​KTM Macina Lycan Elite CX-R Race - CheckPremium im Kern, pragmatisch Drumrum

Sebastian Brust

 · 31.08.2026

KTM modernisiert sein E-Tourenfully: Das Macina Lycan Elite CX-R kommt 2027 mit Carbonrahmen, 29 Zoll und dem Race-Motor von Bosch.
Foto: Tobias Jochims
4399 Euro für ein E-MTB mit Bosch Performance Line CX-R – das ist auf dem aktuellen Markt eine bemerkenswert niedrige Einstiegshürde für diesen Antrieb. Das KTM Macina Lycan Elite CX-R Race kombiniert den leistungsstärksten und leichtesten Bosch-E-MTB-Motor mit einem Carbonrahmen und einem Shimano-XT-Antrieb – spart dafür an anderer Stelle.

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Unsere Einschätzung:

​Beim KTM Macina Lycan Elite CX-R Race zieht in erster Linie das Preis-Motor-Argument: Wer den Bosch Performance Line CX-R mit Carbonrahmen und XT-Schaltwerk sucht, findet derzeit kaum ein günstigeres Angebot am Markt. Die Abstriche liegen beim Fahrwerk und bei den Bremsen. Für Schotter und gemäßigte Trails ist das Bike ehrlich positioniert und bietet einen zukunftssicheren Antrieb mit langer Software-Perspektive. Den Race-Modus sollte man dabei keinesfalls als Kaufargument missverstehen – er ist ein Spezialwerkzeug, das fahrerisches Können voraussetzt.

KTM Macina Lycan Elite: Neuer Rahmen aus Carbon

Mit dem aktuellen Modell vollzieht KTM beim Lycan einen klaren Schritt nach oben: Während das Vorjahresmodell noch nur mit Aluminiumrahmen und 27,5-Zoll-Laufrädern zu haben war, präsentiert KTM mit dem 2027er-Jahrgang einen neuen Carbon-Rahmen. Die 27,5-Zöller (650B) werden durch 29-Zoll-Räder ersetzt.

Nach wie vor bietet das Macina Lycan 140 Millimeter Federweg und ist damit klar als jetzt noch leichteres, sportlicheres Tourenfully für anspruchsvolle Touren über Schotter, Forstwege und gemäßigte Singletrails positioniert – nicht als reinrassiges Enduro-Gerät.

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Wer regelmäßig technisch herausfordernde Trails mit größeren Drops und aggressiven Lines fährt, ist hier eher falsch, dafür gibt’s besseres. Für das beschriebene Einsatzgebiet ist der Federweg gut gewählt; die größeren Laufräder kommen dem Rollverhalten und der Überrollbarkeit von Hindernissen auf langen Touren zusätzlich zugute.


Der Motor: Bosch Performance Line CX-R

Kernstück und stärkstes Argument des Macina Lycan Elite ist der Bosch Performance Line CX-R. Gegenüber dem klassischen Performance CX unterscheidet er sich durch ein Magnesiumgehäuse, eine Titan-Kurbelwelle und Keramik-Kugellager – das drückt das Motorgewicht auf 2,7 Kilogramm, rund 100 Gramm weniger als beim Standard-CX.

Auf dem Papier liefert der CX-R 750 Watt Spitzenleistung und 100 Newtonmeter Drehmoment bei bis zu 400 Prozent Unterstützung – und damit dieselbe Grundleistung wie der reguläre CX, jedoch mit hochwertigeren Interna.

Mit dem ab Mai 2026 verfügbaren kostenlosen Performance Upgrade 2.0 lässt sich das Drehmoment situativ auf bis zu 120 Nm und die Unterstützung auf 600 Prozent konfigurieren – allerdings nur, sofern KTM als Hersteller diese Werte freigibt. Wir gehen aber davon aus. Ebenfalls per Update kommt der sogenannte Drivetrain Tensioner, der den Leerweg am Pedal reduzieren und den Kraftschluss direkter gestalten soll – voraussichtlich ab Mitte 2026.

Exklusiv für den CX-R ist der Race-Modus, und hier ist ein klarer Hinweis angebracht: Dieser Modus ist für Durchschnittsfahrer ausdrücklich nicht geeignet. Er setzt ohne nennenswerte Verzögerung ein, beschleunigt sehr aggressiv und hat einen ausgeprägten Extended Boost – der Motor schiebt deutlich über den Tretimpuls hinaus weiter.

In technischem Gelände oder engen Spitzkehren kann das schnell zur Herausforderung werden. Für erfahrene Fahrer auf steilen, verblockten Uphills ist er hingegen ein wirkungsvolles Werkzeug. Der neue Modus E-MTB+ arbeitet dynamischer als der klassische E-MTB-Modus, ist aber deutlich kontrollierbarer als Race und dürfte für die meisten Nutzer den besseren Kompromiss aus Schub und Dosierbarkeit darstellen.


Fahrwerk: Suntour statt Premium

Hier wird der Sparansatz sichtbar. Sowohl die Gabel – eine Suntour XCR36X Air mit 140 mm Federweg und 15x110-mm-Achse – als auch der Dämpfer – ein Suntour EDGE-X R (230x65 mm) – entstammen dem eher niedrigen Preissegment. Doch Suntour hat in den vergangenen Jahren qualitativ aufgeholt, auch wenn die Produkte noch nicht das Ansprechverhalten und die Einstellbarkeit von Rockshox- oder Fox-Produkten erreichen.

