Interview Cam ZinkNerven aus Stahl – Freeride-Superhero Cam Zink

Dimitri Lehner

 · 20.01.2023

Got Skills? Cam Zink hat jede Menge und wurde 2010 FMB World Champion.
Foto: Cam Zink
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Der US-Amerikaner Cam Zink aus Nevada zählt zu den verwegensten Freeridern der Welt. Mit seinen “World’s First”-Stunts bei der Redbull Rampage begeisterte er die Fans weltweit und schrieb Freeride-Geschichte. Wir trafen Cam Zink in seinem neuen Zuhause in Kihei auf der Hawaii-Insel Maui und sprachen mit dem Freeride-Superhero über verfehlte Wettkampf-Urteile, Tow-In-Surfen, sexy Tricks und warum er immer wieder bei der Rampage starten will.

FREERIDE: Du lebst jetzt auf Hawaii. Nicht gerade ideal zum Freeriden, oder?

Cam Zink: Das war der Wunsch meiner Frau. Sie wohnte einmal für einige Zeit auf der Hawaii-Insel Oahu und wünschte sich, hierher zu ziehen. Sie hasst die Kälte, und die Winter in Reno, Nevada sind lang und kalt. Sie dachte auch, dass das klasse sei für die Kinder. Vor zehn Jahren versprach ich ihr, dass wir das machen würden. Und jetzt ist es so weit. Offensichtlich stehe ich zu meinem Wort. Denn jetzt wohnen wir auf Hawaii. Allerdings auf der Insel Maui, denn hier gibt es die besseren Trails. Der Kompromiss musste sein.

So ein Umzug ist ne große Sache, man verlässt seine Freunde und Bekannte. Kennst Du jemanden auf Maui?

Ein paar Leute kenn ich inzwischen. Zum Beispiel einen der besten Pro-Surfer: Albee Layer. Er ist mein Riding-Buddy auf Maui. Denn er will besser biken lernen, ich bin ‘ne Gurke im Surfen und will surfen lernen. Das ist also ‘ne ziemlich coole Beziehung. Das einzige, was auf Maui fehlt, ist ein großer Trick-Jump. Doch in ein paar Tagen kriege ich ein Airbag geliefert, dann ist diese Lücke gestopft. Zudem habe ich mein Grundstück in Reno noch, wo ich trainieren und filmen kann. Deswegen bin ich ziemlich happy mit der Situation.

Sind die Trails auf Maui so gut?

Ja, sind sie. Das sind die Art von Trails, die ich auch zu Hause fahre. Ich hau mich ja nicht ständig über fette Jumps. Die Trails hier in Makawao sind wirklich gut. Meine Frau meinte sogar, sie hätte noch nie so viel Spaß auf einem Bike gehabt wie auf dem Trail Ananas Express auf Maui. Und sie war schon in Mammoth und Whistler.

Siehst Du das auch so?

Ananas Express ist definitiv nicht der spaßigste Trail, den ich je gefahren bin. Doch unter den öffentlichen Trails, die du dir selbst erstrampeln musst, ist es einer der besten. Der Trail ist super gebaut, hat viel Flow und es gibt sogar einen 2-Meter-Leiterdrop. Da kann ich runterflippen oder 360ern und danach mit meinen Kindern ne Runde machen. Ziemlich ideal also. Und vom Vulkan kannst du auf dem Skyline-Trail abfahren, was ziemlich cool ist. Da kommst du dann auf dem Grundstück von Starmoderatorin Oprah Winfrey raus, doch das wird geduldet.

Wo hast Du Dich für die Rampage vorbereitet, hier auf Maui sicher nicht?

Ich war in Oregon. Dort gibt es große Jumps. Erst war ich beim Filmen, dann nahm ich am Wettkampf Profing Grounds teil, und im Anschluss flog ich nach Utah, eine Woche vor der Rampage. Doch eine wirkliche Vorbereitung brauche ich nicht, denn ich werde jetzt nix Neues lernen. Und man will auch nix Neues lernen für diesen Wettkampf. Bei der Rampage will man das machen, was man kann.

Keine Vorbereitung für die Rampage?

