MTB PedaleFlat Pedals aus Alu oder Kunststoff – Vor- & Nachteile

Stefan Frey

 · 22.09.2022

MTB Pedale: Flat Pedals aus Alu oder Kunststoff – Vor- & NachteileFoto: Stefan Frey

Flat Pedals aus Kunststoff sind gerade schwer in Mode. Die Plattform-Pedale aus Nylon oder Faserverbundmaterial sehen schick aus, sind leicht und günstig. Doch können sie auch mit klassischen MTB-Pedalen aus Alu mithalten? Wir klären die Vor- und Nachteile von Flat Pedals aus den verschiedenen Materialien.

Flat Pedals aus Kunststoff – weg vom Billig-Image

Bis vor wenigen Jahren noch waren Kunststoffpedale kaum mehr als Wegwerfartikel. Hersteller montierten billige Flat Pedals aus einfachem Nylon bei der Auslieferung an ihre Mountainbikes, damit der Käufer zumindest schon mal die ersten Meter mit seinem neuen Schätzchen drehen konnte. Wirklich geländetauglich waren diese Möchtegern-Flat-Pedals meistens nicht. Die Plattform zu klein und rutschig, die Pins winzig – wenn vorhanden –, und Lagerung sowie Dichtung hielten kaum der ersten harten Ausfahrt bei schlechtem Wetter stand.

Inzwischen hat sich das Blatt jedoch gewendet und es gibt kaum mehr einen Hersteller, der kein MTB-Pedal aus Kunststoff in den unterschiedlichsten Farben im Sortiment führt. Was ist passiert? Welche Vorteile bieten die Kunststoffpedale, dass selbst etablierte Hersteller wie Crankbrothers oder DMR die Plastik-Treter ins Sortiment nehmen? Wir haben uns beim österreichischen Pedal-Spezialisten Tatze schlau gemacht und zeigen die Unterschiede zwischen MTB-Pedalen aus Alu- und Kunststoff sowie deren Vor- und Nachteile.

Tatze zeigt mit dem <a href="https://luna.r.lafamo.com/ts/i5034112/tsc?amc=con.blbn.497955.507800.14447882&smc=BIKE&rmd=3&trg=https%3A%2F%2Fwww.fitstore24.com%2Fde%2Ftatze-flatpedal-link-composite" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Link Composite</a>*, was ein modernes Kunststoffpedale leistet und ergattert damit den Testsieg im Pedaltest in BIKE 10/2022.Foto: Tatze
Tatze zeigt mit dem Link Composite*, was ein modernes Kunststoffpedale leistet und ergattert damit den Testsieg im Pedaltest in BIKE 10/2022.

Der Preis – klarer Punkt für die Flat Pedals aus Kunststoff

Gute Aluminium-Pedale kosten in der Regel mindestens 100 Euro oder mehr. Das liegt nicht nur an den deutlich höheren Materialkosten, sondern auch am Herstellungsprozess. Bei Kunststoffpedalen fallen einmalig hohe Kosten für die Spritzgussformen an. Diese müssen sauber konstruiert sein, um eine hohe Qualität zu gewährleisten. Das Material für die Produktion ist dann relativ preiswert. Das ermöglicht hochwertige Pedale zu relativ günstigen Preisen. Unser Preis-Leistungs-Tipp aus dem MTB-Pedaltest in BIKE 10/2022, das OneUp Flat Pedal Comp, kostet gerade mal 49,50 Euro >> hier erhältlich*.

Gut und günstig: Das OneUp Flat Pedal Comp gibt es in sechs verschiedenen Farben für gerade mal 49,50 Euro.Foto: OneUp Components
Gut und günstig: Das OneUp Flat Pedal Comp gibt es in sechs verschiedenen Farben für gerade mal 49,50 Euro.

Gewicht – hoher Materialeinsatz drückt auf die Waage

Während beim Preis das Kunststoffpedal noch klar die Nase vorne hat, sieht es beim Gewicht etwas anders aus. Zwar ist das verwendete Material – in der Regel ein Mix aus mit Nylon-, Glas- oder Carbonfasern verstärktem Kunststoff – an sich etwas leichter als Aluminium. Doch diesen Vorteil verspielen die Plastikpedale aufgrund des höheren Materialeinsatzes.

Alu besitzt eine höhere Zugfestigkeit. Hier kann die Wandstärke über den Lagern auf bis zu 1,2 Millimeter reduziert werden. Bei Kunststoff muss die Wandstärke im Vergleich etwa 1 Millimeter dicker ausfallen, damit das Pedal ausreichend stabil bleibt. Daher lassen sich aus Alu letztlich auch die flacheren Pedale konstruieren.

Aber Achtung: Bei manchen Kunststoffpedalen ist zwar der Pedalkörper flach gebaut, sie weisen aber an der Achslagerung eine Erhöhung auf, die während der Fahrt unangenehm gegen den Fuß drücken kann.

Vorteil Alu: Aufgrund der hohen Zugfestigkeit kann hier Material zugunsten eines geringeren Gewichts eingespart werden.Foto: Stefan Frey
Vorteil Alu: Aufgrund der hohen Zugfestigkeit kann hier Material zugunsten eines geringeren Gewichts eingespart werden.
Vor allem über der Achse muss bei Kunststoffpedalen ausreichend Material vorhanden sein, um die Haltbarkeit zu garantieren.Foto: Stefan Frey
Vor allem über der Achse muss bei Kunststoffpedalen ausreichend Material vorhanden sein, um die Haltbarkeit zu garantieren.

