Wenn man Überraschungen und unvorhersehbare Variablen beim Downhill-Racing reduziert oder eliminiert, verbessert sich automatisch die Kontrolle – und mit ihr die Geschwindigkeit. Genau diesem Prinzip folgt RockShox: Zusammen mit Profi-Athleten aus dem Downhill-Weltcup haben die Amerikaner ihre Doppelbrückengabel Boxxer in den letzten Jahren bis ins kleinste Detail optimiert. Die Schwerpunkte liegen dabei auf weniger Reibungsverlusten im Chassis, um Schläge und Vibrationen effektiver vom Fahrer fernzuhalten. Eine superlineare Federkennlinie für ein maximal vorhersehbares Ansprechverhalten stand ebenfalls ganz oben im Lastenheft der neuen Boxxer. Und damit Federung und Dämpfung perfekt harmonieren, hat RockShox seiner neuen Linear-XL-Luftfeder auch eine neue Dämpfungskartusche zur Seite gestellt: die Charger 3.2.
| Dämpfung | Charger 3.2 RC2 (mit ButterCups beim Ultimate-Modell) |
| Feder | LinearXL (mit ButterCups beim Ultimate-Modell) |
| Federweg | 180 mm, 190 mm, 200 mm |
| Gabel-Offset | 44 mm (27,5”), 48 mm (27,5”), 48 mm (29”), 52 mm (29”) |
| Laufradgröße | 27,5", 29" |
| Modelle und Preise | Ultimate- und Select-Modell für 2180 Euro bzw. 1635 Euro UVP. |
Die neue LinearXL-Luftfeder von RockShox verfolgt ein klares Ziel: eine 100 % lineare Federkennlinie. Das bedeutet, dass die Kraft, die nötig ist, um die Feder zu komprimieren, über den gesamten Federweg konstant zunimmt. Das erzeugt ein vorhersehbares, gleichmäßiges Fahrgefühl – ähnlich einer Stahlfeder. Am Anfang arbeitet die Feder extrem feinfühlig, in der Mitte bietet sie Gegenhalt, und gegen Ende schützt ein Durchschlagschutz vor harten Einschlägen.
RockShox erklärt außerdem, dass das neue Luftfeder-Design in erster Linie die Fahrlage und den Negativfederweg des Bikes beeinflussen soll. Volumenspacer können zwar nach wie vor für zusätzliche Progression eingesetzt werden, eliminieren dabei jedoch die lineare Federkennlinie. Deshalb empfiehlt RockShox, das Ansprechverhalten ausschließlich über die Dämpfungseinheit feinzutunen.
Mit der neuen Boxxer lüftet RockShox endlich auch das Geheimnis um die schwarze Abdeckung unten am linken Tauchrohr. Im Enduro- und Downhill-Weltcup tauchten bereits im letzten Jahr erste Prototyp-Gabeln mit diesem Feature auf. Nun steht fest: Es handelt sich um die sogenannte AirAnnex-Zusatzluftkammer.
Die AirAnnex vergrößert das Luftvolumen im Inneren des linken Tauchrohrs und reduziert beim Komprimieren der Luftfeder die Progression im Casting. Dadurch unterstützt sie das lineare Ansprechverhalten der neuen LinearXL-Luftfeder. Gleichzeitig sorgt die Zusatzkammer auch dafür, dass das linke und das rechte Tauchrohr über dasselbe Luftvolumen verfügen. Die Dämpfungseinheit auf der rechten Seite baut kleiner und nimmt deutlich weniger Platz im Inneren der Gabel ein als die Luftfeder. Das zusätzliche Volumen der AirAnnex garantiert also, dass trotz der größeren Luftkartusche beide Seiten mit demselben Luftvolumen arbeiten.
Um die Dämpfung der neuen Boxxer mit der linearen Kennlinie der neuen Luftfeder in Einklang zu bringen, wurde die Druckstufendämpfung im Vergleich zur Charger 3.1 deutlich erhöht. Nur so steht die Gabel stabil im Federweg und bietet bei harten Landungen oder schnellen Schlagabfolgen genügend Gegenhalt. Ebenfalls neu an der Charger 3.2: nummerierte High- und Lowspeed-Druckstufenregler. Die vereinfachte Darstellung soll vor allem weniger erfahrenen Piloten die Abstimmung erleichtern. Die Grundeinstellung beginnt bei „0“. Von dort lässt sich die Dämpfung schrittweise erhöhen (+) oder reduzieren (–).
ButterWagonTech – so bezeichnet RockShox die zahlreichen Vertiefungen auf den Standrohren der Boxxer. Sie nehmen bei jeder Federbewegung Öl aus den Tauchrohren auf, transportieren es in Richtung der Gleitlager und geben es dort wieder ab. Dieser kontinuierliche Öltransfer sorgt für eine dauerhafte Schmierung der Gleitlager. Das reduziert die Reibung im System, verbessert das Ansprechverhalten und erhöht die Haltbarkeit der Gleitlager.
Die ButterCups zählen zu den Technologien der neuen Boxxer, die wir bereits aus anderen RockShox-Gabeln kennen. Dabei handelt es sich um Elastomere am unteren Ende der Luftfeder und der Dämpfungseinheit. Durch diese Gummipuffer sind beide Einheiten im unteren Bereich des Chassis schwimmend gelagert. Diese Konstruktion reduziert hochfrequenter Vibrationen. Das entlastet Hände und Unterarme und kann die Ermüdung auf langen Abfahrten verzögern. Dieses Feature kommt aber ausschließlich in der teureren Ultimate-Ausführung zum Einsatz.
Um sein Downhill-Fahrwerk zu komplettieren, hat RockShox auch seinen Stahlfederdämpfer Vivid Coil aufgefrischt. Mit einem kürzeren, dafür aber breiteren Ausgleichsbehälter soll das Federbein nun mit noch mehr Rahmenplattformen kompatibel sein. Darüber hinaus erhält der Neuling, passend zur Boxxer, ebenfalls nummerierte Druckstufenregler. An der RC2T-Dämpfung haben die Entwickler ebenfalls gedreht, sodass sie mit der neuen Luftfeder und der Charger-3.2-Dämpfungskartusche der Boxxer bestmöglich harmoniert.
Die neue Boxxer steckt voller durchdachter Technologien. Geringere Reibungsverluste im Chassis, die superlineare Luftfeder und bewährte Elemente wie die ButterCups sollten für ein stabileres, komfortableres und kontrolliertes Fahrverhalten sorgen als beim Vorgängermodell. Wie sich die neuen Features in der Praxis bewähren und wie zuverlässig sie auf Dauer arbeiten, wird sich jedoch erst zeigen. Die Neuerungen bei der Vivid Coil fallen vergleichsweise unspektakulär aus. Sie dürften vor allem das Handling verbessern und die Bedienung erleichtern, ohne das Fahrgefühl radikal zu verändern.

Redakteur