Rennsieg trotz Rahmenbruch!Die kuriose Geschichte hinter Pogačar-Sieg beim Klassiker

Jens Klötzer

 · 26.03.2026

Auf dem Zielfoto ist eine Schramme in höhe des Sitzknotens zu erkennen
Foto: dpa/pa/Roth
Ein gebrochener Rahmen hat Tadej Pogačar wohl nicht am Sieg beim Klassiker Mailand-Sanremo gehindert haben. Der Mechaniker des Slowenen verriet gegenüber dem Nachrichtenportal “Delo”, dass der Hinterbau von Pogačars Colnago Y1RS bei einem Sturz im Rennen schwer beschädigt wurde. Jetzt sind neue Fotos des Schadens aufgetaucht.

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Der Rennverlauf der diesjährigen Ausgabe von Mailand-Sanremo ist Stoff für die Geschichtsbücher. Der UAE Team Emirates-Mechaniker Boštjan Kavčnik enthüllte gegenüber dem slowenischen Nachrichtenmagazin "Delo" nun weitere Details zum Sieg von Tadej Pogačar, die das Drama noch größer erscheinen lassen. Der Slowene soll das erste Monument der Saison mit einem gebrochenen Rahmen gewonnen haben.

"Normalerweise ist das Team schon anderthalb Stunden unterwegs, bis Tadej alle Verpflichtungen nach dem Rennen erledigt hat. Diesmal haben wir auf ihn gewartet und ihm gratuliert, bevor wir Sanremo verließen. Es war ein besonderes Rennen für uns alle. Er gewann trotz des Dramas und obwohl sein Rahmen beim Sturz brach und die Bremsscheibe an den Bremsbelägen schliff", erklärte Kavčnik gegenüber Delo.si.

Rahmenbruch erst im Ziel entdeckt

Pogačar und sein Team bemerkten die Beschädigungen des Colnago Y1RS (hier im Test) demnach erst nach der Zielankunft. "Der Hinterbau war beschädigt, gab zum Glück aber nicht nach. Hätte Tadej den Zustand des Rads gekannt, wäre er nicht so kompromisslos abgefahren, dass selbst Tom Pidcock kaum mithalten konnte. Dieses Rad kommt nun in eine spezielle Sammlung, obwohl es defekt ist", so Kavčnik. Das Team hätte Pogačars Rad umgehend gewechselt, wenn sie von der Beschädigung gewusst hätten.

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Wo genau der Rahmen gebrochen ist, sagte der Mechaniker zunächst nicht. Auf Bildern des Rennens, die nach dem Sturz entstanden, sind diverse Beschädigungen als Folge des Crashs zu erkennen. Die linke Sitzstrebe trägt mehrere Schrammen, eine größere Beschädigung scheint an der zentralen Anbindung ans Sitzrohr aufgetreten zu sein. Tage nach dem denkwürdigen Sieg veröffentlichte der Radsport-Blogger Lukáš Ronald Lukács ein Bild, das einen deutlichen strukturellen Schaden an der rechten Sitzstrebe von Pogacars Colnago Y1RS nach dem Zieleinlauf in Sanremo zeigen soll.

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Der Sturz ereignete sich 32 Kilometer vor dem Ziel. Teammechaniker Boštjan Kavčnik schilderte gegenüber dem Magazin Delo weiter: "Tadej flog auf die linke Seite, die kein Schaltwerk hat, aber die Schaltung aktivierte trotzdem den Crash-Modus. Tadej setzte sie selbst wieder zurück und hatte das Gefühl, dass sonst alles stimmt, also haben wir das Rad nicht gewechselt", berichtete Kavčnik. Der Sturz veränderte die taktischen Pläne kaum. "Es passierte, als wir das Tempo erhöhen wollten, und genau das taten unsere Fahrer, aber nicht an der Spitze des Rennens, sondern im Feld. Glücklicherweise ist Tadej so gut vorbereitet, dass er das Verpasste aufholen konnte."

Neue Ausrüstung für Sanremo: Erstmals mit Einfach-Antrieb

Im Vergleich zum Vorjahr änderte das Team für den Klassiker einiges am Material des Weltmeisters. "Zum ersten Mal entschied sich Tadej für nur ein Kettenblatt. Durch das Entfernen eines Kettenblatts und des Umwerfers gewannen wir bei Gewicht und Aerodynamik. Er benutzte auch höhere Felgen mit schmaleren Reifen. Letztes Jahr waren es 30 Millimeter, dieses Jahr 28. Unsere Performanceabteilung berechnete, dass dies in so einem schnellen Rennen am effektivsten wäre", erklärte Kavčnik.

Antriebe mit nur einem Kettenblatt sind ein Trend der letzten Jahre, vor allem bei flachen und mäßig hügeligen Rennen. Auch Pogačars Rivalen Thomas Pidcock (Pinarello-Q36.5, 2. Platz), Wout van Aert (Visma | Lease A Bike, 3.) und Mads Pedersen (Lidl-Trek, 4.) setzten auf Einfach-Antriebe ihres Schaltungs-Ausrüsters SRAM, der diese Konfiguration seit einigen Jahren propagiert. Dass Pogačar darauf zurückgreift, ist dagegen ungewöhnlich: Sein Schaltungs-Ausrüster Shimano ist traditionell ein Verfechter des Zweifach-Antriebs mit Umwerfer.

Nach Mailand-Sanremo ist vor Paris-Roubaix

Mechaniker Kavčnik war im Dezember auch mit Pogačar auf der Paris-Roubaix-Strecke unterwegs. "Vor dem Rennen in Flandern machen wir eine weitere Tour durch Roubaix. Bisher haben wir die Daten erhalten, die die Sportabteilung benötigt, um zu berechnen, welche Ausrüstung und Einstellungen am besten sind. Tadej hat sich bereits entschieden, mit dem Modell Y1RS anzutreten, das er bisher noch nicht in Roubaix gefahren ist. Deshalb haben wir die Fahrt auf den Kopfsteinpflastern oft wiederholt und verschiedene Reifenbreiten und Drücke getestet. Die Mechaniker versprachen uns Material, das für das Fahren auf Kopfsteinpflaster angepasst wird."

Pogačar bereitete Sanremo und Roubaix mit gleichem Eifer vor. "Das sind bestimmte Rennen, bei denen man die Straßen und Kurven spüren muss. Es geht nicht nur darum, besseres Material als früher auszuwählen, sondern auch um Tadejs Bereitschaft. Und die ist auf einem noch höheren Niveau als früher", betonte Kavčnik. Die Rivalen spürten dies bei Strade Bianche und Mailand-Sanremo.

Der beste Fahrer der Welt verbesserte sich weiter und konzentriert sich nun auf Paris-Roubaix am 12. April. "In Sanremo spürte er, wo die Konkurrenz steht. Er stand bereits mit dem Kopf in Roubaix am Ziel. Direkt nach dem Rennen sagte er mir, dass er dort Reifen braucht, weil er mit dem Training anfangen muss", berichtete Kavčnik. Pogačar will seine Monumenten-Sammlung vervollständigen und in diesem Jahr zum ersten Mal auch in Roubaix siegen.

Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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