Nachwuchs-Freerider Matheo ApelSchneller als der Papa & mit 6 Jahren über die großen Sprünge

Wo Papa vorbeirollt, nimmt der Sächsjöhrige Matheo Apel jeden Sprung mit. Woher kommt diese frühe Leidenschaft?
Foto: Fritz Volkert
Matheo Apel - diesen Namen sollten wir uns merken. Bereits im zarten Alter von sechs Jahren hat er wohl schon mehr Airtime gesammelt, als die meisten anderen Biker in ihrem ganzen Leben. Wie tickt ein so junger Überflieger? Wir haben den Nachwuchs-Freerider zum Interview gebeten.

Was Kinder auf einem Mountainbike alles anstellen können, sprengt bei uns Erwachsenen oft die Vorstellungskraft. Scheinbar frei von Angst und mit spielerischer Leichtigkeit lassen sie ihre Eltern auf dem Trail stehen. Ein Junge, der scheinbar besonders viel Bike-Talent mitbringt, ist Matheo Apel. Nachdem er zusammen mit seiner Schwester Videos von Skateboardern auf YouTube angesehen hatte, stießen sie auch auf Aufnahmen von Mountainbikern wie Fabio Wibmer und Elias Schwärzler.

Fasziniert von den unglaublichen Stunts und Tricks war Matheo inspiriert, das Biken auszuprobieren. Im Januar 2022 bekam er von seinem Vater ein kleines gebrauchtes 16''-Mountainbike und begann damit, in ihrer Nachbarschaft umherzufahren. Es dauerte noch einige Monate, bis Papa Nicky nachzog und sich auch ein Bike zulegte. Seitdem besuchen sie regelmäßig verschiedene Bikeparks.

Wie ein Profi nimmt Matheo Apel seine Sprünge mit der Actioncam auf. Die Freeride-Videos des Sechsjährigen haben sogar schon Preise gewonnen.Foto: Sebastian IglWie ein Profi nimmt Matheo Apel seine Sprünge mit der Actioncam auf. Die Freeride-Videos des Sechsjährigen haben sogar schon Preise gewonnen.

Wurzelfelder, Gaps und Pumptracks sind für Matheo heute schon Spielplätze, auf denen er täglich neue Techniken lernt. Trotz seines jungen Alters stellt sich der Sechsjährige auch schwierigen Trails und Hindernissen. Sein aktueller Lieblings-Spot ist der Bikepark Geißkopf im Bayerischen Wald. Von schnellen Flow-Lines bis hin zu technisch anspruchsvollen Abschnitten gibt es für Matheo bei jedem Besuch etwas Neues auszuprobieren.

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Wenn er gerade keine Bikepark-Abfahrten unter die Stollen nimmt, verbringt Matheo die meiste Zeit im nahegelegenen Dirtpark, wo er inzwischen große Sprünge und aufregende Features, wie Wallrides, meistert. Der Junge aus Lauf an der Pegnitz ist drauf und dran ein beeindruckend guter Freeride-Mountainbiker zu werden. Wir wollten wissen, wie das Leben als Nachwuchs-Freerider aussieht und luden Matheo zusammen mit seinem Vater Nicky zum Interview.

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Freeride-Talent Matheo kommt nicht etwa aus einer Bike-Familie. Vater Nicky kaufte sich erst ein Bike, als die Leidenschaft seines Sohnes immer größer wurde.Foto: Sebastian IglFreeride-Talent Matheo kommt nicht etwa aus einer Bike-Familie. Vater Nicky kaufte sich erst ein Bike, als die Leidenschaft seines Sohnes immer größer wurde.

Freerider in Kinderschuhen: Interview mit Matheo Apel

BIKE: Du bist viel auf dem Bike unterwegs. Was ist dein Lieblings-Move?

MATHEO APEL: Ich liebe Sprünge. Je nachdem, wie man sie springt, verändert sich die Schwierigkeit der ganzen Strecke. Aktuell bin ich noch dabei, einige Tricks zu lernen. Bisher kann ich einen One -Foot und einen One-Hand - das ist aktuell mein Lieblings-Trick. Einen No-Foot habe ich auch schon geschafft. Aktuell versuche ich auch einen No-Hand sicher hinzubekommen und übe am Barspin. Ein Backflip wäre natürlich toll.

Wie sähe der perfekte Bike-Trail für dich aus?

Meinen perfekten Trail stelle ich mir in etwa so vor: Man startet auf einem Holzelement, dann kommt der erste Sprung, danach eine hohe Kurve mit einem Wallride aus Holz. Weiter im Streckenverlauf muss neben einigen schnellen Kurven auch noch ein Drop dabei sein. Zum Schluss vier Tables und der letzte mit einer Landung aus Mulch. Für mich geht es am liebsten technisch anspruchsvoll und herausfordernd bergab - bergauf fahre ich nicht so gerne.

