In diesem Artikel verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Bei jedem Einkauf über diese Links erhalten wir eine Provision vom Händler. Alle vermittlungsrelevanten Links sind mit gekennzeichnet. Mehr erfahren.
Was bedeutet eigentlich Trail? Fragt man fünf Biker, was sie unter dieser Kategorie verstehen, erhält man garantiert fünf unterschiedliche Antworten. Der Begriff grenzt zwar so ungefähr die Art des Weges ein, lässt aber darüber hinaus viel Raum für Interpretation. Wir bei BIKE definieren die Trail-Kategorie anhand des Federwegs: Trailfullys besitzen zwischen 120 und 140 Millimeter Hub. Darunter rangiert Marathon, darüber warten die federwegsstärkeren All Mountains. Auf dem US-Markt reicht die Trail-Kategorie dagegen gerne bis in den Enduro-Bereich.
Unsere Suche nach der besten Trail-Reifenkombi warf bei den drei führenden Reifenherstellern ebenfalls diverse Fragen auf. Sowohl Maxxis als auch Schwalbe und Continental verfügen über ein gut gefülltes, fein unterteiltes Produktsortiment. Diverse Profile in unterschiedlichen Breiten, Gummimischungen und Karkassenaufbauten sind erhältlich. Es scheint, als gäbe es für jeden Meter Trail, jeden Witterungszustand und für jedes Bike den passenden Reifen. Für unseren Test forderten wir explizit einen Trail-Allrounder: breites Einsatzgebiet, ausreichend Grip für nahezu jede Witterung und Pannenschutz für technisches Gelände, dabei schnell genug für ausgedehnte Runden aus eigener Muskelkraft.
Mit Spannung fieberten wir also der Auswahl der Reifenhersteller entgegen. Maxxis schickte den Dissector II ins Rennen – eine Neuauflage des Trail- beziehungsweise Enduro-Reifens mit komplett überarbeitetem Profil. Der fein profilierte Klassiker Rekon ergänzt am Hinterrad und soll für Vortrieb sorgen. Bei Schwalbe setzt man ebenfalls auf eine Kombination aus Klassiker und Neuauflage. Während hinten der seit Jahren unveränderte Evergreen Nobby Nic zum Einsatz kommt, soll am Vorderrad der neue Albert mit Radialkarkasse überzeugen. Last but not least schlägt Continental eine ähnliche Richtung wie Maxxis ein: Am Vorderrad vertraut der Reifengigant auf das potente Enduro-Profil des Kryptotal, während hinten mit dem neuen, wesentlich zahmer profilierten Magnotal schnelles Rollen angesagt ist. Der Unterschied zwischen beiden Reifen ist nicht nur optisch gewaltig. Hier wäre sogar noch Platz für ein weiteres Profil, um die Lücke in der Produktpalette zu schließen.
858 Gramm wiegt der Continental Magnotal in der Trail-Ausführung und ist damit der leichteste Reifen im Vergleich. Mit 320 Gramm mehr auf der Karkasse markiert der Schwalbe Albert den Höchstwert. Ein riesiger Unterschied, der sich allerdings auch eins zu eins im Pannenschutz niederschlägt. Der Magnotal hat Durchschlägen nur wenig entgegenzusetzen, während der Albert mit höchstem Snakebite-Schutz glänzt. Auch am Hinterrad liefert Schwalbes Nobby Nic den besten Wert. Beim Schutz gegenüber Fremdkörpern wie Dornen oder scharfen Steinkanten zeigt sich der leichte Magnotal dagegen überraschend widerstandsfähig und sichert sich die Bestnote.
