4,8 ***** - gerne wiederBuycycle will Fahrrad-Gebrauchtkauf sicher machen

Marc Strucken

 · 08.02.2023

Theo Golditchuk, einer der drei Gründer von Buycycle, ist stolz: Keine zwei Jahre nach der Gründung arbeiten über 25 Leute für das Münchner Unternehmen.
Foto: Marc Strucken

Es geht ab bei Buycycle. Der Online-Marktplatz für Gebrauchträder wächst und breitet sich schnell aus. Das Münchner Start-Up bietet nicht nur eine sichere Kaufabwicklung bei Secondhand Bikes an. Auch Refurbished Bikes kann man dort kaufen - und bald auch im Abo mieten. Ein Hausbesuch zwischen Kartons, Ultraschall und Fotostudio.

8254 gebrauchte Bikes in Summe, 4655 Rennräder und 3599 MTB mit zum Teil verführerisch niedrigen Preisen. Das Angebot bei Buycycle, einer recht jungen Plattform für gebrauchte Fahrräder ist auf jeden Fall groß. Und es ist rasch gewachsen, denn noch vor etwas mehr als einem Jahr, freute sich Mitbegründer Florian Senoner in unserem Interview, dass sie bereits 760 Rennräder im Angebot hatten.

Tatsächlich hat das Start-Up aus München die nächste Stufe gezündet - nicht nur was die Menge der angebotenen Gebrauchtfahrräder angeht. Nach der Gründung im Frühjahr 2021 und dem Launch der Website im Sommer des Jahres, hat Buycycle sein Angebot jetzt deutlich erweitert. Zum einen gibt es jetzt alle möglichen gebrauchten MTB - endlich. Dazu kommen jetzt auch verschiedene, suchbare Unterkategorien wie Crosscountry MTB oder Gravelbikes. Auch finden sich jetzt sogenannte Refurbished Bikes auf der Buycycle-Website - also MTB oder Rennräder, die in der hauseigenen Werkstatt generalüberholt, gegebenenfalls repariert und mit zwei Jahren Garantie verkauft werden.

Von Null auf aktuell 3500 MTB - Buycycle hat nach etwa mehr als einem Jahr bereits ein großes Angebot. Aus fast ganz Europa.
| Bilder: Screenshots buycycle.com/Marc Strucken

Im Zusammenhang plant Buycycle für den kommenden Sommer ein - auch von anderen Anbieter bekanntes - Abo-Modell für die Refurbished Bikes. Für 3, 6 oder 12 Monate gibt es dann 6000 Euro Highend-Fully zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis. Und danach steht es nicht ungenutzt über Winter im Keller.

Fahrrad gebraucht kaufen: Buycycle will alles sicher abwickeln

Das Hauptgeschäft von Buycycle ist aber die sichere Abwicklung beim Fahrradgebrauchtkauf. Mit diesem Anspruch sind sie angetreten, wie Theo Golditchuk uns im Interview erklärt. Er ist der zweite Mitgründer und verantwortlich bei der Bike-Plattform für Marketing und Supply. Aus der eigenen Erfahrung heraus, dass beim Kauf von Secondhand Bikes viel schiefgehen kann, haben Florian, er und Jonas Jäger Buycycle gegründet. Nur einige Beispiele, die wohl jede und jeder kennt, wenn man schon mal über Ebay, Kleinanzeigen oder Ähnliches gekauft hat: miese Bilder, “Kauf nur gegen Abholung”, Zahlung nur bar oder Vorkasse, Ware kommt defekt an, Ware kommt gar nicht - Verkäufer verschwunden...