Auf welchem Bike bist du aktuell unterwegs?

Im Moment fahre ich ein klassisches Kinder-Mountainbike: Das Nize One 20 Zoll ist meine erste Wahl für Trails. Noch lieber bin ich aber mit meinem VPace Danny 20 Zoll Dirtbike unterwegs. Es ist schön leicht, ich kann damit weiter springen und Tricks fallen mir leichter. Ein Fully hätte ich auch gerne. Auf den Downhill-Strecken im Bikepark komme ich mit dem Hardtail schon manchmal an meine Grenzen.

Sprünge fährt Matheo Apel am liebsten. Trotz seines jungen Alters traut er sich auch schon an größere Gaps heran.Foto: Sebastian IglSprünge fährt Matheo Apel am liebsten. Trotz seines jungen Alters traut er sich auch schon an größere Gaps heran.

Fahren deine Freunde auch Mountainbike?

Mein bester Freund Leo ist genauso alt wie ich und wir fahren gerne zusammen. Im Dirtpark oder auf Trails haben wir zusammen jede Menge Spaß. Durchs Biken habe ich viele tolle gleichaltrige aber auch ältere Mountainbiker kennengelernt. Dazu gehört auch der 21-jährige Luca, der mich von Anfang an unterstützt. Wenn er Zeit hat, fahren wir zusammen in die Bikeparks.

Wie finden deine Freunde und deine Familie es, dass du so viel Rad fährst?

Mein Papa findet es toll und ist immer fasziniert, wie mutig ich bin. Er begleitet mich auch immer. Meine Mama ist zu Beginn mal mitgekommen. Ich glaube, manchmal hat sie ein wenig Angst. Meine Schwester findet es cool und ist immer erstaunt, wie hoch ich springen kann. Manchmal hat auch sie ein bisschen Angst um mich. Viele Freunde finden es super, dass ich Mountainbike fahre und sind immer begeistert, wenn sie Videos von mir sehen. Auch meine Erzieher aus dem Kindergarten sprechen mich immer wieder auf die Videos an.

Was waren bisher deine besten Momente mit dem Bike?

Da fallen mir gleich zwei ein. In Winterberg ist mir bei einem Sturz vor meinem ersten Rennen der Vorderreifen kaputt gegangen und wir hatten keinen Ersatzmantel dabei. Bis kurz vor dem Start war nicht sicher, ob ich teilnehmen kann. Durch die Hilfe einiger toller Leute konnte ich dann in letzter Minute doch noch mitfahren. Im Bikepark in Willingen ist mir meine neue MTB-Brille aus dem Lift gefallen und auf einer Koppel gelandet. Nachdem ich oben angekommen war, hatte ich dann wohl meine schnellste Abfahrt an diesem Tag. Papa half mir durch den Zaun und ich habe mir meine Brille wiedergeholt.

Auf seinem Dirtbike trainiert Matheo wichtige Fahrtechniken. Der Pumptrack ist ein super Spielplatz für den Nachwuchs-Biker.Foto: Sebastian IglAuf seinem Dirtbike trainiert Matheo wichtige Fahrtechniken. Der Pumptrack ist ein super Spielplatz für den Nachwuchs-Biker.

Welches Rennen fandest du besonders aufregend?

Das war im Rahmen des Sendersfestivals 2023 auf der Downhillstrecke Schöneck. Ich fand es super, dass das Rennen auf einer richtigen Downhillstrecke stattgefunden hat. Dadurch war es herausfordernder als die Rennen beim Kids Cup. Auch mein allererstes Rennen beim Kids Cup in Winterberg war aufregend.

Welche Fahrer bewunderst du?

Lukas Knopf, Fabio Wibmer, Elias Schwärzler finde ich besonders toll. Ich hatte letzten Sommer die Möglichkeit, von Elias zu lernen. Neben der richtigen Kurventechnik habe ich viele Tipps und Hinweise zum Downhillfahren bekommen. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Welche Ziele hast du fürs Biken?

Ich möchte immer besser werden. Aktuell macht es mir viel Spaß, Videos aufzunehmen. Das möchte ich auch weiter machen. Toll wäre es natürlich, wenn ich irgendwann einen Helm von Red Bull bekommen würde. Jetzt freue ich mich erst einmal, wenn die Bikeparks wieder aufmachen. Ich möchte mich an schwierigeren Strecken versuchen und neue Tricks lernen.

Sechs Jahre jung und schon massig Bikepark-Erfahrung: Matheo Apel gehört zu einer neuen Generation von Mountainbikern mit großem Potential.Foto: Sebastian IglSechs Jahre jung und schon massig Bikepark-Erfahrung: Matheo Apel gehört zu einer neuen Generation von Mountainbikern mit großem Potential.

