GeschwindigkeitsrekordeWelcher Biker ist am schnellsten?

Dimitri Lehner

 · 18.09.2023

Felix Baumgartner beschleunigte auf 1357,6 km/h während seines Sprungs aus 39.000 Metern Höhe.
Foto: Red Bull
Schnell, schneller, am schnellsten: Wir Biker sind Speed-verliebt. Im Gelände, auf dem Hinterrad, über Asphalt, im Vulkansand - Hauptsache ein Geschwindigkeitsrekord. Athleten anderer Sportarten aber auch: Surfen, Skifahren oder Base-Jumping. Wir machen den Speedcheck: Welcher Extremsport ist am schnellsten?

Wir Biker lieben Geschwindigkeitsrekorde. Seien es die eigenen (mittelmäßigen) oder die anderer Sportler. Je oller, je doller – manche unter uns werden erst richtig wach, wenn der Fahrtwind ordentlich um den Helm stürmt. Die Bike-Profis legen – klar – noch eine Schippe drauf und rasen mit Geschwindigkeiten bergab, bei denen Otto-Normal-Bikern der Lenker aus den Händen fliegen würde.

Und dann gibt es noch extreme Speed-Junkies, die sich auf Hochgeschwindigkeitsfahrten regelrecht spezialisiert haben. Auch Athleten anderer Sportarten batteln sich im Wer-ist-am-schnellsten-Wettkampf. Welcher Extremsport ist am schnellsten - wo liegen die Speed Records?

Speedcheck: Welche Biker sind am schnellsten?

Downhill-Racing: Im Worldcup werden sogenannte Speedtraps aufgestellt, Zeitmessungen, die an besonders schnellen Passagen der Strecke die Geschwindigkeiten der Athleten ermitteln. Sie messen oft 60 km/h und schneller. Wer auf einer steilen Asphaltstraße schon mal 60 km/h gefahren ist, kann erahnen wie sich das im Gelände anfühlen muss.

Amaury Pierron: verrückt schnell durch hartes Gelände.Foto: Monster EnergyAmaury Pierron: verrückt schnell durch hartes Gelände.

Auf nur einem Rad: Bei seinem Weltrekord 2001 in Palmdale, Kalifornien, erreichte Bobby Root unglaubliche 138,6 km/h auf dem Hinterrad. Noch verrückter: Root stellte auch den Rekord für die schnellste Fahrt auf dem Vorderrad auf. Im Nose-Manual erreichte der Profi-Freerider sagenhafte 90,7 km/h.

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Wheelie-King Bobby Root: Den Finger immer am Bremshebel! Hier beim Speedmanual hier in Saalbach-Hinterglemm.Foto: Lars ScharlWheelie-King Bobby Root: Den Finger immer am Bremshebel! Hier beim Speedmanual hier in Saalbach-Hinterglemm.

Top-Speed beim Absprung: Profi-Freerider Cam Zink stellte einen Weltrekord auf. Er flippte in Mamoth Mountain 30 Meter weit. Beim Absprung hatte er 74 km/h drauf. Mittlerweile wurde seine Rekord gebrochen. Der Brite Tom Isted drehte beim Darkfest in Südafrika 2023 noch weiter und war vermutlich beim Absprung noch schneller.

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Profi-Freerider Cam Zink: bei 74 km/h den Kopf in den Nacken legen.Foto: Lars ScharlProfi-Freerider Cam Zink: bei 74 km/h den Kopf in den Nacken legen.

Auf Sand: 2011 Markus Stöckl (geb. 1974) saust seinem Geschwindigkeits-Weltrekord für Serien-Mountainbikes entgegen: 164,95 km/h auf Sand und Geröll auf dem Vulkankegel des Cerro Negro, Nicaragua. Streckenlänge: 550 Meter bei einer 45°-Hangneigung; die vormalige, neun Jahre alte Bestmarke des Franzosen Éric Barone wurde um 1 km/h überboten; Barone, der im Auslauf seines Versuchs schwer stürzte und seither nicht mehr selbst aktiv sein kann, war für Stöckls Versuch als Organisator tätig.

Markus Stöckl: im Latex-Anzug den Vulkan hinunter.Foto: Red BullMarkus Stöckl: im Latex-Anzug den Vulkan hinunter.

High-Speed bei der Tour de France: Die angeblich höchste Geschwindigkeit erzielte 2016 der deutsche Tour de Franc’ler Markus Burghardt vom Team BMC bei der Abfahrt Port de la Bonaigua mit gemessenen 130,7 km/h. Ein Wahnsinn auf schmalen Reifen! Dieser Bestmarke ist bis heute ungebrochen.

Tour de France: Wahnsinn auf schmalen Reifen!Foto: Red BullTour de France: Wahnsinn auf schmalen Reifen!

