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Unter der Regie von Alan Hatherly bewies das Giant Anthem Advanced SL gleich zur Markteinführung, dass es das Zeug zum schnellsten Cross-Country-Bike der Welt hat. Nach den legendären Vorgängern des Yeti ASR lecken sich heute Mountainbike-Sammler die Finger. Doch die Neuinterpretation ist nicht für die Vitrine, sondern für die Rennstrecke gedacht. Mit je 9500 Euro Anschaffungspreis sind unsere Testbikes exakt gleich teuer und ziemlich exklusiv aufgebaut. In die Entwicklung ihrer Vorzeige-Bikes steckten beide Hersteller ihre ganze jahrzehntelange Erfahrung. Giant Anthem Advanced SL 0 oder Yeti ASR T3: Welches Konzept holt am meisten aus der XC- und Marathon-Disziplin?
Bewertung Spinnendiagramm: Uphill, Spieltrieb, Downhill bezieht sich auf das Fahrverhalten: Je größer der Ausschlag, desto besser die Eignung. Ausstattung: bezieht sich auf die Qualität der verbauten Anbauteile.
Bewertung Spinnendiagramm: Uphill, Spieltrieb, Downhill bezieht sich auf das Fahrverhalten: Je größer der Ausschlag, desto besser die Eignung. Ausstattung: bezieht sich auf die Qualität der verbauten Anbauteile.
Cross-Country-Racebikes sind längst keine filigranen Rennfeilen mehr. Auch Giant und Yeti haben ihre schnellen Fullys auf 120/120, beziehungsweise 120/115 Millimeter Federweg aufgeblasen. Lang-flache Geometrien und eine große Reifenfreiheit sprechen in beiden Lagern dieselbe moderne Sprache. Trotzdem gilt im Rennzirkus nach wie vor: leicht ist Trumpf. Deshalb setzen Giant und Yeti auf sogenannte Flex-Pivot-Hinterbauten, welche sich das Gewicht eines zusätzlichen Lagers sparen und im XC-Bereich inzwischen zum Standard gehören. Außerdem haben die Entwicklungsabteilungen beider Marken keine Mühen gescheut, um in der Carbon-Konstruktion der Rahmen jedes noch so bisschen überflüssiges Material wegzusparen. Giant setzt dafür in der Herstellung hochpräzise Robotik ein und stellt sogar das Prepreg-Ausgangsmaterial selbst her. Auch Yeti hat mithilfe moderner Analyse-Tools Optimierungspotential ausgemacht und hält den Rahmen selbst im Bereich der Drehpunkte extra schlank.
Race-Fullys gleichen sich heute optisch, wie mehrere Erbsen aus derselben Schote. Das Giant Anthem Advanced SL und das Yeti ASR stechen mit ihren extraleichten Rahmen hervor. - Hans Peter Ettenberger, BIKE-Testlabor
Mit 9499 Euro fürs Giant Anthem Advanced SL 0 und 9500 Euro fürs Yeti ASR T3 ist ein preislicher Unterschied zwischen den die Marathon-Bikes quasi nicht existent. Beim Gewichts-Ranking im BIKE-Testlabor kommt es zum Kopf-An-Kopf Rennen. 1597 Gramm wiegt der nackte Giant-Rahmen ohne Dämpfer, Steckachse und Steuersatz, 1596 Gramm das Pendant von Yeti. Nicht nur, dass die Kontrahenten ein einziges Gramm Rahmengewicht voneinander trennt, sie gehören auch zu den leichtesten Fahrgestellen ihrer Klasse. Trotz Sparkurs beim Gewicht wollen die Hersteller keine Kompromisse bei der Haltbarkeit eingehen und bieten beide eine lebenslange Garantie auf ihre teuren Bikes. Auch die Gewichts-Limits fallen erfreulich hoch aus. Keine Frage: Bei diesen Rahmen handelt es sich um perfektionierte Ingenieursleistungen. Dass das Komplettbike des Yeti ASR am Ende rund 600 Gramm mehr wiegt, als das Giant Anthem Advanced SL 0, liegt vor allem am höheren Gewicht der Alu-Laufräder und am konventionellen zweiteiligen Cockpit des Amerikaners.
