Cross-Country-TrailbikeDauertest Scott Spark 910 – 3735-km-Fazit

Jan Timmermann

 · 27.01.2023

Dauertest Scott Spark 910
Foto: Georg Grieshaber

Das Scott Spark 910 lässt die Grenzen zwischen Cross-Country- und Trailbike verschwimmen. 120 Millimeter Federweg sollten dem erfolgreichsten Racefully der Welt zu noch mehr Stärke in der Abfahrt verhelfen. Ob das neue Spark im Dauertest zur Dauerbaustelle oder zum Dauerläufer wurde und wie es sich auf dem Trail schlug, lesen Sie hier.

Mit der Neuauflage des Spark ließ Scott die Grenzen zwischen Cross-Country- und Trailbike verschwimmen. 120 Millimeter Federweg sollten dem erfolgreichsten Racefully der Welt zu noch mehr Stärke in der Abfahrt verhelfen. Die starke Systemintegration gilt jedoch als Gegenspieler der Wartungsfreundlichkeit. Hier erfahren Sie, ob das Scott Spark 910 zur Dauerbaustelle oder zum Dauerläufer wurde, und wie es sich auf dem Trail schlug.

Trail-Variante von Schurters RC-Modell

Bei der Trail-Variante des Spark wurde der Federweg an der Gabel im Vergleich zu Nino Schurters RC-Modell noch einmal um zehn Millimeter aufgebohrt. Bis auf die günstigeren Carbon-Fasern ist der Rahmen des Spark 910 jedoch baugleich mit der RC-Variante. Auch der dreistufige Twinloc-Hebel zur Beruhigung von Dämpfer und Gabel sowie eine zweite Flaschenhalteraufnahme erinnern an die sportlichen Wurzeln des Spark.

Mit der Integration des Dämpfers im Sitzrohr und der Leitungsführung durch eine Lenker-Vorbau-Einheit kommt das schwarze Spark optisch daher wie ein Tarnkappen-Jet. Dank Service-Klappe bleibt das Innenleben aber erreichbar. Ein externer SAG-Indikator und ein Guckloch erleichtern die Abstimmung des Hinterbaus. Wie praxistauglich die Integrationslösungen sind und ob das Spark in der Trailbike-Kategorie Fuß fassen kann, sollte sich im Dauertest zeigen.

Alles im Griff: Der linke Daumen hat die Kontrolle über die Teleskopstütze und die Blockierung des Fahrwerks via Twinloc-Hebel.Foto: Georg Grieshaber
Alles im Griff: Der linke Daumen hat die Kontrolle über die Teleskopstütze und die Blockierung des Fahrwerks via Twinloc-Hebel.

Leugnen kann das Spark seine Verwandtschaft zum Race-Bruder nicht. Besonders erfreulich ist die rasche Beschleunigung des leichten Trailbikes mit steifem Carbon-Rahmen. Man sitzt gut integriert und bringt viel Druck auf die Front. So ging das Scott schnell voran und sammelte mühelos erste Kilometer auf den flachen Münchner Isar-Trails.

Auf Alpen-Touren jenseits der 1000 Höhenmeter zeigte sich das Bike kletterstark. Zugunsten eines kleinen Berggangs wurde das 32er-Kettenblatt nach den ersten 20000 Höhenmetern gegen ein Blatt mit 30 Zähnen getauscht. An den steilen Rampen rund um Karwendel, Zugspitzregion, Chiemsee und Tegernsee neigte das Heck im Wiegetritt nur minimal zum Wippen und ließ sich mit Hilfe des Twinloc-Systems sogar komplett ruhigstellen.

Auf den meisten Trails war die Bremskraft der Shimano-XT-Bremsen völlig ausreichend. Nur auf langen Alpenabfahrten hätte sich unser Testfahrer stärkere Vierkolbenmodelle gewünscht.Foto: Georg Grieshaber
Auf den meisten Trails war die Bremskraft der Shimano-XT-Bremsen völlig ausreichend. Nur auf langen Alpenabfahrten hätte sich unser Testfahrer stärkere Vierkolbenmodelle gewünscht.

3735 Kilometer: Das Scott Spark im Dauereinsatz auf dem Trail

Da der Dauerteststart mit der Anschaffung eines Wohnwagens zusammenfiel, musste das Spark viele Einsätze im felsigen Gelände an Garda- und Ledrosee verkraften. Nach der Zweckentfremdung eines Blasenpflasters als Schlauchflicken auf der ersten alpinen Abfahrt wurden die Schwalbe-Wicked-Will-Reifen auf tubeless umgerüstet. Anschließend zeigten sie sich sehr pannensicher, aber auf rutschigem Schotter wenig haftstark.

