Dem Avinox-Thema kann sich niemand verschließen. Selbst viele kleine spanische Marken, die bislang konsequent auf XC gesetzt hatten, zeigten auf dem Sea Otter eigene E-MTBs mit Avinox. Auch die Beteiligung von Honda oder Ducati bringt frischen Wind in den jetzt schon umkämpften E-MTB Markt. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik
Ducati im E-MTB Business ist eigentlich keine echte Neuigkeit. Die italienische Edel-Marke hat schon mehrfach E-MTBs mit entsprechendem Branding gezeigt. Im Unterschied zu früher sind die neuen Bikes 160 R und 170 RR aber nicht nur umgebrandete Bikes anderer Marken, sondern eine komplette Eigenentwicklung. Die italienische E-MTB Marke Thok ist als Partner also nicht mehr im Boot, sondern die Gruppo Zechetto zu der neben Alé, DMT, die Radmarke Cipollini und auch der italienische Carbon-Spezialist Diamant gehören hat nun die Fäden in der Hand. Diamant stellt Carbon-Teile für Ducati Motorrad her, daher kommt wohl der Kontakt.
Anders als die Rennräder und Gravelbikes von Ducati werden die E-MTBs nicht ausschließlich in Italien gefertigt. Das All Mountain DM-160 R und das Enduro DM-170 RR teilen sich die selbe Rahmenplattform, die über diverse Flipchips umfangreich anpassbar ist. Das DM-160 R als 29er mit etwas weniger Federweg und niedrigerem Preis soll verspielt und handlich bleiben. Das DM-170 RR mit Öhlins Fahrwerk und Mullet Laufradmix bietet mehr Reserven für High-Speed bergab. Die Geometrie ist bei beiden Bikes eher konventionell als Extrem. Im Unterrohr steckt der Avinox M2S Motor samt 800 Wattstunden im fest verbauten Akku.
In den letzten Jahren hat Honda mit diversen Konzept-Bikes immer mal wieder Interesse an E-Mountainbikes gezeigt. Zuletzt konnte man ein Honda E-MTB mit Brose-Motor und mobiler Power-Station 2023 auf mehreren Messen bestaunen. Das neue Bike fährt dagegen einen anderen Ansatz. Geblieben sind der enorm voluminöse Y-Rahmen mit fetter Einarmschwinge als Moto-Referenz. Im Unterrohr steckte auf dem Sea Otter Girona aber ein Shimano EP8 Motor. Damit wäre das Bike schon vor Marktstart etwas veraltet.
Schade: Obwohl das Bike seine Inspiration offenbar aus dem legendären Prototypen-Downhiller RN01 zieht sind viele Ansätze, die das Bike damals so besonders gemacht haben wohl nicht übernommen worden. Weder ein integriertes Getriebe, noch Upside-Down-Gabel oder Stahlfeder sind am neuen Bike zu finden. Ob und wann das Bike zu kaufen sein wird, ist aktuell noch unklar.
Die kleine Carbon-Schmiede Eiros aus der Nähe von Barcelona hat kurz vor dem Sea Otter Festival ein neues E-MTB mit Mahle M40 vorgestellt. Das Empor-E soll mit nur 18,5 Kilo trotz Full-Power-Motor, 800-Wh-Akku und Enduro-Ausstattung das leichteste E-MTB seiner Klasse sein. Möglich machen soll das Eiros’ Carbon-Know-how aus dem Supersportwagenbau. Das Bike ist auf 100 Stück limitiert, extrem exklusiv mit Öhlins Fahrwerk und Brembo Bremsen ausgestattet und soll rund 19.000 Euro kosten.
Lee Cougan kennt man bislang vor allem von sportlichen Bikes ohne Motor aus dem Cross Country oder Gravel-Segment. Die Schwestermarke von Basso (Rennrad, Gravel) hat auf dem Sea Otter das Flö ausgestellt. Das Bike mit Avinox M2S verfügt über 160 Millimeter Federweg. Der flächig designte Rahmen setzt auf einen Viergelenk-Hinterbau mit Drehpunkt auf der Hinterachse und stehendem Dämpfer sowie klassischer Zugführung. Zwei Austattungsvarianten soll es geben, die auch schon auf der Website zu finden sind. Mit mechanischer Transmission und Select Fahrwerk startet das Rad bei 6899 Euro. Das Topmodell mit GX und Rockshox Ultimate kostet 8699 Euro.
Das auch Forestal ein Bike mit Avinox im Plan stehen hat, ist kein Geheimnis. Bisher waren vom Bike aber nur Renderings und Studien zu sehen. Auf dem Sea Otter Europe zeigt die Bikemarke aus Andorra nun das fertige Rad und gleich auch noch ein Konzept für eine limitierte Sonderedition mit EXT Fahrwerk. Technisch orientiert sich Forestla stark am Siryon Enduro, das unseren letzten Enduro High-End Vergleichstest gewinnen konnte. Gemessen an den bisherigen Bikes der Marke ist das e-Siryon verhältnismäßig bezahlbar. Das Topmodell Diode kostet mit Fox Fahctory Fahrwerk und X0 Transmission 9750 Euro.
Auch MMR hat sich eigentlich mit schnellen Cross Country Mountainbikes einen Namen gemacht. Nach mehreren Bosch E-MTBs nehmen die Spanier aber nun ein Avinox-Bike in ihr Line-Up auf. Das Lyth wirkt schlank im Design uns oll in der Top-Variante mit Öhlins 38er Gabel und Stahlfederdämpfer trotzdem unter 22 Kilo wiegen. Der ins Oberrohr semiintegrierte Dämpfer ist ein schöner Hingucker, die Geometrie mit 64er Lenkwinkel bei 475 Millimetern Reach, 445er Kettenstreben und 419er Sitzrohr wirkt modern. Gibt’s in vier Varianten von 7199 bis 10999 Euro.
Die Liste der Avinox-Bikes vom Sea Otter ließe sich noch weiter fortführen. Die spanischen XC- und Rennrad-Schmieden Berria und Massi zeigen beide neue Avinox-Bikes auf dem Event. Für Massi ist das ein deutlicher Schritt vorwärts hin zu einem moderneren und schlankeren E-MTB. Berria ergänzt das Nexxen mit fest verbautem Avinox-Akku um eine neue Variante mit entnehmbarer Batterie, die wohl auch ein günstigeres Markt-Segment abdecken soll. Entdecken konnten wir außerdem ein Avinox E-MTB der südamerikanischen Marke Rali. Das Bike wirkt als klassischer Viergelenker grundsätzlich funktional aber wenig aufregend. Auch Kross aus Polen hat mittlerweile eigene Avinox-Bikes in diversen Varianten im Programm. Das Enduro Moon Boost mit 170/160 Millimetern Hub soll der Star der Palette sein.

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