Bright F929 XCO - neue MTB-Upside-Down-Gabel

BIKE Redaktion

 · 25.08.2022

Bright F929 XCO - neue MTB-Upside-Down-GabelFoto: Max Fuchs

Der italienische Custom-Hersteller Bright Racing Shocks geht bei seiner edlen Upside-Down-Gabel F929 XCO keinerlei Kompromisse ein – weder beim Material noch beim Produktdesign. Ob die Race-Forke für Mountainbikes bauarttypische Schwächen wie eine geringe Verdrehsteifigkeit umgehen kann, zeigen wir im ersten Test.

Wuchtige Carbon-Standrohre, gepaart mit akribischer Fräs­kunst und schwarzem Eloxal. Bereits im Stand versprüht die Bright Racing Shocks F929 XCO eine anziehende Dynamik. In großen Buchstaben prangt der Name des Herstellers auf dem Carbon der neuen italienischen Upside-Down-Federgabel für Mountainbikes.

Doch nur den wenigsten wird die Firma ein Begriff sein. Dabei hat Pablo Fiorilli, die förmlich besessen treibende Kraft hinter Bright, bereits in den frühen 90er-Jahren Federgabeln konstruiert und verkauft. Bis im Jahre 1999, als die Nachfrage einbrach, waren die Federgabeln von Fimoco (dem damaligen Namen) auch außerhalb Italiens ein Begriff. Selbst einen Weltmeistertitel im Downhill konnte Fimoco in den Anfangsjahren erzielen.

Nicht nur die Dichtungen, sondern auch die Gleitbuchsen lassen sich ohne Spezialwerkzeug tauschen. Das erleichtert die Wartung ungemein.
Foto: Georg Grieshaber

Nach seinen zwischenzeitlichen Engagements in der Forschung und in der Luft- und Raumfahrtindustrie zog es Fiorilli 2015 zurück in die Bike-Industrie. Er entschied sich, mit Bright Racing Shocks neu durchzustarten, ohne Kompromisse in Sachen Produkt­design und Materialaufwand einzugehen.

Upside Down-Gabeln bis 150 Millimeter

Die Cross-Country-Gabel F929 XCO mit 110 Millimetern Federweg ist dabei nur ein Resultat, das aus seiner Leidenschaft fürs Mountainbike entstanden ist. Noch zwei weitere Upside-Down-Federgabeln bis 150 Millimeter Federweg umfasst die Produktpalette.

Das Besondere: Keine der Gabeln beruht auf konventionellen Lösungsansätzen. Jede einzelne vertraut auf Details jenseits der Norm. Im Fokus steht das technisch Machbare, nicht die kostengünstigste Alternative.

Um die hohe Produktqualität zu überwachen, werden alle Teile in der Firma gefertigt. Selbst die Carbon-Standrohre entstehen im eigenen Haus. Mit einem Preis von 1600 Euro lichtet sich allerdings der Kreis der Adressaten, der die Gabeln aus Italien am liebsten im Renneinsatz ausführt.

Bright F929 XCO: So fährt sich die schicke Italienerin

Die Bright F929 XCO ist keine Federgabel, die bereits beim „Shop-Test“ überzeugt. Wer die eingebaute Gabel im Stand drückt, wundert sich über die gefühlt hohe Reibung, mit der sie eintaucht.

Auf dem Trail offen­bart die Upside-Down-Gabel dann aber ein anderes Gesicht: Zwar steht sie hoch im Federweg und bietet eine ordentliche Progression gegen Durchschläge. Doch sie bügelt, einmal in Bewegung, fiese Wurzel­passagen und alles, was auf sie einprasselt, souverän weg. Lediglich einzelne schnelle Schläge werden weniger gut geschluckt und geben viel Feedback an die Hände des Fahrers weiter.

