Test Duell 2018: Radon Jab 10.0 vs. Giant Reign Advanced 0 Test Duell 2018: Radon Jab 10.0 vs. Giant Reign Advanced 0

Test Duell 2018: Radon Jab 10.0 vs. Giant Reign Advanced 0

Enduros: Radon Jab 10.0 vs. Giant Reign Advanced 0

Peter Nilges am 19.02.2018

Generell oder speziell: Kann das neue Radon Jab mit Carbon-Rahmen und Luxusausstattung auf jeder Strecke glänzen und im Enduro-Duell gegen das Race-lastige Giant Reign mit Stahlfeder-Dämpfer punkten?

Generalist gegen Spezialist, heißt die Devise in diesem Super-Duell der Enduros. Auf der Seite der Alleskönner tritt das flammneue Jab von Versender Radon an. Mit seiner modernen Geometrie und ordentlichen Federwegsreserven lässt das Carbon-Enduro keinesfalls das Gewicht außer Acht und will auf jeder Strecke brillieren. Giant hingegen folgt dem Trend der Spezialisierung und positioniert das neue Reign raciger denn je. Eine richtig lange Geometrie und ein Stahlfederdämpfer beim Top-Modell unterstreichen die kompromisslose Ausrichtung.

Der erste Schlagabtausch der beiden Enduros erfolgt im Labor. Beim Gesamtgewicht gibt das neue Jab in schnittiger Stealth-Optik erwartungsgemäß den Ton an und bringt 670 Gramm weniger auf die Waage. Ziemlich genau die Differenz (653 Gramm), die Giant mit dem Stahlfederdämpfer im Vergleich zum Luftdämpfer draufpackt. Beim Rahmengewicht herrscht nämlich bis auf nur 31 Gramm Unterschied ziemlicher Gleichstand zu Gunsten des Giants, das im Gegensatz zum Radon sogar einen Alu-Hinterbau besitzt. Im Vergleich zur hiesigen Enduro-Konkurrenz zählen beide Rahmen zu den leichteren, brechen aber keine Rekorde. Zum deutlich zahmeren Vorgänger Slide 160 hat der neue Jab-Rahmen sogar rund 200 Gramm zugelegt.

Bei der Geometrie geben sich beide Enduros keine Blöße und unterstreichen die aktuelle Marschrichtung. 65er-Lenkwinkel, sehr tiefes Tretlager und ein langer sowie sehr langer Reach. Leider war das Radon zum Testzeitpunkt nur in Größe M verfügbar, weshalb das zum Vorgänger nochmals gestreckte Giant deutlich länger ausfällt. Selbst in Größe M überragt der Reach des Reigns das Radon um 14 Millimeter. Einen weiteren Unterschied gibt es in der Kettenstrebenlänge. Auch hier setzt Giant auf maximale Laufruhe, wogegen das Radon mit äußerst kurzen 428er-Streben aufwartet.

In der dritten Runde geht es um die Details. Das Jab erscheint optisch wie aus einem Guss und verfügt über einen in der Wippe inte­grierten Flipchip, mit dem sich der Lenkwinkel um 0,5 Grad und die Tretlagerhöhe um sechs Millimeter verstellen lassen. Zusätzlich ist der Rahmen mit vielen passgenauen Schützern versehen. Durch die ausladenden Kettenstreben streift man aber schnell mit der Ferse an den Schützern (siehe Detailbild). Im Vergleich zum Vorgänger hat sich beim Giant nur wenig getan. Bis auf den um etwa 17 Millimeter gewachsenen Reach verfügt das Reign über identische Geometriedaten und die gleiche Rahmen-Silhouette. Wäre da nicht noch der Stahlfederdämpfer, der sich über einen Remote-Hebel am Lenker effektiv straffen lässt. Ob sich das Mehrgewicht von fast 700 Gramm allerdings lohnt, zeigt die nächste Runde.

Schon beim Setup des Reigns wird klar: Die 450er-Stahlfeder, die laut Giant für Fahrer zwischen 75 und 80 Kilo geeignet sein soll, ist zu straff. Unser 80-Kilo-Tester bringt nur magere 22 Prozent SAG zustande. Auf dem Trail bleibt somit der erwartete Aha-Effekt der Stahlfeder aus. Der Hinterbau arbeitet recht straff und fühlt sich nach wenig Hub an. Der Check der Labordaten bestätigt den Praxiseindruck. Durch den Endanschlagspuffer des Stahldämpfers wird der Federweg auch bei hoher Kraft auf lediglich 148 Millimeter beschränkt – für den Einsatzbereich Enduro eindeutig zu wenig! Im Vergleich dazu bietet das Jab deutlich mehr Hub und verfügt obendrein über die bessere Gabel. Da die Fox-Gabel des Jabs sehr gut im Federweg steht, gibt der Hinterbau im Vergleich etwas mehr nach, was sich allerdings durch mehr Druckstufendämpfung beseitigen lässt. In diesem Setup arbeitet das Fahrwerk harmonisch, lässt den Fahrer aber nie im Unklaren, wo er gerade drüberbügelt. Durch die kurzen Kettenstreben fährt sich das Jab deutlich verspielter und geht gut aufs Hinterrad. Das Giant hingegen vermittelt Laufruhe und Sicherheit en masse, ohne zu sperrig zu wirken.


Peter Nilges, BIKE-Testleiter:  Giant kann den Stahlfeder-Joker in diesem Vergleich nicht wirklich ausspielen und büßt dadurch wertvolle Punkte ein. Das Mehrgewicht steht somit in keiner Relation zur Performance. Das neue Jab hingegen leistet sich kaum Schwächen und gewinnt das Duell. Nicht unerheblich ist auch der Preisunterschied. Trotz absoluter Top-Ausstattung kostet das Radon Jab ganze 2000 Euro weniger.

Peter Nilges

Peter Nilges, BIKE-Testleiter


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Peter Nilges am 19.02.2018