Hausbesuch bei Richard Kapp von Celtic CyclesTausendsassa Celtic Cycles Chadh im Test

Henri Lesewitz

, Laurin Lehner

 · 20.10.2022

Hausbesuch bei Richard Kapp von Celtic Cycles: Tausendsassa Celtic Cycles Chadh im TestFoto: Henri Lesewitz

Eins für alles, statt für alles ein anderes: Das dachte sich der Freiburger Tüftler Richard Kapp und konstruierte ein Mountainbike mit maximalem Einsatzbereich. Das Celtic Cycles Chadh Allround-Bike soll nun in Kleinserie auf den Markt kommen.


Diese Themen finden Sie im Porträt über Celtic Cycles:


Allgemeines zur Wahl des richtigen Bikes

Wer ein Mountainbike sucht, der muss sich vor dem Kauf entscheiden. Will man sportliche Touren auf einfachen Schotterwegen fahren? Oder steht einem der Sinn eher nach rasanten Abfahrten? Zu jedem Fahrstil gibt es die passende Bike-Kategorie. Das macht die Wahl des Wunsch-Mountainbikes einfach, aber auch kompliziert. Wer sich für ein Abfahrts-Fully - beispielsweise ein All Mountain - entscheidet, der bekommt in diesem Segment das perfekte Bike. Lange Touren aber sind damit ausgeschlossen. Umgekehrt ist es ähnlich. Ein leichtes Marathon-MTB garantiert Spaß bei langen Ausfahrten, schließt Besuche im Bikepark aber aus.

Ungewöhnlich, aber wirkungsvoll: Der Drehpunkt der Schwinge sitzt weit vorn, was für ein sensibles Ansprechverhalten sorgt.
Foto: Henri Lesewitz

Kein Stress mehr mit Einbau-Standards

Der Freiburger Tüftler Richard Kapp wollte sich damit nicht abfinden. Er wollte ein Fully konstruieren, dass alles kann. Und das gleichzeitig auch bei den MTB-Einbau-Standards flexibel ist. Boost-Standard oder Non Boost, Steckachse oder 9 mm-Schnellspanner, egal. Am Allround-Bike von Celtic Cycles lässt sich alles dank eines cleveren Adapter-Systems montieren.

Tüftler Richard Kapp in seiner Werkstatt bei Freiburg. Die Startnummern an der Wand zeugen von einer langjährigen Rennsport-LeidenschaftFoto: Laurin Lehner
Tüftler Richard Kapp in seiner Werkstatt bei Freiburg. Die Startnummern an der Wand zeugen von einer langjährigen Rennsport-Leidenschaft

In den Neunzigerjahren hatte der Tüftler, der inzwischen 70 Jahre alt ist, schon mal mit einem Downhill-Bike Berühmtheit erlangt, das er für den damaligen Abfahrts-Star Manfred Stromberg konstruiert hatte. Blue Torsion, hieß das Bike, angelehnt an die Blaue Box, in der sich eine Torsionsfeder befand.

Celtic Cycles: Jedes Detail eine clevere Speziallösung

Der Name des neuen Bike-Projekts: Celtic Cycles. Das Modell heißt Chadh. Es besteht aus einem Carbon-Rahmen, sowie einem verstellbaren Hinterbau aus Aluminium. Der Clou: Es lassen sich Dämpfer mit verschiedenen Einbaulängen montieren, was Federwege von 80 bis 130 Millimeter möglich macht. Die Sitzstreben sind in Teleskop-Bauweise gefertigt, um sie in der Länge verstellen zu können. So kann der Lenkwinkel korrigiert werden. Die Länge des Hinterbaus ist dank geschraubter und tauschbarer Ausfallenden flexibel. Adapter ermöglichen die Aufnahme verschiedener Hinterrad-Achsen. Ein durch und durch kreatives Mountainbike, dass bald in Kleinserie auf den Markt kommen soll. Unser BIKE-Reporter hat Richard Kapp einen Besuch abgestattet. Zudem hatten wir die exklusive Gelegenheit, den Prototypen ausgiebig zu fahren.

Das Celtic Cycles Chadh im Test

Federweg, Laufräder, Geometrie: Das Celtic passt sich den Wünschen des Fahrers an. Aber macht das den Fahrer wunschlos glücklich?

