Adrian Kaether
· 04.01.2026
Preis-Leistung kann Cube schon länger. Der Fahrradriese bietet in unseren Tests zuverlässig eine Ausstattung, die selbst Versandhändler wie Canyon und Rose neidisch macht. Auch das neue Kathmandu ist da keine Ausnahme. Obwohl Cube das Preislimit unseres Vergleichstests voll ausschöpft, bietet es hochwertige Komponenten, soweit das Auge reicht. Neu ist: Mit verschliffenen Schweißnähten und schönen Details am Rahmen punktet das Cube auch mit gehobener Verarbeitung, die selbst bei vielen teureren Herstellern nicht die Norm ist.
Beim Fahren fühlt man sich auf dem Kathmandu wie auf einem Thron: Immer souverän und komfortabel. Die Geometrie ist vom Mountainbike inspiriert, der Lenkwinkel etwas flacher, der Radstand länger. Dadurch ergibt sich ein stabiler Geradeauslauf. Nur im Stadtverkehr könnte das groß geratene Kathmandu etwas agiler sein. Ansonsten macht das Cube eine gute Figur. Die feinen Reifen rollen gut auf Asphalt, sind aber für Schottereinsätze nicht ideal.
Das neue Kathmandu von Cube ist ein echter Volltreffer. Neben der gewohnt starken Ausstattung punktet das neue E-Trekkingrad auch mit einem überraschend wertig gemachten Rahmen und intelligenten Details wie dem teilintegrierten Gepäckträger. Auch die ausgewogenen Fahreigenschaften überzeugen. Chapeau!
Richtig leicht und trotzdem voll alltagstauglich: Mit dem Speeddrive kommt Centurion dem perfekten E-Bike für Pendler und Fahrspaß extrem nahe, ohne gleich jegliches Preislimit zu sprengen. Das Konzept ist ausgewogen, die Ausstattung funktional gewählt. Mit 18 Kilo kann man das Bike auch mal eine steile Kellertreppe hinuntertragen. Nur der fest verbaute Akku kann ein gravierender Nachteil sein. Man muss das Bike also zum Laden in der Nähe der Steckdose parken können.
Auf dem Centurion Speeddrive sitzt man sportlich und mit leichter Sattelüberhöhung. Das macht das Handling spaßig und direkt. Der leichte Bosch SX spricht feinfühlig an und liefert in kurzen Sprints sogar die hohe Leistung großer Motoren. Damit kommt man auch bei längeren Fahrten frisch am Ziel an, tritt aber etwas mehr, als beim klassischen E-Bike. Der Alu-Rahmen des Speeddrive federt allerdings wenig, die 45-Millimeter-Reifen bringen immerhin Komfort auf dem Niveau traditioneller Trekkingräder. Die kräftige Bremse gefällt ebenso wie die hohe Bandbreite der Kettenschaltung. Selbst schwere Packtaschen trägt der minimalistische Träger erstaunlich klaglos. Kleine Verbesserungswünsche: Die Sattelstütze dürfte für zusätzlichen Sitzkomfort mehr flexen. Sattel und Griffe sind schick aber auf Dauer nicht komfortabel, die günstige Schaltung bietet nur neun Gänge.
Das Centurion Speeddrive begeistert. Das Rad ist sportlich, schnell, handlich, leicht und alltagstauglich – super! Wer den fest verbauten Akku in Kauf nehmen kann, bekommt einen top Allrounder ohne nennenswerte Schwächen zum fairen Preis.
Das VSF ist oldschool im besten Sinn und gerade im Moment trifft der schlanke und komfortable Stahlrahmen des Klassikers den Zeitgeist auf den Punkt. Retro statt modern, reduziert auf das Wesentliche für maximalen Fahrspaß. Eine Rechnung, die noch immer aufgeht. 1.500 Euro muss man für die Jubiläumsversion des Trekking-Klassikers in schickem Blau investieren. Eine lupenreine Premium-Ausstattung darf man dafür leider noch nicht erwarten.
