Sea Otter E-Bike MotorenAvinox-Hype vor dem Ende?

Adrian Kaether

 · 23.09.2026

Sea Otter E-Bike Motoren: Avinox-Hype vor dem Ende?Foto: Adrian Kaether
Ducati, Berria, Massi, Kross, Lee Cougan, Rali: Selbst sehr kleine Marken mit regionalem Fokus zeigten auf dem Sea Otter Europe eigene Bikes mit Avinox. Der chinesische Super-Motor nähert sich damit stark der Marktdurchdringung und ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr.
Kein Thema hat die E-MTB Neuheiten so sehr bestimmt wie der Hype um DJI/Avinox: Aber auf dem Sea Otter Europe bäumt sich der Trend zum letzten Mal auf. Was dahinter steckt und wie es jetzt weiter geht: Hier kommt die Antwort.

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Ein E-Mountainbike mit Avinox-Motor anzubieten, ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Spätestens mit dem Sea Otter Europe Ende September hat jede noch so kleine Bike-Schmiede ein Avinox-Rad im Programm. Mountainbiker profitieren: Denn wenn die Frage nicht mehr Avinox oder nicht lautet, kommt es wieder mehr auf die Räder selbst an. Die Verschnaufpause könnte jedoch kurz sein. Mit Gobaos und Avinox’ eCVT Konzepten steht schon das nächste Hype-Thema rund um den E-Bike-Motor in den Startlöchern. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Bikes mit DJI/Avinox waren lange das Highlight jedes Showrooms, jeder Messe und jeder Bike Expo. DJI hat auf der Eurobike 2024 überraschend den M1 Motor vorgestellt und damit auch unser Verständnis davon was ein E-Bike-Motor leisten kann revolutioniert hat. Seitdem bemüht sich fast jeder Hersteller auch ein E-Mountainbike mit diesem Antrieb anzubieten.

Hypes gibt’s immer wieder - warum Avinox trotzdem heraussticht

Dieser Mechanismus ist ganz normal. Auf der Eurobike davor waren Pinion MGU und der neue Bosch CX das Highlight. Davor vielleicht der TQ HPR 50 Motor, Bosch SX und Fazua Ride 60, davor der damals neue Shimano EP8 und Boschs CX 4. Und weil die Antriebstechnik naturgemäß beim E-MTB eine große Rolle spielt, sorgen Bikes mit diesen Motoren auch für eine erhöhte Aufmerksamkeit. Der Hype rund um Avinox sticht trotzdem heraus. So aggressiv, so lange und so konkurrenzlos hat noch kein einzelnes Bauteil über mehrere Jahre die Mountainbike-Neuheiten bestimmt.

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Aber alles ist endlich. Das Sea Otter Europe spätestens markiert den Wendepunkt, an dem das Thema Avinox an Tempo und Schlagkraft verliert. Nur wenige Hersteller hatten Anfangs überhaupt ein Avinox E-MTB im Programm, weswegen DJI sich entschied mit der eigenen Bikemarke Amflow in den Markt einzusteigen. Ein kluger Schachzug, der auch mit Bike-Gewichten unter 20 Kilo für Schlagzeilen sorgte.

Längst ist aber der Zeitpunkt erreicht, wo ein Avinox Motor längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr ist. Konnte man die Avinox-Bikes in den ersten Monaten noch an zwei Händen abzählen, bieten mittlerweile fast alle Hersteller ein entsprechendes Bike an. Das wurde auf dem Sea Otter Europe Ende September im spanischen Girona überdeutlich, wo selbst kleine XC- und Rennradmarken mit eher regionaler Bedeutung wie Massi, Berria oder Rali eigene Avinox-Bikes als Blickfang in den Eingangsbereich ihrer Expo-Fläche stellten - oder eben ein Bike mit 32 Zoll.

Warum wir wieder mehr über die Bikes selbst reden sollten

Für Mountainbiker und Bike-Hersteller gleichermaßen könnte das ein Befreiungsschlag sein. Avinox wird mit seinen Qualitäten natürlich weiter sehr relevant bleiben. Aber die Hoffnung wäre: In Zukunft reden wir wieder weniger über Wattzahlen und maximales Drehmoment, sondern wieder mehr darüber, was gerade für den Fahrspaß auf dem Trail wirklich zählt. Nämlich die Bikes selbst.

Was nützt einem der beste Motor, wenn sich das Rad dann fährt wie ein Sattelschlepper auf Abwegen und das Fahrwerk hölzern und störrisch ist? Gerade bergab entscheiden Geometrie und Konstruktion im Detail darüber, ob einem das Bike Spaß macht, oder eher im Weg steht. Steile Trail Uphills, wo der Motor seine Qualitäten am stärksten ausspielen kann, stehen auf Touren zwar auch manchmal im Lastenheft, machen aber sicher nur einen kleinen Teil der Ausfahrt aus. Genau diese Themen jenseits von Komponenten und Ausstattungslisten stellen wir deshalb auch in unseren BIKE-Tests in den Fokus.

Droht gleich der nächste Motoren-Hype? eCVTs im Anmarsch

Allerdings: Es könnte auch anders kommen. Schon auf der Eurobike 2026 hat Gobao mit X1 und X1P einen neuartigen eCVT Getriebemotor vorgestellt. Er macht à la Pinion MGU das Schaltwerk überflüssig und soll mit 1500 Watt auch sehr leistungsstark sein. Damit brachte Gobao sogar Avinox unter Zugzwang, die prompt ihren eigenen eCVT Motor als Konzept auf der Messe zeigten. Der nächste Motoren-Hype steht damit also schon ins Haus.

Die ersten Räder mit Gobao-Motor werden vermutlich spätestens Anfang 2027 gezeigt. Konzepte mit Avinox’ eCVT Motor waren schon von namhaften Marken wie Canyon, Forbidden, Mondraker und Co. zu sehen. Gut möglich, dass dann das Rennen um den neuesten Motor im Rad von Neuem beginnt.

Bikes mit eCVT brauchen kein Schaltwerk mehr und können auch auf Riemenantriebe setzen. Hier das Avinox eCVT Konzept von Mondraker auf der Eurobike.Foto: Adrian KaetherBikes mit eCVT brauchen kein Schaltwerk mehr und können auch auf Riemenantriebe setzen. Hier das Avinox eCVT Konzept von Mondraker auf der Eurobike.

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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