Ein Racebike muss seinen Fahrer sicher, effizient und vor allem schnell ins Ziel bringen - da gibt es keinen Raum für Kompromisse. Außerdem muss es passen, wie ein Handschuh. Fürs Giant gilt das ganz besonders, denn durch den Knick im Sitzrohr fällt der effektive Sitzwinkel bei langem Stützenauszug flacher aus als die real gemessene Herstellerangabe. Um stets den perfekten Druck auf die Pedale bringen zu können, müssen Rennfahrer zwingend auf die perfekte Rahmengröße achten. Ansonsten gilt: Wo Racebike drauf steht, ist auch Racebike drin. Die Sitzposition wird zu großen Teilen durch das eigens entwickelte, 780 Millimeter breite Carbon-Cockpit bestimmt. Lang und flach spannt es den Piloten übers Bike. Ganz anders das Yeti. Dieses setzt auf eine kurz-schmale Steuerzentrale und besitzt eine sehr moderne, zentrale Sitzposition, welche sogar einem Trailbike gut stehen würde und auch an langen Tagen im Sattel noch Spaß macht.
An Traktion mangelt es keinem der Duellanten. Beide Bikes übertragen die Kraft des Fahrers in technischen Uphills gekonnt und kontrolliert ohne an Kanten wegzusacken. So können Racer bedenkenlos steile Trail-Rampen hochdrücken. Der Hinterbau des Yeti präsentiert sich dabei als herrlich antriebsneutral. Hier könnte man getrost auf den Lockout verzichten. Fürs Heck des Giant gilt das Gegenteil: Das Fahrwerk knautscht deutlich unter Krafteinwirkung. Kein Beinbruch, denn die dreistufige Dämpferplattform steht zur Beruhigung bereit. Am neuen Anthem ist sie obligatorisch.
Aber das Weltmeister-Bike hat ein anderes Ass im Ärmel, das es in eine Favoritenrolle für jedes Cross-Country-Podium bringt. Einmal angetippt zucken die leichten Carbon-Laufräder trotz 2,4 Zoll breiter Bereifung stürmisch nach vorne. So leichtfüßig, wie das Giant, gaben sich in den BIKE-Tests der letzten drei Jahre kaum noch 29er Fullys. Für harte Antritte auf der XC-Runde oder den Sprint zur Ziellinie ist das geringe Laufradgewicht ein Game-Changer. Das Bike lässt sich zackig nach vorne treiben ohne Dämpfungsgefühl, Kontrolle oder Steifigkeit vermissen zu lassen.
Als lupenreines Sportgerät trägt der Taiwanese natürlich auch ein Powermeter bei sich. Am Yeti ist ab Werk keine Wattmessung integriert. Die Funktion der Highend-Antriebe mit Funktsteuerung ist bei beiden Kontrahenten über jeden Zweifel erhaben. Eine Klasse träger geht es aber bei den Laufrädern des ASR zu. Die gröbere Maxxis-Reifen-Kombi liegt auf unterschiedlichsten Untergründen satt und sicher. Das passt zum entspannten Charakter des Kaliforniers. Es fehlt jedoch der giftig-gierige Vortrieb eines reinrassigen Wettkampf-Bikes.
Auch beim Handling meint es das Yeti ASR gut mit seinem Fahrer. Die neutrale Position im Rad ist wie gemacht für abwechslungsreiche Kurse und überfordert selbst in unbekanntem Gelände nie. Das Sicherheits-Plus der prominenten Reifen, und ein angenehmes Feedback im Fahrwerk animieren zu Spielereien. Wäre da nicht der knappe Federweg und der flach-schmale Lenker, könnte man glatt vergessen auf einer Cross-Country-Rakete zu reiten. Mit den zickigen Racebike-Diven früherer Tage hat das Yeti jedenfalls nur noch wenig gemein.
