3x3 Six Nabenschaltung im TestKonkurrenz für Rohloff und Co.?

Adrian Kaether

 · 30.08.2026

Die 3x3 Six ist die neue Einstiegs-Getriebenabe von H+B Hightech aber dennoch ein klares Premium-Produkt.
Foto: Wolfgang Papp

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H+B Hightech erweitert sein Programm um eine neue Getriebenabe – die 3x3 Six. Mit sechs Gängen, lautlosem Freilauf und einem Fokus auf urbane Mobilität soll sie den Einstieg in die Premium-Welt der Nabenschaltungen öffnen. Wir konnten die Nabe schon fahren.

BIKE-Fazit: Debüt gelungen

​H+B Hightech hat mit der Nine schon bewiesen, dass man Getriebenaben auf hohem Niveau fertigen kann. Die Six überträgt diese DNA in den urbanen Alltag und liefert dort überzeugend ab: präzise Schaltvorgänge, lautloser Freilauf, clevere integrierte E-Shift-Funktionen und ein wartungsfreies Konzept, das im Stadtbetrieb kaum Wünsche offen lässt. Günstiger als Nine oder gar Rohloff und Pinion wird die Six trotzdem kein Schnäppchen sein. Verarbeitungsqualität und durchdachte Funktion können den Aufpreis gegenüber den Großserienprodukten von Shimano und Enviolo für die angedachte Premium-Zielgruppe rechtfertigen. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Rohloff, Pinion, Nexus und Co.: Klar, die kennt jeder, der sich schonmal intensiver mit Fahrrädern auseinander gesetzt hat. Seit wenigen Jahren mischt aber ein neuer Player mit bei den wartungsarmen Nabenschaltungen und Getrieben. H + B Hightech ist ein Metallbauer von der schwäbischen Alb und hat mit der 3x3 Nine (hier im Test) sein Debut gefeiert. Eine Getriebenabe, die für Heavy-Duty-Einsätze, Lastenräder und anspruchsvolles Terrain entwickelt wurde. Nun schiebt das Unternehmen mit der 3x3 Six ein Schwestermodell nach, das mit reduzierter Gangzahl und einem günstigeren Preis eine breitere Zielgruppe ansprechen soll.

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Das Konzept ist dabei klar definiert: Während die Nine für maximale Leistung unter extremen Bedingungen und hohe Bandbreite steht, ist die Six auf urbane Mobilität, tägliches Pendeln und moderate Streckenprofile ausgelegt. Die Six soll etwa ein Drittel günstiger sein als die Nine. Unser Testrad kostet dennoch über 5500 Euro. Beide Modelle, Six und Nine, teilen sich dieselbe grundlegende Systemarchitektur – die Six ist also keine abgespeckte Notlösung, sondern eine eigenständige Plattform.

Technische Daten auf einen Blick

Gangzahl6
Bandbreite292 %
Max. Eingangsdrehmoment160 Nm
AntriebKette oder Riemen
Achsstandards135 mm Schnellspanner, 142 mm und 148 mm Steckachse
Lochzahl32 und 36 Loch
Freilauflautlos
Schalten im Standja
E-Shift / Auto-Downshiftkompatibel
Bremsscheibenalle gängigen Größen
Servicekonzeptmodularer Getriebeausbau ohne Ausspeichen
HerkunftMade in Germany
Verfügbarkeitab Juni 2026 (OEM & Fachhandel)

Trotz der gegenüber der Nine reduzierten Gangzahl übernimmt die Six die wesentliche Engineering-Philosophie der großen Schwester: vollgekapselte Konstruktion, wartungsfreier Betrieb, hoher Wirkungsgrad und ein modulares Servicekonzept, das den Getriebeausbau ohne Ausspeichen ermöglicht. Sollte es mal ein Problem mit dem Getriebe geben, kann das ganze Innenleben unkompliziert aus dem Gehäuse genommen werden. So kann man das Getriebe statt des ganzen Laufrads zum Hersteller einschicken. Produziert wird die 3x3 wie gehabt auf der Schwäbischen Alb – Made in Germany bleibt also ein zentrales Versprechen.

Einordnung: Wer braucht sechs Gänge?

Bevor wir zum Fahreindruck kommen, lohnt ein kurzer Blick auf die Konkurrenz. Die 3x3 Six trifft im urbanen Segment auf zwei ernstzunehmende Mitbewerber: die Shimano Nexus als verbreiteten Fünfgang-Standard sowie die Enviolo-Nabe mit stufenloser Übersetzung. Letztere gewinnt bei City- und Urban-Bikes zunehmend Marktanteile.

Die Vor- und Nachteile gegenüber beiden Systemen liegen auf der Hand. Gegenüber der Nexus hat die Six eine minimal höhere Bandbreite von 292 % bei einem Gang mehr. Vor allem gegenüber der Enviolo spielt 3x3 die Karte des deutlich höheren Wirkungsgrads aus. Auch die Nexus dürfte nicht ganz so effizient laufen, wie das hochwertige Getriebe in der 3x3.

Gleichwohl ist Ehrlichkeit angebracht: Preislich bewegt sich die 3x3 Six weiterhin im Premium-Segment. Gerade in der spannenden E-Schaltungs-Version. Sie mag günstiger als die Nine sein, gegen Shimanos Großserienprodukte wird sie preislich kaum antreten können. Die Six zielt daher auf Käufer, die bewusst in Qualität, Langlebigkeit und Wartungsarmut investieren wollen – und dafür bereit sind, mehr auszugeben.