Nicht wirklich. Die beste Vorbereitung ist, wenn du viel auf dem Bike sitzt und dich dabei gut fühlst. Ich mache immer den Witz: Wenn du immer bereit bist, musst du gar nicht bereit werden. Für die Rampage müssen Kopf und Körper passen und du solltest auf allen Zylindern feuern. Es ist nicht wie im Slopestyle, wo Emil Johansson einen neuen Trick vorm Wettkampf lernt und den dann dort zum ersten Mal macht. So was klappt bei der Rampage nicht.

Und hast Du auf allen Zylindern gefeuert?

Ja, ich glaube sogar, es dauerte länger, ein richtiges Set-Up für mein neues Bike zu finden, als mich auf den Wettkampf einzustimmen. Ich habe mich klasse gefühlt, vielleicht sogar besser denn je. Doch dann passierten unvorhergesehene Dinge: Probleme mit meiner Abfahrts-Linie und der schlimme Crash meines Freundes Kyle Strait.

“Die Red Bull Rampage ist mein Wettkampf. Ich liebe es, mich mit anderen zu messen und werde immer wieder antreten!”, sagt Cam Zink.

Wolltest Du im letzten Oktober gewinnen?

Oh ja. Ich trete an, um zu gewinnen. Jedes Mal. Ich mach gar nicht mit, wenn ich nicht glaube, gewinnen zu können. Schon aus dem Grund, dass ich niemanden den Spot wegnehmen will. Es gibt ja nur drei neue Fahrer, die bei der Rampage mitmachen dürfen. Ich hab das Gefühl, jedes Mal zu den Favoriten zu zählen. Doch zu gewinnen ist leichter gesagt als getan. Die Rampage ist hart.

Du warst dieses Jahr der älteste Teilnehmer. Spürst du das Alter?

Nächstes Jahr werde ich der Älteste sein, der je mitgemacht hat. Darren Berrecloth war 36 Jahre bei seiner letzten Teilnahme, so alt wie ich dieses Jahr.

Verrückt! Als ich 2004 zum ersten Mal in Utah bei der Rampage zuschaute, warst Du einer der Jüngsten. Damals hast Du den ersten 360er-Drop versucht.

Damals war ich 17 und musste mich erst orientieren. Der Freeride-Sport an sich musste sich orientieren. Mit meinen Trailbuildern machte ich dieses Jahr einen Ride vor dem Wettkampf, um ein bisschen Spaß zu haben. Und wir kamen zu der Klippe, wo ich damals den 360er-Drop versuchte. Oh boy, da würde ich selbst heute keinen Spin runter machen. Da gab es nicht mal eine Landung. Crazy, wie gut wir damals waren, selbst in dieser Ära, und wie krass manche Abfahrten damals waren. Krasse Stunts werden nie aus der Mode kommen. Klar, entwickelt sich der Sport weiter, doch manche Dinge werden immer cool sein. Nimm zum Beispiel den Bender-Sender. Das ist ein fetter Step-Down. Kyle machte damals einen Suicide No Hander runter und gewann die Rampage 2004. Tyler McCaul scheiterte vor zwei Jahren an dem Stunt, sprang zu weit und ruinierte sich seinen Knöchel – und Tyler ist ein superguter Fahrer. Es zeigt, wie krass die Stunts damals schon waren. Deswegen liebe ich die Rampage, irgendwie ist sie zeitlos.

Nochmal zum Alter. Spürst Du es?

Nein. Ich fühl mich nicht alt. Selbst wenn viele meiner Konkurrenten über zehn Jahre jünger sind. Carson Storch scherzte: Ich bin zu alt für den Mist. Da musste ich lachen, denn auch Carson ist zehn Jahre jünger als ich. Ich habe mit Familie und Kindern jetzt mehr Verantwortung, doch alt fühle ich mich nicht.

Wenn Dich das Alter nicht bremst, wie sieht es mit mentalen Hürden aus? Schließlich musstest Du schon richtig fiese Stürze einstecken bei der Rampage. Traumatisieren solche Crashs?