Bei der Kombi von Continental ist der Grip-Unterschied zwischen Vorder- und Hinterrad riesig. Der Kryptotal ist endurotauglich, hinten ist mit dem Magnotal eher Cross Country angesagt. Für den Trail-Einsatz würde ich dennoch zu genau dieser Mischung greifen, weil es Spaß macht, wenn der Hinterreifen an seine Grenzen kommt. Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Analog zu Gewicht und Pannenschutz arbeiten auch Reifengrip und Rollwiderstand grundsätzlich in gegensätzliche Richtungen. Die Lösung des Dilemmas lautet daher: ein grobes Profil mit weichem Gummi am Vorderrad und ein feiner profilierter Reifen mit schneller Gummimischung hinten. Unsere drei Testkandidaten liefern zwar grundverschiedene Profile an Vorder- und Hinterrad, setzen aber jeweils die gleiche Gummimischung ein. Damit rollt die Maxxis-Kombi mit nur 5,2 Watt Differenz zwischen Front und Heck ähnlich gut, gefolgt von Conti mit 7,9 Watt und Schwalbe mit 11,7 Watt. Den geringsten Rollwiderstand besitzt übrigens der gröbste Hinterreifen: der Schwalbe Nobby Nic. Vorne setzt Schwalbe mit dem Albert Radial den Bestwert.
Mit Conti, Maxxis und Schwalbe bewegt sich unser Testfeld auf allerhöchstem Niveau. Auch wenn die Maxxis-Reifen im Vergleich geringfügig schlechter abschneiden, kann sich das Fahrgefühl im größeren Vergleich absolut sehen lassen. Stefan Frey, BIKE-Redakteur
Schwalbe schickte am Vorderrad einen Reifen mit neuer Radialkarkasse ins Rennen, was sich in besonders geschmeidigem Fahrverhalten äußert. Der Reifen passt sich bei identischem Luftdruck flexibler dem Untergrund an und bringt so mehr Profil in Eingriff. Das lässt sich auch optisch sehr gut erkennen. In unserem Versuchsaufbau belasteten wir alle drei Vorderreifen bei einem Druck von 1,2 Bar mit identischem Gewicht. Während der Radialreifen unsere „Laborwurzel“ umschließt und vollen Bodenkontakt behält, verlieren Continental und Maxxis kurzzeitig den Kontakt zum Untergrund.
| Continental Kryptotal FR | Continental Magnotal | |
| Preis | 69,95 Euro >> hier erhältlich | 68,95 Euro >> hier erhältlich |
| Gummimischung / TPI | Soft / 180 | Soft / k. A. |
| Karkasse / Größe | Trail / 29 x 2,4 | Trail / 29 x 2,4 |
| Labortest | ||
| Gewicht / Rollwiderstand | 1061 g / 32,5 Watt | 858 g / 24,6 Watt |
| Reifenbreite / Reifenhöhe | 60,8 / 59,4 mm | 58,3 / 56,6 mm |
| Durchschlag / Durchstich | 320 mm / 125; 591; 393 N | 250 mm / 143; 689; 508 N |
| Praxistest | ||
| Kurvenverhalten | ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ |
| Traktion | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ | ■ ■ ■ ■ □ □ □ □ |
| Selbstreinigung | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ | ■ ■ ■ □ □ □ □ □ |
| BIKE-Note | 2,47 | 2,47 |
Mit zusammen 1919 Gramm rangiert Contis Trail-Kombi im Mittelfeld und stellt mit dem Magnotal den leichtesten Hinterreifen. Sowohl Vorder- als auch Hinterreifen kommen in der soften Gummimischung sowie mit Trail-Karkasse. Wer sich noch mehr Speed wünscht, kann den Magnotal auch in der schnelleren Grip-Mischung ordern, was den Rollwiderstand um beachtliche 6,7 Watt reduziert (BIKE-Messwert). Während der Kryptotal mit seinem griffigen Enduro-Profil am Vorderrad für ein sehr hohes Grip-Niveau sorgt und eine vorbildliche Kontrolle liefert, fällt der wesentlich feiner profilierte Magnotal deutlich ab. Geringe Stollenhöhe und enger Stollenabstand lassen bereits optisch große Unterschiede erkennen. Zwar bietet die Gummischung den besten Nass-Grip, kommt aber auf losen Böden und im Schräghang aufgrund der niedrigen Stollen sowie der mäßigen Selbstreinigung schnell ans Limit. Geschmeidiges Rollverhalten und Durchstichschutz, aber wenig Durchschlagresistenz hinten.
