Pidcock holt Olympia-Gold

Stefan Loibl

 · 26.07.2021

Pidcock holt Olympia-GoldFoto: DPA Picture Alliance

Das 21-jährige Multitalent Tom Pidcock fährt auf dem technischen, staubigen Olympia-Kurs in Tokio der MTB-Elite davon und holt Gold vor Mathias Flückiger. Bronze geht an Spanien.

Staubverschmierte Gesichter, Stürze, ein bärenstarker junger Brite und die überraschende Bronze-Medaille für Spanien: Das olympische Mountainbike-Rennen der Männer in Tokio am Montagmorgen hatte es in sich und hat einmal mehr gezeigt, wie hoch das Leistungsniveau der schnellsten Cross-Country-Biker der Welt ist. Großen Anteil an den spektakulären Bildern hatte der selektive Izu MTB-Kurs mit seinen vielen Rockgardens, steilen Rampen und staubigen Anliegern. Sieben Runden à 3,85 Kilometer plus eine Startrunde mussten die Herren beim Kampf um die olympischen Medaillen bewältigen. Keine leichte Aufgabe bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius und einer hohen Luftfeuchtigkeit. Entgegen der ersten Anküdigungen der Olympia-Veranstalter waren sogar einige Zuschauer an der Strecke.

Sturz zerstört früh van der Poels Medaillen-Traum

Bereits in der ersten Runde musste sich Superstar Mathieu van der Poel von seinem Olympia-Traum verabschieden. In der Spitzengruppe stürzte der Niederländer, der vorzeitig aus der Tour de France ausgestiegen war, an einem großen Stein-Drop. Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste van der Poel das gesamte Feld ziehen lassen und nahm mit fast einer Minute Rückstand die Verfolgung auf. Allerdings nur bis zur fünften Runde: Dort stieg van der Poel in der Feed Zone von seinem Canyon Lux und beendete das Rennen. Wie schwer sich der 26-Jährige an der rechten Hüfte verletzt hat, ist noch nicht klar. Zum Sturz hat van der Poel mittlerweile bei Instagram gepostet, dass er nicht wusste, dass die Holzleiter, die in den vergangenen Tagen dort zum Abrollen des Sprungs montiert war, fürs Rennen entfernt wurde.

  Der Sturz in der ersten Runde, der Mathieu van der Poel den Olympia-Traum zerstörte.Foto: DPA Picture Alliance
Der Sturz in der ersten Runde, der Mathieu van der Poel den Olympia-Traum zerstörte.

Vorne bestimmte das Schweizer Duo Nino Schurter und Mathias Flückiger in den ersten beiden Runden das Tempo. In der etwa zehnköpfigen Spitzengruppe mischten auch weitere Favoriten wie Milan Vader (NED) und der Brasilianer Henrique Avancini mit. Doch absetzen konnten sich die Eidgenossen nicht. In der dritten Runde übernahm dann der junge Brite Tom Pidcock die Führung, neben den zwei Schweizern blieb auch der Neuseeländer Anton Cooper dran. Dahinter kämpften Victor Koretzky (FRA) und Ondrej Cink (CZE) um den Anschluss.

In Runde vier legt Pidcock Grundstein für Gold

In der vierten von sieben Runden machte der amtierende E-MTB-Weltmeister, der für das Straßen-Team Ineos Grenadiers fährt, dann Ernst: Er erhöht kontrolliert von vorne das Tempo und setzte sich alleine ab. Nur der Doppelsieger vom Worldcup in Les Gets, Mathias Flückiger, wollte den 21-jährigen Briten nicht ziehen lassen und machte sich an die Verfolgung. Bis zum Ende der fünften Runde betrug Flückigers Rückstand weniger als zehn Sekunden, er konnte Pidcock also immer wieder sehen. Doch es reichte nicht, um die Lücke zu schließen. Pidcock fuhr zu sicher in den technischen Abfahrten und sprintete zu stark die kurzen, extrem steilen Rampen hinauf. Wie steil und fordernd die Strecke ist, zeigte sich in Runde fünf: Als einer der stärksten Kletterer im Feld musste selbst Flückiger bei einem Uphill kurz vom Rad und laufen.