Im Gegensatz zu den Reifen ließ sich das Fahrwerk auch auf den ruppigen Trails im Vinschgau und rund um Toblach nicht ans Limit bringen. Bei schnellem Geradeauslauf liegt das Trailbike sicher und satt, lässt sich gleichzeitig aber wendig durch Kurven dirigieren. Dafür schmerzten die Handgelenke auf langen Abfahrten aufgrund der unergonomischen Griffe. Auch die Bremsen kamen auf den langen Downhills ans Limit und zeigten spürbares Fading. Passend zur schwachen Bremsleistung mussten jeweils nach 1000 und 2500 Kilometer die Beläge gewechselt werden. Zum Ende des Dauertests wurde auch ein Entlüften der hinteren Bremse nötig.

Beziehungs-Highlight
: Ohne Shuttle ging die Kombination aus leichtfüßigem Handling und Trailbike-Reserven an den steilen Hängen des Gardasees besonders gut auf.Foto: Privatfoto
Beziehungs-Highlight : Ohne Shuttle ging die Kombination aus leichtfüßigem Handling und Trailbike-Reserven an den steilen Hängen des Gardasees besonders gut auf.

Überfordert mit den langen Abfahrten war das erste Paar Reifen nach 1400 Kilometern verschlissen. Nach gut 3700 Kilometern war der zweite Satz durch. Während der Zug des Lockouts noch immer geschmeidig läuft, musste der Schaltzug bei der Schlussinspektion gewechselt werden. Der Zug der Vario-Stütze franste bereits nach einem halben Jahr aus. Zudem entwickelte die Stütze ein leichtes seitliches Spiel. Zwei verschlissene Ketten sind der Tribut an die hohe Laufleistung. Laufräder, Lager sowie Fahrwerk überstanden den Dauertest aber defektfrei. Sie sind bereit für viele weitere Kilometer und lassen die Bedenken hinsichtlich der Systemintegration in den Hintergrund treten.

Schwalbes Wicked Will konnten weder mit hohem Grip noch mit Dauerhaltbarkeit begeistern. Dafür fuhren sie sich dank hoher Pannenresistenz stressfrei.Foto: Georg Grieshaber
Schwalbes Wicked Will konnten weder mit hohem Grip noch mit Dauerhaltbarkeit begeistern. Dafür fuhren sie sich dank hoher Pannenresistenz stressfrei.

Fazit: Dauertest Scott Spark 910

“Mit seinem starken Vorwärtsdrang beschert das Scott Spark 910 ein hohes Maß an Fahrspaß. Es ist die Rakete unter den Trailbikes und kann mit seiner ausgewogenen Geometrie und dem effizienten Fahrwerk auch in der Abfahrt überzeugen. Nur einige Ausstattungsdetails trüben das ansonsten hervorragende Gesamtbild.” Franz Fischer, BIKE-Dauertester
Franz Fischer,
 BIKE-Dauertester und KFZ-Meister
 (49 Jahre, 75 kg, 170 cm): 
Seine Leidenschaft sind alpine Touren mit mindestens 
1000 Höhenmetern 
und flowigen 
Trail-AbfahrtenFoto: Georg Grieshaber
Franz Fischer, BIKE-Dauertester und KFZ-Meister (49 Jahre, 75 kg, 170 cm): Seine Leidenschaft sind alpine Touren mit mindestens 1000 Höhenmetern und flowigen Trail-Abfahrten

Technische Daten und Bewertung: Dauertest Scott Spark 910

  • Rahmenmaterial: Carbon, Größe M
  • Preis / Gewicht: 5499 Euro / 12,4 kg o. Pedale
  • Federweg: 129 mm /122 mm
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Gabel / Dämpfer: Fox 34 Performance Elite / Fox Nude DPS

Laufleistung: 3735 km | 84400 hm

Bewertung Scott Spark 910Foto: BIKE-Testabteilung
Bewertung Scott Spark 910

Kosten im Dauerbetrieb

Viele Tiefenmeter sorgten beim Scott Spark 910 für hohe Verschleißkosten bei Bremsbelägen und den teuren Schwalbe-Reifen. Die erste Shimano-XT-Kette verschliss untypisch schnell und wurde wegen Problemen bei der Verfügbarkeit gegen ein SLX-Modell getauscht.

*Den Wertverlust ermittelten wir anhand vergleichbarer Gebrauchtangebote auf den gängigsten Plattformen. | en.Foto: BIKE-Testabteilung
*Den Wertverlust ermittelten wir anhand vergleichbarer Gebrauchtangebote auf den gängigsten Plattformen. | en.

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