Mit Crashs ist es eine komische Sache. Nimm Tom van Steenbergen. Bei der letzten Rampage machte er mit seinem Frontflip-Drop einen der vielleicht krassesten Stunts, der je auf einem Bike gemacht wurde. Und danach stürzte er bei einem Backflip, den er mehrfach im Training gesprungen ist. Oder Jordie Lunn, einer der kühnsten Freerider der Welt. Er starb auf einem Trailride. In der Hinsicht, dürfte ich überhaupt nicht mountainbiken, wäre ich ums Risiko besorgt. Denn es kann immer passieren. Mountainbiken ist höllisch gefährlich. Selbst wenn du auf einem Trail durch den Wald cruist. Da hast du 30 Sachen drauf. Wenn du gegen einen Baum fährst, ist das wie ein Autounfall. Dagegen sind die Stunts bei der Rampage kalkuliert. Die Fahrer sind bereit, mental stark, sie haben die Stunts visualisiert und ändern sie so ab, dass sie funktionieren. Wenn sie dann springen, sind sie 100 Prozent fokussiert. In der Hinsicht ist die Rampage sogar sicherer.

Kürzlich sah ich den Youtube-Clip von 2013, als Du über das Canyon-Gap sprangst, in zehn Metern Höhe über den Lenker flogst und im Flachen aufgeklatscht bist. Horror. Ein absoluter Albtraum. Wie steckst Du das weg?

Das ist ein Alptraum, der mich schon lange verfolgt. Lange bevor das passierte. Ich kenne viele Bike- und Motocross-Athleten, die solche Alpträume haben ­– die Landung zu überschießen, hoch durch die Luft zu fliegen und zu wissen: gleich tut's richtig weh. Bei dem Sturz übers Canyon-Gap hatte ich mir ja nicht mal was gebrochen. Ich will jetzt kein falsches Selbstvertrauen aufbauen. Doch wenn mir so was passieren kann, und ich steck’s weg, dann kann ich auch noch ne Menge mehr aushalten. Doch ich gebe dir Recht, natürlich hinterlassen solche Crashs Spuren im Unterbewußtsein. Vermutlich jede schlechte Erfahrung, emotionale, soziale. Irgendwo stecken die. Deswegen machen Menschen Ayahuasca-Trips, um sie los zu werden. Für mich kommt es auf die richtige Perspektive an: 1. Will ich’s machen? 2. Was sind die Risiken? 3. Was muss ich tun, um alle Störfaktoren auszublenden.

Wenn man Dich auf dem Startpodest der Rampage sieht, wirkst Du cool, ja fast gelassen.

Nachdem ich den oberen Drop im Training zum ersten Mal gesprungen bin und das gut geklappt hat, war ich auch gelassen. Denn der Drop war gefährlich und furchterregend, weil so ausgesetzt. Den Rest meines Runs hatte ich drauf, daher war ich relaxt. Es war eine Ersatzlösung, denn die Line, die ich ursprünglich geplant hatte, funktionierte nicht. Doch normalerweise habe ich bei der Rampage immer einen Stunt vor, der absolut an den Nerven sägt.

Also diesmal keine Sieger-Line?

Die Alternative-Line war leider keine Sieger-Line. Top-5, wenn's gut laufen würde und je nachdem, was die anderen Fahrer zeigen. Doch kein Sieg. Das wäre nur mit der ursprünglichen Line möglich gewesen, doch da kam Kyles Sturz dazwischen und wir verloren zu viel Zeit.

Wie hat Dich sein Sturz beeinflusst und die Ungewissheit darüber, wie sehr er sich verletzt hatte.

Das hat mich in eine prekäre, üble Position gebracht. Stell dir das mal vor: Dein bester Freund stützt auf eurer gemeinsamen Line und du weißt nicht, ob er lebt oder stirbt. Das wusste ich anfangs nicht. Seinen Rücken hatte er sich auf jeden Fall gebrochen. Wie gehst du mit so einer Situation um? Und danach hast du nur noch ein paar Stunden bis es dunkel wird mit der unfertigen Line. Ich war fix und fertig, wusste anfangs gar nicht, wie ich überhaupt weiter machen soll.

Wie konnte der Sturz Euch Routiniers überhaupt passieren?