Spürbar umgänglicher als ein spitz konzipierter Rennwagen hat es das Zeug zum Traumbike für mehrtägige Stage-Races, Transalp-Projekte oder einfach nur den flotten Everyday-Ride. Fahrspaß hat prinzipiell auch das Giant zu bieten. Kurze Kettenstreben und drehfreudige Räder bestimmen die lebendig-reaktive Natur des Bikes. Agil fliegt es von Kurve zu Kurve, immer begleitet von einem aggressiven Freilauf-Sound. Mühelos lässt es sich über Hindernisse lupfen. Eingebremst wird der Spieltrieb höchstens durchs Race-Cockpit. Das Anthem verlangt eben nach einer erfahrenen Hand am Lenker.
Dass beide Bikes trotz Leichtbau-Rahmen viel aushalten müssen, zeigt nicht nur das lebenslange Garantieversprechen der Hersteller, sondern auch die Freigabe für 130-Millimeter-Gabeln. Das Anthem lässt sich mit längerem Federbein auf einen 130er Hinterbau aufmotzen. In der Dämpferaufnahme sitzt zudem ein Flip-Chip, der das Bike bei Bedarf um ein halbes Grad steiler macht. Das ASR belässt es in der optionalen Trail-Version bei 115 Millimetern Hub im Heck. Dafür ist der Rahmen vorbildlich mit Protektoren geschützt und Schrauber freuen sich über die klassische Zugverlegung.
Beide Kontrahenten tragen entsprechend ihres Highend-Preises ein Highend-Fahrwerk von Rockshox bei sich und profitieren im Vergleich zu ihren Vorgängern von neuen Reserven. In der Abfahrt macht das Yeti allerdings kein Geheimnis aus seinem etwas knapperen Hub. Der Hinterbau arbeitet definiert aber straff, wie von einem athletischen Bike gewohnt. So bleibt der Pilot zwar niemals im Unklaren, auf welcher Wurzel das Rad gerade platziert ist, kann präzise Linien wählen und aggressiv am Gas hängen, ein Komfort-Wunder darf man sich aber nicht erhoffen. Die ausbalancierte Geometrie mit einem flachen Lenkwinkel verschiebt derweil die Grenzen des Fahrbaren. Fahrtechnisch fitte Abfahrer können mit dem ASR jede Herausforderung knacken.
Mehr Rafinesse liefert im Direktvergleich der Hinterbau des Giant. Dieser blüht im Downhill regelrecht auf und holt erstaunlich viel aus den 120 Millimetern Federweg heraus. Gleichzeitig sensibel und kontrolliert saugt der Hinterbau Unebenheiten auf. So fühlt sich das Fahrwerk nach deutlich mehr Knautschzone an und animiert dazu Vollgas ins Steinfeld reinzuhalten. Trotz leichtem Gewicht ist das Anthem aber kein filigranes Skalpell, sondern liegt auf dem Kurs, wie ein Brett. Bei schlammigen Bedingungen auf dem Test-Track sorgte die geringe Profiltiefe der Aspen-Reifen zwar für die ein oder andere Schrecksekunde, die lang-flache Geometrie bietet hat aber die nötigen Reserven in petto, um die Highspeed-Linie zu halten.
Effizient und schnell kann der Fahrer ohne Bedenken Richtung Tal schießen - ein beeindruckendes Statement an die Potenz moderner Cross-Country-Mountainbikes. Auch hier die einzige Voraussetzung, um das volle Potential des Giants freizuschalten: Ein Pilot, der mit der breit-tiefen Fahrposition umzugehen weiß. Auf den dicken HS2-Scheiben am Anthem liefern die Sram Motive Bremsen eine angemessene Verzögerungsleistung. Vom Auslaufmodell Level an unserem Yeti-Testbike kann man das leider nicht behaupten. Auch hier haben die Produktmanager aber bereits nachgebessert und liefern das ASR 2026 ebenfalls mit Motives aus.