Für weniger Highspeed-Druckstufe gibt es aber auch die passende Dämpfungs­kartusche im Programm. Von mangelnder Steifigkeit, was häufig ein Manko bei Upside-Down-Gabeln ist, war im Fahr­betrieb übrigens nichts zu spüren. Die gemessene Verdrehsteifigkeit lag über der anderer Upside-Down-Gabeln, aber noch unter dem Wert klassischer Teleskopgabeln. Die Bremssteifigkeit ist höher.

Die Bright-Gabel im Vergleich

Im Vergleich zu anderen Upside-Down-Gabeln (Rockshox RS1 und Intend Edge) konnten wir eine höhere Verdrehsteifigkeit messen. Mit Blick auf konventionelle Gabeln ist der Wert geringer, die Bremssteifigkeit dafür höher.Foto: BIKE-Testabteilung
Im Vergleich zu anderen Upside-Down-Gabeln (Rockshox RS1 und Intend Edge) konnten wir eine höhere Verdrehsteifigkeit messen. Mit Blick auf konventionelle Gabeln ist der Wert geringer, die Bremssteifigkeit dafür höher.

Interview mit Pablo Fiorilli, Gründer und Entwickler Bright Racing Shocks

BIKE: Bei der Konstruktion und Funktion Deiner Gabeln gehst Du komplett eigene Wege. Was können Deine Produkte besser als die der Marktriesen?

Pablo Fiorilli: Mainstream-Produkte werden designt, um jedem zu gefallen und unterliegen immer einem Kosten­druck, der zu Kompromissen führt. Wir hingegen leben High Performance bis ins kleinste Detail und liefern ein Rennfahrwerk.

An welchen Fahrertyp richten sich Eure Gabeln?

An alle, die lang anhaltende Performance bei einer Gabel suchen mit der Option, diese auch updaten und tunen zu können. Unsere Produkte unterliegen keinem – oft viel zu kurzen – Produktzyklus, der auf Marketing beruht, sondern basieren auf Technologie und Materialeinsatz. Außerdem ist uns die Beziehung zum Kunden extrem wichtig, um auf spezielle Bedürfnisse eingehen zu können.

Warum setzt Du bei allen Gabeln auf ein Carbon-Chassis und empfiehlst nur einen minimalen SAG beim Fahren?

Der Einsatz von Carbon dient zu viel mehr als nur zur Gewichts­reduktion. Erst durch das spezifische Verhalten von Carbon waren wir in der Lage, die für eine Upside-Down-Gabel geringe Verdrehsteifigkeit in den Griff zu bekommen. Sobald unsere Gabeln unter Last komprimiert werden, erreichen sie eine sehr hohe Verdreh- und Bremssteifigkeit, was sie von anderen USD-Gabeln unterscheidet. Da die ungefederte Masse an unseren Gabeln sehr gering ist, kann das Vorderrad schnell beschleunigt werden und reagiert schneller auf die Untergrundbeschaffenheit – auch ohne einen hohen statischen SAG. Außerdem arbeiten unsere hydraulischen Dichtungen sehr sensibel. Durch den geringeren SAG bleibt die Geometrie besser erhalten.

In den 90er-Jahren hast Du unter dem Label Fimoco schon einmal Federgabeln konstruiert und verkauft. Was hat Dich nach Deiner langen Auszeit von der Bike-Industrie dazu bewegt, doch wieder Gabeln zu bauen?

Ein Satz aus der Biografie von Steve Jobs: „Steve wollte keine Produkte für jeden machen, sondern für sich und seine Freunde.“ Diese Worte ermutigten mich, meine Karrie­re in der Luft-und Raumfahrtindustrie an den Nagel zu hängen. Mein Hang zur Perfektion in Sachen Produktdesign gemischt mit einer starken Leidenschaft fürs Mountainbiken haben schließlich auch dazu beigetragen.

Pablo Fiorilli, Gründer und Entwickler Bright Racing ShocksFoto: Georg Grieshaber
Pablo Fiorilli, Gründer und Entwickler Bright Racing Shocks

Mehr zu Mountainbike-Fahrwerksteilen lesen Sie unter “Komponenten – Gabeln & Dämpfer” >>

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