Ochain UpdateSchluss mit Antriebseinfluss – der Abfahrts-Booster im ‘27er-Gewand

Max Fuchs

 · 28.04.2026

Ochain R ist die Flaggschiff-Variante. Außen sitzt ein Drehrad – fünf Positionen, fünf Freiheitsgrade: Lock, 3°, 6°, 9°, 12° Travel. Einfach drehen, fertig. Am Trail, ohne Werkzeug. Der Ochain-S-Spider funktioniert nach demselben Prinzip, ist aber speziell für E-Bikes mit dem Bosch Performance CX Motor kompatibel.
Foto: Rockshox
Pedalrückschlag nervt. Und Ochain kämpft seit Jahren dagegen an – mit einem Spider-System, das den Antrieb vom Fahrwerk entkoppelt. Für das Modelljahr 2027 steht eine neue Ochain-Familie in den Startlöchern: mehr Modellvielfalt, bessere Dichtungen und eine verbesserte Haltbarkeit.

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Einschätzung Ochain MY27 - Max Fuchs, BIKE-Redakteur

Wir hatten bereits die Möglichkeit, den teuersten der vier neuen Ochain-Spider ausgiebig zu testen. Unser Resümee: Das System ist kein neues Konzept – aber ein ausgereiftes. Es funktioniert wie gewohnt: Es beruhigt im ruppigen Gelände den Antriebsstrang, reduziert Schläge und Vibrationen an den Füßen und sorgt für ein sichereres, ruhigeres Fahrgefühl.

Auch die Traktion, ganz besonders unter Bremseinflüssen, verbessert sich mit zunehmenden Freiheitsgraden. Und die Geräuschkulisse wird ebenfalls gedämpft. Aber in dieser Hinsicht konnte uns auch das Vorgängermodell überzeugen.

Dass es jetzt zwei Varianten für Bosch-E-Bikes gibt, ist an der neuen Generation mein Highlight. Ob die überarbeiteten Dichtungen und die verbesserte Schlagfestigkeit wirklich die Dauerhaltbarkeit verbessern, wird sich noch zeigen.

Was meinen alle mit Pedalrückschlag?

Beim Einfedern verlängert sich bei den meisten Fullys der Abstand zwischen Tretlager und Hinterradachse. Da Kettenblatt und Kassette über die Kette verbunden sind, entsteht eine Wechselwirkung, die die Kurbel beim Einfedern nach hinten zieht – der sogenannte Pedalrückschlag.

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Aber warum ist Pedalrückschlag problematisch, und warum wollen ihn so viele Systeme eliminieren? Wenn die Kurbeln bergab ständig gegen die Füße schlagen, geht der sichere Stand auf den Pedalen verloren, und es entsteht ein harsches, unsanftes Fahrgefühl. Außerdem verhärtet der Hinterbau – nicht gerade förderlich, wenn es bergab zur Sache geht.

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Nicht Pedalrückschlag, Pedal-Feedback!

Passend zum Launch der neuen Ochain-Familie hat das Label ordentlich Forschungsarbeit geleistet und bringt neue Erkenntnisse zum Thema Pedalrückschlag ins Spiel. So soll der klassische Pedalrückschlag – wie eben beschrieben – auf dem Trail kaum auftreten, weil die Vorwärtsrotation des Rades ihn kompensiert.

Das Problem bleibt in der Praxis aber das Gleiche. Bei der Ursache für Vibrationen oder Schläge gegen die Fußsohle spricht der Hersteller deshalb nicht länger vom Pedalrückschlag, sondern von Pedal-Feedback. Dafür sollen in erster Linie zwei Störquellen verantwortlich sein.

1. Cassette backwards slap

Schlägt die Kette auf ruppigen Trails, dreht sich die Kassette kurz nach vorn und schlägt dann wieder zurück. Durch diese Bewegung zieht die Kette die Kurbeln nach hinten – spürbar als Vibrationen oder Ruckeln an der Fußsohle.

