​Weltpremiere auf 32 ZollKeller fährt mit 32er Bike aufs Treppchen

Dimitri Lehner

 · 22.06.2026

Auf Podiumskurs auf Riesenrädern: Alessandra Keller und ihr Thömus 32 Zöller beim Worldcup in Lenzerheide.
Foto: Thömus/staronphoto
Historischer Moment in Lenzerheide: Alessandra Keller und Mathias Flückiger schreiben Mountainbike-Geschichte. Als weltweit erste Athleten gingen sie mit einem 32-Zoll-Bike im Weltcup an den Start – und die Nidwaldnerin krönte die Premiere vor Heimpublikum direkt mit Bronze beim Short Track.

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Keller brilliert bei historischem Debüt

Die Nervosität hätte groß sein können. Weltpremiere, neues Bike-Format, Heimpublikum – doch Alessandra Keller ließ sich davon nicht beirren. Im Gegenteil: Die Schweizerin zeigte beim XCC in Lenzerheide eine Paradeleistung. Von der ersten bis zur letzten Runde mischte sie in der Spitzengruppe mit, agierte offensiv und sicherte sich am Ende den dritten Podestplatz in Folge.

Die Freude im Ziel war Keller deutlich anzusehen: „Mein Ziel war heute ein Platz in den ersten Acht für eine gute Startposition am Sonntag", erklärte die 28-Jährige. „Aber ich habe mich super auf dem neuen Bike gefühlt. Vor Heimpublikum bei dieser Weltpremiere direkt aufs Podest zu fahren – das macht besonders Freude!"

Während bei den Frauen der Jubel groß war, verlief der Short Track für das männliche Team Thömus maxon enttäuschend. Mathias Flückiger, der zweite 32-Zoll-Pionier, erwischte mit Platz 32 keinen optimalen Tag. Auch das XCO-Rennen am Sonntag verlief für die Riesenräder wenig erfreulich. Keller konnte sich nach einem Sturz zu Beginn des Rennens noch auf Rang 19 vorkämpfen, bei den Männern schaffte es kein Fahrer unter die Top 30.

Vorserie startet – nur 50 Stück verfügbar

Thömus nutzte dennoch den Momentum des Top3-Resultats für einen Marketing-Coup: Direkt nach Kellers Podestplatz kündigte der Schweizer Radhersteller die limitierte Vorserie des Lightrider R32 Worldcup an. Nur 50 Exemplare werden zunächst produziert – für alle, die fahren wollen, was die Weltspitze fährt. Interessenten können sich ab sofort unter r32.thoemus.ch registrieren. CEO Thomas Binggeli: „Wir streben zusammen mit Partnern wie DT Swiss und Schwalbe danach, das schnellste und innovativste Bike zu entwickeln. Solche Projekte verkörpern unsere Philosophie."

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Größer, schneller, anders: 32-Zoll im Check

​Szene-Kenner sagen: “32 Zoll bleibt! Das ist keine Marketing-Strohfeuer, sondern eine Evolution wie vor Jahren 29 Zoll.” In den nächsten Tagen beginnt die Euro Bike Messe in Frankfurt. Spätestens da wird man sehen, an was die Hersteller rumlaborierten.

29 Zoll galt lange als das Maß aller Dinge im Mountainbike-Sport. Doch jetzt kommt die nächste Stufe: 32-Zoll-Laufräder sollen das Beste aus beiden Welten vereinen – die Agilität kleinerer Räder mit dem Überrollverhalten von Monstertracks. Das BIKE Magazin hat mehrere Modelle dieser neuen Spezies auf Herz und Nieren geprüft. Das Versprechen der Hersteller: mehr Tempo auf ruppigem Untergrund, besseres Durchkommen im Geröll, satterer Geradeauslauf. Klingt verlockend – aber stimmt's auch?

Speed-Monster auf der Geraden, Elefant in der Spitzkehre

Die Testfahrten brachten schnell Klarheit: Auf schnellen, flowigen Trails entfalten die XXL-Räder ihre ganze Magie. Die Laufruhe ist beeindruckend, der Geschwindigkeitsvorteil spürbar, das Überrollverhalten von Wurzeln und Steinen nahezu mühelos. Doch sobald es eng wird, zeigt sich die Kehrseite: In technischen Passagen mit vielen Richtungswechseln fühlen sich die 32-Zoller sperrig an. Enge Spitzkehren? Verkniffene Waldpassagen? Hier spielen die etablierten 29-Zoll-Bikes ihre Wendigkeit aus.

Schwerpunkt verschoben – Fahrtechnik neu gedacht

Die vergrößerten Laufräder verändern die Physik des Bikes fundamental. Der höhere Schwerpunkt verschiebt die Gewichtsverteilung, was gerade in Kurven und bei Lastwechseln spürbar wird. Wer vom 29er umsteigt, muss seine Fahrtechnik anpassen – Körperposition, Timing und Bewegungsabläufe wollen neu gelernt sein. Die Tester berichten von einer Eingewöhnungsphase, die durchaus Geduld erfordert.

Spezialist statt Allrounder – wer braucht wirklich 32 Zoll?

Nach intensiven Testfahrten auf unterschiedlichstem Terrain lautet das Fazit: Die 32-Zoll-Laufräder sind kein Universaltalent, sondern ein hochspezialisiertes Werkzeug. Für Marathon-Racer auf schnellen Strecken, für Cross-Country-Profis, die jede Sekunde rausholen wollen – hier macht das Mehr an Laufradgröße Sinn. Doch der Allround-Biker, der technische Trails liebt und Agilität schätzt, ist mit 29 Zoll besser bedient. Die Revolution? Eher eine Evolution für Spezialfälle.

Fazit: 32-Zoll-Mountainbikes erweitern das Spektrum, ersetzen aber nicht den bewährten Standard. Schnell ja, wendig nein – die Zukunft wird zeigen, ob sich die neue Dimension durchsetzt oder Nischenprodukt bleibt.

Wer ist Thömus?

Thomas Binggeli ist 50 Jahre alt und führt eine Schweizer Fahrradfirma im bernischen Oberried bei Bern. Die Gründungsgeschichte klingt nach Jugendstreich: Während seine Eltern in den Ferien waren, verkaufte der junge Binggeli kurzerhand die Schafe und richtete im Stall eine Bike-Werkstatt ein. Parallel baute er ein erstes Rennteam auf – die Vereinsfarbe Rot sollte zum Markenzeichen werden.

Den entscheidenden Schritt machte Binggeli 1998 mit der Lancierung seiner Eigenmarke «Thömus». Statt nur Fahrräder zu verkaufen, entwickelte er nun eigene Modelle – der Fokus lag auf Carbon-Mountainbikes. Die Branche beobachtete den Berner zunächst skeptisch, attestierte ihm später aber Innovationskraft. Aus dem Quereinsteiger war ein Marktteilnehmer geworden, mit dem zu rechnen war.

Mit dem Profi-Team «Thömus maxon Swiss Mountain Bike Racing» etablierte sich die Marke in der UCI Weltcup-Serie. Unter Teamchef Ralph Näf fuhr Mathias Flückiger zum Gesamtweltcupsieg und einer Olympiamedaille. Alessandra Keller gewann ebenfalls den Gesamtweltcup, Lars Forster holte mehrere Europameistertitel. Die Erfolge der Athleten machten Thömus zum erfolgreichsten Schweizer Radsport-Team der vergangenen Jahre – das Team gewann auch den Teamwettbewerb der Weltcup-Serie, in dem die führenden Bike-Hersteller gegeneinander antreten.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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