Mit dem neuen Wild LT geht Orbea mal wieder einen besonderen Weg. Das ist mutig und genau richtig! Die gedrosselte Motor-Power wird nicht jedem gefallen, doch Power-Junkies können sich den Avinox-Antrieb nach persönlichem Gusto aufbohren. Das Chassis wirkt gewohnt hochwertig und das ganze Bike wie aus einem Guss. Definitiv eines der heißesten E-Enduros mit Avinox M2S. Wir sind gespannt, ob das neue Wild LT auf dem Trail hält, was der erste Eindruck verspricht. - Florentin Vesenbeckh, Testredakteur BIKE
Die Power des Avinox M2S stellt alles bisher dagewesene in den Schatten - und die E-Bike-Hersteller springen auf den Zug auf. Auch das neue Orbea Wild bekommt jetzt den bärenstarken Motor implementiert. Die krasse Leistung war bei der Motorwahl aber nicht der entscheidende Punkt für die Orbea-Macher. Im Gegenteil. Die Entwickler begrenzen sogar den maximalen Schub des Motors, um ihn besser kontrollierbar zu machen. Dazu später mehr.
Der bedeutendste Vorteil des Avinox-Antriebs ist für die Ingenieure die kompakte Bauform, die eine noch bessere Kinematik ermöglichen soll. So kommt das Wild LT mit einem komplett neuen Rahmen und neuem Fahrwerk, das sich super eng am neuen Enduro Orbea Rallon orientiert. Im Fokus sollen beim Wild LT die Fahreigenschaften stehen, nicht die Motor-Power.
Abgesehen vom Motorsystem will Orbea das Wild LT noch konsequenter auf Fahrstärke ausgelegt haben. Mit 170 Millimetern Federweg am Heck ist das Bike gut bestückt. An der Front gesellen sich in der Regel 170 Millimeter hinzu, doch auf Wunsch können im Konfigurator auch 180er-Gabel ausgewählt werden. Das Chassis ist sogar für Doppelbrücken mit 200 mm Hub freigegeben.
Auch die Geometrie ist voll auf Abfahrt gepolt. Im Vergleich zum bisherigen Orbea Wild (hier im Test) wurde eher Feinschliff, denn ein krasses Redesign betrieben. Der Lenkwinkel misst 63,9 Grad und lässt sich über einen Flipchip auf 63,3 Grad abflachen. Der Reach landet in Größe L bei 480 Millimetern, die Kettenstreben messen in allen Größen 448 Millimeter. So summiert sich der Radstand auf 1289 Millimeter in Größe L. Damit ist das Bike auf Fahrsicherheit und Laufruhe getrimmt. Für gute Klettereigenschaften wurde das Tretlager im Vergleich zum unmotorisierten Enduro Rallon minimal angehoben, außerdem kommen superkurze 155-mm-Kurbeln zum Einsatz, was Aufsetzern im verblockten Gelände entgegenwirken soll. Der Sitzwinkel fällt mit 78 Grad sehr steil aus, um in in Steilpassagen eine gute Kontrolle zu behalten.
Das Konzept des Wild LT basiert außerdem auf zwei zentralen Elementen: einem bewusst niedrig positionierten Schwerpunkt und der bewährten Kinematik des Orbea Rallon, der Enduro-Plattform des Herstellers. Durch die sorgfältige Auswahl und Positionierung des Antriebs konnte die Dämpferaufnahme, die obere Schwinge und das Oberrohr deutlich tiefer platziert werden. Diese Massenzentralisierung soll das Wild auch bei hohen Geschwindigkeiten ruhig und spurtreu halten.
Der niedrige Aufbau bringt einen weiteren Vorteil: Mehr Überstandshöhe für den Fahrer und Platz für lange Variostützen nach Orbeas "Steep 'n' Deep"-Designphilosophie. In alle Größen passen mindesten 210 mm Stützenhub, bei L und XL sollen es 240 mm sein.
Während als Antrieb der Avinox M2S Motor (hier im Test) zum Einsatz kommt, liegt das Besondere in Orbeas exklusiver RS Tune-Abstimmung. Der Fokus lag dabei auf der Reaktivität – also wie schnell und natürlich der Motor auf Fahrerinput reagiert. Hier sehen die Orbea-Entwickler eine Schwäche beim Avinox M2S im Standard-Tune. Die eigene RS-Konfiguration soll deutlich direkter reagieren und dadurch besser kontrollierbar sein. Besonders bei technischen Anstiegen soll diese Abstimmung den Unterschied machen.
Besonders spannend dabei: Im RS-Tune ist die maximale Leistung auf 750 Watt begrenzt. Das ist genau der Wert eines Bosch Performance CX. Der Motor könnte mit den verbauten Komponenten eigentlich 1300 Watt liefern. Das maximale Drehmoment von 130 Newtonmetern lässt Orbea aber bestehen. In technischen Sektionen, in denen man nicht so schnell pedaliert, soll der Antrieb damit vollen Schub liefern. Orbea ist der Meinung: Das sind genau die Momente, in denen E-Mountainbiker von maximalem Bumms auch wirklich profitieren. Erfreulicher Nebeneffekt: Durch die gedrosselte Maximalleistung soll der Akku-Verbrauch drastisch sinken. Orbea spricht von 20 Prozent mehr Reichweite - ein Wert, der eher theoretischer Natur ist.
Keine Sorge: Wer die vollen 1300 Watt des Motors nutzen möchte, kann sich einen eigenen Modus erstellen und hier den maximalen Schub aufziehen. Beim Akku haben E-Biker die Wahl zwischen dem 600er oder 800er von Avinox. Wie auch beim Vorgänger sitzt die Batterie fest verbaut im Unterrohr.
Zur Ausstattung gehören versiegelte Lagerbuchsen gegen Schmutz, eine "Second Skin"-Rahmenschutz sowie das "Fully Loaded Pivot"-System, das wichtige Inbusschlüssel magnetisch im Rahmen sichert. Interessant: Orbea bietet das Wild sowohl als OMR Carbon als auch als High Polish Alloy-Variante an, wobei laut Hersteller beide Versionen die gleichen Performance-Features bieten sollen. Die Aluminiumversion wurde mit modernen Technologien entwickelt, um die abgestimmte Steifigkeit des Carbon-Pendants zu erreichen.
Wie üblich kann die Ausstattung des Orbea Wild LT im Konfigurator auf der Webseite nach persönlichen Wünschen konfiguriert und angepasst werden. Preislich geht es mit Alu-Rahmen am Wild LT H20 für 5599 Euro los. Die Carbonmodelle starten mit dem Wild LT M20 für 6999 Euro. Das Wild LT M10 kommt schon mit Fox-Factory-Fahrwerk und kostet 8499 Euro. Das Topmodell geht für 13 499 Euro über die Ladentheke.

Redakteur CvD
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