So hatte uns die günstige All-Mountain-Gabel Zeron 36 mit solider Leistung und wenigstens grundlegenden Einstellmöglichkeiten überrascht. Die im KTM verbaute XCR-Modell kann inzwischen zumindest mit derselben Dämpfung angeben: 2CR/R. Das steht für 2-stufig einstellbare Druckstufendämpfung (offen, geschlossen) und einstellbare Zugstufe (Ausfedergeschwindigkeit).

Gefedert wird mit Luft, die Möglichkeit, die Gabel an unterschiedliche Fahrer:innen-Gewichte anzupassen, ist also gegeben. Für ruhige Schotterwege und moderate Trails ist das Setup ausreichend; für schnelle, felsige Trails gibt’s auch bei Suntour deutlich bessere Gabeln.


Antrieb und Bremsen

Die Shimano Deore XT M8100-Schaltung (12-fach, Shadow+, Hyperglide) ist die leichtere XT-Variante für sportlich Orientierte mit Fokus auf Performance. Gerade am E-Bike sollte man sie vorsichtig behandeln, sonst motzt sie und verschleißt schnell. Die Linkglide-Version mit dem Kürzel M8130 (hier im Test) wäre die zwar schwerere, aber etwas haltbarere E-Bike-Schaltung gewesen.

Konsequent gespart wird durch die Kombination mit dem Shimano Deore M6200-Schalthebel, der zwei Klassen darunter angesiedelt ist. Funktional ist das vertretbar, der Unterschied in Haptik und Präzision ist spürbar.

Auch die Bremsen – gruppenlose Shimano MT401/MT420 mit 4-Kolben-Sattel – erfüllen ihren Zweck, sind aber eher am unteren Ende dessen, was man bei einem fast 25 Kilogramm schweren E-MTB erwarten würde. Für die vorgesehenen Einsatzbereiche reichen sie aus; bei längeren, steilen Abfahrten sollte man die Wärmeentwicklung im Auge behalten.


Bereifung: Schwalbe Wicked Will Performance

Verbaut sind Schwalbe Wicked Will Performance in 29 Zoll. Schwalbe positioniert den Wicked Will zwischen den schnell rollenden Cross-Country-Profilen und dem abfahrtslastigeren Nobby Nic: ein Allrounder für Trailbiker und Tourenfahrer, der mit Speedgrip-Gummimischung ordentlich rollt und durch seine Profilgestaltung – stabile, etwas niedrigere Mittelstollen, höhere Seitenstollen – auch in Kurven und bei Nässe brauchbaren Grip liefert. Damit passt er gut zum Einsatzprofil des Lycan.


Gewicht und Systemgewicht

24,8 Kilogramm sind für ein E-MTB mit Carbonrahmen und CX-R-Motor ein akzeptabler Wert. Das angegebene Systemgewicht von 135 Kilogramm entspricht dem Branchenstandard.


Fazit KTM Macina Lycan Elite: Das Preis-Motor-Argument zieht

​Beim KTM Macina Lycan Elite CX-R Race zieht in erster Linie das Preis-Motor-Argument: Wer den Bosch Performance Line CX-R mit Carbonrahmen und XT-Schaltwerk sucht, findet derzeit kaum ein günstigeres Angebot am Markt. Die Abstriche liegen im Detail, beim Fahrwerk und teilweise bei den Bremsen.

Das Bike ist dabei klar in seiner Positionierung: Es ist ein gut ausgestattetes Tourenfully für Schotter und gemäßigte Trails, kein Allround-Enduro. Wer das weiß und entsprechende Erwartungen mitbringt, bekommt einen zukunftssicheren Antrieb mit langer Software-Perspektive durch Boschs Update-Roadmap. Den Race-Modus sollte man nicht als Kaufargument missverstehen – er ist ein Spezialwerkzeug, das fahrerisches Können voraussetzt.


Technische Daten KTM Macina Lycan Elite CX-R Race

RahmenMacina Lycan Performance Carbon, 140 mm
MotorBosch Performance Line CX-R (BDU38/PT-CXR8R2)
AkkuBosch PT800
GabelSuntour XCR36X Air 29", 140 mm, 15x110
DämpferSuntour EDGE-X R 230x65
SchaltwerkShimano Deore XT M8100-12 SGS Shadow+
SchalthebelShimano Deore M6200-12
BremsenShimano MT401/MT420, 4-Kolben
ReifenSchwalbe Wicked Will Performance 29"
Gewicht24,8 kg
Systemgewicht135 kg
Preis4.399 €

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Sebastian Brust ist Jahrgang 1979 und ursprünglich vom Klapprad der Oma sozialisiert, seit seinem fünften Geburtstag aber hauptsächlich auf Stollenreifen unterwegs. Liebt alle Arten Bikes – und das Verschmelzen mit der Natur. Findet, dass Scheibenbremsen heute viel sicherer sind als vor 15 Jahren und glaubt, mit seinen Bremsen- und Belagstests dabei geholfen zu haben. Dass sich die Fahrradindustrie an anderer Stelle ausgerechnet an für ihn falschen Idealen der Autobranche orientiert, bedauert der gelernte Ingenieur für Fahrzeugtechnologie allerdings sehr. Bei BIKE korrigiert, produziert und organisiert er digitalen Content auf der Webseite.

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