Spielfreude und ein breiter Kompetenzbereich sprechen fürs Yeti. Gut so, denn schließlich bewegen auch Racer ihr Arbeitsgerät nicht jeden Tag am Limit zwischen den Flatterbändern. Der teure Amischlitten löst unweigerlich Haben-Will-Reflexe aus. Seine vielseitigen Stärken prädestinieren das ASR für den Marathon-Einsatz oder einen spaßigen Downcountry-Aufbau. Der Konkurrent aus Taiwan bietet mehr fürs Geld und zeigt im Test klare Kante: Das Giant Anthem Advanced SL ist ein lupenreines Racebike mit den nötigen Fahrwerksreserven für moderne Cross-Country-Kurse. Oder anders gesagt: Der perfekte Fit für die Jagd nach dem Weltmeistertitel.
| Kategorie: Marathon-Bikes | Gewichtung | Note Giant | Note Yeti |
| Uphill Fahrverhalten | 15% | 2,0 | 2,3 |
| Uphill Effizienz Fahrwerk | 15% | 3,3 | 2,0 |
| Spieltrieb | 8% | 2,5 | 1,5 |
| Downhill Fahrverhalten | 12% | 2,3 | 2,0 |
| Downhill Fahrwerk | 15% | 1,5 | 2,8 |
| Note Fahrverhalten | 65% | 2,3 | 2,2 |
| Gewicht | 6% | 1,3 | 1,8 |
| Trägheit Laufräder | 4% | 2,0 | 2,5 |
| Note Labor | 10% | 1,6 | 2,1 |
| Ausstattungsqualität | 5% | 0,9 | 1,3 |
| Usability / Mehrwert | 5% | 2,5 | 3,3 |
| Transportvolumen Flaschenhalter | 5% | 0,5 | 1,0 |
| Versenkbarkeit Sattel | 5% | 1,5 | 1,0 |
| Qualität / Verarbeitung | 5% | 0,5 | 0,5 |
| Note Ausstattung | 25% | 1,2 | 1,4 |
| Gesamtnote | 100% | 1,9 | 2,0 |
Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. Notenspektrum: 0,5-5,5 (analog zum Schulnotensystem).
So eng, wie das Giant Advanced SL und das Yeti ASR auf dem Papier beieinander liegen, so klein ist der Abstand im Endergebnis. Dabei stecken in ihnen grundlegend unterschiedliche Charaktere. Das Yeti ist das vielseitigere Bike und ein spaßig-potenter Begleiter auf abwechslungsreichen Strecken, wie etwa bei Stage-Races. Das Giant jedoch ist das konsequentere Race-Bike und ein Ass im schnellen Cross-Country-Sprint. Deshalb geht der Testsieg nach Punkten hauchknapp ans Weltmeister-Bike aus Taiwan.
BIKE-Redakteur Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.
Im Startblock konkurrieren Giant Anthem Advanced SL und Yeti ASR mit anderen brandheißen Racebikes. Wir setzen unsere Testerfahrung deshalb in Relation zu den Raketen von Cannondale und Specialized.
Das Cannondale mit der eigenwilligen Silhouette hat seine Stärken weder beim Rahmen- noch beim Laufradgewicht. Trotz Carbonfelgen tragen die Räder beim etwas günstigeren Modell 1 dick auf. Im Sprint liegt das Scalpel deshalb auf Augenhöhe mit dem Yeti aber hinter dem Giant. Mit einer bärenstarken Performance blieb die Cannondale Lefty-Ocho-Federgabel unseren Testern gut im Gedächtnis. Gepaart mit einer lang-flachen Geometrie und breiten Reifen macht sie das Bike zu einem der potentesten Abfahrer seiner Klasse, obwohl der Hinterbau des Giant nochmal mehr Reserven vermittelt.
Kein anderes Bike gewann vergangenes Jahr mehr Worldcup-Rennen als das Epic. In der sündhaft teuren S-Works-Variante setzt das Bike Benchmarks. In der Geometrietabelle zeigen sich viele Ähnlichkeiten zu Giant und Yeti. Das Specialized wurde beim Reach aber noch progressiver gezeichnet. Im Renneinsatz ist ihm das Giant hart auf den Fersen. Dessen Hinterbau vermittelt ein My mehr Reserven, dafür lassen sich auf dem Epic bergab die Geschwindigkeits-Grenzen besser ausloten. Beim Fahrspaß auf dem Trail können sich Specialized und Yeti das Wasser reichen.

Redakteur