MTB-Nachwuchsförderung mit Spaß: So erleben die Eltern Matheo Apels Leidenschaft

Natürlich kann Matheo Apel mit sechs Jahren noch nicht selbst ins Auto steigen, um die Sprünge im nächsten Bikepark unsicher zu machen. Wir haben vier brennende Fragen an Matheos Vater, Nicky Apel, gestellt.

BIKE: Du als Vater von Matheo fährst auch selbst Mountainbike. Worauf achtest du besonders, wenn ihr zusammen unterwegs seid?

NICKY APEL (Matheos Vater): Tatsächlich fahre ich erst seit Ende 2022 Mountainbike. Ich habe angefangen, damit ich mit Matheo Trails und Bikeparks besuchen kann. Ich achte besonders darauf, dass immer Schutzkleidung getragen wird. Helm, Knie-Protektoren, Schutzjacke und Handschuhe sind immer mit dabei. Soweit es mir möglich ist, versuche ich ihn mit Tipps und Hinweisen zu unterstützen. Ich versuche zu vermeiden, dass er Dinge falsch lernt .In Pumptracks und Dirtparks achte ich zum Beispiel darauf, dass Matheo Rücksicht auf die anderen Fahrer nimmt. Ich habe immer im Blick, wie gut sich Matheo gerade konzentrieren kann und schaue, dass wir dementsprechend auch mal Pausen einlegen. Das ist vor allem wichtig, wenn wir einen ganzen Tag im Park unterwegs sind.

Wie geht ihr als Familie finanziell und zeitlich mit Matheos Hobby um?

Unter der Woche besuchen wir meist die Dirtparks hier in unmittelbarer Nähe. In der Regel nehmen wir auch Matheos kleinen Bruder mit, der mit dem Laufrad die Strecken abfährt. Bei gutem Wetter fahren wir spontan über die lokalen Trails. Da es im Winter nicht so lange hell ist, ist es nach der Arbeit natürlich schwieriger. Am Wochenende können wir dann weiter entfernte Pumptracks oder Parks besuchen. Besuche in Bikeparks oder bei Events planen wir das meist dann schon mit etwas Vorlauf. Matheos Mountainbike hat zu einem großen Teil die Oma mitfinanziert. Sein neues Dirtbike hat er sich allerdings selbst “finanziert”. Er hat im letzten Sommer einen 29-Zoll-Carbon-Laufradsatz bei einem Video-Wettbewerb gewonnen. Diesen habe ich für ihn verkauft und er hat sich vom Erlös dann ein Dirtbike gekauft.

Sohn Matheo fährt voraus, Papa Nicky hinterher. So gut es geht. Mit seinem Speed lässt der Sechsjährige auch erwachsene Biker alt aussehen.Foto: Sebastian IglSohn Matheo fährt voraus, Papa Nicky hinterher. So gut es geht. Mit seinem Speed lässt der Sechsjährige auch erwachsene Biker alt aussehen.

Rennen zu fahren ist mental und körperlich eine Herausforderung. Wie geht ihr damit um?

Matheo bekommt kein spezielles Training, hat keinen Trainer oder ist in irgendeinem Verein. Ich habe vor seinem ersten Rennen versucht, dass Matheo ein-zweimal einen Bikepark besucht, damit er ein bisschen Erfahrung sammeln konnte. Nach einem Rennen hat Matheo noch nie gefragt, welche Platzierung er erreicht hat. Für ihn war es bisher immer ausreichend, wenn er zufrieden mit seiner Fahrt war. Wenn wir nach einer schnellen Abfahrt unten ankommen, ist er immer sehr glücklich und freut sich, dass er so schnell war, dass sein Vater kaum hinterhergekommen ist. Auch nach Stürzen hat er immer eine positive Sichtweise und versucht es in der Regel gleich oder später erneut.

Denkt ihr über eine Karriere von Matheo als Profi nach oder soll es beim Spaß bleiben?

Natürlich habe ich schon oft darüber nachgedacht, wohin das in Zukunft führen soll. Aktuell steht der Spaß im Mittelpunkt und ich versuche Matheo überall zu unterstützen. Die Profile in den sozialen Medien sind in erster Linie entstanden, um uns mit anderen Mountainbikern zu vernetzen. Sie sollen aber natürlich auch als Grundlage dienen, wenn wir uns dazu entschließen sollten mit Sponsoren zusammenzuarbeiten.

Matheos Instagram-Account: apelmatheo

Früh übt sich: Matheo Apel hat das Zeug zum Jung-Freerider.Foto: Sebastian IglFrüh übt sich: Matheo Apel hat das Zeug zum Jung-Freerider.

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