2. Rear wheel lockup

Beim Bremsen verlagert sich das Gewicht nach vorne. Die Konsequenz: Der Fahrer drückt verstärkt gegen die Pedale. Hebt das Hinterrad ab und blockiert, kommt auch die Kassette für einen Moment schlagartig zum Stehen – der Impuls überträgt sich über die Kette auf die Kurbel. Folge: ein leichter Schlag gegen die Fußsohle.

Der Ochain-Spider soll beide Störfaktoren bis zu einem gewissen Grad eliminieren und ein sanfteres und ruhigeres Fahrgefühl erzeugen.

Ochain MY27: Was ist neu?

Das Grundprinzip bleibt gleich: Der Ochain-Spider wird zwischen Kurbel und Kettenblatt geschraubt. Dank Federn und Elastomeren im Inneren kann das Kettenblatt unabhängig von der Kurbel rotieren. Bei den High-End-Spidern R und S kann das Kettenblatt je nach Setup um 3, 6, 9 oder 12 Grad rotieren.

Durch die Freiheitsgrade soll Pedal-Feedback abgefangen oder sogar eliminiert werden. Die Freiheitsgrade – also wie stark sich das Kettenblatt zurückdreht – kann man in vier Stufen direkt am Spider einstellen. Je nach Modellvariante sogar von Hand.

► Bessere Abdichtung: Neue Dichtlippen aus Silikon (doppelt) und überarbeitete Dichtungsmaterialien halten Schmutz und Wasser fern. Länger wartungsfrei. ► Mehr Schlagfestigkeit: Neu konstruiertes Gehäuse – nach ISO- und SRAM-Ermüdungsstandards zertifiziert. Sprich: DH-tauglich, ohne für Trailbiker zu schwer zu werden. ► Vier Modelle statt zwei: Ochain R und N für MTB, Ochain S und E für E-MTBs mit Bosch CX Gen 5. Dazu ein Upgrade-Kit, das N zu R und E zu S macht.

Ochain R und N

Der Ochain-R-Spider ist die Flaggschiff-Variante. Außen sitzt eine Rändelschraube – fünf Positionen, fünf unterschiedliche Freiheitsgrade: geschlossen, 3°, 6°, 9° und 12° Travel. Einfach drehen, fertig. Am Trail, ohne Werkzeug. Preis: 380 Euro und damit sogar minimal günstiger als der bisherige R-Spider.

Der Ochain N kostet nur 310 Euro und setzt auf austauschbare Chips im Inneren, um die Freiheitsgrade anzupassen. Ab Werk kommt diese Modellvariante mit 9° Travel. Optional nachrüstbar auf 6° oder 12°. Werkzeug ist erforderlich.

Ochain S und E für E-Mountainbikes

Das E ist neu im Line-up: Ochain für E-MTBs. Montage am Motor – konkret am Bosch BDU38, besser bekannt als Performance CX Gen 5. Andere Antriebe? Noch nicht kompatibel.

Ochain S = externes Drehrad zum Einstellen der Freiheitsgrade, Ochain E = Freiheitsgrade nur mit Travel-Chips und mit Hilfe von Werkzeug einstellbar. Gleiche Logik wie beim MTB-Pendant. E-MTBs neigen durch ihre Geometrie und das Mehrgewicht dazu, mehr Kettenturbulenz zu produzieren – genau hier soll der Spider-Dämpfer ansetzen.

Die Preise für die E-Bike-Variante vergibt Ochain analog zu den normalen Ochain-Spidern: 380 Euro für das S-Modell, 310 Euro für die einfachere E-Variante.

Service: alle 100 und 200 Stunden

Alle MY27-Modelle teilen sich dieselben Wartungsintervalle: alle 100 Betriebsstunden Elastomerwechsel, alle 200 Stunden Vollüberholung. Laut Hersteller für Schrauber zu Hause machbar. Die neuen Dichtungen sollen die Intervalle gegenüber den Vorgängermodellen spürbar verlängern.


Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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