Dafür spielt das VSF beim Fahren seine Trümpfe aus. Gerade der Komfort überrascht. Bodenwellen und kleine Kanten werden auch ohne Federung nie hart an den Fahrer durchgereicht. Im Vergleich dazu fahren sich viele modische Alu-Gravelbikes (hier im Test) deutlich straffer. Gravel und das T-500, ein schiefer Vergleich? Nicht unbedingt, denn trotz des klassischen Looks bietet das VSF eine sportliche Fahrposition, die zum Tempo-Machen anregt. Das ist stimmig, denn wer ganz aufrecht sitzen will, greift mittlerweile meistens ohnehin zu einem Bike mit Motorunterstützung. Und die dynamische Haltung begünstigt Vortrieb und Lenkung. Rad-Reisende können sich über einen stabilen Gepäckträger und breite Schutzbleche freuen. Kritik gibt’s nur an Details wie den billigen Schraubgriffen oder den etwas undefinierten Schalthebeln. Mit etwas breiteren Reifen wäre beim Komfort noch mehr drin.
Klassischer Look, sportlicher Charakter, trotzdem guter Komfort. Der Trekking-Klassiker von VSF ist immer noch top. Vielseitigkeit und Tourentauglichkeit sind sogar vielen Gravel-Bikes deutlich überlegen. Klarer Tipp als unkomplizierter Allrounder.
Ein Gravelbike für Einsteiger, günstig und gut? Die Antwort von Jens, Testleiter bei unserem Schwestermagazin TOUR, kommt wie aus der Pistole geschossen: “Canyon Grizl 6”. Mit 1499 Euro ist das Grizl 6 das günstigste Rad in Canyons Gravel-Palette und gehört auch insgesamt zu den günstigsten Gravelbikes am Markt. Die Ausstattung des Grizl 6 zeigt: Die Stärken sollen auch beim Einstiegsmodell im sportlichen Geländeeinsatz liegen. So verbaut Canyon ab Werk besonders griffige Stollenreifen. Wer trotzdem auch mal die Langstrecke wagt, freut sich über die 2 x 10 Schaltung mit breiter Übersetzung und feiner Gangabstufung. Größter Nachteil am Grizl 6: Mit 10,7 Kilo ist das Rad für ein Gravelbike nicht gerade leicht.
Beim Fahrtest ist das Gewicht des Grizl 6 ohnehin schnell vergessen. Hier passt einfach alles! Der Lenker steht sportlich, aber nicht zu tief. Etwas Flare sorgt für eine sehr angenehme Haltung. Im Antritt wirkt das Canyon steif, der relativ kurze Vorbau bringt ein direktes Handling. Damit macht das Canyon auch im Gelände eine gute Figur. Hier können auch die griffigen Reifen ihre Stärken ausspielen. Selbst leichte Trails machen mit dem Grizl 6 richtig Spaß, die knackige Schaltung und die guten Bremsen tun ihr Übriges.
Canyon baut auch das günstigste Gravelbike Grizl 6 als konsequentes Gelände-Rad auf. Gerade bei Ergonomie und Handling überzeugt das Rad auf ganzer Linie. Bremsen und Schaltung der günstigen GRX stellen viele teurere Trekking-Modelle in den Schatten. Damit ein toller Schotter-Sportler, nicht nur für Einsteiger.
Mit dem Tero X zeigt Specialized schon länger, dass man die kultige US-Marke längst nicht mehr nur im sportiven Bereich ernst nehmen muss. Das Tero X hat mittlerweile schon einige Testsiege abgeräumt und wer von Alltag bis Gelände auf das Rad aufsteigt, der versteht auch warum. Das Specialized ist eben kein Gelände-Extremo und kein Komfort-Bomber sondern glänzt gerade mit Balance und dem Kompromiss von eigentlich widerstreitenden Eigenschaften. Damit trifft es den Nagel auf den Kopf.
