allrounder. Bis er aus dem Programm von Schwalbe verschwand. Jetzt liegt die Neuauflage im Regal. Und das ist eine besonders gute Nachricht für Biker, die ihr Rad im harten Gelände bewegen. Bisher bestand die klassische Enduro-Kombi von Schwalbe aus Magic Mary an der Front und Hans Dampf am Heck. Der neue Big Betty ist die deutlich griffigere Variante zum Hans Dampf. Auch der Kurvenhalt legt deutlich zu. Big Betty gibt´s in 26, 27,5 und 29 Zoll sowie in den Breiten 2,4, 2,6 und 2,8 Zoll. Die hochwertigen Evolution-Reifen kosten je nach Ausführung zwischen 59,90 und 67,90 Euro.

Big Betty ist zurück! Schwalbe lässt einen alten Reifenklassiker wieder aufleben.

Schwalbes Big Betty setzt auf breite, griffige Bremskanten und hat auch in Antriebsrichtung scharfe Krallen – für viel Traktion im Uphill.

Interview Carl Kämper (Produktmanager Schwalbe)


BIKE: Mit fünf verschiedenen Karkassen-Konstruktionen erscheint Euer neues Produktportfolio sehr komplex. Überfordert das nicht den Kunden?
Carl Kämper: Die Anzahl der unterschiedlichen Reifenkonstruktionen hat sich zur bestehenden Modellpalette gar nicht erhöht. Alle Karkassen machen absolut Sinn und haben ihre Notwendigkeit. Über den Namen lässt sich das Einsatzgebiet ableiten, wodurch jeder das richtige Produkt finden kann.


Mit den neuen Super Trail-Reifen habt ihr die Lücke zwischen den damaligen Snakeskin-Reifen (jetzt Super Ground) und den Super Gravity-Reifen geschlossen. Insgesamt sind bis auf die Super Race-Reifen aber alle etwas schwerer geworden.
Das liegt weniger an den Reifenkonstruktionen, sondern daran, dass wir bei allen Reifen die Gummimenge und damit die Haltbarkeit erhöht haben. Dadurch bekommen wir eine bessere Eigendämpfung, einen besseren Pannenschutz und Probleme wie Stollenabrisse gehören damit der Vergangenheit an.


Aber wo ist dann der 800-Gramm-Reifen für den Tourenfahrer und die schnelle Trail-Runde geblieben? Der leichteste Nobby Nic (Super Ground) wiegt in 29 Zoll deutlich über 900 Gramm…
Auch Tourenfahrer werden von dem besseren Pannenschutz profitieren, zumal die Reifen immer noch gleich gut rollen. Wir glauben, dass der höhere Pannenschutz das etwas schlechtere Beschleunigungsverhalten in jedem Fall überwiegt. Das geänderte Fahrverhalten und die größere Verbreitung von E-MTBs erfordern ebenfalls stabilere Reifen.


Gab es in der Vergangenheit etwa zu viele Probleme mit den leichten Snakeskin-Reifen?
In der Vergangenheit hat man sich beim Einsatzzweck eines Reifens stark am Profil orientiert. Eine Magic Mary in der leichten Snakeskin-Variante sah beispielsweise nach Enduro aus, war für manche Einsatzzwecke aber sicherlich überfordert, was für Frust beim Kunden sorgte. Wir stellten uns daher die Frage, ob wir das richtige Produkt anbieten. Ein zuverlässigerer Reifen macht den Kunden am Ende glücklicher als 150 Gramm Gewichtsersparnis.

Carl Kämper, Produktmanager bei Schwalbe.

Endlich Schluss mit hohem Verschleiß?


Bei seinem Relaunch hatte Schwalbe auch die Haltbarkeit und den Verschleiß seiner Rundlinge im Fokus. Denn seit Jahren gab es immer wieder Beschwerden über ausreißende Stollen an einigen Modellen. Dem wollen die Schwalbe-Entwickler endlich ein Ende gesetzt haben. Die Lösung: mehr Gummi auf der Lauffläche. Dadurch werden die meisten Reifen spürbar schwerer. „Ein zuverlässigerer Reifen macht den Kunden am Ende glücklicher als 150 Gramm Gewichtsersparnis", erklärt Produktmanager Carl Kämper die neue Schwalbe-Philosophie. E-Mountainbiker werden die Extra-Gramm sicher leicht verkraften, Touren-Biker dagegen schleppen schnell mal 200 bis 400 Gramm pro Satz mehr mit. Ob die neuen Reifen dafür mit deutlich längerer Haltbarkeit auftrumpfen können, testen wir gerade im BIKE-Testlabor. Die Ergebnisse lesen Sie in Ausgabe 10/20 – ab 1. September im Handel. Das Upgrade in Zahlen: Ein 29er-Nobby Nic in der leichtesten verfügbaren Ausführung (Super Ground) wiegt jetzt nach unseren Messungen 940-993 Gramm. Ein Magic Mary in 29 x 2,4 ist nicht mehr unter 1200 Gramm zu haben, denn mit leichteren Karkassen als Super Trail wird das Enduro-Pärchen Magic Mary und Big Betty nicht angeboten. Damit werden sie zu echten Schwergewichten. Die Zeiten, in denen die Schwalbe-Reifen zu den leichtesten aller Klassen zählten, sind auf jeden Fall fürs Erste vorbei.

Im Überblick: Die verschiedenen Varianten der neuen Schwalbe-Reifen. Welches Profil gibt es mit welcher Karkasse und welcher Gummimischung?

Nur noch deutlich über 900 Gramm zu haben: der neue Nobby Nic von Schwalbe.

Themen: GripNeuheiten 2021Nobby NicReifenSchwalbeSuperTraktion


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