Speedcheck: Geschwindigkeitsrekorde in anderen Sportarten

Wellenreiten: Keine Welle beschleunig wo sehr wie die Monsterwelle von Nazaré, Portugal. Hier rutscht Rekord-Surfer Sebastian Steudtner auf einem Tow-Board mit Spezialbeschichtung in die Tiefe. Bei seiner über 25 Meter hohen Rekordwelle erreichte er Geschwindigkeiten über 80 km/h, laut Sensor-Messung.

Bigwave-Surfer Sebastian Steudtner: An einen Sturz erst gar nicht denken.Foto: Hugo Silva/Red BullBigwave-Surfer Sebastian Steudtner: An einen Sturz erst gar nicht denken.

Klippenspringen: Laso Schaller springt aus fast 60 Metern Höhe (58,8 m) in einen Bergsee in der Schweiz am 4. August 2015 – Rekord! Dabei trifft er mit 123 km/h aufs Wasser auf. Die extreme Verzögerung riss Laso Bänder im Kniegelenk und den Knöcheln.

Laso Schaller: mit Autobahn-Geschwindigkeit ins Wasser.Foto: Lukas Pilz/Red BullLaso Schaller: mit Autobahn-Geschwindigkeit ins Wasser.

Windsurfen: Björn Dunkerbeck ist der schnellste Windsurfer der Welt. Er erreichte 103,7 km/h auf dem Seedkanal von Lüderitz, Namibia am 23 November 2021. Das schnellste Segelboot der Welt dagegen ist die Vestas Sailrocket 2. Das Geschoss hält mit 65,45 Knoten (121 km/h) den Geschwindigkeitsweltrekord für Segelfahrzeuge, den der australische Segler Paul Larsen am 24. November 2012 beim Lüderitz Speed Challenge in der Lüderitzbucht in Namibia aufstellte.

Björn Dunkerbeck: Wasser hart wie Beton!Foto: Victor Couto / Red BullBjörn Dunkerbeck: Wasser hart wie Beton!

Skifahren: Bis zu 153 km/h werden Ski-Abfahrtsläufer auf der legendären Streif in Kitzbühel schnell (Foto). Den absoluten Rekord auf Ski hält Simon Billy. Der Franzose hat bei den Weltmeisterschaften 2023 im Speed-Ski den Weltrekord aufgestellt. Der Franzose siegte im französischen Vars mit einer Geschwindigkeit von 255,50 km/h. Billy löste damit Ivan Origone als Rekordhalter ab. Der Italiener hatte die bisherige Bestmarke von 254,985 km/h aus dem Jahr 2016 gehalten.

Ski-Abfahrtsläufer auf der legendären Streif: Titan-Ski werden weich wie nasse Nudeln.Foto: Joerg Mitter / Red BullSki-Abfahrtsläufer auf der legendären Streif: Titan-Ski werden weich wie nasse Nudeln.

Skydiving: Ein Fallschirmspringer fällt in der sogenannten Box-Position (angewinkelte Arme und Beine, Hohlkreuz) mit zirka 180 km/h der Erde entgegen. Beim Wettkampf Speed Sky­diving schaffte es Marco Hepp auf unglaubliche 530 km/h, indem er Kopf voran nach unten tauchte. Die schnellsten Wingsuit-Piloten fliegen bis zu 400 km/h schnell, allerdings horizontal.

Wingsuit-Fliegen: schneller nach vorne als nach unten.Foto: Red BullWingsuit-Fliegen: schneller nach vorne als nach unten.

Superstunt: Der Salzburger Felix Baumgartner bei seinem Rekordsprung aus knapp 39.000 Metern Höhe! Der Stuntman ist der einzige Fallschirmspringer, der die Schallmauer durchbrochen hat. Topspeed: 1357,6 km/h. Ein Heliumballon mit Spezialkapsel transportierte Baumgartner in die Stratosphäre. Nach seinem Superstunt zog sich Baumgartner aus dem Extremsport zurück, heute fliegt er Rettungshelikopter in der Schweiz.

Felix Baumgartner bei seinem Rekordsprung aus knapp 39.000 Metern Höhe! Der Salzburger ist der einzige Fallschirmspringer, der die Schallmauer durchbrochen hat. Topspeed: 1357,6 km/h.Foto: Red Bull Stratos / Red Bull Content PoolFelix Baumgartner bei seinem Rekordsprung aus knapp 39.000 Metern Höhe! Der Salzburger ist der einzige Fallschirmspringer, der die Schallmauer durchbrochen hat. Topspeed: 1357,6 km/h.

Zum Vergleich: die schnellsten Tiere der Welt


In der Luft: Wanderfalke im Sturzflug (383 km/h),
Bulldoggfledermaus im Kurvenflug (160 km/h)
Auf Land: Gepard (120 km/h)
Im Wasser: Mako-Hai, Fächerfisch, Schwarzer Marlin (110 km/h)

Der Schnellste der Lüfte: der Wanderfalke. Im Sturzflug erreicht der Greifvogel hohe Geschwindigkeiten. 389 km/h wurden angeblich schon gemessen. Das spezielle Gefieder des Wanderfalken begünstigen die hohe Fallgeschwindigkeit.
Foto: Getty Images/Chicago Tribune

Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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