| Maxxis Dissector II | Maxxis Rekon | |
| Preis | 74,90 Euro >> hier erhältlich | 79,90 Euro >> hier erhältlich |
| Gummimischung / TPI | MaxxTerra / 60 | MaxxTerra / 60 |
| Karkasse / Größe | Exo / 29 x 2,4 | Exo+ / 29 x 2,4 |
| Labortest | ||
| Gewicht / Rollwiderstand | 951 g / 29,7 Watt | 885 g / 24,5 Watt |
| Reifenbreite / Reifenhöhe | 58 / 55,9 mm | 57,3 / 55,5 mm |
| Durchschlag / Durchstich | 310 mm / 127; 631; 286 N | 280 mm / 123; 566; 336 N |
| Praxistest | ||
| Kurvenverhalten | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ |
| Traktion | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ | ■ ■ ■ □ □ □ □ □ |
| Selbstreinigung | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ | ■ ■ ■ □ □ □ □ □ |
| BIKE-Note | 2,91 | 2,91 |
Mit dem neuen Dissector II und dem Rekon schickt Maxxis die leichteste Trail-Reifenkombi mit nur 1836 Gramm in diesen Vergleich. Beide Reifen vertrauen auf die mittlere Gummimischung MaxxTerra, unterscheiden sich aber im Karkassenaufbau. Exo vorne und die etwas stabilere Exo+Karkasse am Hinterrad. Damit rollt der Dissector II mit minimalem Vorsprung am schnellsten, während der Pannenschutz jeweils im Mittelfeld rangiert. Im Vergleich zur Konkurrenz fällt der Dissector II recht schmal aus, bietet ein jederzeit berechenbares Handling, reicht aber nicht ganz an das Grip-Niveau von Conti und Schwalbe heran. In steilen, rutschigen Passagen kommen sowohl Vorder- als auch Hinterreifen früher ans Limit. Durch die niedrige Stollenhöhe am Hinterrad setzt sich das enge Profil bei nassen Bedingungen schnell zu und bietet mäßigen Nass-Grip. Im Vergleich dazu fühlt sich die Karkasse etwas steifer und damit weniger komfortabel an, was auch unser Belastungstest zeigt.
| Schwalbe Albert | Schwalbe Nobby Nic | |
| Preis | 73,90 Euro >> hier erhältlich | 68,90 Euro >> hier erhältlich |
| Gummimischung / TPI | Soft / 67 | Soft / 67 |
| Karkasse / Größe | Radial / 29 x 2,5 | Super Trail / 29 x 2,4 |
| Labortest | ||
| Gewicht / Rollwiderstand | 1190 g / 32,9 Watt | 966 g / 21,2 Watt |
| Reifenbreite / Reifenhöhe | 60,6 / 62,4 mm | 56,4 / 55,5 mm |
| Durchschlag / Durchstich | 330 mm / 118; 505; 362 N | 320 mm / 139; 616; 455 N |
| Praxistest | ||
| Kurvenverhalten | ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ □ | ■ ■ ■ ■ ■ ■ □ □ |
| Traktion | ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ □ | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ |
| Selbstreinigung | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ | ■ ■ ■ ■ ■ □ □ □ |
| BIKE-Note | 2,34 | 2,34 |
Schwalbes Reifenkombi aus Albert vorne und Nobby Nic wiegt mit 2156 Gramm über 320 Gramm mehr als die Maxxis-Paarung. Das liegt vor allem am gewichtigen Albert mit neuer Radialkarkasse. Im Vergleich zur Konkurrenz setzt Schwalbe mit dem Klassiker Nobby Nic auf einen vollwertigen Stollenreifen mit höherer Profiltiefe und größerem Stollenabstand. Das sorgt vor allem bei losen oder nassen Bedingungen für eine bessere Verzahnung in allen Lebenslagen sowie für ein gleichmäßiges Grip-Niveau und bessere Selbstreinigung. Auch beim Durchschlagschutz liefert Schwalbe Bestwerte. Dennoch rollt der Nobby Nic mit 21,2 Watt am schnellsten. Lediglich beim Nass-Grip auf Stein und Wurzeln bietet der Conti mehr Halt. Am Vorderreifen sorgt die Radialkarkasse für eine hervorragende Dämpfung, viel Komfort und guten Bodenkontakt. Lediglich die Resistenz gegenüber Durchstichen liegt bei diesem Karkassenaufbau minimal niedriger als bei der Konkurrenz von Conti und Maxxis. Testsieg!
