Rennrad-Spezialist Cervelo zeigt sein erstes MountainbikeCerevelo ZHT-5 im Test

Max Fuchs

 · 04.10.2022

Rennrad-Spezialist Cervelo zeigt sein erstes Mountainbike: Cerevelo ZHT-5 im TestFoto: Gruber Images

Mit einem brandneuen Hardtail erweitert Rennrad-Spezialist Cervelo sein Portfolio erstmals um ein Mountainbike. Der Neuling wurde speziell für den Einsatz im Cross Country-Rennsport entwickelt und ist zudem rekordverdächtig leicht. Vorhang auf für das Cervelo ZHT-5.

Kompromisslos auf Vortrieb getrimmt und ab Werk bereit für die Rennstrecke – mit diesem Vorsatz entstehen im Hause Cervelo einige der schnellsten Rennräder der Welt. 2019 verließen die Kanadier dann erstmals befestigte Straßen und feierten mit dem Gravelbike Aspero ihr Offroad-Debut. Der traditionell auf Vortrieb getrimmte Schotter-Racer kam so gut an, dass Cervelo seitdem immer weiter in den Offroad-Sektor bei Fahrrädern vordringt. So weit, dass die Marke in der Saison 2023 mit dem neuen Race-Hardtail ZHT-5 samt Profi-Team den Cross Country-Worldcup in Angriff nimmt.

Verlagssonderveröffentlichung


Cervelo ZHT-5: ein Race-Hardtail ohne Kompromisse

Das erste Mountainbike von Cervelo: das Race-Hardtail ZHT-5. Foto: Hersteller
Das erste Mountainbike von Cervelo: das Race-Hardtail ZHT-5.

Cervelos erstes Mountainbike hört auf den Namen ZHT-5. Wer mit der Modell-Hierarchie vertraut ist, weiß, dass nur die absoluten Highend-Modelle über den Nummernzusatz 5 am Ende der Modellbezeichnung verfügen. Doch wird der MTB-Neuling diesem Premium-Anspruch gerecht? Mit Leichtigkeit. Denn mit einem Rahmengewicht von 810 Gramm in Größe M (Herstellerangabe) gehört der Rahmen des Cervelo ZHT-5 zu den leichtesten am Markt. Zum Vergleich: Den superleichten T1-Rahmen von Stoll haben wir ebenfalls in Größe M mit 829 Gramm gemessen. Ob sich die Bike-Neuheit, wie vom Hersteller behauptet, wirklich an die Spitze des Leichtbau-Rankings setzten kann, werden wir demnächst im BIKE-Testlabor prüfen.

Milan Vader auf dem Cervelo Bike im Cross Country-Worldcup

Um das Cervelo ZHT-5 auch im Mountainbike-Sektor schnell bekannt zu machen, setzt die Marketing-Abteilung der Kanadier auf die Erfolgsbilanz und die Ambitionen der niederländischen Cross Country-Hoffnung Milan Vader. In den Farben des Jumbo-Visma-Teams soll der 25-Jährige 2023 die Marke Cervelo an die Mountainbike-Weltspitze fahren. Das große Ziel: Olympia 2024 in Paris.

Der junge Niederländer, Milan Vader, konnte in seinem ersten Jahr in der Elite-Kategorie mehrere Worldcup-Podestplätze ergattern und belegte bei den <a href="https://www.bike-magazin.de/events/wettbewerbe/pidcock-holt-olympia-gold/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Olympischen Spielen in Tokio</a> Platz 10. Foto: Hersteller
Der junge Niederländer, Milan Vader, konnte in seinem ersten Jahr in der Elite-Kategorie mehrere Worldcup-Podestplätze ergattern und belegte bei den Olympischen Spielen in Tokio Platz 10.

Die Geometrie des Cervelo-Hardtails: effizient, schnell und sogar ein bisschen spaßig

Die Rahmenkonstruktion haben die Entwickler in Zusammenarbeit mit Milan Vader Cross Country-Rennfahrern auf den Leib geschneidert. Mit kurzen Kettenstreben (430 Millimeter) und einem 69 Grad steilen Lenkwinkel identifiziert sich das ZHT-5 mit der agileren Sorte Race-Mountainbikes. Während extremere Modelle, wie das neue Cannondale Scalpel HT, bergab mit enormer Laufruhe überzeugen, fühlt sich das Cervelo-Hardtail eher auf verwinkelten Kursen wohl. Bei der Rahmengröße stehen Modelle von S bis XL zur Wahl.

