Bremsen

Trickstuff Piccola HD: 2-facher Bremsen-Testsieger

Robert Kühnen

, Stefan Loibl

 · 12.07.2021

Trickstuff Piccola HD: 2-facher Bremsen-TestsiegerFoto: Georg Grieshaber

Leicht und standhaft. Haltbar, aber teuer. Die Trickstuff Piccola HD Carbon legt die Messlatte für MTB-Scheibenbremsen extrem hoch. Und holt verdient den Testsieg in BIKE und FREERIDE.

Biken auf technischen Trails oder lange Alpen-Abfahrten: Ohne Scheibenbremsen heutzutage undenkbar. Deshalb bringen wir von BIKE seit vielen Jahren Scheibenbremsen an ihre Grenzen – mit harten Praxistests und aufwändigen Prüfstandsorgien. Wirklich überzeugen können dabei nur die besten MTB-Bremsen. Wie die Trickstuff Piccola HD, die sich im Vergleichstest in BIKE 5/21 und FREERIDE 2/21 überzeugend den Testsieg sicherte.

Hier gibt's den Testbericht zur Testsieger-Bremse von Trickstuff als Video.

Trickstuff in Freiburg tüftelt seit Jahren an der perfekten Scheibenbremse. Mit der Piccola ist den Breisgauern ein großer Wurf gelungen. Die Zweikolben-Version zählt zu den leichtesten Disc-Brakes auf dem Markt. Die Piccola HD setzt dagegen auf vier Edelstahlkolben und einen zweiteiligen Sattel aus CNC-gefrästem Aluminium. Die Verarbeitung ist erste Sahne. Dazu kommt ein schicker Carbon-Hebel am Geber, organisches Hydraulik-Bremsöl und zwei Eigenentwicklungen: Die organischen Power Plus-Beläge und die Dächle-Bremsscheiben aus Edelstahl. Kurzum: ein perfekt aufeinander abgestimmtes System, das bis ins kleinste Detail optimiert wurde. Das hat seinen Preis: 488 Euro kostet eine Bremse inklusive Scheibe. Aufgrund der hohen Nachfrage muss man aktuell mit rund einem Jahr Wartezeit rechnen!

  Holte nicht nur in BIKE 5/21 den Testsieg, sondern staubte auch bei FREERIDE mit Höchstpunktzahl die Krone der Gravity-Bremsen ab: die Trickstuff Piccola HD.Foto: Georg Grieshaber
Holte nicht nur in BIKE 5/21 den Testsieg, sondern staubte auch bei FREERIDE mit Höchstpunktzahl die Krone der Gravity-Bremsen ab: die Trickstuff Piccola HD.

Überzeugend im BIKE-Testlabor: Gerade einmal 345 Gramm wiegt die Piccola HD Carbon mit 180-Millimeter-Scheibe. Damit ist sie deutlich leichter als die Vier-Kolben-Konkurrenz von Magura, Shimano oder Sram. Trotz des niedrigen Gewichts erlaubt sich die Trickstuff-Bremse auf dem Prüfstand keine Schwächen: Sowohl im Trockenen als auch bei nassen Bedingungen liefert sie Top-Werte. Auch beim finalen Fading-Test lässt die Piccola HD nichts anbrennen und demonstriert ihre Standfestigkeit.

  Die Grafik zeigt die Bremskräfte auf dem BIKE-Prüfstand nach dem Einbremsen bei einer Handkraft von 80 Newton – jeweils trocken (rot) und nass (blau). Die maximale Bremsleistung kann deutlich höher sein, wenn der Griff ausreichend Weg besitzt.Foto: BIKE Magazin
Die Grafik zeigt die Bremskräfte auf dem BIKE-Prüfstand nach dem Einbremsen bei einer Handkraft von 80 Newton – jeweils trocken (rot) und nass (blau). Die maximale Bremsleistung kann deutlich höher sein, wenn der Griff ausreichend Weg besitzt.
  Im BIKE-Labor werden die Bremsen schrittweise an ihre Grenzen gebracht. Das Prüfprozedere umfasst 200 Bremsungen, vom Einbremsen, über die Ermittlung von Nass- und Trockenbremswerten bis zum abschließenden, dreistufigen Fading-Test.Foto: Robert Kühnen
Im BIKE-Labor werden die Bremsen schrittweise an ihre Grenzen gebracht. Das Prüfprozedere umfasst 200 Bremsungen, vom Einbremsen, über die Ermittlung von Nass- und Trockenbremswerten bis zum abschließenden, dreistufigen Fading-Test.

