Canyon BikesWo produziert eigentlich Canyon?

Benjamin Bernotat

 · 17.01.2023

Canyon Bikes: Wo produziert eigentlich Canyon?Foto: Canyon Bicycles

Canyon Mountainbikes sind aus dem Bike-Sport nicht mehr wegzudenken. Mit ihnen wurde Geschichte geschrieben und sie sind immer wieder für eine Innovation gut. Wie zuletzt das erste Serien-Bike von Canyon mit dem K.I.S (Keep It Stable) System. Woher kommen Canyon-Bikes und wo werden sie eigentlich produziert? Wir haben die Antworten für euch. In unserem Artikel erfahrt ihr außerdem, was der Pioniergeist zweier Brüder mit dem 3D-Druck von Fahrradrahmen zu tun hat.

Vom Metallanhänger in die digitale Welt. So könnte man die Erfolgsgeschichte von Canyon ganz grob zusammenfassen. Alles begann im Jahr 1963, als die Brüder Franc und Roman Arnold das Geschäft ihres Vaters übernahmen. Dieser reiste damals mit einem Metallanhänger zu Radrennen und verkaufte dort seine Fahrradteile direkt an seine Kundinnen und Kunden. Die beiden Brüder griffen die Idee des Direktvertriebs auf und eröffneten unter dem Namen „Rad-Sport-Arnold“ 1985 ihr erstes Ladengeschäft in Koblenz. Als damalige Pioniere setzten sie auf Bestellung per Katalog von Fahrrädern und Zubehör. Um die Idee ins neue Jahrtausend zu führen, entstand 2002 der neue Name “Canyon Bicycles”. Nur ein Jahr später gab es den Startschuss für den Direktvertrieb über das Internet. Dieses Vertriebsmodell ist bis heute erhalten geblieben und so gibt es mittlerweile anstatt Katalogen Websites und Online-Shops, um die begehrten Canyon-Bikes zu erwerben.

Canyon-Gründer Roman Arnold mal als Biker statt als Geschäftsmann.Foto: Canyon Bicycles
Canyon-Gründer Roman Arnold mal als Biker statt als Geschäftsmann.
Mit diesem Anhänger, aus dem Roman Arnold Radsportteile verkaufte, fing alles an. Der “Rad-Sport-Arnold”-Anhänger steht in der Canyon Firmenzentrale in Koblenz.Foto: Skyshot/Markus Greber
Mit diesem Anhänger, aus dem Roman Arnold Radsportteile verkaufte, fing alles an. Der “Rad-Sport-Arnold”-Anhänger steht in der Canyon Firmenzentrale in Koblenz.

Woher kommt Canyon?

Die Firma Canyon kommt aus Deutschland. Genauer gesagt aus Koblenz. Dort wird in einer eigenen Fabrik jedes Bike montiert, geprüft und auch getestet. Auch die Entwicklung sowie der Prototypenbau der Canyon-Bikes findet am Firmensitz in Koblenz statt. Zusätzlich gibt es noch einen eigenen Showroom, indem die erfolgreichsten Modelle der letzten Jahre ausgestellt sind – darunter auch jene, mit denen Geschichte im Straßen- und Mountainbike-Rennsport geschrieben wurde. Verschiedenste aktuelle Fahrradmodelle können hier ausprobiert und vor dem Kauf bei einer Probefahrt getestet werden. Im Service-Bereich mit angeschlossener Werkstatt wird geschraubt und repariert.

Die Produktionshalle von Canyon bei Koblenz.Foto: Canyon Bicycles
Die Produktionshalle von Canyon bei Koblenz.

Wo produziert Canyon?

Wie auch andere Fahrradhersteller lässt Canyon Teile in Asien produzieren. Genauer gesagt in China, in der Stadt Dongguan, einem Teil der Wirtschaftsregion Perlflussdelta. Der Produzent heißt Quest Composite Technology und stellt Fahrradrahmen und Gabeln her. Neben Canyon fertigt der Hersteller auch die Fahrradteile der amerikanischen Marke Trek. Allerdings werden Gabeln und Fahrradrahmen beider konkurrierender Marken weitestgehend getrennt voneinander produziert. Darüber hinaus stellt Quest Composite Technology auch noch Artikel aus den Bereichen Lifestyle und Medizin her.