Das Cervelo ZHT-5 im Detail

Neben dem hervorragenden Rahmengewicht sticht das Carbon-Hardtail auch mit cleveren Detaillösungen hervor. So verlaufen alle Leitungen von der Steuerzentrale aus sauber integriert durch den Steuersatz in den Rahmen. Die Reifenfreiheit fällt mit 2,4 Zoll zudem üppig aus.

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Foto: Hersteller

Cervelo ZHT-5: Modelle, Ausstattung und Verfügbarkeit

Ab Mitte Oktober kommen die ersten beiden Modell-Varianten des Cervelo-Hardtails auf den Markt. Am 5299 Euro teuren ZHT-5 GX AXS Eagle verbauen die Produktmanager neben der elektronischen Sram-GX-Schaltung eine Rockshox-SID-SL-Gabel aus der Select+-Baureihe. Den Highend-Rahmen teilt sich die Einstiegsvariante mit dem 9999 Euro teuren Highend-Modell. Entsprechend der Modellbezeichnung ZHT-5 XX1 AXS kommt hier Srams edelste Elektro-Schaltung zum Einsatz. Um das stolze Budget voll auszuschöpfen, werkelt unterm Steuerrohr die superleichte SID-SL-Ultimate, und um die Steckachsen drehen ich edle Reserve-Laufräder aus Carbon von Santa Cruz. Im Frühjahr 2023 sollen weiter Komplettbike-Modelle des Cervelo-Hardtails folgen.

Das günstigere der beiden Cervelo MTB-Hardtail-Modelle mit der elektronischer Sram GX AXS-Schaltung. Foto: Hersteller
Das günstigere der beiden Cervelo MTB-Hardtail-Modelle mit der elektronischer Sram GX AXS-Schaltung.
9999 Euro kostet das Cervelo ZHT-5 XX1 AXS und soll ab Oktober 2022 erhältlich sein. Foto: Hersteller
9999 Euro kostet das Cervelo ZHT-5 XX1 AXS und soll ab Oktober 2022 erhältlich sein.

Erster Fahreindruck vom Cervelo ZHT-5

Foto: Max Fuchs
Foto: Max Fuchs

Bereits im vergangenen Frühjahr hatte BIKE die Möglichkeit, erste Fahreindrücke auf einem Prototypen zu sammeln. Unser Fazit: Das Cervelo ZHT-5 kennt bergauf und in der Ebene nur ein Gas. Vollgas! Die Kombi aus langem Vorbau, tiefer Front und steilem Sitzwinkel platziert den Fahrer ordentlich gestreckt und vortriebsorientiert im Bike. Nur gut trainierte Vielfahrer kommen mit so einer sportlichen Sitzposition zurecht. Der Rahmen fühlt sich trotz des geringen Gewichts sehr steif an und verwandelt jedes Watt Beinarbeit verlustfrei in Vortrieb. Komfort oder Reserven bergab sucht man auf der Carbon-Feile aber vergebens. Ohne versenkbare Sattelstütze und mit dem eher steilen Lenkwinkel kommt das Bike im steilen Gelände oder bei hohen Geschwindigkeiten früh an seine Grenzen. Umso wohler fühlt man sich aber auf verwinkelten Strecken. Hier lässt sich das Bike sehr direkt und spielerisch dirigieren.

Test Cervelo ZHT-5

Nach unseren ersten kurzen Testrunden mit dem Cervelo ZHT-5 haben wir nun das Race-Hardtail ausgiebig und in gewohnter Gründlichkeit testen können. Wir mussten schließlich dem nachgehen, ob Cervelo seine Expertise von der Straße ins Gelände bringen kann und dem Rennradspezialist sein Debut in der Mountainbike-Welt gelungen ist.

Premiere für das  Racehardtail Cervelo ZHT-5 Foto: Max Fuchs
Premiere für das Racehardtail Cervelo ZHT-5

Im Triathlon- und Straßenrennsport zählen die Räder der kanadischen Edelschmiede zu den schnellsten der Welt. Ihr Ruf: voll auf Vortrieb getrimmt und ab Werk bereit für die Rennstrecke. Nun erweitern die Rennradspezialisten ihr Portfolio erstmals um ein Mountainbike. Hinter diesem Schritt steckt das erfolgreichste Radsport-Team der Niederlande. Jumbo Visma ist fester Bestandteil der UCI World Tour und den Fans großer Straßenrennen, wie der Tour de France, wohlvertraut.

Als einige Team-Fahrer den Wunsch äußerten, Cross Country-Rennen zu fahren, gründete Jumbo Visma für 2023 kurzerhand ein Mountainbike-Worldcup-Team und entwickelte zusammen mit Cervelo das dazu passende Sportgerät. Logisch, dass es sich dabei um ein Highend-Race-Hardtail handelt. In der kommenden Saison wird unter anderem der mehrmalige XCO-Weltcup-Sieger Milan Vader auf dem Cervelo ZHT-5 an den Start gehen. Insgesamt sind die Erwartungen an das Erstlingswerk also – auch wegen des stattlichen Preises von 10.000 Euro – hoch gesteckt.