Die Augen sind erst mal heillos überfordert. Was für eine Dichte an Details! Vorne der fließend geformte Hauptrahmen aus Carbon. Hinten Fräskunst. Die weit vorn am Unterrohr angesetzten, eckigen Kettenstreben. Die angeschraubten und auswechselbaren Ausfallenden. Die Teleskopsitzstreben, mit denen die Geometrie angepasst werden kann, falls man einen Dämpfer mir größerer Einbaulänge verwendet. Die zweite, bei unserem Setup frei stehende Dämpferaufnahme, die genau das möglich macht. Die Optik ordnet sich dem ambitionierten Konzept unter: ein Rahmen für
alles, ob minimaler Federweg oder 130 Millimeter.

Celtic Cycles Chad im BIKE-TestFoto: Wolfgang Watzke
Celtic Cycles Chad im BIKE-Test

Unser Test-Bike kommt im sportlichsten Setup. 84 Millimeter quetscht die Prüfmaschine aus dem Hinterbau. Damit konkurriert das Celtic Cycle mit dem Trek Supercaliber. Übermächtige Fußstapfen, so scheint es. Denn mit fahrfertigen knapp 12 Kilo ist das Celtic in dieser Kategorie Federweg kein Leichtgewicht. Umso verblüffender ist es, wie leichtfüßig das Fully über die Trails fegt. Die edlen Tune-Laufräder relativieren das Gesamtgewicht dank guter Beschleunigung. Dazu arbeitet die Federung hochsensibel, und ohne den runden Tritt zu stören.

Super Idee, tadellos umgesetzt: 
Die Ausfallenden des Chadh sind 
angeschraubt und austauschbar. So lassen sich Laufräder mit verschiedenen Achs­standards fahren.Foto: Wolfgang Watzke
Super Idee, tadellos umgesetzt: Die Ausfallenden des Chadh sind angeschraubt und austauschbar. So lassen sich Laufräder mit verschiedenen Achs­standards fahren.

Wie auf einem Luftkissen schwebt man flott über die Trails. Ähnlich, wie mit dem Supercaliber. Wiegetritt quittiert das Celtic aber deutlicher mit Wippen als das Trek, zumindest bei geöffnetem Dämpfer. Der Plattformmodus hält das Schaukeln im Zaum. Die Geometrie hat etwas Oldschool-Charakter. Was auch gute Seiten hat. Sie macht das Bike agil, kletterstark und lässt den Fahrer entspannt sitzen. In schnellen oder kniffligen Bergabpassagen erfordert sie aber eine versierte Hand.

Einziger echter Kritikpunkt: Der Hinterbau ist so breit, dass die Waden daran schleifen können.

Sitzstreben in Teleskopbauweise ermöglichen die Anpassung der Geometrie bei einem Dämpfertausch.Foto: Wolfgang Watzke
Sitzstreben in Teleskopbauweise ermöglichen die Anpassung der Geometrie bei einem Dämpfertausch.
Celtic Cycles Chadh - GeometriedatenFoto: BIKE-Testabteilung
Celtic Cycles Chadh - Geometriedaten
Celtic Cycles Chadh - CharakteristikFoto: BIKE-Testabteilung
Celtic Cycles Chadh - Charakteristik

Das Firmenporträt Celtic Cylces

Mit einem futuristischen Fully hatte Tüftler Richard Kapp in den Neunzigern kurz Ruhm erlangt. Damals gab es nur Downhill und Cross Country. Anders als heute, wo keiner mehr durchblickt bei den ständig neuen Kategorien und Einbaustandards. Richard spürte: Er muss noch mal ran. Sein Bike, das alles kann, soll nun in Kleinserie gehen.

Alles ist echt. Der Moment, das Haus und auch Richard Kapp, der mit einer einladenden Handbewegung in seine Garage bittet. Und trotzdem ist es surreal. So, als würde man mit einer Virtual-Reality-Brille in die Anfangstage des Mountainbikens gucken. In die wilden Neunziger, wo die großen Technikinnovationen in schummrigen Schrauberbuden ausgeheckt wurden. In Buden wie dieser.

