Dimitri Lehner
· 01.03.2026
Val di Sole, 2016. Staub in der Luft, diese brutale, staubtrockene Schneise durch den Wald, genannt: Black Snake. Gefürchtet. Legendär. Tatort der Downhill-WM 2016. Unten im Zielraum stehen drei Fahrer nebeneinander: Danny Hart, Lauri Greenland und Florent Payet. Gold, Silber, Bronze. Alle auf demselben Bike: dem Mondraker Summum. Ein kompletter WM-Dreifachsieg – und der Moment, in dem das Summum endgültig Ikonenstatus erreichte. Das hatte noch kein Bike in der Geschichte des Mountainbiking geschafft.
2026 kehrt die Downhill-WM zurück nach Val di Sole. Und Mondraker bringt ein neues Summum mit. Kein Retro-Remake, sagen die Spanier, sondern ein radikal weiterentwickeltes Race-Tool.
Zwei Saisons lang lief das neue Summum im Rennbetrieb. Das Mondraker Factory DH Team testete auf Weltcup-Strecken, feilte, verwarf, justierte. Rónán Dunne gewann 2025 in Les Gets einen Worldcup und die Silbermedaille bei der Red Bull Hardline in Tasmanien, Ryan Pinkerton holte 2025 den US-Meistertitel. Entwicklung und Rennrealität liefen parallel – so, wie es bei echten Race-Bikes sein muss.
Herzstück bleibt das überarbeitete Zero Suspension System mit 200 Millimetern Federweg vorne wie hinten. Im mittleren Hubbereich sensibler, unter Highspeed stabiler – genau dort, wo moderne Downhill-Strecken entschieden werden: in Anliegern, Steinfeldern, Off-Camber-Passagen.
Gefahren wird im Mullet-Setup: 29 Zoll vorne für Laufruhe und Präzision, 27,5 Zoll hinten für Wendigkeit. Reifenfreiheit bis 2,6 Zoll.
Das Herzstück des Bikes: der massive 6061-Stealth-Aluminiumrahmen. Ja, richtig gehört: Alu. Wie viele Bike-Hersteller wechselt auch Mondraker von Kohlefaser zurück auf Alu.
Die Linien des neuen Summum sind klarer, alles wirkt aufgeräumt, funktional. Veränderung zum Vorgänger: Die Sitzstreben laufen tiefer in den Hauptrahmen, der Dämpfer liegt flacher im Hinterbau.
Das vielleicht Auffälligste: die Einstellvielfalt.
Drei zentrale Verstelloptionen ergeben 27 Geometrie-Varianten.
Der Lenkwinkel liegt in der Basis bei flachen 62,5 Grad. Der Reach reicht von 450 mm (M) bis 510 mm (XL). Der Stack bleibt konstant – ein klares Statement für ein definiertes Front-End-Gefühl. Das Summum ist damit kein Bike „von der Stange“, sondern eine Plattform. Racer können es auf Highspeed-Stabilität trimmen oder agiler machen für enge, technische Kurse.
Beide Modelle wiegen 18,9 Kilo – Downhill-Realismus statt Leichtbau-Marketing.
Summum RR:
RockShox Boxxer Ultimate, Vivid Coil, SRAM XX DH AXS T-Type. Elektronisch, kompromisslos, High-End-Race-Setup. Maven Ultimate Bremsen mit 220er Scheibe vorne – maximale Kontrolle, selbst wenn es richtig steil wird. Preis: 8499 €
Summum R:
Fox 40 Float, DHX2, mechanische SRAM GX DH. Klassisch, robust, bewährt. Für alle, die lieber mit Bowdenzug als mit Akku fahren.
Beide rollen auf 30-mm-Felgen mit Maxxis Assegai vorne und Minion DHR II hinten – eine Kombination, die im Downhill fast schon Gesetz ist. Übrigens: Ein Rahmen-Kit gibt es auch, für 2999 €. Mondraker hat an den Details gearbeitet: interne Kabelführung ohne Klappern (so das Versprechen!), großflächiger Unterrohrschutz, integrierter Mudguard, einheitliche Lagergrößen für einfache Wartung. Es ist diese Mischung aus Ingenieursdenken und Rennpraxis, die das Summum seit Jahren auszeichnet.
| M | L | XL | |
| Sitzrohrlänge | 400 mm | 400 mm | 400 mm |
| Oberrohrlänge | 710 mm | 740 mm | 770 mm |
| Tretlager-Drop | -5 mm | -5 mm | -5 mm |
| Tretlagerhöhe | 350 mm | 350 mm | 350 mm |
| Kettenstrebenlänge | 455 mm | 455 mm | 455 mm |
| Sitzwinkel tatsächlich | 78° | 78° | 78° |
| Sitzwinkel effektiv | 70° | 70° | 70° |
| Lenkwinkel | 62,5° | 62,5° | 62,5° |
| Gabel-Offset | 52 mm | 52 mm | 52 mm |
| Radstand | 1285,4 mm | 1315,4 mm | 1345,4 mm |
| Steuerrohrlänge | 120 mm | 120 mm | 120 mm |
| Reach | 450 mm | 480 mm | 510 mm |
| Stack | 642,6 mm | 642,6 mm | 642,6 mm |
Wenn 2026 die Weltmeisterschaften wieder nach Val di Sole kommen, schließt sich ein Kreis. Das neue Summum tritt nicht als Nostalgie-Projekt an, sondern als nächste Evolutionsstufe eines Bikes, das längst Rennsport-Geschichte geschrieben hat.
Damals standen drei Fahrer auf dem Podium. Heute steht ein Bike wieder bereit, das genau dafür gebaut wurde. Das klingt jetzt wie ein Werbe-Slogan. Und lassen wir die Spanier träumen, dass das Summum erneut ein ganzes Podium abräumt. Doch wenn wir gefragt werden, stehen die Chancen besser, dass es dieses Jahr ein Santa Cruz V10 Podium wird. Doch bis dahin: „¡Viva España!“

Redakteur