Nicht so bei Buycycle - der Online-Marktplatz übernimmt den ganzen Prozess, der zwischen Verkäufer und Käufer stattfindet und bietet bei der Bezahlung die Sicherheit, dass das Geld erst den Besitzer wechselt, wenn der Käufer zufrieden ist und sein OK gibt. Noch praktischer ist vor allem die Logistik. Denn egal, wo das gebrauchte Traumbike herkommt, Buycycle sorgt für die Abwicklung. Und das zunehmend in ganz Europa. “Das eröffnet einen riesigen Suchbereich”, erklärt Theo von Buycycle. “Bei uns kaufen Norweger Bikes aus Portugal ohne Probleme.” Tatsächlich macht das Gebrauchtrad-Portal mittlerweile die Hälfte seines Umsatzes außerhalb der DACH-Region. Die Transportkosten sind dabei sehr unterschiedlich: Innerhalb von Deutschland kommen 75 Euro auf den Kaufpreis, quer durch die EU können es auch 250 Euro sein. “Wir arbeiten aber daran, den Transport für die Kunden günstiger zu machen”, legt Theo nach. Und wenn es nötig ist übernimmt Buycycle auch die Retourenabwicklung. Es gibt bei generalüberholten Bikes zwei Wochen Rückgaberecht und bei Gebrauchtkauf 24 Stunden nach Erhalt der Ware.

Woher kommen die Bikes auf Buycycle?

Grundsätzlich gibt es bei Buycycle drei Möglichkeiten, wie ein Secondhand Bike seinen Besitzer wechselt. Der Großteil - derzeit etwa zwei Drittel - sind Verkäufe von privaten Anbietern zu privaten Käufern. Der Verkäufer bietet sein Bike auf der Plattform an. Das Team prüft die Angaben, die Bilder und den vorgeschlagenen Preis. Auch bei zu hohen oder niedrigen Preisvorstellung wird Buycycle aktiv und berät die Verkaufenden und macht am Ende einen Preisvorschlag. In der nächsten Zeit soll zudem ein “Buyers Guide” (Käuferberatung) verfügbar sein, der den Kauf des richtigen Bikes erleichtern soll.

Das Fotostudio liefert optimale Bilder von den Refurbished Bikes - auch in 360-Grad-Ansicht.Foto: Marc Strucken
Das Fotostudio liefert optimale Bilder von den Refurbished Bikes - auch in 360-Grad-Ansicht.

Ein Drittel der Angebote kommt von Händlern, die Ladenhüter, Testbikes oder Restposten so günstiger verkaufen wollen. Die Abwicklung beim Kauf ist dann gleich. Was bislang noch aus Kapazitätsgründen auf kleiner Flamme gehalten wird sind die Ankäufe von Bikes, die dann als Refurbished Bikes verkauft werden. Das Lager ist klein, aber voll, wie wir beim Besuch in der neuen Buycycle Homebase sehen. “Tatsächlich kaufen wir noch eher Rennräder, weil wir drei Gründer alle keine Mountainbiker sind”, lacht Marketingmann Theo. “Aber den Bereich wollen wir mit Blick auf die Bike-Abo-Modelle bald ausbauen.”

Refurbished Bikes: so gut wie neu?

Der erste Unterschied bei den Refurbished Bikes im Vergleich zu den reinen Gebrauchträdern ist, dass es zwei Jahre Garantie gibt - viel mehr als die gesetzliche Gewährleistung bieten viele Hersteller auch nicht auf ihre neuen Bikes; vom Rahmen abgesehen. Dafür ist der Preis deutlich niedriger. Zwei Mountainbikes aus dem Angebot als Beispiele:

Santa Cruz Hightower R Carbon 2021

  • neu: 4749 Euro
  • refurbished: 3849 Euro
  • Ersparnis: 900 Euro

Cube Stereo 120 HPC 2021

  • neu: 2849 Euro
  • refurbished: 2100 Euro
  • Ersparnis: 749 Euro

Um die Garantie auch geben zu können, durchlaufen die Bikes verschiedene Stationen bei Buycycle. Neben der Wash Station und der technischen Prüfung, ob Schaltung, Lager und Ähnliches OK sind, nutzen die Techniker in München auch einen Ultraschall, um Carbonrahmen zu untersuchen. Während verdächtige Dellen oder Lackabplatzer bei Alu-Rahmen schnell einen Schaden verraten, ist das bei Kohlefasern nicht so einfach. Dort kann einfach nur der Lack beschädigt sein durch einen Steinschlag - oder die empfindlichen Fasern haben etwas abbekommen und es besteht Bruchgefahr. Mit dem Ultraschallgerät messen die Techniker die Materialstärke. Gibt es Auffälligkeiten, sieht man das auf dem Display.