Erster Test: Pendeln und Alltag. Hier kann das Specialized mit dem angenehm sonoren Motor auf Brose-Basis und einer ausgewogenen Sitzposition zwischen Sport und Komfort punkten. Die Schutzbleche lassen etwas wenig Platz zum Reifen, sind aber tief heruntergezogen, das Fernlicht macht ordentlich hell. Dass der Gepäckträger keine Plattform hat, ist der größte Wermutstropfen. Dafür trägt die minimalistische Konstruktion auch schwere Packtaschen problemlos.
Biegt man nach Feierabend ins Gelände ab, wird man ebenfalls positiv überrascht. Der bewusst wartungsarm konzipierte Hinterbau mit nur einem Gelenk arbeitet tadellos, die hohe Front, die Mountainbike-Reifen und die Teleskop-Stütze mit viel Verstellweg vermitteln Fahrsicherheit en masse.
Einzig die in die Jahre gekommene Sram-Schaltung und die Code-Bremsen konnten uns nicht ganz überzeugen. Display und Bedienelemente sind schön gemacht. Dass der Motor nur 70 Nm bietet, war in der Praxis nur in den extremsten Situationen überhaupt zu spüren. Selbst das Modell mit 50 Nm im günstigeren Tero X 4.0 empfanden wir für alles außer steile Bergtouren als absolut ausreichend.
Mit seinem enorm ausgewogenen Charakter und breitem Einsatzbereich kürt sich das Specialized Tero X trotz relativ niedrigem Preis zum Testsieger. Die Kritik bleibt auf Details beschränkt, Bremse und Schaltung könnten ein Update vertragen. Nach wie vor dennoch ein eindrucksvoll guter Allrounder.
Bei Velotraum ist die ganz große Freiheit Programm. Als eines von sehr wenigen Rädern überhaupt am Markt haben die Schwaben den Finder speziell als Modell für Abenteuer-Reisen entwickelt. Kein Weg soll zu weit, kein Pfad zu schwer sein für diesen bewusst robust gehaltenen Kandidaten. Gegenüber klassischeren Trekking-Konzepten hat der Finder daher einige Vorteile, die unser Testbike auch stimmig in die Realität übersetzt. Vor allem die extra breiten Reifen (60 mm!) sind auffällig.
Bei angepasstem Luftdruck rollt deshalb kein Rad in der Reise-Klasse so sicher und komfortabel ab wie der Finder. Auch üble Ruckelpisten sind so auf Strecke kein Problem. Hebt man den Luftdruck etwas an, lässt sich auch das Velotraum erstaunlich willig beschleunigen und flitzt dank kleiner Laufräder und angepasster Geometrie trotz breiter Walzen flink um enge Ecken. Fahrspaß ohne Gepäck? Definitiv vorhanden. Dazu kommen kräftige Bremsen und die eigentlich eingestellte XT 3 x 10 Schaltung, die eine enorme Bandbreite mit feiner Abstufung kombiniert. Fürs Trekking-Rad ideal. Schwächen gibt es kaum, nur der Preis des Bikes fällt hoch aus.
Velotraums Finder ist robust und hochwertig. Als vielseitiges Reiserad, dass auch mit viel Gepäck schlechte Strecken bewältigen soll, geht das Konzept voll auf. Ob die breiten Reifen jedem gefallen, mag dahin gestellt sein. Objektiv gesehen hat das Rad aber kaum Schwächen und sichert sich damit knapp den Testsieg in unserer umkämpften Reiserad-Klasse.
Für Cube ist das Nuroad mit Alltagsausstattung eine Erfolgsgeschichte. Der leichte Alu-Rahmen glänzt mit unerschütterlicher Laufruhe, außerdem bringen ordentliche Komfortwerte und der moderne Zwölffach-Antrieb viele Punkte im Test. Von der etwas fummeligen Sattelstützenklemmung abgesehen, ist das Nuroad wohltuend simpel aufgebaut und fährt sich absolut unkompliziert. Die extrem aufrechte Sitzposition kommt Rennlenker-Novizen entgegen, die Schaltung ist knackig, die Bremse kräftig. Preis-Leistung: Check!