Optisch knüpft das ZHT-5 an seine Rennradgeschwister an. Im schicken Lack schimmern blaue Glitzer-Flakes. Ein abgeflachtes Sitzrohr macht Platz für breite 2,4er-Reifen. Nur der günstige Alu-Vorbau trübt das edle Erscheinungsbild. Mechaniker freuen sich am Tretlager über den geschraubten BSA-Standard, für dessen Wechsel kein Auspresswerkzeug benötigt wird – alles andere als selbstverständlich bei aktuellen Racebikes. Komplett nackt, ohne Steckachse und Sattelklemme, knackt der 981 Gramm schwere Carbon-Rahmen in Größe L zwar die magische Ein-Kilo-Marke, im Vergleich zum Rest der Cross Country-Speerspitze löst das bei Gewichtsfetischisten aber keine Jubelschreie aus. Mit Steckachse, Schaltauge und Sattelklemme (BIKE-Messung) kommt der Rahmen auf 1074 Gramm. Mit Hilfe der Luxusausstattung bleibt das Gesamtgewicht ohne Pedale immerhin unter neun Kilo.

Mit Schlammpackung wiegt das Leichtgewicht von Cervelo schnell deutlich mehr. Foto: Hersteller
Mit Schlammpackung wiegt das Leichtgewicht von Cervelo schnell deutlich mehr.

Eher lässig-kompakt als sportlich-lang nimmt man auf dem Cervelo ZHT-5 Platz. Für eine effiziente Tretposition sorgt der steile Sitzwinkel. Trotz der fetten Reifen lässt sich das Cervelo sehr gut beschleunigen. Kurbelumdrehungen werden auf den breit bauenden Carbon-Laufrädern schnell in Geschwindigkeit umgewandelt. Die Rah­mensteifigkeit liegt laut Laborwerten auf einem guten, jedoch nicht auf Top-Niveau. In der Praxis fällt weniger die Steifigkeit des Rahmens als die der Sattelstütze auf. Mit 30,9 Millimetern Durchmesser bietet sie spürbar weniger Nachgiebigkeit als Modelle mit 27,2 Millimetern.

Zwar gleichen die breiten Reifen den fehlenden Flex etwas aus, gerade auf langen Strecken, wie etwa im Marathon-Einsatz, vermissten wir dennoch etwas Sitzkomfort. Dafür lässt das breite Sitzrohr die Möglichkeit, eine große Auswahl an Vario-Stützen nachzurüsten. Durch den 69,4 Grad steilen Lenkwinkel gelingt es, trotz kurzer Kettenstreben, auch in Steilstücken viel Druck am Vorderrad aufzubauen. So steigt die Front des ZHT-5 erst angenehm spät. Per Lenker-Remote ist die Gabel für den Wiegetritt einfach blockiert. Mit 32er-Blatt an der Kurbel und einer breit übersetzten Kassette findet jeder Biker einen passenden Klettergang. Bergab und für Tempo in der Ebene werden sich ambitionierte Racer an diesem Cervelo Race-Hardtail aber ein größeres Kettenblatt wünschen. Srams elektronische XX1-AXS-Schaltung wechselt die Gänge sauber und zackig via Funksignal.

Cervelo verbaut ab Werk die maximal mögliche Reifenbreite von 2,4 Zoll. Top: Das Tretlager ist geschraubt und nicht verpresst. Foto: Max Fuchs
Cervelo verbaut ab Werk die maximal mögliche Reifenbreite von 2,4 Zoll. Top: Das Tretlager ist geschraubt und nicht verpresst.

Fahrgefühl beim Cervelo Race-Hardtail: vom handlich bis bretthart

In der Abfahrt zeigt Cervelos erstes Mountainbike ein ausgewogenes und unkompliziertes Handling. Durch die Kombination aus langem Reach, kompaktem Heck und steilem Lenkwinkel steuert sich das ZHT-5 direkt und lässt sich ohne Probleme auch durch enge Kurven zirkeln. Zuverlässig und feinfühlig arbeitet sich die Rock­shox-SID-Gabel durch Wurzelfelder.

Anstatt dem Trend zur Flatmount-Aufnahme zu folgen, bleibt Cervelo beim Postmount-Standard. Die Sram-Level-ULT-Bremsen haben wenig Biss. Foto: Max Fuchs
Anstatt dem Trend zur Flatmount-Aufnahme zu folgen, bleibt Cervelo beim Postmount-Standard. Die Sram-Level-ULT-Bremsen haben wenig Biss.