Richard Kapp: 
Der gebürtige Oberglottertaler fährt seit 1992 begeistert Mountainbike. Bereits 1993 entwickelte er ein Hardtail für Mike Kluge. Im Berufsleben konstruierte der staatlich geprüfte Techniker Maschinen für die Halbleiterfertigung für ITT-Intermetall 
(heute TDK-Micronas), einem Hersteller 
von Sensorsystemen für die Automobilelektronik. Eine Fahrradkonstruktion sei, laut eigener 
Aussage, nicht die allergrößte Herausforderung für ihn gewesen.Foto: Laurin Lehner
Richard Kapp: Der gebürtige Oberglottertaler fährt seit 1992 begeistert Mountainbike. Bereits 1993 entwickelte er ein Hardtail für Mike Kluge. Im Berufsleben konstruierte der staatlich geprüfte Techniker Maschinen für die Halbleiterfertigung für ITT-Intermetall (heute TDK-Micronas), einem Hersteller von Sensorsystemen für die Automobilelektronik. Eine Fahrradkonstruktion sei, laut eigener Aussage, nicht die allergrößte Herausforderung für ihn gewesen.

„Des isch keine geleckte Parktool-Werkstatt – des isch kreatives Chaos“, lacht Richard im badischen Singsang, der den irritierten Blick des Reporters bemerkt. Wohin das Auge schaut Kisten, Fahrräder, Krempel, Werkzeug. Kreatives Chaos statt Ingenieursbüro. Das hier ist also der Geburtsort des Wunder-Mountainbikes, das bald auf den Markt kommen soll. Ein Bike, das sich dem Fahrer anpasst. Das 80 Millimeter Federweg hat, oder 130 Millimeter. Das Laufräder aller Achsstandards aufnimmt und in der Geometrie variabel ist. Je nachdem, wonach dem Besitzer ist.

Alte Schule: Statt am Computer konstruiert Richard klassisch am Zeichenbrett. Schwingen- und Dämpferprototypen sind aus Pappe.
Foto: Laurin Lehner

Richard Kapp, sonnenverwöhnte Haut, Johnny-Cash-Haartolle – entwickelte schon in den 90er-Jahren Rahmen und Komponenten, die das Biken praktischer machen sollten. Der Badener ist einer dieser Lösungssucher, wie es sie in Baden-Württemberg zuhauf gibt und die dem Erfinder-Bundesland zu Weltruf verholfen haben. Egal, ob für seine Frau im Haushalt, im Job als Maschinenbautechniker oder in der Freizeit: Richard tüftelte fast rund um die Uhr. Jetzt ist er siebzig und in Rente. Doch der Erfindergeist kommt nicht zur Ruhe.

„Aus Hobby soll jetzt Business werden“, sagt Richard.

Sein ehrgeiziges Projekt begann vor einigen Jahren angefacht vom Innovations-Tsunami der Mountainbike-Industrie. Fast im Jahresrhythmus präsentierte die Branche neue Kategorien und Einbaustandards. Was eben noch auf den Messen als die Zukunft bejubelt wurde, hatte eine Saison später schon wieder Oldtimer-Status. Die Modelle wurden immer spezieller, während ältere Zubehörteile aufgrund der neuen Einbaumaße nicht mehr verwendet werden konnten. Richard spürte: Hier muss eine Lösung her. Und entwickelte das maximal variable Mountainbike. Um es produzieren zu können, braucht er Vorbestellungen. Mindestens 30 Stück. Die Backformen für die Carbon-Rahmen sind bereits angefertigt und warten in China darauf, zum Einsatz zu kommen. Kohlefaserrahmen sind teuer.

„Da kann ich nicht einfach ins Blaue produzieren“, sagt Richard.

Eine schmale Treppe führt ein Stockwerk tiefer. Hier ertüftelte Richard sein Baby, ein Marathon- und Touren-Fully. Er taufte es Chadh. Was Keltisch ist und Krieger heißt, oder auch Kämpfer. Wobei ihm zweiteres besser gefällt. Im Dunkel des Kellers steckt hinter jeder Tür eine Geschichte von Richards Entwicklerpassion. Die Werkbank zum Beispiel, der man ansieht, dass auf ihr schon viel geschraubt, gehobelt und gedreht wurde, hat einst sein Vater benutzt. Ein rostiger Schraubstock, Schraubenzieher, Feilen.