Materialstärkeprüfung mittels Ultraschall: So finden die Techniker Schäden an Carbonrahmen.Foto: Marc Strucken
Materialstärkeprüfung mittels Ultraschall: So finden die Techniker Schäden an Carbonrahmen.

Aber auch Verschleißteile werden geprüft und bei Bedarf ausgetauscht. Auch gibt es auf der Buycycle-Website farbliche Markierung bei angebotenen Fahrrädern (Secondhand und Refurbished), die auf defekte (rot) oder ausgetauschte Teile (gelb) hinweisen.

Hier kein Refurbished Bike, aber die gelben Punkte zeigen, welche Teile am Bike getauscht wurden. Hier sind es alle, weil es ein Custombike ist.Foto: Screenshot buycycle.com/Strucken
Hier kein Refurbished Bike, aber die gelben Punkte zeigen, welche Teile am Bike getauscht wurden. Hier sind es alle, weil es ein Custombike ist.

So steht am Ende ein Gebrauchtrad dar, das wie neu funktioniert - auf kleine Macken weisen die meist sehr hochauflösenden Bilder im Zweifel hin. Noch ein Punkt, den Buycycle in nächster Zeit verbessern möchte: Jedes Refurbished Bike soll ein 360-Grad-Bild/Video mit hoher Auflösung bekommen, so dass man sich das Rad online von allen Seiten ansehen kann. Das geschieht zum Teil jetzt schon im hauseigenen Fotostudio. Damit haben wohl schummerige Handybilder aus modrigen Kellerverschlägen, wie es sie tausendfach in den Kleinanzeigen im Netz gibt, keine Chance mehr auf dem Markt.

Pläne für Buycycle in nächster Zeit

Buycycle wäre kein Start-Up, wenn es nicht große Pläne hätte. Theo Golditchuk schaut sich Büro auf zwei Etagen um und lacht: “Wir sind gerade erst hier eingezogen, aber es eigentlich schon wieder zu klein.” Aus den drei Gründern sind derzeit mehr als 25 Mitarbeiter geworden. Das Lager für die Bikes, die das Unternehmen selbst auf seinem Marktplatz verkauft, ist randvoll. Und Interessierte aus ganz Europa besuchen das Online-Portal.

So hat alles angefangen: Florian, Theo und Jonas (von links) starten 2021 ihren Online-Marktplatz Buycycle - damals noch als .de-website; jetzt als buycycle.comFoto: buycycle
So hat alles angefangen: Florian, Theo und Jonas (von links) starten 2021 ihren Online-Marktplatz Buycycle - damals noch als .de-website; jetzt als buycycle.com

Neben dem bereits erwähnten Abo-Miet-Modell für Fahrräder gibt es noch mehr in der Pipeline. “Als nächstes wollen wir die ganze EU freischalten für den Verkauf von Rädern”, so Theo. Die Schweiz wurde erst unlängst in den Kundenkreis aufgenommen - Großbritannien ist dagegen zunächst nicht geplant wegen der gesetzlichen und logistischen Hürden. Derzeit kann man bei der Sprache zwischen Deutsch und 13 weiteren wählen. Es sollen noch mehr werden - gleiches gilt dann für entsprechende Währungen neben dem Euro. Ein weitere Schritt in der nächsten Zeit, so der Marketing-Chef, wird sein, auch Komponenten und Zubehör in das Angebot aufzunehmen. “Für uns steht auch der Gedanke der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Wir wollen durch den Verkauf von Gebrauchträdern deren Lebenszeit verlängern. Das soll auch für Laufräder, Navis oder Rollentrainer gelten.”

Weiter verrät er: “Aber weil unser Name ‘buycycle’ in den Suchmaschinen im Englischen so nah an der Suchanfrage ‘buy cycle’ liegt, überlegen wir auch in Zukunft es auf dem US-Markt zu versuchen.” Und an der Website wird ohnehin ständig etwas verbessert. Hatten die nicht letzte Woche ein anderes Logo?!

Foto: Marc Strucken

Unbekanntes Element