Auf ruppigen Abfahrten kehrt das Bike aber doch wieder seine steife Seite heraus: Der 35-Millimeter-Carbon-Lenker von Race Face filtert kaum feine Schläge aus dem Trail, sondern reicht sie direkt an den Piloten weiter. Auch hier können das die breiten Maxxis-Pneus nicht voll kompensieren. Verstärkt wird dieser Effekt zusätzlich durch sehr dünne Griffe. Gerade Fahrer mit großen Händen sollten sich hier Ersatz suchen, um dem frühzeitigen Ermüden der Arme vorzubeugen. Zwar ist das Profil der Maxxis-Recon-Race-Reifen eher auf schnel­les Rollen als auf maximale Bodenhaftung ausgelegt, im Tubeless-Setup und mit niedrigem Luftdruck generieren sie durch ihre Breite trotzdem viel Grip. Etwas zahnlos beißt die Sram-Level-Bremse mit kleinen 160er-Scheiben vorn wie hinten zu. Die fehlende Power müssen vor allem schwere Piloten durch einen frühen Bremspunkt ausgleichen, um nicht über das Ziel hinauszuschießen.

Der steife 35-Millimeter-Carbon-Lenker reicht viele Schläge ungefiltert an den Fahrer weiter. Foto: Max Fuchs
Der steife 35-Millimeter-Carbon-Lenker reicht viele Schläge ungefiltert an den Fahrer weiter.

Technische Daten und Noten des Cervelo ZHT-5

Herstellerangaben

  • Preis: 9999 Euro
  • erhältlich im Fachhandel
  • Material / Größe Carbon / S / M / L / XL (48,5 cm, getestete Größe)
  • Laufradgröße: 29 Zoll
  • Farben: Five Black (Schwarz mit Glitzer in Regenbogen-Farben) / Moss Khaki

Messwerte

  • Gewicht o. Pedale: 8,97 kg
  • Rahmengewicht: 1074 g
  • Gewicht Laufräder: 3897 g
  • Beschleunigung Laufräder: 3074 kg x cm²
  • Lenkerbreite: 740 mm
  • Rahmensteifigkeit (absolut): 44 N/mm

Ausstattung

  • Federweg: 105 mm
  • Laufräder Reserve 28 XC
  • Reifen: Maxxis Recon Race Exo Prot. 29 x 2,40
  • Gabel: Rockshox SID Ultimate
  • Bremsen: Sram Level Ultimate 160/160 mm
  • Schaltung: Sram XX1 Eagle AXS 1 x 12
  • Übersetzung / Bandbreite: 32; 10–52 / 520 %
  • Stütze:: Cervelo Carbon 30,9 mm

Bewertung

  • Fahrverhalten bergauf: 31,5 von 35
  • Federung vorne: 13,5 von 15
  • Rollwiderstand: 11,25 von 15
  • Gewicht: 22,5 von 25
  • Trägheit Laufräder :10,5 von 15
  • Flaschenhalter: 10 von 10
  • Sitzkomfort: 4 von 10
  • Fahrverhalten bergab: 27 von 30
  • Federung vorne: 18 von 20
  • Versenkbarkeit Sattel: 7 von 10
  • Bremsen: 6,5 von 10
  • Reifen-Grip: 13,5 von 15
  • Fahrstabilität: 5 von 10
  • Gesamt bergauf: 103,3 von 125
  • Gesamt bergab: 77 von 95
  • Sonstiges: 23,5 von 30
  • Wartungsfreundlichkeit: mittel

BIKE-Testurteil: sehr gut - 203,8 von 250 Punkten

Cervelo ZHT-5 - Geometriedaten  Foto: BIKE-Testabteilung
Cervelo ZHT-5 - Geometriedaten
Cervelo ZHT-5 - Charakteristik   Foto: BIKE-Testabteilung
Cervelo ZHT-5 - Charakteristik
Cervelo ZHT-5 - die Kennlinie: Die Rockshox SID bietet den klassischen Federweg, spricht fein an und besitzt einen guten Durchschlagschutz. Foto: BIKE-Testabteilung
Cervelo ZHT-5 - die Kennlinie: Die Rockshox SID bietet den klassischen Federweg, spricht fein an und besitzt einen guten Durchschlagschutz.

¹ Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig.

BIKE-Urteile: super (250–205 P.), sehr gut (204,75–170 P.), gut (169,75–140 P.), befriedigend (139,75–100 P.), mit Schwächen, ungenügend. ²Preis ggf. zzgl. Kosten für Verpackung, Versand und Abstimmung.

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