Außerdem bringt das Nuroad alles an Zubehör mit, was an ein Alltagsrad gehört. Sogar ein stabiler Seitenständer ist an Bord. Kleine Kritikpunkte: Der Heckträger bietet keine Plattform, begünstigt aber einen tiefen Schwerpunkt mit Beladung. Die Schutzbleche könnten für mehr Wetterschutz etwas breiter ausfallen und auch das Rücklicht gerät dezent und ist von der Seite nicht gut sichtbar. Einschränkungen, die die große Linie kaum beeinflussen: Ein besseres Rad für sportliche Pendler kann man sich zu diesem Preis kaum vorstellen.
Lastenräder sind groß und sperrig? Muli zeigt, dass das nicht sein muss. Markenzeichen der Kölner ist der faltbare Korb in der Front des klassischen Long-John-Designs. Er wird einfach mit einem Sperrriegel ge- und entsichert. Über den Griff kann man den Korb auch mit einem klassischen Bügelschloss absperren. Zusammengefaltet braucht das Muli mit seinen kleinen Rädern kaum mehr Platz zum Abstellen, als ein normales Fahrrad.
Passend zum kurzen Radstand fährt sich das Muli sehr quirlig und ohne Beladung fast etwas nervös. Mit einem Wocheneinkauf im Frachtraum rollt das Rad spürbar satter. Auch eine Eurobox im 60 x 40 Standardformat passt in den Korb, der bis höchstens 70 Kilo beladen werden darf. Praktisch ist der optionale Gepäckträger (130 Euro) für zusätzliche Packtaschen. Die Ausstattung des EU-Modells mit möglichst vielen Teilen aus europäischer Produktion ist edel gewählt und über jeden Zweifel erhaben. Sogar der Stahlrahmen kommt bei Muli aus Deutschland. Größter Nachteil: Eine Federung hat das Muli nicht. Das ist gut für die Haltbarkeit, Passagiere und Cargo werden wie bei den meisten Lastenrädern aber etwas durchgeschüttelt.
Das Muli macht als besonders kompaktes und leichtes Lastenrad eine super Figur. Systembedingt nicht maximal hubstark oder komfortabel, dafür vielseitig einsetzbar, platzsparend beim Abstellen und insgesamt sehr durchdacht. Die edle Ausstattung des limitierten Europa-Modells braucht vielleicht nicht jeder, der kräftige, neue Bosch-Motor ist hingegen ein klares Argument.
Noch nicht das Richtige dabei? Kein Problem. Nur um die Auswahl in diesem Artikel einigermaßen kompakt zu halten, mussten wir auf einige Modelle verzichten. Hier kommen noch fünf Bikes von günstig bis hochwertig, die vielleicht nicht ganz so universell sind, aber die uns persönlich besonders abgeholt haben.
Ganz vorne mit dabei natürlich die Gravel-Interpretation des Trekking-Klassiker Kattegat von Norwid. Mit exzellenter Verarbeitung und hochwertigem Lack eine echte Augenweide, die mit sportlichem Anspruch vom Alltag bis zur großen Reise einfach Spaß macht.
Unsere Wahl für exzessive Gelände-Einsätze wäre das hervorragende Numinis EQ von Centurion, das den Trail-Tipp in unserem SUV-Test abräumte. Soll es lieber keine Vollfederung sein, können wir uns kaum entscheiden: Diamants Zing Trip Plus bietet vielseitige und quirlige Fahreigenschaften mit einer Extraportion Komfort dank breiter Reifen und ist dank klassischer Akku-Konstruktion sehr leicht.
Auch Canyons neues Pathlite:On kann überzeugen und ist die vermutlich beste Wahl unter 4000 Euro, wenn man noch gar nicht weiß, was in Zukunft ansteht. Dieses Bike kann bis auf harte Trail-Einsätze eigentlich alles.
Technisch extrem spannend und unser Tipp für Servicemuffel ist das Rockrider E-ACTV mit Owuru Getriebemotor für unter 3000 Euro - Achtung: Hier gab es gerade einen Rückruf von Rockrider. Bei Interesse lohnt es sich unbedingt zu checken, ob das Thema noch aktuell ist.