Testeindruck: Die Six in der Praxis

Unsere Testmeter absolvierten wir auf einem Campus E:vo Allround – einem individuell konfigurierbaren E-Bike mit Schwerpunkt beim Touren-Komfort, das mit starkem PX-Motor, guter Federgabel, Federsattelstütze und breiten Reifen auf angenehmes Stadtfahren und moderate Touren ohne extreme Steigungen ausgelegt ist. Das passt also durchaus gut zur 3x3 Six.

Schalten: knackig, präzise, überzeugend

Der erste Eindruck beim Aufsteigen ist absolut positiv. In unserer Testkonfiguration kam die six mit dem kabellosen E-Shift-Hebel von TRP und verblüfft durch einen Druckpunkt und eine Bedienung, die im Bereich hochwertiger Kettenschaltungshebel liegt – leichtgängig und doch klar definiert, mit spürbarem Feedback. Die Gänge rasten hörbar und unmissverständlich ein. Vom bisweilen schwammigen Schaltgefühl mancher Nabenschaltungskonkurrenten keine Spur. Auch gegenüber der mechanischen 3x3 Six Version mit Drehgriff dürfte das ein spürbares Upgrade sein.

Typisch Getriebe: Schalten funktioniert erwartungsgemäß zuverlässig, sogar bei Stillstand. Das ist im urbanen Stop-and-Go-Verkehr ein echter Alltagsgewinn. Wie bei der Nine kann man auch einen festen Startgang einrichten. Mit dieser Auto-Downshift-Funktion wechselt die Six im Stillstand immer in den zum Beispiel zweiten Gang um geschmeidiges Anfahren zu ermöglichen. Die Bedienung erfolgt über das Bosch-System. Hier werden auch die gewählten Gänge angezeigt. Was (noch) nicht geht: Automatisches Schalten. Das könnte der Bosch-Motor eigentlich. Wenn’s auch sicher nichts für jeden ist, wäre es für die 3x3 Six ein schönes Zusatzfeature.

Gangabstufung und Bandbreite: für die Stadt mehr als genug

Wer mit sechs Gängen hadert, sollte wissen: Am E-Bike reichen oft sogar fünf. Die 292 % Bandbreite der Six sind für flache bis moderat hügelige Stadtprofile absolut ausreichend. Das Testrad ist so übersetzt, dass wenn dann jenseits der 30 km/h die Gänge ausgehen. Für steilere Steigungen stehen so auch kleine Berggänge zur Verfügung; im Zusammenspiel mit dem kräftigen PX-Motor fühlt sich die Gangauswahl stimmig an.

Der lautlose Freilauf: ein unterschätztes Detail

Ein Merkmal, das im Datenblatt zunächst wie eine Randnotiz wirkt, entpuppt sich im Fahrbetrieb als echter Mehrwert: der lautlose Freilauf. Im Gegensatz zu den charakteristisch ratternden Freiläufen vieler Mitbewerber gleitet man mit der Six durch die Stadt ohne mechanisches Hintergrundgeräusch – ein Fahrgefühl, das überraschend viel zur subjektiven Ruhe des Fahrerlebnisses beiträgt. Besonders in Kombination mit der leisen Motorunterstützung entsteht ein entspannter, fast meditativer Vorwärtsdrang.

Kleiner Wermutstropfen: In einzelnen Gängen war ein leises mechanisches Geräusch aus der Nabe wahrnehmbar. Nicht wirklich störend und auch bei Konkurrenzprodukten üblich. Die von vielen geliebte Rohloff mahlt zum Beispiel deutlich lauter in den unteren Gängen. Bei einem Produkt dieser Preisklasse ist das dennoch einen Hinweis wert.

Wirkungsgrad und Wartungsfreiheit: die großen Versprechen

Der hohe Wirkungsgrad der 3x3-Naben ist ein zentrales Verkaufsargument – und im direkten Vergleich mit der Enviolo tatsächlich spürbar. Die Kraftübertragung fühlt sich direkter an, der Antrieb wirkt effizienter. Absolute Messwerte lagen uns für diesen Test nicht vor, der subjektive Fahreindruck deckt sich jedoch mit den Herstelleraussagen. Auch theoretisch: Den Unterschied von rund 80 Prozent Wirkungsgrad (Enviolo) zu über 90 Prozent (3x3) könnte man gerade mit niedriger Unterstützung durchaus spüren.

Das Servicekonzept überzeugt auf dem Papier: Das vollständige Getriebe lässt sich ohne Ausspeichen als Einheit entnehmen und tauschen. Laut Hersteller soll der Vorgang nur wenige Minuten dauern. Ausprobiert haben wir’s nicht. Aber der Vorteil gegenüber konventionellen Nabenschaltungen wäre trotzdem real. Übrigens: Bei kleineren Technik-Problemen kann man die 3x3 einfach mit einem Laptop mit frei zugänglicher, browserbasierter Diagnose-Software verbinden und so auch selbst das Getriebe neu kalibrieren oder die Firmware überprüfen. Braucht man als Endkunde vermutlich nie, aber schön zu sehen, dass das auch ohne Händler-Zugang und Service-Stecker möglich wäre.

3x3 Six im Testüberblick:

Stärken:

  • Effizienz
  • Bedienung gerade als E-Schaltung mit TRP-Hebel
  • Einbindung ins Bosch-System
  • Wartungskonzept

Schwächen:

  • Nach wie vor gehobener Preis
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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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