Doch hohe Bremskräfte und maximale Standfestigkeit sind nur das eine. Bei unserem Praxistest auf einer definierten Abfahrt müssen die Scheibenbremsen zeigen, ob sie auch schwere Fahrer in steilem Gefälle sicher zum Stehen bringen. Auch dort leistet sich die Piccola HD keine Schwächen. Der Carbon-Hebel ist ein Handschmeichler, über den sich die satte Leistung gut modulieren lässt. Auch das Finale unseres Extremtests, das für viele Bremsen bereits zu viel ist, schafft die Trickstuff: Erst lassen wir die Vorderbremse schleifen, dann folgen kräftige Intervallbremsungen und schließlich eine Vollbremsung aus 60–65 km/h. Selbst mit einem 100-Kilo-Fahrer verzögerte die Piccola HD souverän.

  230 Tiefenmeter mit durchschnittlich 13,8 Prozent Gefälle, in der Spitze bis zu 25 Prozent steil, dienen dazu, Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit zu testen. Auch wenn das Szenario keineswegs hart anmutet, war es für einige Bremsen bereits zu viel!Foto: Robert Kühnen
230 Tiefenmeter mit durchschnittlich 13,8 Prozent Gefälle, in der Spitze bis zu 25 Prozent steil, dienen dazu, Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit zu testen. Auch wenn das Szenario keineswegs hart anmutet, war es für einige Bremsen bereits zu viel!

Test-Fazit zur Trickstuff Piccola HD Carbon

Leicht und standhaft. Haltbar, aber teuer. Die Trickstuff Piccola HD Carbon legt die Messlatte für Vierkolben-Bremsen extrem hoch. Und holt verdient den Testsieg in BIKE 5/21 und FREERIDE 2/21.

Trickstuff Piccola HD

  • Preis¹ 488 Euro
  • Details Vierkolben-Bremse mit zweiteiligem Sattel, metallische Beläge, Öl, Scheibendicke 2,05 mm
  • Hebelweite 40–77 mm, mit Werkzeug
  • Größe / Gewicht¹ 180 mm / 345 g
  Die BIKE-Bewertung zur Trickstuff Piccola HD im Scheibenbremsen-Test.Foto: BIKE Magazin
Die BIKE-Bewertung zur Trickstuff Piccola HD im Scheibenbremsen-Test.
  Die Hysterese-Kurve zur Trickstuff Piccola HD. Die rote Hysterese-Schleife zeigt eine Trockenbremsung, die blaue eine bei Nässe. Sie entsteht entgegen dem Uhrzeigersinn. Zudem ist die Trickstuff-Bremse eine von zwei im Test, die wir uneingeschränkt für 100-kg-Fahrer empfehlen können.Foto: BIKE Magazin
Die Hysterese-Kurve zur Trickstuff Piccola HD. Die rote Hysterese-Schleife zeigt eine Trockenbremsung, die blaue eine bei Nässe. Sie entsteht entgegen dem Uhrzeigersinn. Zudem ist die Trickstuff-Bremse eine von zwei im Test, die wir uneingeschränkt für 100-kg-Fahrer empfehlen können.

BIKE-Urteil³ 27 Punkte (super)

„25 Jahre Scheibenbremsen am Bike, da dürfte es eigentlich keine Probleme mehr geben – sollte man meinen. Doch so ist es nicht: Ist die Strecke steil und der Fahrer schwer, geraten die Bremsen ruckzuck an ihre Grenzen. Wo eben noch ein Finger zum Verzögern reichte, bremst es plötzlich kaum mehr, weil der Belag fadet oder sich auflöst, die Scheibe Wellen schlägt oder erweicht. Eine einzige, harte Vollbremsung kann das System zum Kollabieren bringen.“ (Dipl.-Ing. Robert Kühnen)
  Have a Brake: 10 MTB-Scheibenbremsen im HärtetestFoto: Georg Grieshaber
Have a Brake: 10 MTB-Scheibenbremsen im Härtetest

Zehn Bremsen zwischen 110 und 515 Euro und mit Gewichten zwischen 280 und 500 Gramm haben wir zum Test geladen. Acht davon massive Vierkolben-Konstruktionen mit Gravity-Anspruch. Den kompletten Vergleichstest der zehn Scheibenbremsen aus BIKE 5/2021 können Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Testbericht kostet 1,99 Euro.

¹Gilt für eine Bremse inkl. Scheibe
²Die Punktebewertung der Bremskraft und Standfestigkeit ergibt sich aus den Labor- und Praxisergebnissen.
³Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. Es ist keine Addition der einzelnen Wertungen. BIKE-Urteile: super (26 Punkte und mehr), sehr gut (22–25 Punkte), gut (18–21 Punkte), befriedigend (14–17 Punkte), mit Schwächen (10–13 Punkte), ungenügend (unter zehn Punkte).

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