Nur weil wir es zu sehr gepusht haben. Normalerweise sind wir sehr sorgfältig. Doch bei der Sprung-Kombi kamen wir nicht weiter, und dann wollte es Kyle wissen. Das war kopflos. Wir hätten einsehen sollen, dass die Stunts so nicht funktionieren. Er sprang zu kurz und überschlug sich.

Wie sehr hat er sich verletzt?

Er hat vier Wirbel gebrochen. Näher kann man einer Querschnittslähmung kaum kommen, denn der Nerv wurde schon eingeklemmt. Er flog 15 Meter, schlitterte weitere 15 Meter und blieb vor einem 2-Meter-Absatz liegen. Wäre er da noch runter gefallen, hätte es schlimm ausgesehen. Er blieb ein paar Zentimeter davor liegen, ein paar Zentimeter vor einer Querschnittslähmung. Dafür, dass es so schlimm war, wurde es danach richtig gut. Die Wirbelsäule wurde stabilisiert, die Wirbel versteift und kurz drauf lief er schon ohne Rückenkorsett rum. Ich hörte, dass ihn der gleiche Arzt operierte, der Paul Basagoitia damals 2015 nach dessen Rampage-Sturz operiert hatte. Ich postete seinen Sturz auf Insta. Nach kürzester Zeit hatte der Crash 4 Millionen Views.
Anscheinend mögen die Menschen Stürze. Irgendwie krank, oder? Vielleicht liegt es im Wesen des Menschen.

Ich habe auch Brages Vestaviks Sturz bei der Rampage 2021 wiederholt angeschaut. Ist es Sensationsgier? Schadensfreude? Nein! Eher aus Grusel davor, was passieren kann.

Nun, ich habe den Clip ja auch gepostet, um ein bisschen aufzuklären, was passiert ist. Mich wundert allerdings, dass so was so viel öfter angeschaut wird als alles andere. Ich wünschte mir, dass die Leute gelandete Stunts ähnlich oft anschauen würden wie so einen Crash, wie Kyle Strait ihn hatte.

Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen heute durch nichts mehr zu überraschen sind. Alles scheint möglich. Erst wenn es schief geht, merkt man, wie krass der Stunt doch in Wirklichkeit war. Erfolgreiche Stunts sehen zu geschmeidig aus, als dass es die Leute noch flasht. Man hat vermutlich zu viel schon gesehen.

Damit haben auch die Wettkampfrichter bei der Rampage zu kämpfen. Lässt du deinen Run zu geschmeidig aussehen, ist es nicht gut. Thomas Genon ist ein gutes Beispiel dafür. Er ist so smooth und wird dafür immer unterbewertet. Lässt du dagegen den Run zu sketchy aussehen, ist auch nicht gut. Dann glauben sie, du hättest es nicht unter Kontrolle.

Du machst deinen Run mit Musik im Ohr. Was hörst du?

Ich habe eine lange Playliste. Die kann ich gerne mit den FREERIDE-Lesern teilen. Es ist keine Musik, die mich anstachelt, eher um mich zu besänftigen. Ich benutze die Musik, um in die "Zone" zu kommen, wie ich es nenne. Eine Art Autopilot, den ich damit anschalte.

Manchen Fahrern sieht man die Anspannung an, anderen gar nicht. Wie kommt das?

Jaxson Riddle zum Beispiel ist ziemlich relaxt am Start. Das liegt auch daran, dass er nicht auf Sieg aus ist. Er macht sein ganz eigenes Ding. Er will möglichst stylish den Berg runter fahren, satt sich in eine Position zu bringen, wo er wirklich nervös sein müsste. Ich finde das klasse. Jeder Fahrer hat seinen ganz eigenen Ansatz.

Jaxson Riddle oder Dylan Stark scheinen ganz anders drauf zu sein, als die Freerider wie du oder Kurt Sorge. Dylan hatte sogar ein Geländer in seinen Run eingebaut.

Verrückt oder? Dylan schmuggelte ein Geländer rein, um einen Railslide zu machen. (lacht). Ich finde das an der Rampage klasse. Man muss sich den Run nicht diktieren lassen von einem Kursbauer wie das bei Slopestyle-Wettkämpfen üblich ist. Willst du den fettesten Drop machen – bau ihn dir. Willst du dagegen sechs Scrubs hintereinander machen, ist das auch möglich. Du kannst machen, was du willst.

