Fox und RockShox verfolgen das gleiche Ziel: mehr Komfort, mehr Grip und eine bessere Federwegsausnutzung. Der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch grundlegend. RockShox entwickelt die ZEB fast komplett neu und setzt auf maximale Linearität. Fox verfeinert das bestehende Konzept, senkt die Reibung und trifft den Sweet Spot aus Sensibilität, Reserven und Präzision. Auch im Labor sammelt die Fox 38 wichtige Pluspunkte. Wer das rundere Gesamtpaket sucht, greift zur Fox. Die neue ZEB bleibt dennoch eine der besten Enduro-Gabeln auf dem Markt. - Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
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Wenn Fox und RockShox gleichzeitig neue Enduro-Gabeln präsentieren, steckt mehr dahinter als ein gewöhnliches Modellupdate. Seit Jahren kämpfen Fox 38 und RockShox ZEB um die Spitzenposition im Enduro-Segment. Für die aktuelle Generation überarbeiten beide Hersteller ihre Topmodelle grundlegend – allerdings mit völlig unterschiedlichen Ansätzen.
Das gemeinsame Ziel: weniger Reibung, mehr Komfort und eine Federung, die den Federweg besser ausnutzt. Genau hier litten viele High-End-Gabeln bislang unter einer sehr straffen Grundabstimmung, die vor allem Hobbyfahrer selten vollständig ausschöpften und dadurch Komfort vermissten.
Vom Vorgänger der ZEB überlebt genau ein Bauteil – die Steckachse. Alles andere ist neu: neues Casting, neue Gabelbrücke, zusätzliche Verstrebungen um die Buchsensitze, dezentere Decals und eine Gabelkrone, an der nun auch die Entlüftungsventile sitzen.
Das Herzstück der Neuauflage verbirgt sich jedoch im Inneren: die LinearXL-Luftfedereinheit im Kartuschendesign. Wie der Name schon sagt, soll sie eine lineare Federkennlinie erzeugen. Das heißt: Die Kraft zum Komprimieren der Feder steigt über den gesamten Federweg gleichmäßig an. Davon erhofft sich RockShox ein konstantes und vorhersehbares Fahrgefühl, ähnlich einer Stahlfeder. Das hat allerdings einen Haken:
Ohne straffe Endprogression wird der maximale Federweg leichter freigegeben, und die Gabel neigt eher zum Durchschlagen. Dagegen hilft der sogenannte „ABO“ – ein Anschlagspuffer, der sich von außen per Inbus justieren lässt. Je nach Einstellung fängt er Durchschläge auf den letzten 10 bis 17 Millimetern des Hubs ab.
Um die ZEB noch leichtgängiger zu machen, hält eine weitere spannende Technologie Einzug. Bei jedem Einfedern nimmt eine Matrix aus kleinen Vertiefungen auf den Standrohren Öl auf und transportiert es beim Ausfedern über die Gleitbuchsen, wo es wieder abgegeben wird. Die konstante Schmierung soll nicht nur dabei helfen, die Reibung zu reduzieren, sondern auch auf die Langlebigkeit einzahlen und längere Serviceintervalle ermöglichen.
Durch die geringeren Reibungsverluste fällt der Tune der neuen Charger-3.2-Dämpfungseinheit straffer aus als beim Vorgängermodell. Das kompensiert die fehlende natürliche Dämpfung durch Reibung und verhindert, dass die Gabel unkontrolliert durch den Federweg rauscht.
Bei der 38 fallen die äußerlichen Änderungen dezent aus. Wie die Fox 40 und die 36 erhält nun auch die Fox 38 eine durchbrochene Gabelbrücke. Außerdem haben die Kalifornier die Entlüftungsventile auf der Rückseite der Gabel überarbeitet.
Im Inneren wurde jedoch deutlich mehr Hand angelegt. Fox verabschiedet sich von der bisherigen Rohr-in-Rohr-Konstruktion der Luftfeder und setzt stattdessen auf die sogenannte GlideCore-Luftfeder, die wir bereits von der Podium und der 36 kennen. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Die Luftfeder ist im Gabelinneren schwimmend gelagert. Dadurch sind Standrohr und Luftschaft entkoppelt, was dem Kolben erlaubt, sich bei Verwindungen freier zu bewegen. Das Ergebnis: weniger Reibung.
Das größere Luftvolumen soll zudem eine linearere Kennlinie erzeugen – allerdings nicht ganz so extrem wie bei RockShox. Dennoch soll die neue 38 den Federweg effektiver nutzen. Doch damit nicht genug: Durch den optimierten Ölfluss in der GripX2-Dämpfungseinheit rückt der Verstellbereich von straff etwas weiter in Richtung fluffig. Der Hintergedanke: mehr Komfort.
Fox 38
Eine „weiche“ Gabel ist nicht per se schlecht. Zwar sorgt eine hohe Verdrehsteifigkeit für ein präziseres Lenkverhalten, gleichzeitig kann sie aber die Traktion verschlechtern, weil das Vorderrad leichter verspringt. Anders sieht es bei der Bremssteifigkeit aus: Je höher sie ausfällt, desto weniger biegt sich die Gabel beim Bremsen nach hinten. Das reduziert Verspannungen im System und ermöglicht ein sensibleres Ansprechverhalten unter Last.
Unsere Laborergebnisse sprechen daher eher für die Fox 38: Sie kombiniert eine hohe Bremssteifigkeit mit einer vergleichsweise moderaten Verdrehsteifigkeit. Beim Gewicht hat auch Fox die Nase vorn. Ebenfalls interessant: Die Steifigkeitswerte der aktuellen Fox 38 unterscheiden sich nur leicht vom Vorgängermodell. Größer sind die Unterschiede bei der neuen ZEB – sie ist knapp 13 Prozent bremssteifer und weist gleichzeitig rund 15 Prozent weniger Verdrehsteifigkeit auf.
Der Trend zeigt klar in Richtung Komfort. Jahrelang lieferten sich die Hersteller ein Wettrüsten um maximale Unterstützung. Das Ergebnis waren Fahrwerke, die viele Hobbyfahrer kaum vollständig ausnutzen konnten. Fox und RockShox schlagen jetzt einen anderen Weg ein – und das dürfte den meisten Mountainbikern zugutekommen. Statt knallharter Race-Abstimmungen rücken Grip, Kontrolle und vor allem Komfort wieder stärker in den Mittelpunkt.

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