„Da lass’ ich alles, wie es ist, aus Respekt“, sagt Richard.

Im Raum am Ende des Gangs lagern angejahrte Downhill-Rahmen und lose Hinterbauten. Die hat er in den 90er-Jahren für Downhiller Manfred Stromberg konstruiert, damals eine Berühmtheit in der Szene.

Das Zimmer, in dem er sein Chadh erdachte, liegt gegenüber. Hier steht das große Zeichenbrett, auf dem alles anfing. Mit einer Bleistiftzeichnung und vielen aus Karton ausgeschnittenen Schwingen und Drehpunkten. Richard kaufte sich zwar ein CAD-Programm, doch bald wurden teure Updates notwendig. Der Service-Mitarbeiter stellte eine dreiviertel Stunde Anfahrt in Rechnung, für gerade mal acht Kilometer. Das sah Richard nicht ein und nahm von nun an wieder den Bleistift zur Hand. Pedalrückschlag und Dämpferprogression rechnete er mit dem Taschenrechner aus.

Rauer Charme: Der Hauptrahmen aus Carbon ist sauber verarbeitet, verströmt durch die nackte Optik aber eher Purismus statt Edel-Anmutung.
Rauer Charme: Der Hauptrahmen aus Carbon ist sauber verarbeitet, verströmt durch die nackte Optik aber eher Purismus statt Edel-Anmutung.
„Früher wurde alles so konstruiert, Nähmaschinen, Flugzeuge, Autos. Hat auch geklappt“, sagt Richard.

Am liebsten tüftelt er abends, dreht dabei die Anlage auf und hört Cody Jinks, Deep Purple oder Johnny Cash. „Supergeil“, sagt Richard. Überhaupt benutzt er gerne Wörter wie superleicht, superschnell oder supereinfach. Richard ist Optimist. Dass sein Plan aufgeht und die Leute seine Bikes kaufen wollen, davon ist er überzeugt.

In einem der Kellerräume hängen alte Marathon-Startnummern, darüber baumelt ein zerschlagener Tennisschläger. Richard starrt auf den gebrochenen Rahmen, als würde der malträtierte Schläger ein früheres Leben symbolisieren.

„Das ist Vergangenheit, doch so war ich auch mal“, sagt Richard.

Es gab eine Zeit, da schlug er vor Wut den Schläger kaputt, wenn er ein Match verloren hatte.

Direkt nach Renteneintritt diagnostizierte Richards Hausarzt Burnout und Depressionen. Die Psychologen verschrieben Tabletten, doch die halfen nicht. Im Gegenteil: Alles wurde noch schlimmer. Auch mit der Rente konnte sich Richard nicht anfreunden. Statt endlos zu biken, zwickte der Rücken. Dazu hätten ihn die Autos krankgemacht, sagt er. Direkt neben seinem Haus verläuft eine Landstraße. Jahrelang kämpfte er dafür, das Ortsschild weiter Richtung Ortsausgang stellen zu lassen, um den Verkehr zu beruhigen. Er verbrachte ganze Wochenenden am Straßenrand, zählte Autos, und bewies, dass der Verkehr zu 80 Prozent Spaßverkehr ist. Motorräder und Quads. „Zum Teil 1200 Fahrzeuge in der Stunde“, erzählt Richard. Man merkt ihm beim Erzählen an, wie sehr ihn das Thema beschäftigt haben muss. Doch das war damals. Die zwei dicken Leitz-Ordner mit Beweisen und Argumenten übernahm ein Freund aus dem Tennis-Club, der ist Anwalt. Seitdem kümmert der sich um das Thema. Auch die Tabletten setzte Richard irgendwann alle ab. Die Ärzte schüttelten den Kopf und erwarteten einen Rückfall. Doch das Gegenteil passierte. Alles wurde besser. Im Nachhinein vermutet Richard, dass die psychischen Probleme Nebenwirkungen der Schmerztabletten waren, die er wegen eines Bandscheibenvorfalls nehmen musste.