Karkasse, Gummimischung, Pannenschutz - über Mountainbike-Reifen gibt es so viel zu wissen, dass wir hier die wichtigsten Punkte für den nächsten Talk unter Bikern zusammengefasst haben.
Vorne griffig, hinten schnell lautet grundsätzlich die Devise, um Kontrolle und leichtes Kurbeln zu vereinen. Continental, Maxxis und Schwalbe greifen in diesem Vergleich jedoch zur Einheitsmischung am Vorder- und Hinterrad und setzen lieber auf unterschiedliche Profilierung und Karkassen.
Lediglich 3,4 Watt am Hinterrad und 3,2 Watt vorne liegen die Testreifen auseinander. Damit muten alle drei Hersteller den Trail-Bikern etwa das gleiche Rollverhalten zu. Interessant: Trotz identischer Gummimischung rollt der Schwalbe-Vorderreifen mit Radialkarkasse gut 10 Watt schlechter als der Hinterreifen.
Beim Durchschlag am Hinterreifen gibt es die größten Unterschiede zu entdecken. Dem Conti Magnotal geht am schnellsten die Luft aus, gefolgt vom Maxxis Rekon. Der Schwalbe Nobby Nic ist deutlich resistenter und erreicht das Niveau des Conti-Kryptotal-Vorderreifens.
Verborgen unter dem Gummi kann man weder die Anzahl der Karkassenlagen noch den Winkel (diagonal oder radial) der Lagen von außen erkennen. Pannenschutz und Fahreigenschaften unterscheiden sich jedoch deutlich. So bietet ein Reifen mit mehr Karkassenlagen in der Regel einen höheren Pannenschutz und mehr Stabilität. Die Ausrichtung der Karkassenlagen beeinflusst stark Flexibiltät, Grip und Komfort des Reifens.
Um ideal miteinander vergleichen zu können, nutzten wir drei identische E-MTBs mit gleichem Setup. Die Reifen wurden mit exakt dem gleichen Luftdruck befüllt: 1,3 Bar vorne und 1,5 Bar hinten. Sämtliche Laborwerte wurden, von uns beaufsichtigt, im Prüflabor von Ralf Bohle ermittelt.
Trail-Reifen müssen so ziemlich alles können. Hoher Grip, guter Pannenschutz und ein schnelles Rollverhalten stehen im Lastenheft ganz oben. Mit Rollwerten von 21,2 bis 24,6 Watt liegen die Hinterreifen im Vergleich dicht zusammen. Auch am Vorderrad geht die Schere bei den griffigeren Gummischungen nicht weiter auf. Dafür gibt es mit über 330 Gramm Differenz deutliche Unterschiede beim Gewicht. Der Schwalbe Albert drückt mit fast 1200 Gramm auf die Waage, bietet im Vergleich zum leichten Continental Magnotal aber einen wesentlich höheren Schutz gegen Durchschläge. Nur Fremdkörpern hat der Reifen mit neuer Radialtechnologie weniger entgegenzusetzen.
Um große wie kleine Unterschiede aufzudecken, fuhren wir die Reifen im direkten Vergleich auf drei identischen Canyon Neuron:On AL 8 bei feuchten Bedingungen. Auf kleinen Runden/Sektionen konnten wir die Reifen mit drei Testfahrern perfekt miteinander vergleichen. Praxiseindruck und Laborwerte fließen zu je 50 Prozent in die Endnote ein.

Redakteur