Routiniert und kontrolliert baute Pidcock seinen Vorsprung bis ins Ziel auf 20 Sekunden aus und holte mit der britischen Flagge in den Armen nach 1:25:14 Stunden Gold für Großbritannien. Mit 21 Jahren. Nach dem Sieg beim Straßenrennen „Pfeil von Brabant“ und dem vierten Platz bei der Cyclocross-WM 2021 sicher der größte Triumph für den Briten, der damit in die Fußstapfen von Rio-Olympiasieger Nino Schurter tritt.

Kampf um Bronze: Cink mit Defekt, Valero von hinten

Silber ging ungefährdet an den 32-jährigen Schweizer Mathias Flückiger. Doch dahinter kämpften bis zur sechsten Runde Nino Schurter, Anton Cooper, Ondrej Cink und Victor Koretzky um Bronze. Dann überschlugen sich die Ereignisse: Erst holte sich der Tscheche Cink in einer Abfahrt einen Hinterraddefekt und musste die anderen enttäuscht ziehen lassen. Als es auf der Zielgerade in die letzte Runde ging, schloss plötzlich David Valero Serrano (ESP) von hinten zum Trio um Schurter auf. Der großgewachsene Spanier bestimmte in der letzten Runde das Tempo, so dass Koretzky und Cooper abreißen lassen mussten. Auch Schurter schüttelte der 32-jährige Valero Serrano – Neunter von Rio 2016 – auf den letzten Meter noch ab und sicherte sich so die Bronze-Medaille. Ähnlich überraschend wie sein Landsmann Carlos Coloma vor fünf Jahren in Rio.

  Lag in der zweiten Runde noch mit 50 Sekunden Rückstand auf Platz 17, bevor er sich Position um Position nach vorne schob: der Olympia-Dritte von Tokio David Valero aus Spanien.Foto: DPA Picture Alliance
Lag in der zweiten Runde noch mit 50 Sekunden Rückstand auf Platz 17, bevor er sich Position um Position nach vorne schob: der Olympia-Dritte von Tokio David Valero aus Spanien.
  Nach Platz sechs in Rio fährt Mathias Flückiger von Tokio mit Silber nach Hause.Foto: DPA Picture Alliance
Nach Platz sechs in Rio fährt Mathias Flückiger von Tokio mit Silber nach Hause.
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Die Ergebnisse des olympischen MTB-Rennens von Tokio 2020 der Herren im Überblick.

Max Brandl bei Olympia-Premiere auf Rang 21

Für Manuel Fumic reichte es bei seinen fünften Olympischen Spielen am Ende zu Rang 28 mit 7:14 Minuten Rückstand. Der Freiburger Max Brandl lag in der ersten Runde noch auf Platz 13 und kam am Ende bei seiner Olympia-Premiere auf Rang 21 ins Ziel. In einem ersten Statement zeigt sich Max Brandl mit seiner Leistung zufrieden: „War ein geiles Rennen, hat richtig Spaß gemacht größtenteils. Ergebnis war nicht perfekt, aber ich habe viel gelernt. Ich bin am Start gut weggekommen, hatte dann etwas Pech, weil ich in einigen Passagen laufen musste. Kein Sturz und ich bin gut durchgefahren. Deshalb bin ich sehr zufrieden.“ Sein chilenischer Team-Kollege bei Lexware, Martin Vidaurre, schaffte als 16. sogar den Sprung in die Top 20. Der 21-Jährige landete einen Platz vor dem Österreicher Max Foidl.

  Gold für Pidcock (Mitte), Silber für den Schweizer Flückiger (links) und Bronze für den 1,89 Meter großen David Valero aus Spanien.Foto: DPA Picture Alliance
Gold für Pidcock (Mitte), Silber für den Schweizer Flückiger (links) und Bronze für den 1,89 Meter großen David Valero aus Spanien.

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