Entwickelt und designt werden Canyon Bikes am Firmensitz in Koblenz.Foto: Skyshot/Markus Greber
Entwickelt und designt werden Canyon Bikes am Firmensitz in Koblenz.

Wo werden Canyon Bikes hergestellt?

Die komplette Montage der Bikes selbst ist „Made in Germany“, obwohl Fahrradrahmen und Gabeln in China produziert werden. In einer Fabrik unweit von Koblenz entsteht aus den Einzelteilen das fertige Canyon-Fahrrad. Die frisch gelieferten Rahmen werden für die Montage vorbereitet und je nach Bedarf nachgebessert. Der Steuersatz wird mithilfe eines Einpresswerkzeugs eingepresst und die Laufräder geprüft, kontrolliert und vorbereitet. In weiteren Schritten werden die noch fehlenden Fahrradteile hinzugefügt. Etwa 400 fertige Bikes laufen in der Canyon Factory täglich vom Band. Die Qualitätskontrolle von Einzelteilen, wie Carbonrahmen, Gabel oder auch Carbonlenkern, erfolgt stichpunktartig im hauseigenen Röntgengerät. Bevor das Bike dann schließlich in den Versand geht, wird es Probe gefahren und anschließend wieder demontiert. Die Lieferung erfolgt dann direkt nach Hause oder zu einem, der ausgewählten Partner, bei dem das Fahrrad, dann montiert wird und von Käuferin und Käufer abgeholt werden kann.

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| Bilder: Wolfgang Watzke

Mit 3D-Druck zum nachhaltigeren Canyon-Bike

Seit 1996 das erste eigene Mountainbike unter dem Namen “Canyon” hergestellt wurde, hat sich viel getan. Canyon sorgte immer wieder für Innovationen – wie das Vordringen in den Bereich der Nachhaltigkeit durch die Möglichkeit des 3D-Drucks.

Erst 2022 wurde ein Prototyp von einem Fahrradrahmen präsentiert, der in drei unterschiedlichen Teilen gedruckt wurde, um damit den Materialverbrauch zu minimieren. Ein erster Schritt in Richtung umweltfreundlicher Produktion vor Ort. Das verwendete Verfahren für die Herstellung des Fahrradrahmens mit additiver Fertigung ist das “Laserschmelzen”. Dabei wird ein Werkstoff in Pulverform mithilfe eines Lasers geschmolzen. Anschließend kühlt er ab und erstarrt schließlich. Daraus entsteht eine feste Materialschicht, die auch Grundlage für das zu fertigende Bauteil ist. Der Vorgang wird anschließend so oft wiederholt, bis genug Material vorhanden ist, um das Bauteil zu fertigen.

Im Rahmen unseres BIKE Projekt Ride Green, bei dem es darum ging ein nachhaltiges Fahrrad zu bauen, hatte Canyon die Idee, das Verfahren der additiven Fertigung mithilfe von 3D-Druck für die Herstellung eines Rahmens zu verwenden. Zwar soll der Rahmen zunächst nicht vermarktet werden, aber die ersten Impulse wurden so bereits gesetzt. Die Gedankenschmiede der Innovationen bei Canyon läuft also auf Hochtouren. Und so ist es kein Wunder, dass gegen Ende des Jahres das erste Serien-Bike mit dem von Syntace-Kopf Jo Klieber erdachten K.I.S-System (Keep It Stable), das Canyon Spectral CF 8.0 K.I.S vorgestellt wurde. Das Besondere des Systems vom Hersteller Syntace ist, dass die ungleichen Kräfte, die beim Lenken entstehen, ausgeglichen werden. Dabei sorgt das K.I.S für eine Mittelzentrierung des Vorderrades, um ein ruhigeres Fahrgefühl zu schaffen.

Momentaufnahme des Canyon-Showrooms am Firmensitz in Koblenz aus dem Jahr 2020Foto: Markus Greber
Momentaufnahme des Canyon-Showrooms am Firmensitz in Koblenz aus dem Jahr 2020
Zukunftsstudie von Canyon zum Thema Mobilität.Foto: Canyon Bicycles
Zukunftsstudie von Canyon zum Thema Mobilität.

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