Dennoch sieht es so aus, als würden die Wettkampfrichter eher die Big-Mountain-Slopestyle-Runs bevorzugen.

Ja, furchtbar. Ich hasse das Judging.

Das verwundert, denn dieses Mal war mit Darren Berrecloth ein richtiger Freerider in der Jury.

Total. Vor allem war er in der Vergangenheit derjenige, der sich am heftigsten über das Judging beschwert hatte und jammerte, dass die Slopestyle-Fraktion so stark bevorzugt wurde. Ich finde, dass die Urteile keinen wirklichen Sinn ergeben. Entweder du setzt den Akzent auf Tricks oder eben auf die steilen, krassen Freeride-Lines. Doch ständig hin und her zu pendeln, ist Quatsch.

Hast du mit Darren gesprochen?

Ja, Darren meinte, dass Brett Rheeders Run krass war. Doch ich frage mich, wie kann man Brandon Semenuk schlechter einstufen, wenn er die steilste Abfahrt wählte, satt über den Grat abzufahren. Hat Darren etwa vergessen, wie krass das Gelände da oben ist? Ich versteh es nicht. Das beste Beispiel: Rampage 2017. Kurt Sorge nahm die leichteste Line nach unten über den Grat, ich die schwerste, fast senkrecht die Wand runter – doch er schlug mich. WTF! Warum zum Teufel soll ich dieses Mörder-Couloir dann überhaupt nehmen? Fakt ist, das Judging wird immer schwierig sein. Doch es muss eine bessere Lösung her. Ich schlage vor, dass 60-70 Prozent der Punkte sollten in der ersten Hälfte der Abfahrt vergeben werden, wo das Gelände am steilsten ist.

Andreu Lacondeguy schien dieses Jahr auch sehr enttäuscht mit seiner Bewertung. Wie siehst Du das? Ich hörte, dass er gar nicht mehr zur Rampage kommen will.

Andreu ist ein emotionaler Dude. Die Aussage darf man nicht zu ernst nehmen. Mich würde beides nicht überraschen, wenn er nicht mehr kommt oder wieder an den Start geht. (lacht) Eins war nämlich offensichtlich: Er hatte viel Spaß bei der Rampage. Zudem ist das sein Wettkampfformat. So viele Gelegenheiten hat er nicht, um zu zeigen, was er kann. Ich liebe den Wettkampf. Und ich liebe die Rampage. Deswegen werde ich nächstes Jahr wieder dabei sein. In die Wüste zu fahren mit zwei Freunden, die dir helfen, eine gute Line zu bauen, ist ein tolles Abenteuer. Dann baut man eine Line, auf die man stolz sein kann, muss die Stunts zum ersten Mal springen usw. Das sind viele Gefühle im Spiel. Und viel harte Arbeit. Doch das ist genau, was ich will. So was ist selten im Leben.

Wie beurteilst du Andreus Abfahrt?

Oben war seine Line gnarly und erfüllte alle Kriterien, doch im zweiten Teil fehlten ihm die Highlights. Fakt ist, die Bewertung muss schlüssig sein und darf nicht pendeln, mal so, mal so. Wir werden ohnehin so fahren, wie wir wollen. Wir fahren ja nicht nur für die Wettkampfrichter. Dennoch checke ich immer die Kriterien. Wenn sich nun aber raus stellt, dass die Jury steile, krasse Passagen nicht gut finden, werde ich das nicht mehr machen. Warum sollte ich das Risiko eingehen, wenn es dafür keine Punkte gibt.

Ein weiteren Kritikpunkt sprach Nicholi Rogatkin an. Er meinte, die ersten Runs würden per se schlechter beurteilt, weil die Wettkampfrichter sich Platz nach oben lassen wollen.

Ja, so ist es. Doch was für ein Schwachsinn! Ich finde, die ersten Runs müssten sogar besser bewertet werden, denn da ist der Druck besonders hoch. In meinen Augen muss auch ein erster Run gewinnen können. Es gibt keinen Grund, warum nicht.