Haltbarkeit und Qualität – Kunststoff ist enorm stabil

Mit dem richtigen Material sind Kunststoffpedale brutal widerstandsfähig. Glasfaser- oder Carbon-Verbundstoffe punkten hier besonders. Kunststoff ist auch elastischer als Alu und wird daher vermutlich nie brechen. Ein Pin-Ausriss kann bei beiden Materialien vorkommen. Wobei bei Alu der Pin aus dem Gewinde gerissen wird, welches dabei in der Regel zerstört wird.

Lager und Dichtungen müssen bei Pedalen besonders hochwertig ausgeführt sein. Sie unterliegen gerade beim Biken im Gelände enormen Kräften. Bei billigen Flat Pedals aus Kunststoff ist das nicht immer der Fall. Hochwertige Industrielager an der Außenseite und Gleitlager an der Innenseite haben sich inzwischen als Standard etabliert. Zur besseren Abstützung verbauen manche Hersteller ein doppeltes Industrielager auf der Außenseite, das erhöht auch die Haltbarkeit.

Die Dichtung muss den Zugang zu den Lagern abschließen und darf sich auf der Achse nicht verschieben lassen. Sonst ist der Weg frei für Schmutz und Nässe – der Killer für jedes Lager. Im besten Fall bietet der Hersteller ein Refresh-Kit mit den entsprechenden Lagern oder gar inklusive der Achsen. Das erhöht die Lebens- bzw. Nutzungsdauer der MTB-Pedale und schont die Umwelt.

Die Dichtungen müssen den Zugang zu den Lagern sauber abschließen. Nur so ist eine lange Laufzeit garantiert.Foto: Stefan Frey
Die Dichtungen müssen den Zugang zu den Lagern sauber abschließen. Nur so ist eine lange Laufzeit garantiert.
Lager, Dichtungen und Achsen sind bei Herstellern wie Tatze oder Crankbrothers separat erhältlich – gut für die Lebensdauer der Pedale.Foto: Tatze
Lager, Dichtungen und Achsen sind bei Herstellern wie Tatze oder Crankbrothers separat erhältlich – gut für die Lebensdauer der Pedale.

Eine kleinen Nachteil muss man den Kunststoffpedalen allerdings bei der Handhabung einräumen. Während sich die Montage an der Kurbel nicht von den Alu-Modellen unterscheidet, ist der Austausch von verschlissenen Pins oft umständlicher. Im Gegensatz zu Alu-Pedalen werden Kunststoffpedale aus Gründen der Haltbarkeit nicht mir Gewinden für die Pins versehen. Zur Befestigung ist also eine Konter-Mutter nötig, die den Aufwand beim Schrauben etwas erhöht und den Pin-Tausch schon mal zum Geduldsspiel macht.

Gewinde in der Plattform erleichtern den Austausch von Pins bei den Alu-Pedalen.Foto: Stefan Frey
Gewinde in der Plattform erleichtern den Austausch von Pins bei den Alu-Pedalen.
Bei den Kunststoffpedalen dagegen werden die Pins von einer zusätzlichen Mutter gesichert.Foto: Stefan Frey
Bei den Kunststoffpedalen dagegen werden die Pins von einer zusätzlichen Mutter gesichert.

Optik – nicht nur eine Frage des Geschmacks

Klar, auch Alu-MTB-Pedale gibt es in den schillerndsten Farben. Doch sie sind in der Regel eloxiert oder pulverbeschichtet und das hat einen großen Nachteil: Bei hartem Felskontakt wird das blanke Alu unter der Farbe freigelegt und die Pedale wirken schnell schäbig. Auch Kratzer fallen in glänzendem Alu deutlich stärker auf.

Flat Pedals aus Kunststoff sind dagegen komplett durchgefärbt, Kratzer und Kerben sind weniger sichtbar. So sehen die Pedale meist länger frisch aus. Und sehen die Kunststoffpedale doch mal ranzig aus: Mit etwas Putzmittel und einem Lappen lassen sie sich leicht wieder auffrischen und dann wieder nahezu wie neu aus.

Nicht schön: Nach Felskontakt liegt schnell das blanke Alu frei.Foto: Stefan Frey
Nicht schön: Nach Felskontakt liegt schnell das blanke Alu frei.
Wie neu: Nach einer kurzen Wäsche sehen Kunststoffpedale wieder aus wie aus dem Ei gepellt.Foto: Stefan Frey
Wie neu: Nach einer kurzen Wäsche sehen Kunststoffpedale wieder aus wie aus dem Ei gepellt.

Unser Fazit: Flat Pedals aus Kunststoff für Mountainbikes

Ihr Billig-Image tragen Kunststoffpedale also völlig zu unrecht. Sofern die Qualität stimmt, können es die preiswerten Composite-Treter locker mit den Plattform-Pedalen aus Alu aufnehmen. Bei den zahlreichen verfügbaren Farbvarianten sind sie zudem eine tolle Möglichkeit, das eigene Bike nach persönlichen Vorlieben zu pimpen.

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