Jan Timmermann
· 23.01.2023
Aus unserem Einsteiger-Hardtail-Test in BIKE 4/2022 ging das Radon Jealous AL 8.0 HD als Sieger hervor. Ob sich Touren- und Trailtauglichkeit auch auf Dauer bestätigten, zeigt der Alltagstest.
Auf der Suche nach einem bezahlbaren Mountainbike landen Einsteiger in der Regel bei einem Hardtail. Aus unserem Einsteiger-Hardtail-Test in BIKE 4/2022 ging das Radon Jealous AL 8.0 HD als Sieger hervor. Ob sich Touren- und Trailtauglichkeit auf Dauer bestätigten, zeigt unser Dauertest.
Im Hause Radon wissen die Produkt-Manager, dass gerade junge Biker gerne auch Trails fahren wollen und verpassen der Sonderedition des Jealous, dem AL 8.0 HD, eine entsprechende Ausstattung: Ein 760 Millimeter breiter Lenker, eine Teleskopstütze mit 130 Millimetern Hub und grobstollige Schwalbe-Nobby-Nic-Reifen sollen abseits befestigter Wege den Fahrspaß erhöhen. Mehr Präzision in der Trail-Abfahrt versprechen die steifen 35-Millimeter-Standrohre der Rockshox 35 Gold RL, die außerdem 103 Millimeter Federweg bereitstellt. An der kompakten Cross-Country-Geometrie ändert dieser Mix nichts, und so sind bei Rahmengröße 18 Zoll der Reach mit 417 Millimetern knapp und der Lenkwinkel mit 68,9 Grad steil gezeichnet.
BIKE-Dauertester Moritz entwickelte eine intensive Beziehung zum Radon-Hardtail. Nachdem der 15-Jährige vergangenes Jahr nach einem Infekt kurze Zeit im Koma lag und sich im Frühjahr 2022 auch noch das Bein brach, fand er im Jealous das passende Bike für den Wiedereinstieg in den MTB-Sport. War er vorher noch ausschließlich auf Freeride-Strecken unterwegs, tastete sich Moritz nach seiner Verletzung erst mal an kurze Touren durch die hügeligen Laubwälder nahe Schweinfurt heran. Mit der Zeit steigerte er sich auf zwei 70-Kilometer-Runden pro Woche. Als Trainingspartner verhalf ihm das Radon zu zunehmender Fitness und großen Fortschritten bei der Beinkraft.
Durch den 70-Millimeter-Vorbau und den kurzen Rahmen fällt die Sitzposition aufrechter aus als an den meisten Racehardtails. So pedaliert sich das Bike entspannt, und man nimmt es dank großer Kassette mit maximal 52 Zähnen auch mit steilen Anstiegen auf. Bei einem Spaßrennen mit den Kumpels vermisste Moritz jedoch einen schnelleren Gang, als ihn das Kettenblatt mit 32 Zähnen bereitstellt. Auch die Gabel, die ohne Lockout im Wiegetritt mitwippt, konnte nicht voll überzeugen. Die Sram-GX-Eagle-Schaltung dagegen wechselt die zwölf Gänge schnell und präzise – in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit. Mit dem SDG-Radar konnte sich der Touren-Neuling nicht anfreunden. Der Sattel hinterließ schon nach kurzer Zeit Druckstellen.
Radon gibt das Jealous AL nur für Kategorie Drei und damit für technische Trails mit kleinen Absätzen, nicht jedoch für Sprünge frei. Im Alltag war das Bike trotzdem nicht nur Begleiter auf dem Schulweg und zum Einkaufen, sondern musste auf ausgebauten Hometrails, dem lokalen Pumptrack und im Bikepark Winterberg beweisen, dass mehr in ihm steckt als ein reines CC-Hardtail. Während das Bike aufgrund seines kurzen Radstands bei hoher Geschwindigkeit und in Wurzelfeldern unruhig liegt, spielt ihm die steil-kompakte Geometrie in engen Kurven und langsamen, technischen Passagen in die Karten. Mit abgesenktem Sattel ist die Bewegungsfreiheit hoch und eine gute Basis, um sich fahrtechnische Kniffe anzueignen. Dabei helfen auch die fein dosierbaren und kräftigen Magura-Bremsen.
Leider bereitete die Sattelstütze schon ab Werk Probleme, verlor Öl und hatte seitliches Spiel. Ausbau und Reinigung brachten kurzfristig Besserung, die raue Lauffläche ist jedoch irreparabel und die Stütze defekt. Schwalbes hochwertige Nobby-Nic-Reifen glänzten mit Grip und Pannensicherheit, nicht jedoch mit Haltbarkeit: Sie sind nach 1700 Kilometern verschlissen. Abgenutzt sind auch die hinteren Bremsbeläge und die Kette. Das hintere Nabenlager und das Innenlager laufen rau, weisen aber noch kein Spiel auf. Erfreulich ist der gute Zustand der Federgabel.
“Für (Wieder-)Einsteiger ist das Jealous AL 8.0 HD ein sehr gutes Bike. Wichtige Teile, wie Gabel, Cockpit, Reifen und Bremsen, taugen absolut für den Trail. Die wendige Geometrie bringt viel Fahrspaß und hilft beim Lernen von Tricks. Zwar ist der Anschaffungspreis attraktiv, viele abgenutzte Teile und die kaputte Teleskopstütze kosten im Alltagstest aber später ihr Geld.” Moritz Böhlmann, BIKE-Dauertester
Laufleistung: 1720 km | 17375 hm
Im Verhältnis zu Fahrleistung und Anschaffungspreis sind sowohl Verschleißkosten als auch Wertverlust hoch. Besonders die guten, aber teuren Schwalbe-Reifen und die defekte Sattelstütze sind echte Preistreiber.