2019 hattest Du versucht eine Cashroll in Deinen Run einzubauen. Bist allerdings gescheitert. Kannst Du Dir vorstellen, die in einen Deiner nächsten Rampage-Runs einzubauen?

Oh ja, das war meine Mission. Leider hat es dann erst für mein Video-Edit zu den X Games geklappt. Für die Cashroll brauchst du einen ganz speziellen Jump. Doch ich finde auch, dass die Cashroll ein geiler Trick ist.

Welche Stunts haben Dich dieses Jahr beeindruckt?

Der Ninja-Drop oder Caveman von Brandon Semenuk war ziemlich krass. Noch kranker fand ich den Barspin über den Step-Down. Ich mag Barspins nicht, deswegen könnte es mir egal sein. Doch ich weiß auch, wie schwer sie sind. Besonders auf einem Bigbike mit Downhill-Reifen und über so einen Sprung. Es fällt mir schier schwer zu begreifen wie das möglich ist.

Stimmst Du der Top-3-Platzierung zu?
Nein. Ich stimme da nicht zu. Würde ich den Akzent mehr auf Slopestyle legen, sähe ich Godzieks Run vorne. Denn sein Lauf war perfekt. Der 360er-rop unmittelbar vor dem Canyon-Gap war so krass. Die Kombi aus Spin-Drop und Canyon-Flip war Hammer. Würde ich dagegen mehr auf Big Mountain setzen, sähe ich Brandon Semenuk vorne.

Du hast bei der Rampage Triumphe gefeiert und Niederlagen einstecken müssen. Wie kommst Du damit klar?

Dieses Jahr hatte ich große Pläne, die leider nicht aufgingen. Daher konnte ich den 10. Platz viel besser verdauen als den 2. Platz hinter Kurt Sorge 2017. Das konnte ich damals einfach nicht begreifen. Da war ich lange richtig sauer. 2014 hatte ich den zweiten Platz hinter Andreu Lacondeguy belegt und war ich einfach nur enttäuscht, denn ich hatte es anderes gesehen. Aber okay. 2017 allerdings war ich am Boden zerstört und dachte mir: Das ist doch nicht Rampage. Der eine stürzt sich den Steilhang runter – ich. Und der andere gewinnt dann, indem er den Grat entlang rollt – Kurt Sorge.

Also eine Love-&-Hate-Beziehung zur Rampage.

Ja. Die Triumphe würden nicht so süß schmecken, wenn es leicht wäre. Der Kampf und der Struggle sind wichtig.

Kriegt die Rampage etwas Konkurrenz durch die Red Bull Hardline?

Nein, das sehe ich nicht so. Beide Events sind klasse. Der eine wird durch Wettkampfrichter beurteilt, der andere ist ein Race. Ich würde die Hardline jetzt nicht fahren wollen. Obwohl…. vielleicht würde ich sie doch gerne mal ausprobieren.

Und Proving Grounds?

Das ist ein Super-Event.

Kritiker sagen, Proving Grounds sei ein Schritt zurück. Eine Art Adidas Slopestyle von 2006.

Ich finde, es ist ein Schritt vorwärts. Die Adidas Slopestyle-Wettkämpfe, Monsterpark-Slopestyles, ja auch die ersten Crankworx-Events gingen genau in die richtige Richtung: fette Stunts, weite Sprünge wie im Snowboarden oder Motocrossen. Doch dann näherte sich der Sport BMX an. Proving Grounds dagegen ist eine Mischung aus Rampage und Slopestyle. Ich finde das großartig und will die ganze Serie im kommenden Jahr mitfahren. Die Typen dahinter sind auch super: Snowboarder Travis Rice und Wellenreiter Kelly Slater. Da kann eine Menge daraus entstehen.

Was treibst Du diesen Winter?

Ich würde gerne ein Video hier auf Hawaii drehen, in dem alles zusammen gemischt ist. Bigbike-Action wie in meinem X-Games-Edit, Street, Trails. Ein bisschen wie Fabio Wibmer das in Monaco gemacht hat. Nach dem Motto: Welcome to Maui mit Spearfishing und Tow-in-Surfen.

Wir sind gespannt. Vor allem auf Deine Tow-In-Einlage in großen Wellen.

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