Statt sich weiter mit negativen Dingen zu befassen, setzte er sich in den Kopf, nun nicht mehr nur für sich selbst Bikes auszutüfteln, sondern auch für andere Biker. Seine Frau und Freunde bestärkten ihn in seinem Vorhaben. Sein Bike sollte vieles besser können und auch nicht so teuer sein.

„Ich wollte ein ehrliches Bike bauen, für ehrliche Leute“, sagt Richard.

Ein Kaufmann sei er ohnehin nicht. In seiner ganzen Berufslaufbahn habe er nicht ein Mal nach einer Gehaltserhöhung gefragt. Reich werden mit seinem Chadh? Nein, darum gehe es ihm nicht, beteuert Richard. Aktuell plant er, für den Rahmen mit Dämpfer 2699 Euro zu verlangen.

„Das ist fair“, findet der Entwickler.

Bei seinem Chadh setzt er auf maximale Verstellbarkeit: Mullet-Aufbau, wechselbare Ausfallenden, eine lange Schwinge und ein weit vorgelagerter Hauptdrehpunkt. „Das bietet kein anderer Hersteller an“, sagt Richard. Von umständlichen Standards hält er nichts. Billige, schnell verschlissene Lager in teuren Bikes machen ihn sogar wütend.

„So was ist doch Superscheiße“, sagt Richard.

Dass Leute zigtausend Euro für ein Bike ausgeben, kann er auch nicht verstehen. Er liest Kommentare in Foren, erkundigt sich, was angesagt ist und forscht, was Biker wirklich brauchen. Er will ein Bike bauen, das so praktisch und langlebig ist wie eine Rohrzange.

Sich als Entwickler nicht an irgendeine Firmenpolitik halten zu müssen, reizt wohl jeden Konstrukteur. Zwar besitzt er nicht den finanziellen Background und die Strukturen, doch dafür hat er freie Hand, während bei großen Herstellern alle mitreden wollen und Produkt-Manager bei der Wahl der Komponenten und Lager auf die Kostenbremse drücken. Dass man sich als Konstrukteur auch mal zu sehr in Details verstrickt, davon will er nichts hören. Richard ist überzeugt von seinem Bike. Auch Tenniskumpel und Mountainbike-Urgestein Mike Kluge aus dem Nachbardorf gefällt, was Richard kons­truiert hat. Das Testen übernimmt der Konstrukteur selbst.

Am Prototypen ist die Aufnahme für Dämpfer mit längerem Einbaumaß leer. Das Race-Setup für kürzere Dämpfer hat eine eigene Aufnahme auf der Schwinge.
Am Prototypen ist die Aufnahme für Dämpfer mit längerem Einbaumaß leer. Das Race-Setup für kürzere Dämpfer hat eine eigene Aufnahme auf der Schwinge.

Wer denkt, Richard würde dabei nur fade Forststraßen runterbremsen, der täuscht sich. Auf anspruchsvollen Trails nimmt er gern die Finger von den Bremsen und lässt das Gas stehen. Was er auf einer kurzen Testfahrt auch direkt unter Beweis stellt.

„Ich hab’ volles Vertrauen in das Chadh. Supergeil“, so Richard.

Am liebsten würde er die Rahmenformen aus China holen und in Europa produzieren lassen. Die Idee von Made in Europe und die damit verbundenen kurzen Lieferwege und das Plus an Verlässlichkeit, das gefällt ihm. Ständig hat er Ärger mit Lieferanten und dem Zoll. Erst vor wenigen Wochen hätte er 700 Euro Zollgebühren nachzahlen sollen. Ein Fehler eines Beamten, wie sich nach viel Hin und Her herausgestellt hat. Einspruch einlegen, rumtelefonieren, Papiere raussuchen. Stress, dem sich viele Rentner nach einem langen Berufsleben nicht mehr aussetzen würden.

„Für mich ist das positiver Stress“, grinst Richard, als er den Reporter nach dem Rundgang wieder aus der Garage nach draußen führt. Das Sonnenlicht blendet. Vögel zwitschern. Auf der Straße donnert ein Kleinlaster vorbei. Es ist, als würde man nach Stunden in einem schummrigen, romantischen Virtual-Reality-Universum
zurück ins grelle, echte Leben katapultiert.

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